Guardians of the Galaxy: A Telltale Game Series – Episode 1 & 2 Review

PC PlayStation 3 PlayStation 4 Xbox 360 Xbox One

 

   

Marvels Spiele-Offensive beginnt und an vorderster Front steht Telltale. Die haben über Jahre hinweg bewiesen, dass sie sehr interessante und emotionale Geschichten basierend auf den verschiedensten Lizenzen schreiben können. Ob das ihnen auch bei Marvels Guardians of the Galaxy gelingen wird? Der bisherige Eindruck spricht enorm dagegen.

Im Kielwasser von James Gunns Guardians of the Galaxy Vol. 2 erzählt Telltales Episoden Adventure eine eigenständige Geschichte um die 5-köpfige Crew der Milano: Star-Lord Peter Quill, Rocket Raccoon, Gamora, Drax und Groot. Dabei soll jede einzelne Episode sich auf einen der Guardians konzentieren. In Episode 1 All tangled up in Blue folgen die Guardians einem Hilferuf des Nova Corps gegen den Titanen Thanos und ergattern das mächtige Alien-Artefakt bekannt als die Eternity Forge. Diese hat anscheinend die Kraft Tote wieder zum Leben zu erwecken und hilft Star-Lord sogar dabei mit seiner Mutter zu kommunizieren. Die Kree sind ebenfalls auf der Jagd nach der Forge und gleichzeitig beschäftigen wir uns noch mit der Vergangenheit der restlichen Guardians.

In Episode 2 Under Pressure beschäftigen wir uns (nur sehr kurz) mit der Origin Story von Rocket Raccoon in der bedauernswerterweise versucht wird Rockets tragischen „Genetisches Experiment“-Hintergrund mit sehr alter Marvel Lore über den Planeten Halfworld zu verknüpfen. Dabei ist dieser Abstecher aber so kurz und nichtssagend, dass er emotional völlig flach fällt und mehr den Eindruck erweckt nutzloser Filler in der Mitte zu sein.

Bekannte Kost

Wer schon mal ein Telltale Spiel gespielt hat, der weiß was einen erwartet, was Reviews zu diesen Dingern schreiben nicht einfacher macht. Das Spiel besteht zu großen Teilen aus Dialogen zwischen den einzelnen Figuren, oft muss man als Mittelsmann in Konflikten hinhalten, was meistens dazu führt, dass ein Charakter sich wütend abwendet und Text auf dem Bildschirm uns sagt, dass er/sie sich daran erinnern wird. Die aus Dialogen entstehenden Dramen sind dieses mal allerdings überraschend flach und oberflächlich. Es gibt viel Streit zwischen den Guardians, aber man sieht alle meilenweit kommen und oft sind es nur so Kinkerlitzchen um die sich alle streiten. Rocket ist beleidigt wenn man Drax für den Sieg über Thanos lobt, dafür ist der grüne Berserker wieder frustriert, wenn man lieber Gamora mitnimmt um ein Kree Schiff anzugreifen.

Dazwischen durchsucht man Ruinen und Raumschiffe nach Hinweisen und nimmt regelmäßig an Quicktime Event-basierten Action-Szenen teil. Das funktioniert ziemlich genau so wie immer und ist auch deswegen insgesamt eher ein Griff ins Leere. Telltales Batman hatte es mit kleinen Änderungen – wie die vorherige Planung eines Angriffs oder die Kombination von Indizien an einem Tatort – geschafft essentielle Elemente des Charakteres zu unterstreichen, aber bei Guardians fehlt es an fast jeder Ecke an Inspiration oder Finesse.

Marvel’s-Guardians-of-the-Galaxy_-The-Telltale-Series_20170610194932  Guardians of the Galaxy: A Telltale Game Series - Episode 1 & 2 Review

Keine klare Linie

GotG hat so einige Probleme und das größte davon scheint zu sein, dass es nicht weiß, was es will. Während Telltales Batman einen klaren eigenen Graphic Novel-Look bot, den Story Fokus auf Bruce Wayne setzte und seine eigene, neue Geschichte erzählte und dabei interessante Twists in den Mythos einbaute, sind die Guardians hier nur eine stark verwässerte Version der Film-Figuren, bei dem nie klar ist für wen die Geschichte eigentlich geschrieben wurde. Mit einem Batzen alte Rockmusik als Soundtrack versucht das Spiel eindeutig den Style der Kinofilme einzufangen, aber selten mit der emotionalen Basis oder der Finesse der exzellenten Song-Auswahl von Regisseur James Gunn.

Die Guardians selbst wirken eher wie billige Samstag Morgens Cartoon Versionen ihrer selbst. Star-Lord hat ein Gesicht zum Reinschlagen (okay, das ist vielleicht Absicht), Drax basiert mehr auf seinem Comic-Design mit grünerer Haut und deutlich dickeren roten Tatoos, ist aber ansonsten einfach nur grimmig und sauer. Rocket wiederum basiert klar auf dem Film-Design, aber in einer etwas gröberen Version und Groot wirkt einfach zu steif. Verlierer beim Re-Design der Main Cast ist dabei eindeutig Gamora, die weder so cool aussieht wie Zoe Saldana im Film, noch die unglaubliche Bad-Ass-ery der Comic-Version ausstrahlt. An einem Punkt beklagt sie sich sogar über ihren Spitznamen als „gefährlichste Frau des Universums“! Keiner der Charaktere hat den Charme oder das Charisma seiner Film-Vorlage, aber auch als Fan der Comics hat mich die Darstellung bestenfalls irritiert.

