Hellblade: Senua´s Sacrifice Review

PC PlayStation 4

 

   

Wie sieht es eigentlich in dem Verstand eines Menschen aus, der von einer schweren Psychose betroffen ist und in dem ein regelrechter Sturm an Illusionen und falschen Sinneseindrücken tobt? Dieser Frage gingen die Entwickler bei Ninja Theory nach und zeigen es uns an Hand des storygetriebenen Rollenspiels Hellblade: Senua´s Sacrifice. Wir haben uns mit der Titelheldin auf ihren beschwerlichen Weg durch die Wikingerhölle gemacht.

Die Liste an Spielen die das englische Entwicklungsstudio Ninja Theory, mit Sitz in Cambridge entwickelt hat, ist zwar sehr übersichtlich, aber hier finden sich bekannte Namen wie Heavenly Sword, Enslaved: Odyssey to the West oder auch das letzte Devil May Cry. Mit Hellblade: Senua´s Sacrifice wollte sich das kleine Team zuletzt einer neuen Herausforderung stellen und den Spielern ein noch nie dagewesenes Spielerlebnis bieten. Das Hauptaugenmerk lag hierbei auf dem Charakter Senua, eine keltische Kriegerin die an einer Psychose leidet, hervorgerufen durch ein schweres Trauma durch den Tod ihres Mannes Dillion. Dieser wurde auf brutalste Weise dem Gott Hela geopfert und nun will Senua nichts anderes als ihren Mann wieder zurück ins Leben zu holen und auf ihrem Weg den Göttern selbst entgegentreten.

In Hellblade ist nicht alles so wie es auf den ersten Blick scheint. Senua´s Welt und alles was sich darin befindet, gestaltet sich aus den brutalen Illusionen und Erinnerungen, begleitet von den vielen Stimmen in ihrem Kopf die sie auf Schritt und Tritt begleiten. Das soll uns allen voran einen tiefen Einblick in die verdrehte Psyche der Protagonistin werfen lassen und in die erschreckenden Abgründe ihrer zermarterten Seele. Um diese Elemente so authentisch wie möglich zu projizieren, holten sich die Entwickler Hilfe von Verhaltensforschern und verschiedenen Experten für psychologische Erkrankungen. Dank deren Unterstützung wirkt alles was wir sehen und hören wie eine Reise ins Innere eines krankhaften Bewusstseins und spiegelt sich zu guter Letzt in den erdrückenden Reaktionen Senuas wieder, welche von Melina Juergens gespielt wird, die etliche Stunden im MotionCapturing-Studio gestanden hat und der Hauptcharakterin sowohl Gesicht als auch ihre Stimme geliehen hat.

Screenshot_01-1024x576-300x169  Hellblade: Senua´s Sacrifice Review Hellblade_PhotoMode_04-1024x576-300x169  Hellblade: Senua´s Sacrifice Review

So entstanden aber nicht nur ein paar Animationen, sondern sämtliche Sequenzen im Spiel wurden live gedreht und ins Spiel übertragen und es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, dass sowohl die technische Umsetzung als auch die schauspielerische Leistung hier ihresgleichen sucht. Manch eine Zwischensequenz ist dermaßen gut inszeniert, dass man wahrlich Mitleid mit Senua bekommt, die hier ihre persönliche Hölle durchlebt. Nur wenige Spiele schaffen es so gut tiefgreifende Gefühle, ja selbst Ängste und Wahnvorstellungen so gut ins Szene zu setzen, dass selbst der Zuschauer weiche Knie bekommt.

Spielerisch erinnerte Hellblade mich sehr an Dark Souls, zumindest in groben Zügen, doch darauf gehe ich gleich noch genauer ein. In bekannter RPG-Tradition steuern wir unsere Kriegerin, vorzugsweise mit dem Gamepad, durch die wunderschön gestaltete Spielwelt, die dank Unreal Engine 4 tolle Ausblicke und beeindruckende Effekte liefert. Vor allem das Charakterdesign ist den Entwicklern gut gelungen und wirkt sehr authentisch. Die Spielwelt selbst ist hier nicht offen, sondern wir folgen einem abgesteckten Levelpfad, der durch das Design aber nur selten beengend wirkt. Nur in manchen Kämpfen hätten wir uns etwas mehr Platz gewünscht.

