Guacamelee! 2 Review

PC PlayStation 4

 

Juan ist wieder da: Die Welt der Lebenden zu retten war ihm nicht genug. Dieses Mal muss der Wrestler mit der blauen Maske Raum und Zeit vor dem Zusammenbruch bewahren. In Guacamelee! 2 will Drinkbox Studios viel bieten, um einem weiteren Metroidvania in der Reihe gerecht zu werden. Unser Test!

 

Familienleben

Wir erinnern uns: Carlos Calaca versuchte in Guacamelee! die Welten der Lebenden und der Toten zu vereinen. Damals gelang es Juan gerade noch rechtzeitig ihn aufzuhalten und El Presidentes Tochter, Lupita, wiederzubeleben. Seine Maske verlor er dabei, was ihm aber ganz recht war. So konnte sich unser stummer Held endlich um sein Agavefeld und den Aufbau einer Familie kümmern. Sieben Jahre (und zwei Kinder) später erscheinen plötzlich dunkle Wolken am Himmel. Einmal mehr muss Juan seine Mitstreiterin Tostada suchen und die Maske von einst überziehen, um gegen einen neuen Feind anzutreten. Der finstere Lucha Salavador möchte die Zeitlinien verwischen, um das göttliche Guacamole-Rezept zu erlangen.

Zu Beginn ist Juan noch in vertrauten Gebieten unterwegs, namentlich sein Haus auf dem Agavefeld und das Dorf Pueblucho aus dem ersten Teil. Doch statt den westlichen Teil des Mexiversums zu besuchen, verschlägt es ihn nun in den Osten: Die Mangrovensümpfe und seine angeschlossenen Tempelanlagen. Hier hat Salvador ein neues Team von Schergen um sich gescharrt, um die drei Reliquien zu sammeln, die den Zugang zum heiligen Guacamole sichern.

Sehr deutlich wird auch dieses Mal wieder, wie augenzwinkernd die Story erzählt wird. Mit Ausnahme von Juan, der einmal mehr den klassisch stummen Protagonisten gibt, hat jeder Charakter wieder humorvolles,. manchmal albernes zur Story beizutragen. Den Zusammenbruch der Zeitlinien nutzen die Entwickler um einige klassische Referenzen auf andere Videospiele, Filme und Serien zu liefern. Einmal mehr rate ich zudem, genau auf den Hintergrund zu achten. Viele Referenzen wurden dort versteckt.

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Zurück auf die Schulbank

Durch das Familienleben hat Juan all seine Fertigkeiten aus dem ersten Teil verlernt und ist auch körperlich nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Sein Lehrmeister Uay Chivo muss ihm also alles nacheinander neu beibringen. So sind die Power-Ups größtenteils Dinge, mit denen Spieler des Erstlings vertraut sein dürften: Kopfnüsse, Schläge, ein Doppelsprung…alles also wie gehabt?

Nein, den natürlich lernt Juan auch einige neue Dinge, wie den Adlersprung, mit dem er sich an Haken in der Welt entlang schwingen kann. Doch der größte Sprung in der Entwicklung seiner Fähigkeiten macht die Hühnergestalt. Im ersten Teil diente diese vornehmlich dazu, sich durch enge Passagen zu bewegen. Mit der Super Turbo Championship Edition lernte Juan zudem, explodierende Eier zu legen. Doch in Guacamelee! 2 ist die ganze Sache ordentlich generalüberholt worden: Als Huhn lernt Juan jetzt zu gleiten und zu kämpfen, oftmals sogar weil ihm keine andere Wahl bleibt. Eine ganze Geschichte um einen mysteriösen Hühnerkult ist damit verbunden. Leider fielen auch Dinge weg: Die Intenso-Fähigkeit der Super Turbo Championship Edition sucht man vergeblich. Auch die damit verbundenen Sammelgegenstände sind entfernt worden. Ersetzt wurden sie größtenteils durch Geldtruhen und Kostüme, die Kenner der Serie direkt aus den Vorgängern wieder erkennen werden. Upgrades sind auch nicht von Anfang an verfügbar: Fünf Trainer bilden Juan in der Nutzung seiner Fähigkeiten aus. Jeden muss er erst treffen, bevor dessen Fähigkeiten verfügbar werden. Darunter ist auch der ein oder andere bekannte Charakter aus dem ersten Teil. Und selbst dann müssen für einige Dinge Voraussetzungen erfüllt werden. Nichts weltbewegendes, aber es streckt die Handlung künstlich.

Apropos Handlung strecken: Guacamelee! 2 ist groß geworden. Sehr groß – und meines Erachtens ZU groß. Metroidvanias zeichnen sich aus, das Level sich selbst begrenzen, bis der Spieler entsprechende Upgrades sammelt. Der erste Teil hat das meisterlich verstanden zu nutzen. Zugänge zu neuen Welten wurden in alten verfügbar und nie fühlte es sich an, als ob das Spiel die Zeit des Spielers vergeudet. Guacamelee! 2 ist leider anders: Kampfarenen gab es schon vorher, aber so oft wie der Spieler hier mit ihnen konfrontiert wird, ist es nicht mehr witzig. Immerhin versuchen die Entwickler Abwechslung reinzubringen, in dem einige Arenen als eine Art Umgebungspuzzle genutzt werden, aber auch das nutzt sich mit der Zeit schnell ab. Level in Guacamelee! 2 fühlen sich jetzt an, als seien sie sture lineare Angelegenheiten, die nur zufällig über eine Oberwelt verbunden werden. Selten wird der Spieler angehalten, in alte Bereiche zurückzukehren, weil er neue Fähigkeiten gelernt hat.

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Zeichenkunst

Die Steuerung ist absolut tadellos übernommen worden aus dem ersten Guacamelee! und bietet ein sofort vertrautes Spielgefühl. Und das Grafikdesign ist einmal mehr eine absolute Augenweide. Die 2D-Grafik wirkt regelrecht gezeichnet (was sie teilweise auch wurde) und sticht durch knallige Farben und Formen heraus. Musiktechnisch vertraut Drinkbox auf bekannte Melodien mit leichten Abwandlungen, immer wenn sich Juan in der Geisterwelt aufhält. Einige Stücke wurden sogar 1:1 aus den Vorgängern übernommen. Nicht in allen Fällen ruft das schöne Erinnerungen hervor…doch ich schweife ab.

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FAZIT: Das Darksiders II-Problem schlägt zu.

Guacamelee! 2 versucht, mehr und viel Größeres in allen Bereichen zu bieten, aber ähnlich wie Darksiders II erstickt es teils an seinen eigenen Ambitionen. Es ist immer noch ein guter, ja sogar verdammt guter Titel, aber muss sich mit der Super Turbo Championship Edition des ersten Teils vergleichen lassen, das dieses Prinzip besser verstand. Vor allem dessen Charaktere waren interessanter und witziger in ihrer Eigenart. Salvador und seine Gruppe hat mir mit einer Ausnahme weniger zugesagt. Für Leute, die mehr Guacamelee! wollen sicher ein Pflichtkauf, aber an die Klasse des erweiterten Erstlings kommt er nicht an.

Getestet wurde die PS4-Version. Guacamelee! 2 ist außerdem erhältlich für PC.

Good

  • Farbenfrohe Präsentation
  • Guter Soundtrack
  • Wirkt direkt vertraut
  • Kämpfe machen immer noch großen Spaß

Bad

  • Teilweise diesmal nicht unbedingt fair
  • Übersicht in den Kämpfen nicht immer gegeben
  • Zu ambitioniert, enttäuschende Umsetzung
7

Gut

Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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