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Hand of Fate im Test

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt

Nur zwei Leute nehmen an diesem Kartenspiel teil: Man selbst sowie ein mysteriöser vermummter Mann der einem gegenüber sitzt und sich selbst nur als „der Geber“ bezeichnet. Was folgt liegt teils in der Hand des Spielers, aber auch seines Gegners. Eine kleine goldene Spielfigur repräsentiert den Spieler auf seinem Weg zum Boss. Dieser wird vom Geber zu Beginn der Partie festgelegt, aber der Weg zu ihm bleibt dem Zufall überlassen.

Hand of Fate teilt sich in zwei Modi auf: Einen Story- und einen Endlos-Modus. Letzterer war zum Zeitpunkt meiner Vorschau im Juli noch nicht implementiert und kam inzwischen neu hinzu. Im Story-Modus hat man eine vorgegebene Reihenfolge aus Gegnern: Bube, Dame und König verschiedener Monsterkategorien müssen nacheinander bezwungen werden. Nach jeweils 3 erfolgreichen Partien schaltet der Geber eine Belohnung frei, womit darauffolgende Spieler etwas zugänglicher werden – gleichzeitig aber auch die Herausforderung anheben, da sie auch die normalen Gegner schneller und besser machen. Außerdem können einmal besiegte Bosse ab dann auch als reguläre Gegner erscheinen.

Sowohl Spieler als auch Geber legen sich die Karten zurecht. Der Spieler wählt aus einem immer größer werdenden Deck Ausrüstung und Begegnungen aus mit denen er im Laufe der Partie konfrontiert werden möchte. Ausrüstungsstücke aus dem Deck können dann in Läden gekauft oder durch bestimmte Ereignisse frei gespielt werden. Doch auch der Kartenleger mischt einige Begegnungen hinein, die nicht vermieden werden können, bis man den dazugehörigen Boss besiegt hat. Aber er ist auch ein fairer Mann und mischt zudem einige hilfreiche Karten ins Deck – unter der Voraussetzung, dass man dafür eine von ihm bestimmte Regeländerung akzeptiert, z.B. geringeres Tempo, stärkerer Angriff für sich und Gegner oder schwerere Chancen, eine Erfolgskarte zu ziehen bei Entscheidungen.

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Volles Haus

Und so geht es dann los: Man setzt seine Figur von einer Karte auf die nächste. Hinter jeder kann sich etwas verbergen: Vielleicht eine Begegnung mit einem als alter Mann verkleidetem Kobold, ein Handelsposten, der zum Tausch für Gold Ausrüstung anbietet, eine finstere Höhle, in der man gegen Monster kämpfen muss oder ein Labyrinth, in dem man auf dem Weg zu einem Schatz tödlichen Fallen ausweicht. Das sind nur kleine Beispiele aus den Hunderten von Karten, die Hand of Fate Leben einhauchen. Viele davon haben auch Zufallselemente, die sich sowohl für als auch gegen den Spieler richten können. Das gibt den Karten durchaus Wiederspielwert, denn erst nach einigen Versuchen wird man feststellen, welche Karten sich wirklich lohnen. Nebenbei muss man seine Gesundheit, seine Vorräte und sein Gold im Auge behalten. Jeder Schritt auf dem Spielfeld kostet Vorräte und man wird dadurch auch etwas geheilt. Sollten sie aber mal ausgehen, kostet jeder Schritt Gesundheit, was auch zum Tode führen kann. Deswegen lohnt es sich in Läden anzuhalten und frische Vorräte zu kaufen, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

Kommt es zum Kampf, wechselt die Perspektive und man findet sich in einer Art Kampfarena wieder. Alle Karten, die man zu diesem Zeitpunkt hat, erwachen darauf zum Leben und der Charakter legt sie als Ausrüstung an. Auch die Gegner werden lebendig und stellen sich dem Spieler im Echtzeitkampf. Wer mit dem Kampfsystem aus den Arkhamverse-Spielen mit Batman oder Mordors Schatten vertraut ist, findet sich schnell zurecht. Angriffe können mit Schilden gekontert und Projektile zurückgeworfen werden. Außerdem kann man Waffenspezialangriffe und Zauber im Kampf verwenden, um es sich etwas einfacher zu machen. Oftmals sind die Arenen gespickt mit Fallen, die man vermeiden sollte, aber die auch Gegnern Schaden zufügen, wenn man sie hineinlocken kann. Das gibt der Bewegung im Kampf eine größere Bedeutung, aber leider spielt die Kamera nicht immer mit. Oftmals ist sie zu nah am Geschehen und kann ärgerlicherweise auch von Objekten im Vordergrund blockiert werden. So stehen manche Gegner manchmal nur einen Meter neben einem und man merkt es erst, wenn er angreift und einen verletzt.

