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Hard West Review

Gespenstergeschichten im Wilden Westen erfreuen sich nicht erst seit Red Dead Redemptions Undead Nightmare großer Beliebtheit. Durch Legendenbildung und Erzählungen hat sich eine ganze Mythologie um den Geist des Alten Westens gebildet. Hard West, ein Kickstarter-Titel von CreativeForge Gamers und Gambitous Digital Entertainment, greift jene Legenden auf und transferiert sie in ein rundenbasiertes Strategiespiel. Lest unseren Test!

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Desperado

Dadurch, dass Hard West mehr als nur eine Legende des Westens erzählt, hat man nicht wirklich eine feste Geschichte der man folgt. Stattdessen wird in mehreren Szenarien für einzelne Charaktere eigene Geschichten erzählt, die wiederum auf folgenden Missionen für andere aufbauen. Zu Beginn spielt man Warren, der mit seinen Eltern auf dem Oregon Trail in Richtung Westen unterwegs ist. Doch seine Mutter wird von Banditen entführt und den Befreiungsversuch seines Vaters bezahlt sie mit dem Leben. Gestrandet im Nirgendwo, müssen Warren und sein Vater mit einer Minenlizenz genug Gold anhäufen, um ihren Weg nach Westen fortzusetzen, müssen sich aber mit den Gefahren der Gegend, wie einem mexikanischen Gangsterboss, beschäftigen.

Ausgehend von dieser Geschichte spalten sich weitere Pfade auf. In einem muss man dem Wissenschaftler Solomon DeLear helfen, die Hintergründe einer mysteriösen Krankheit aufzuklären. Ohne es zu ahnen, hat DeLear außerdem den dunklen Inquisitor Cervantes auf den Fersen, der alles andere als ein Mann Gottes ist. Ein weiterer Pfad beschäftigt sich weiter mit Warren, der seinen Rachefeldzug fortsetzt – wenn nötig auch mit dämonischen Mitteln. Und über allen Pfaden wacht der Teufel höchst selbst in der Gestalt eines Poker spielenden Ehrenmannes. Im Grundspiel enthalten sind acht verschiedene Szenarien, jedes davon mit einer Handvoll Missionen. Erzählt wird die Geschichte vom Tod, der hier die Form eines Bestatters angenommen hat. Seine Stimme ist immer präsent und nimmt die Position des Taktgebers ein. Anderen gesprochenen Dialog gibt es nicht, wenn man mal von der kürzlich veröffentlichten Erweiterung „Scars of Freedom“ absieht. Denn dieser – von der Hauptkampagne unabhängige – Teil um die ehemalige Sklavin Libertee und den dunklen Arzt Dr. Gorman wird von mehreren Charakteren erzählt, die die Ereignisse rekapitulieren, wie Gorman ihr einstmals menschliche Organanpassungen gegeben hat.

„Moment, ich dachte, dies sei der Wilde Westen?“, werden jetzt so manche fragen. Hard West geht in dieser Hinsicht doch noch einen Schritt weiter: Sehr viel mehr Fokus wird gelegt auf verrückte Experimente, Mythologie, Horror und sogar die ein oder andere Referenz an Steampunk. Daher ist es eher eine Fantasie des Wilden Westens als eine historisch akkurate Version.

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Eins zu wenig? Eher zwei zu viel

Hard West gliedert seine Szenarien in ein taktisches Kampfsystem und eine Übersichtskarte. Auf der Karte steuert man einen großen Bullenschädel über verschiedene Orte mit denen man interagieren kann. Manche davon sind Händler, in denen man frische Ausrüstung und Gegenstände kaufen kann, manche zwingen zu einer Entscheidung, die entweder gut oder schlecht für einen ausgehen können. So kann man wertvolle Helfer für seine Missionen rekrutieren oder sich bestimmte Ziele etwas einfacher machen. Schön ist auch: All das ist optional und muss nicht zwingend angegangen werden, denn wer möchte, kann auch einfach zum nächsten Zielgebiet marschieren und der Hauptgeschichte nachgehen.

