God of War (4) im Review: Mit Papa Kratos auf Familienausflug

PlayStation 4
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SATURN - Soo! muss Technik

 

   

Vater und Kind Storys erfreuen sich in den letzten Jahren großer Beliebtheit, sei es im Kino-Format (Logan) oder im Gaming-Bereich (The Last of Us). Der Generationen-Konflikt zwischen Elternteil und Sprößling ist in der Kunst allerdings ein alter Hut, schon die Griechen hatten ihren Ödipus. Das Thema bleibt zeitlos, da jeder von uns Sohn oder Tochter ist und die Probleme mit Mutter oder Vater aus eigener Erfahrung kennt. Cat Stevens hat dem Vater-Sohn-Verhältnis gar eine Hymne gewidmet (Father and Son). Also, warum nicht das Modell auf ein Game adaptieren? Das dachte sich wohl Santa Monica Studio und zog dafür eine Games-Reihe in Betracht, von dem bis zum Release niemand geglaubt hätte, dass es möglich wäre: God of War. Kratos, der Götterschlächter und zornige Berserker als fürsorglicher Vater eines Jungen? Kann das funktionieren?

Vorweg genommen: Ja, die umfangreiche Neuausrichtung von God of War auf der PS4 mit einer Ummodellierung des bisherigen Spielgefühls ist aufgegangen. Allerdings ist die Skepsis von Fans bis zu letzt berechtigt gewesen! Denn das sei auch gesagt: Der neue Ausleger von Kratos‘ Abenteuer entfernt sich weit von God of War, wie man es von den ersten Teilen her kennt. Schlussendlich haben die Entwickler im Grunde alles ausgetauscht. Das Gameplay, die Position der Kamera, die Inszenierung von Story und Spielgeschehen sowie die Welt an sich. Das Griechenland-Setting ist nordischen Schneelandschaften gewichen und selbst Kratos ist nicht mehr derselbe. Während er in den ersten Teilen in wildem Jähzorn nach Blut dürstete, haben wir hier einen alten, ja, beinahe gezeichneten Kratos vor uns, der auf ein langes, zermürbendes Götter-Leben zurück blickt und der einfach in Ruhe gelassen werden möchte. Wenn bereits hier ein God of War Fan der ersten Stunde schreiend davon rennt, sollte noch etwas weiter lesen und dem neuen Teil eine Chance geben.

Ein kleiner Spaziergang zur Bergspitze

Kratos lebt im Exil, getarnt als Mensch in den nordischen Landschaften will er nichts mehr von den überirdischen Geschehnissen der Götter wissen, sondern sich um seine Familie kümmern. Sein Lebensziel wird jedoch gnadenlos zerrissen, als seine Frau Faye stirbt und ihn mit seinem Sohn zurück lässt. Zur Verbrennung seiner Frau muss Kratos das heilige Gehölz schlagen, das bisher als Schutzbarriere seines Heims vor den Mythen-Wesen Midgards fungiert hat, die infolgedessen frei und unbeschwert durch die Gegend tollen. Fayes letzter Wunsch auf der Spitze des Berges bestattet zu werden, wird somit mehr als ein kleiner Bergspaziergang, entwickelt sich zunehmend zu einer Odyssee, bei der sich Vater und Sohn näher kommen. Nach und nach macht dann auch Allvater Odin in verschiedenen Formen auf sich aufmerksam, dem es gar nicht schmeckt, dass ein griechischer Gott in seiner Welt umher stolziert. Es wird schnell deutlich: Im Gegensatz zu den vorherigen Teilen geht es im neuen God of War nicht um Rache, Krieg und Zerstörung des Götter Olymp. Kratos bewegt nur ein Ziel, und das ist die Bewahrung und der Schutz seines Sohnes.

Im Spiel entspinnt sich ein action-geladenes Abenteuer durch die nordischen Gefilde mit einen Haufen Bezug zur Wikinger-Mythologie. Erst Hellblade: Senua’s Sacrifice hat aufgezeigt, wie viel Potential Sagengeschichten aus Skandinavien mit sich bringen. Den Machern ist es mit Erfolg gelungen, die Atmosphäre rund um die Sagengestalten, von der Midgardschlange, Odin, Thor und Co. in das Spiel einzubringen. Sohn Atreus ist in der Lage, die vielen verstreuten Runenschriften auf Felsen und Schriftrollen zu lesen, sodass für den Spieler nach und nach ein schönes Info-Paket mit vielen Details um die Welt entsteht. Bereits daran kann man erkennen, dass God of War rollenspiel-lastiger geworden ist. Und die Vermutung wird im weiteren Spielverlauf gefestigt. Die vielen Dialoge zwischen Sohn Atreus und Vater Kratos sowie weiteren Nebenfiguren als auch das Skillen von Kratos in Fertigkeiten wie Stärke, Vitalität und Abwehr sowie das Ausrüsten und Upgraden von Gegenständen beim Shop lassen erkennen, dass die Route des neuen God of War Richtung RPG gepolt ist. In 30 bis 40 Spielstunden erleben wir Midgard und andere fabelhafte Welten wie Niflheim, Muspelheim oder Alfheim, die durch den Weltenbaum Yggdrasil zusammengehalten werden.

