Guacamelee!: Gold Edition im Test

PC PlayStation 3 PlayStation Vita Xbox 360

 

In den letzten Jahren sind Metroidvania-Spiele eher seltener geworden. Umso schöner, wenn dann ein neuer Titel im Genre erscheint, der nicht nur spielerisch überzeugen, sondern auch mit einer bunten Präsentation glänzen kann. Guacamelee! von Drinkbox Studios ist einer davon. Und nach 4 erfolgreichen Monaten auf Sony-Konsolen ist es nun auf PC angekommen. Wir haben die Gold-Edition für euch getestet!

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Deine Prinzessin ist in einem anderen Schloss…moment mal.

Algave-Bauer Juan ist nicht nur ein gewaltiger Luchador-Fan, sondern auch heimlich in El Presidentes Tochter verliebt. Eines Tages erschüttert eine Explosion das Anwesen ihres Vaters. Der untote Skelettbaron Carlos Calaca ist gekommen, um sie zu entführen, weil er mit ihrem Opfer die Welt der Lebenden und der Toten vereinigen möchte. Juan bezahlt seinen Rettungsversuch mit seinem Leben. Doch ist es nicht das Ende. Auf der Ebene der Toten entdeckt er eine magische Luchador-Maske, die ihm nicht nur immense körperliche Kräfte verleiht, sondern ihn auch ermöglicht, zwischen den Welten zu wandeln. Zusammen mit Tostada, der Hüterin der Maske, macht er sich auf, Calaca das Handwerk zu legen…

Die Story mag auf den ersten Blick einfach gestrickt wirken – und genau das soll sie auch sein. Wieso sonst hat man sich nicht mal die Mühe gemacht, El Presidentes Tochter einen Namen zu geben? Es ist einfach ein Konstrukt, um die Handlung am Laufen zu halten. Im Grunde ist es genau das selbe Szenario, in dem sich ein gewisser italienischer Klempner oftmals wiederfindet. Zugegeben, etwas mehr Arbeit hätte die Story durchaus verdient gehabt, aber angesichts des Gameplays lässt sich das verschmerzen.

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Die wandelnde Apokalypse

Man kennt klassische Metroidvania-Spiele: Anfangs verfügt man über nichts und sammelt nach und nach neue Ausrüstungsgegenstände, um bisher unerreichbare Passagen zu erreichen. Guacamelee! ist da anders, denn es gibt keine Gegenstände. Stattdessen erweitert Juan sein Repertoire über neue Wrestling-Moves. Schläge, Tritte, Sprungangriffe…das besondere an diesen Fähigkeiten ist, dass sie nicht nur im Kampf eingesetzt werden können, sondern auch eingesetzt werden müssen, um bestimmte Stellen im Spiel zu überwinden, oftmals sogar, in dem man mehrere Fähigkeiten miteinander kombiniert.

Im Kampf dient dieses Wissen wiederum dazu, gegen seine Gegner eingesetzt zu werden. Denn die schützen sich oftmals durch farbige Schilde, die nur von einer bestimmten Fähigkeit zerstört werden können. Sind Gegner erstmal ungeschützt, kann Juan alles einsetzen, was er so drauf hat. Ist ein Gegner stark genug geschwächt, kann er mit einem Druck auf Y gepackt werden, um ihn entweder in eine Richtung zu werfen, ihn wegzutreten, oder ihn mit dem Kopf voran in den Boden zu rammen – der Kreativität sind in Guacamelee! kaum Grenzen gesetzt und man fühlt sich in jedem Kampf aufs Neue wie ein echter mexikanischer Luchador. Egal wie  oft man zum Kämpfen gezwungen wird: Es wird weder langweilig noch nervig – vorausgesetzt, man lässt sich darauf ein. Kämpfe können auch nur durch Standardangriffe gewonnen werden, aber die Integration der Schilde und das pure Spektakel treiben einen regelrecht dazu an, Combos aneinander reihen zu wollen, nur um dem Spektakel beizuwohnen.

Neben den Wrestling-Moves lernt Juan in Guacamelee! auch sogenannte Ziegen-Fähigkeiten. Das sollte man keinesfalls wörtlich nehmen, denn dabei handelt es sich um Dinge wie Doppelsprünge oder Wände hochlaufen, also Fähigkeiten, die über Wrestling allein nicht möglich sind. Später im Spiel entdeckt Juan zudem, wie man von der Welt der Toten in die Welt der Lebenden wechselt. Einige Gegner sind nämlich nur in jeweils einer davon verwundbar, schadhafte Säure verwandelt sich in harmloses Wasser, Passagen und Wege öffnen sich…nur ein kleines Beispiel für das Spiel mit den Dimensionen. Manchmal muss man auch viel zu schmale Schächte durchqueren. Ähnlich wie Samus Aran mit ihrem Morph Ball, kann sich Juan auch durch solche Passagen fortbewegen – in dem er sich in ein Huhn verwandelt.

Und wer in diesem Spiel alles erreichen will, der sollte besser anfangen all das zu meistern, denn um das geheime Ende freizuschalten muss man Wege beschreiten, die den härtesten NES-Spielen der Vergangenheit Konkurrenz machen könnten. Trotzdem macht Guacamelee! niemals so viel, dass Frust aufkommt. Es hält die komplizierte Waage, genau so viel Ärger zu produzieren, dass man weitermachen möchte. Kurz gesagt: Was auch immer sein mag, es bleibt immer fair. Vorausgesetzt, man verwendet auch einen Controller. Vor Spielstart wird sogar dazu geraten, einen zu verwenden. Und tatsächlich ist die Steuerung mit Tastatur alles andere als rosig.