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Abgesehen von einigen Runensteinen die uns viel über die Welt und Mythologie der Wikinger verraten und immer wieder vorkommenden Rätselpassagen gibt es hier kaum etwas zu erkunden. Gamer die gerne riesige Spielwelten erkunden, werden hier wohl nicht glücklich. Bei den vielen Rätseln die wir im Spielverlauf antreffen, müssen wir entweder Runen in unserer Umwelt entdecken um Durchgänge zu öffnen, oder mit Illusionen spielen damit sich Teile der Spielwelt zusammensetzen. So müssen etwa Brücken zusammengesetzt werden, um Abgründe zu überwinden. Die Rätsel sind clever ins Spielgeschehen integriert und stellten uns nur selten vor scheinbar unlösbare Aufgaben. Oft hilft es auch auf seine inneren Stimmen (!) zu hören. Diese sind nicht nur als akustische Untermalung von Senua´s Psychose implementiert, sondern helfen uns auch des öfteren wenn sich beispielsweise Gegner von hinten an uns heranpirschen. Spitzt also immer gut eure Ohren.

Abseits der wenig Gehirnschmalz erfordernden Aufgaben, gibt es selbstverständlich auch zahlreiche Kämpfe zu bestreiten. Doch es warten nicht an jeder Ecke Feinde auf uns, die wir schon von Weitem erblicken können. In kleinen abgesteckten Bereichen werden wir von Projektionen von Senua´s Ängsten heimgesucht, welche sich als gefährliche Widersacher manifestieren die es mit dem Schwert niederzustrecken gilt. In den Kämpfen heißt es stets Ruhe bewahren, beobachten und um Gotteswillen nicht wild drauf los prügeln! Wer bereits Erfahrungen in Spielen wie etwa Dark Souls oder Lords of the Fallen gesammelt hat, genießt hier einen kleinen Vorteil und weiß wie wichtig besonnenes und kluges Vorgehen ist. Wie in den eben erwähnten Spielen, verfügt auch in Hellblade jeder Gegner und Boss über unterschiedliche Angriffe, sowohl von nahem als auch aus der Ferne. Die Gegnertypen variieren aber leider nicht allzu sehr und schon nach kurzer Zeit hat man alle gesehen.

Senua selbst hat drei Angriffe in Repertoire. Ein schneller Hieb, ein schwerer Schlag und ein knackiger Fußtritt der den Gegner aus dem Gleichgewicht bringt. Mehrere Schläge lassen sich zudem sehr gut miteinander zu einer langen Attacke kombinieren. Doch sollte man hierbei aufpassen das kein umstehender Gegner einem in die Parade fährt. Über die Blockentaste können wir normale Schläge abwehren oder mit etwas Timing einen Konterschlag ausführen, der den Gegner zurückstößt und uns die Möglichkeit eröffnet ihm mächtig eins aufs Brett zu zimmern. Bei den ersten Kämpfen im Spiel lässt sich das hervorragend üben. Wer mit dem Blocken bzw. Kontern anfangs noch Schwierigkeiten hat, der kann sich auch einfach mit einer Hechtrolle vor den Angriffen der Gegner schützen. In den meisten Fällen führt auch das zum Erfolg.

HellbladeGame-Win64-Shipping-2017-08-16-16-41-43-78-300x169  Hellblade: Senua´s Sacrifice Review HellbladeGame-Win64-Shipping-2017-08-16-16-27-28-52-300x169  Hellblade: Senua´s Sacrifice Review HellbladeGame-Win64-Shipping-2017-08-16-16-40-23-72-300x169  Hellblade: Senua´s Sacrifice Review

Durch geschickte Angriffe oder Konter lässt zudem sich Fokusenergie generieren, die wir nutzen können um schemenhafte Gegner anzugreifen und die Zeit etwas langsamer laufen zu lassen. In diesem Moment können wir selbst den dicksten Gegnern ordentlich Saures geben und auch großen Bossen zusetzen. Doch natürlich kommt es vor, dass uns auch die Gegner mal überrollen und mit ihren Angriffen ins Wanken bringen und hier wird es dann richtig spannend.