Des Mannes bester Freund: die Axt

Zum Glück und Erleichterung von God of War Fans hat sich der Kern der Reihe dann doch nicht verändert: Da die Gegenden um das Gebirge voll mit Trollen, Draugrs und Hexen ist, muss Kratos sich durch eine dominante magische Axt Verhör verschaffen. Die Chaosklingen alter Teile haben ausgedient, doch die neue Bewaffnung ist ein brachialer Ersatz. Kratos schwingt die Axt entweder in einem leichten oder schweren Angriff, dazu kommt ein Schild zum Abwehren. Ebenso kann er jedoch auf seine Fäuste zurück greifen. Der alte Kampfveteran ist auch noch agil genug, auszuweichen oder zu einem kurzen Sprint anzusetzen. Dazu kommen viele, verschiedene Special-Moves die mit zunehmendem Level und Erfahrung erworben und eingesetzt werden können. Ebenso besitzt die Waffe Slots, um sie mit auflevelbaren Runenangriffen auszustatten, die zum Einen grafisch atemberaubend inszeniert werden, aber auch die taktische Vielfalt erweitern. Als begleitende Unterstützung steht Atreus im Kampf auch mit Bogen und Nahkampf-Attacken bereit. Kratos‘ Sprößling sollte nicht unterschätzt werden, er kann Gegner mit Schüssen betäuben und im weiteren Spielverlauf steht er seinem Vater mit einer Palette an Spezialangriffen zur Seite.

Auch die spartanische Wut ist nicht abhanden gekommen und sorgt, nachdem man genügend Feinde gekillt hat und der Balken aufgeladen ist, für kurzzeitige Berserkerzeit, in der Kratos mit erhöhter Kampfkraft alles niederwalzt. Getötete Gegner hinterlassen neben Erfahrung, Material zum Schmieden und sogenanntes Hacksilber, mit das man bei den Zwergenschmieden Brok und Sindri neue Ausrüstung herstellen lassen kann. Alles in allem entsteht bei jedem Kampf ein guter Flow. Durch den Verlust des Kombo-Zählers vergangener Teile wirken die Kampfgeschehen jedoch etwas getragener, dafür gestalten sich die Auseinandersetzungen taktischer und raffinierter als früher. Je nach Spielertyp kann man einen direkten Haudrauf skillen, mehr auf Fernangriff per Axtwurf gehen oder gar ohne Axt nur mit Händen und Schild attackieren. Sehr schön: Ständig muss man zwischen Angriff, Deckung und Ausweichmanövern variieren, ebenso kommt Atreus‘ Schusskraft und Angriff als Kampfkomponente hinzu. Die Kämpfe wirken wuchtiger und martialischer als zuvor, sind aber vor allem immer schön anzuschauen.

Odin’s World

Neben dem Kampf stach God of War auch immer durch eine schöne Sammlung an Rätseln und Geschicklichkeitseinlagen heraus. Diese schafften es zumeist recht gut, die dauernden Action-Sequenzen durch stille Momente zu unterbrechen und etwas Hirnschmalz zu erfordern. Auch dem neuen God of War gelingt dies sehr gut. Durch den Dialog zwischen Kratos und Atreus in der atmosphärisch gestalteten Umgebung, die sich über eine Aufgabe das Hirn zermartern, wirkt das Ganze auch sehr gut ins Spielgeschehen integriert.

In punkto Atmosphäre haben sich die Entwickler nicht lumpen lassen. God of War glänzt mit grafischer Opulenz und Vielfalt. Diese wirkt jedoch niemals als Show-Effekt, sondern immer analog zum nordischen Göttermythos. Demnach gibt es in den eisigen Landen von Midgard keine Blumenwiesen und Sonnenschein, sondern karge eisbedeckte Gebirge und nebelverhangene Seen. Dies alles ist wunderschön animiert und ins Spielgeschehen eingeflochten, dass sich die dargestellte Welt selbst vor Hellblade: Senua’s Sacrifice nicht verstecken muss. Ebenso wie Ninja Theory bei Hellblade haben Santa Monica Studio bei God of War ordentlich Recherche betrieben und ihre Hausaufgaben gemacht. Die nordischen Göttersagen sind wunderbar ins Spielgeschehen eingefügt, die kleinen Geschichten, wenn Atreus Runenschriften entschlüsselt, tragen nicht nur zur Atmosphäre bei, sondern bescheren einem auch einen Eindruck, wie die nordische Götterwelt funktioniert hat.