Taktische Kämpfe sind das Herzstück von Hard West. Bevor man sich in eines hineinstürzt, ist allerdings Vorbereitung angebracht. Jeder Charakter ist ausgestattet mit bis zu zwei Hauptwaffen. Schon hier ist die Auswahl enorm: Neben verschiedenen echten Waffen gibt Hard West auch Freiraum für ausgefallene Dinge wie Gatlinggewehre oder veraltete Musketen. Dabei haben verschiedene Waffen auch einzigartige Effekte, wie z.B. Pistolen, mit denen man auf Metallobjekte zielen kann, damit die Kugel an ihnen abprallt und einen Gegner um die Ecke treffen kann oder Schrotflinten, die alle Gegner in einem kegelförmigen Bereich treffen. Daneben kann auch zwei benutzbare Gegenstände mitnehmen und ein Kleidungsstück anlegen, das zusätzliche passive Boni gewährt. Doch damit nicht genug: Für weitere Boni muss man eine richtige gute Hand ausspielen und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nach jeder Mission schaltet man zusätzliche Spielkarten frei, mit denen man seine Hand aufbessert. Pokerkombinationen schalten dabei noch mehr Extras frei. Z.B. zählt ein Full House deutlich mehr als ein Paar oder sogar ein Dreierpaar. Mit Jokern kriegt man sogar ein eigentlich illegales Fünferpaar zustande.

Im Kampfszenario steuert man anschließend seine Charaktere der Reihe nach durch das Areal. Wichtiger als alles andere in Hard West ist ausreichender Schutz vor Kugeln. Daher sollte man sich den Wänden nach vorarbeiten und dabei immer ein Hindernis zwischen sich und seinen Gegnern lassen. Wer offen herumsteht, kriegt schon bald ein paar Löcher in die Weste geschossen. Waffen haben grundsätzlich unendlich viel Munition, müssen aber in bestimmten Abständen nachgeladen werden. Es gibt ein paar optionale Ziele und je nach Schwierigkeitsgrad können Charaktere sich bei zu starken Verletzungen auch Krankheiten einfangen, die ihre Leistungsfähigkeit einschränken, aber sich später in positive Effekte umwandeln, mit denen sie zu besseren Kämpfern werden. Relativ simpel sind die Ziele: Töte alles hier, komme von A nach B da – keine großen Überraschungen. Interessanter hingegen ist die Glücksmechanik. Glück wird generiert, wenn man getroffen wird und kann anschließend Treffer je nach Chance verhindern, was wiederum Glück kostet. Man kann sein Glück aber auch investieren in sehr mächtige Fähigkeiten wie Schattentötungen wenn man sich seines Wohlergehens sicher ist.

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Der Code des Westens

Vor allem mit seiner sehr schönen Präsentation besticht Hard West. Mit dem Soundtrack im besonderen kommt ein schönes Western-Flair auf. Grafisch ist es okay, lässt aber den PC ordentlich arbeiten, besonders in den größeren Levels, wo ich massive Probleme mit schlechter Performance und Screentearing hatte. Das legte sich etwas, nachdem ich die eigentlich empfohlenen höchsten Einstellungen auf Hoch bis Mittel heruntergeschraubt hatte.

Wer will kann auch einen Controller benutzen, aber Tastatur uns Maus halte ich für mehr als ausreichend, auch wenn die Maussteuerung nicht immer intuitiv ist. Auf einen Mehrspieler-Modus muss man verzichten. Allerdings war der auch als Stretchgoal für die Kickstarter-Kampagne gedacht, das am Ende jedoch unerreicht blieb.

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FAZIT: Für Pistoleros und Gringos gleichermaßen.

Hard West ist ein exklusiver PC-Titel und auch auf Mac und Linux spielbar.

Summary
Hard West hat mit Jagged Alliance mehr gemeinsam als mit XCOM. Aber das muss nichts heißen, ist Jagged Alliance doch ein großer Klassiker seines Genres. Vor allem lebt es von seiner sehr guten Atmosphäre und der Liebe zum Detail. Inhaltlich kann man hoffentlich noch einiges erwarten, jetzt wo die erste Erweiterung erschienen ist, die glücklicherweise auch schon jede Menge neue Inhalte bot.
Good
  • Tolle Western-Atmosphäre
  • Gute Musik
  • Ausgefallene Ideen im Spieldesign
  • Auch für Einsteiger gut geeignet
Bad
  • Die Geschichten selbst sind etwas eintönig
  • Keine Mehrspieler-Optionen
8
Sehr gut
Written by
Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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