Stirbt man im Kampf oder auf dem Spielfeld durch Verhungern, ist das Spiel vorbei und man beginnt ganz von vorne. Doch das muss nicht immer bedeuten, dass man mit leeren Händen nachhause geht. Manche Karten sind mit einem goldenen Symbol gekennzeichnet und wenn man ihre Voraussetzung richtig abschließt, erhält man vom Kartengeber eine Marke, die wiederum neue Karten für das Deck frei schaltet. Ähnlich läuft es im Endlos-Modus ab, nur das man hier am Ende außerdem eine Punktzahl erhält, je nachdem wie viel man gesammelt und wie weit man gekommen ist. Da das Spiel über Leaderboards verfügt lohnt sich eine Partie immer wieder mal. Das Problem mit Hand of Fate: Selbst eine große Zahl von Karten ist begrenzt und so macht sich nach gewisser Zeit eine gewisse Eintönigkeit breit. Noch dazu wird das Spiel in späteren Stellen recht anspruchsvoll und mehr als einmal kann ein falscher Kartenzug zu massivem Frust führen, wenn man mit einem Schlag einfach so Dinge verliert. Es lohnt sich daher besser in kurzen Spieletappen.

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So hat es auszusehen

Defiant Development wechselte auf technischer Ebene einiges aus. Z.B. läuft Hand of Fate mit einer neuen Version der Unity-Engine im Vergleich zur Early Access-Phase, die auch auf meinem PC viel besser läuft. Trotzdem kommt es gerade bei der Animation der Karten zu teilweisen Framerate-Einbrüchen. Abstürze und Glitches habe ich allerdings keine erlebt. Auch ganz neu ist der Soundtrack, der jetzt für einen durchaus ominöse und geheimnisvolle Atmosphäre sorgt. Und auch Anthony Skordi, der Sprecher des Gebers, von dem ich einst sagte, dass er zu wenig zum Einsatz kommen würde, ist jetzt sehr viel gesprächiger und bekommt durch seine hämischen Kommentare auch eine gewisse Persönlichkeit.

Zwar sind die Soundeffekte im Kampf nicht wirklich aufregend und teilweise sogar irritierend (wie im Fall der Skelette. Was um alles in der Welt ist dieses Gekrächze?), aber das tut dem Gesamtbild keinen Abbruch. Zur Steuerung empfiehlt sich allerdings ein Controller. Zwar ist das Kämpfen auch mit Maus und Tastatur zu bewerkstelligen, aber das Zaubern gerät damit ein wenig umständlich.

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FAZIT: Nicht einfach nur eine Fantasywelt für Kartenfreunde

Getestet wurde die PC-Version auf Steam. Es ist außerdem erhältlich DRM-frei auf GoG.com sowie für Xbox One und PS4. Eine Version für PS Vita war angekündigt, aber ein Termin steht noch nicht fest.

Summary
Das Interesse an digitalen Kartenspielen hat dank Spielen wie Hearthstone und Dominion stark zugenommen. Hand of Fate schafft mit einem eigenen Universum und einer tollen Idee jedoch die Sache weiterzudenken. Es ist nicht nur für Kartenfreunde ideal geeignet. Es erinnert zudem an die Zeiten, in denen man sich mit Büchern und Rollenspielen sein eigenes Abenteuer geschaffen hat. Durch das Zufallselement schafft Hand of Fate eine Welt, über die man gerne mehr erfahren würde. Und wenn es nach Defiant geht, wird es auch dazu kommen, den DLC wird es dieses Jahr auch noch geben. Hand of Fate ist unglaublich innovativ und eines der bisher unterhaltsamsten Spiele, mit denen ich dieses Jahr das Vergnügen hatte!
Good
  • Tolle Spielidee
  • Viel Atmosphäre dank gelungener Autorenarbeit und Präsentation
  • Sehr guter Soundtrack
  • Einsteigerfreundlich und doch anspruchsvoll
  • Große Variationen dank Zufallsmechaniken
Bad
  • Kamera in Kampfszenen nicht optimal
  • Manchmal etwas ZU unbarmherzig
9
Großartig
Written by
Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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