Unsere keltische Kriegerin hält nämlich nur wenige Treffer aus bis sie endgültig am Boden liegt und das sollte man auf jeden Fall vermeiden. Relativ zu Anfang des Spiels wird Senua mit einer Fäulnis verflucht, die an ihrem rechten Arm wuchert. Bei jedem Scheitern im Spiel, wächst diese weiter und hat sie erst den Kopf von Senua erreicht, ist das Spiel aus und das sprichwörtlich! Euer gesamter Spielfortschritt wird nämlich gelöscht, wenn ihr zu oft sterbt und ihr müsst ganz von vorn anfangen. Dieses Permadeath-Feature gefiel einigen Spielern schon vor Release nicht sonderlich und war für viele wohl ein Grund es daher nicht zu kaufen.

Wir finden aber das gerade dieses Feature eines der treibenden Kräfte ist, die das Spiel zu dem machen was es ist. Die ständige Gefahr auf der gefährlichen Reise zu scheitern, überträgt sich so vom Charakter auf den Spieler selbst und erzeugt so eine noch engere Bindung zwischen den beiden. Ich gebe zu das ich des öfteren vor dem Bildschirm ebenso gelitten habe wie unsere Titelheldin und es fiel mir schwer am Ende des Spiels Abschied von Senua zu nehmen (kein Spoiler).

Ein weiterer Aspekt der vielen Spielern negativ ins Auge stechen könnte, ist die recht kurze Spielzeit von knapp 9 Stunden, je nach persönlichem Spielstil. Positiv hervorzuheben ist aber, dass diese Spielzeit vollgepackt ist mit bester Unterhaltung ohne je Langeweile hervorzurufen. Zudem muss man nur wenige Spielstunden wiederholen, sollte man doch einmal dem Permadeath erliegen. Ein Trostpflaster ist ebenfalls der geringe Preis, denn Hellblade kostet nur knapp 30€. Hellblade: Senua´s Sacrifice ist kein künstlich aufgepumptes Triple-A Spiel und erst recht kein Hack&Slay wie es sie zu dutzenden auf dem Markt gibt, sondern ein dramatisch gut inszenierter Indie-Titel der den Schwerpunkt auf Storytelling legt und mit einem einzigartigen Charakter aufwartet. Wir sind auf jeden Fall begeistert und finden das der Preis für das Spiel mehr als gerecht ist.

Fazit:

award_hellblade_08-2017  Hellblade: Senua´s Sacrifice ReviewHellblade: Senua´s Sacrifice lässt mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Zum einen hat mich die Geschichte rund um die gepeinigte Kriegerin von Anfang bis Ende gefesselt und die optische sowie akustische Gestaltung trugen ihren Teil zur mehr als grandiosen Atmosphäre bei. Die Präsentation der Geschichte und der mentalen Manifestationen von Senua´s Psychose ist den Entwicklern hervorragend gelungen und sie haben es geschafft einen authentischen Charakter zu kreieren, mit dem man gerne noch etwas mehr Zeit verbracht hätte, denn ich war schon etwas traurig als das Spiel vorbei war. Darüber hinaus hat mich das schauspielerische Talent von Melina Juergens, alias Senua, schwer beeindruckt. Allein das ist schon den ohnehin geringen Spielpreis wert.

Wem der Preis von 30€ für die recht kurze Spielzeit von 9 Stunden dennoch zu viel erscheint, der kann gerne auf den nächsten Steam Sale oder ähnliches warten. Allen anderen können wir dieses Spiel nur ans Herz legen, denn so eine Spielerfahrung wie hier, macht man in der heutigen Spielelandschaft nur selten.

Hellblade: Senua´s Sacrifice ist für PC und PlayStation 4 erschienen. Unser Test basiert auf der PC-Fassung.

Good

  • Fesselndes Spieldesign
  • Senuas Psychose ist erschreckend gut inszeniert
  • Erstklassiges Storytelling
  • Sehr gute grafische Gestaltung
  • Spitzen Sounddesign
  • Stimmungsvoller Soundtrack
  • Permadeath bringt enge Bindung an den Charakter
  • Kurze aber gut gefüllte Spielzeit
  • Rätselpassagen fügen sich gut ins Spiel ein
  • Eingängiges Kampfsystem

Bad

  • Nur sehr wenige Gegnertypen
  • Permadeath nicht für jedermann attraktiv
  • Manche Bosskämpfe etwas undurchsichtig
9

Großartig

Shooter-Urgestein, Let´s Player und Twitch-Streamer, Abgedreht und doch freundlich

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