Juan ist übrigens nicht nur allein unterwegs. Per Tastatur oder einem zweiten Controller kann jederzeit ein zweiter Spieler lokal die Kontrolle über Tostada übernehmen. Sie verfügt über die selben Fähigkeiten wie Juan und kann ihm dabei behilflich sein, Gegner gemeinsam aus dem Weg zu räumen. Für Co-Op ausgelegt ist Guacamelee! aber nicht. Es gibt keine kooperativen Rätsel oder Schauplätze.  Auch einen Online-Co Op Modus sucht man leider vergebens.

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Was Sie schon immer über mexikanische Folklore wissen wollten…

Das Gameplay mag gut sein. aber es ist die Präsentation, die Guacamelee! in eine andere Dimension hebt. Was sofort auffällt, ist der knallige Einsatz bunter Farben. Egal wohin man blickt, man wird von kreativem Farbeinsatz überwältigt. Stilistisch orientiert sich das Spiel in mexikanischer Folklore. Man entdeckt viele Verbeugungen, vor allem vor dem Tag der Toten und natürlich der Luchador-Kultur. Die Comicgrafik trägt sehr zum Stil und zur Farbwahl bei. Es ist eine tolle Abwechslung zum Grafikeinerlei, das man normalerweise von Spielen gewöhnt ist. Und durch das Dimensionenkonzept läuft man praktisch durch zwei unterschiedliche Welten. Während die lebende Welt von Farben strahlt, so ist die Welt der Toten eher gedämpft, aber dennoch bunt.

Sehr gut gelungen ist auch der Einsatz der Musik. Es wurden ausschließlich klassische mexikanische Instrumente für den Soundtrack eingesetzt, weswegen man viel Einsatz von Trompeten und Gitarren findet. Unterstützt werden sie dabei durch elektronische Klänge, die besonders in der Welt der Toten zu hören sind. Dadurch verleiht man trotz der praktisch selben Musik beiden Welten ihren eigenen individuellen Klang.

Was leider fehlt: Sprachausgabe. Juan selbst ist zwar eher jemand der stummen Sorte wie Link oder Samus Aran (vor Other M), aber alle anderen Charaktere, inklusive seiner Co-Op Partnerin Tostada, haben allesamt eine Stimme. Und trotzdem sehen wir Dialoge nur als schnöde Textfenster, was einfach ärgerlich ist. Es hätte dem kruden Humor des Spiels sehr gut getan, talentierte Sprecher zu haben, die den Charakteren noch mehr Persönlichkeit verliehen hätten.

Und wo wir grade bei Humor sind: Auch davon hat Guacamelee! eine ganze Menge. Neben zahllosen Anspielungen auf Videospiele (Super Mario Bros., Journey, Team Fortress 2…) oder Internet-Memes (Grumpy Cat, Me Gusta, O RLY…) sind auch die Dialoge sehr humorvoll geschrieben und schaffen es, den ein oder anderen Lacher herauszukitzeln. Ganz zu schweigen von den Momenten, in dem sich das Spiel selbst auf die Schippe nimmt.

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Braucht mehr Dampf!

Den Zusatz Gold Edition trägt Guacamelee! auf PC nicht von ungefähr. Zahlreiche Extras wurden beigepackt, damit man für sein Geld auch etwas geboten bekommt. Beide auf PS3 und Vita erschienenen DLCs sind direkt beigelegt. Darin enthalten sind 6 neue Kostüme mit besonderen Fähigkeiten sowie El Infierno, ein Challenge-Modus, in dem man seine Fähigkeiten unter Beweis stellen kann. Alternativ hat man auch die Möglichkeit, mit Tostada statt Juan das Spiel durchzuspielen. Auch Steam-spezifische Anpassungen wurden vorgenommen. Neben Steam-Cloud, Sammelkarten, Leaderboards und -Achievement-Support fällt als größte Neuerung sicher der Workshop auf. Kreative Spieler können hier ihre eigenen Kostüme für Juan und Tostada kreieren und sie mit anderen teilen. Die Anleitung dafür lieferte Drinkbox gleich mit.

Und auch so bietet Guacamelee! an vielen Stellen Wiederspielwert. So gibt es z.B. Ranglisten für die schnellsten Runs, sowohl mit als auch ohne allen gesammelten Gegenständen und darüberhinaus für beide Schwierigkeitsgrade. Genau, denn wer einmal fertig ist, kann wahlweise auf Schwer noch mal von ganz von vorne anfangen und sich neuen Herausforderungen stellen.

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FAZIT: Frisch wie eh und je

Guacamelee!: Gold Edition ist auf dem PC sehr gut aufgehoben dank einer mit Extras vollgepackten Veröffentlichung, die nur noch mehr deutlich macht, welch ein Juwel es unter den Spielen seines Genres eigentlich ist. Es ist ein durch und durch kreatives Spiel, das einfach gute Laune macht und mit einer einzigartigen Präsentation zu überzeugen weiß. Ein Muss für Metroidvania-Enthusiasten und für jeden, der einer guten Keilerei im Spiel nicht aus dem Weg geht.

Anmerkung:
Getestet wurde die PC-Version. Das Spiel ist auch verfügbar als Crossbuy-Titel auf PS3 und PS Vita.

Good

  • Farbenfrohe Präsentation
  • Guter Soundtrack
  • Viel Humor
  • Kreativer Fähigkeiteneinsatz
  • Fordernd, ohne unfair zu werden
  • Zahlreiche Extras
  • Tolles Kampfsystem

Bad

  • Nahezu keine Story
  • Keine Sprachausgabe
  • Co-Op nicht durchdacht
  • Ohne Controller nahezu unspielbar
8.8

Sehr gut

Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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