Auch Yondu und Nebula spielen eine Rolle und basieren optisch zwar eindeutig auf ihren MCU-Gegenstücken, allerdings werden völlig neue Geschichten mit ihnen erzählt, die nicht wirklich zu dem passen, was wir bisher von den Guardians wissen. Yondu fehlt die Vielschichtigkeit die sein Charakter zum Star des 2. Films gemacht hat und Nebula hat auf einmal eine völlig andere Beziehung zu Thanos. Es ist im schlimmsten Fall ärgerlich, verwirrend und im besten „nur“ langweilig. Man hätte sich auch an der wirklich ausführlichen Lore der Guardians Comics bedienen können wie der Church of Universal Truth, Adam Warlock, Cosmo oder den neuen Mitgliedern des Teams wie Agent Venom und Captain Marvel, anstatt sich auf die (noch) sehr kleine kosmische Ecke des MCU zu verlassen. Die Handlung wirft dabei auch mit Elementen aus dem Filmen um sich, ohne sie wirklich in einen Kontext zu setzen. Die ganze Zeit reden alle vom Collector, aber wir sehen ihn selbst nie, nur seine pink-häutige Dienerin. Es erweckt den Eindruck als hätte ein Higher-Up bei Marvel oder Disney klar gesagt was in diesem Spiel zu sein scheint, ohne sich Gedanken darüber zu machen in welchem Kontext, oder wie Vol.2 alle diese Story Ansätze völlig aus dem Wasser blasen würde.

Marvel’s-Guardians-of-the-Galaxy_-The-Telltale-Series_20170720225112  Guardians of the Galaxy: A Telltale Game Series - Episode 1 & 2 Review

Yondu ist auf einmal mehr der nette Onkel von nebenan.

Technisch solide, aber abgehackt

Telltales Fließband Produktion hat schon so einigen Problemen geführt und auch Guardians macht da keine Ausnahme. Zwar ist mir das Spiel in 2 Episoden bisher noch nicht abgestürzt (bei Batman passierte das häufiger), aber die Ton-Abmischung ist sehr unbefriedigend. Oft ist die Hintergrund Musik lauter als die gesprochenen Dialoge obwohl ich sie im Hauptmenü schon deutlich leiser gestellt hatte (es gibt auch keine Möglichkeit Soundeffekte und Sprachlautstärke separat zu regulieren) und nie war in einem Telltale Spiel deutlich wie Bruchstückhaft alles zusammengesetzt ist. Nie kommt ein richtiger Flow auf, weil das Spiel merkbare Unterbrechungen zwischen zahlreichen Szenen hat. Die langen Ladezeiten helfen ebenfalls nicht sonderlich.

Die Sprecher machen passabel bis ordentliche Arbeit. Nolan North holt viel aus Rocket raus, aber seine emotionalen Momente werden auch vom schlechten Flow der jeweiligen Szene und einem nicht sehr ausdrucksstarkem Charaktermodel untergraben. Und wie man auch schon in der GOTG Trickserie sehen kann, schafft es niemand wirklich gut die neue Version von Star-Lord auf eine befriedigende Art und Weise zu adaptieren.

Fazit

Während Batman einige tolle neue Twists bot und zumindest versuchte dem Gameplay ein eigenes Flair zu geben ist Telltales Guardians of the Galaxy einfach nur einfallslos und ermüdend. Während man bei Back to the Future oder The Walking Dead (S1) wirklich noch das Gefühl hatte das Telltale wirklich eine spannende Geschichte erzählen will, wirkt Guardians im besten Fall uninspiriert. Als hätte man bei Marvel gesagt „Hey, macht mal ein Spiel mit den Guardians und möglichst viele Figuren aus den Filmen sollen dabei sein“, was sich mehr oder weniger damit deckt wie der Disney Konzern Videospiele in den letzten Jahren gehandhabt hat. Vielleicht zieht die Geschichte nochmal an, das kann bei so einem Episoden-Ding immer der Fall sein, aber im Moment ist Telltales Guardians of the Galaxy ein furchtbar langweiliger by-the-numbers Titel der Fans der Comics langweilen und Fans der Filme bestenfalls irritieren wird.

Good

  • Weniger technische Probleme als Batman
  • Audio-Option lizenzierter Tracks auszuschalten um Streaming zu erleichtern.
  • I am Groot

Bad

  • Inspiriert von den Filmen, aber ohne ihren emotionalen Kern
  • Entscheidungsmomente wirken alle sehr erzwungen
  • Charaktere oft zu stark von Vorlage entfernt
  • Sehr holpriger Spielfluss
  • Oft einfach nur langweilig
4.5

Schwach

Selbserklärter König der Nerds, Herausforderer bitte hinten anstellen. Ich bin der mit den Nunchakus und dem im Wind flatternden Bandana.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*

Lost Password