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Vater und Sohn

Zentrales Element des Games, welches die Langzeitmotivation aufrecht hält und dieses God of War entscheidend von den Vorgängern unterscheidet ist letztlich dann doch Kratos‘ Anhängsel, sein Sohn Atreus. Besser gesagt, ist es die Beziehung zwischen Vater und Sohn und wie sich diese im Spielverlauf entfaltet. Bereits im Vorhinein wurde dieses God of War als ein The Last of Us verschrien, das sich einen Kratos-Deckmantel aufgesetzt hat. Doch damit tut man dem Spiel unrecht. Es entfaltet mit seinen Figuren seine eigene Dynamik. Diese neue Entwicklung mag nicht jedermanns Sache sein, ich empfinde es aber als Kernmerkmal, welches die altbackene God of War Serie wiederbelebt. Denn wie bei Joel und Ellie in The Last of Us sind Kratos und Atreus aufeinander angewiesen und wachsen im Spielverlauf zusammen. Ihre verschiedenen Charaktere, das unterschiedliche Alter und das andersartige Leben, das Kratos zuvor geführt hat, prallen wuchtig aufeinander. Das Kuriose und Spannende ist, dass Kratos in diesem God of War Teil gerade durch seinen Sohn Charakterisierung erhält, welche ihn in den ersten Teilen der Serie noch nie wirklich gegönnt wurde.

Denn Atreus fordert seinen Vater durch seine aufgeweckte, neugierige Art heraus und stellt diesen auf so manche Geduldsprobe. Während dem Spiel wird schnell klar, dass sich Kratos der schwierigsten aller Aufgaben stellen muss, nämlich der, Vater zu sein. Seine harte Schale bricht mehr und mehr im Spielverlauf und die Beziehung zu Atreus tritt zu Tage, der nach dem Tod der Mutter um die Aufmerksamkeit und Anerkennung seines Vaters buhlt. Der Sohnemann wiederum ist auch kein kleines Nervenbündel, dass nur rumquengelt. Im Gegenteil: Er weiß sich seiner Haut zu erwehren und lernt vom Vater. Ab er auch Papa Kratos erfährt so einiges durch Atreus, da dieser die Runenschrift lesen kann und mit seiner aufgeweckten Art die Welt erforscht und Zusammenhänge versteht. Dass dies alles mit Höhen und Tiefen verbunden ist, schafft dieser God of War Teil dramatisch gut in Szene zu setzen. Die Charakterentwicklung im Game ist behutsam dargestellt und wirkt nicht klischeehaft aufgesetzt. Leider erreicht diese Beziehung dann doch nicht die Tiefe eines The Last of Us, bisweilen hat man das Gefühl, die Charaktere stehen in ihrer Entwicklung auf der Stelle, weil das Spielgeschehen aktuell im Vordergrund gerückt ist. Zudem ist Kratos‘ spartanische, raue Verschlossenheit sicher nicht jedermanns Geschmack, ebenso könnte sich manch einer von Atreus‘ ständiger Aufmerksamkeitsgeilheit genervt fühlen. Die langsam sich entfaltete Annäherung gehört für mich ungeachtet dessen zu einem Highlight des Spiels, welche die ein oder andere Überraschung bereit hält.

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Fazit von Carsten

Letztlich wird sich jeder die Frage stellen, ob er sich mit diesem neuen God of War anfreunden kann. Neueinsteiger werden hier ein grandios inszeniertes Action-Rollenspiel vorfinden, alte God of War Veteranen müssen jedoch für sich herausfinden, ob sie den Austausch von einem stoischen Wut-Kratos gegen einen gefühlvollen Familienvater akzeptieren können. Zu große Sorgen sollte man sich allerdings nicht machen. Der Spielkern ist gleich geblieben. Kratos haut immer noch genauso kräftig zu wie früher und sorgt für ordentlich Splatter und Gore. Auch der neue Rollenspiel-Anteil samt der emotionalen Entwicklung von Vater und Sohn ist sanft integriert und fügt sich gut in das Gesamtkonzept des Spiels ein. Zugegeben, das „alte“ God of War fand ich auch dank der Musik um einiges epischer und heroischer. Der Badass Level von Kratos war um einiges höher bemessen. Doch Kratos ist gealtert. Und mit ihm auch die Zielgruppe neuer Spieler, wodurch sich die Serie verändern muss, um zeitgemäß zu bleiben. Und das ist gut so. Kratos ist erwachsen geworden. Die Vielfalt und Tiefe von Story, Gameplay und Dramaturgie und spielerischen Möglichkeiten um ein actionreiches Rollenspiel im Setting der nordischen Mythologie machen dieses Game zweifellos zu einem der großen Highlights 2018.

Fazit von Daniel

Was lässt sich eigentlich noch zu einem Spiel sagen, das seit mehreren Wochen Fachpresse und Spielergemeinde gleichermaßen begeistert und eine Top-Wertung nach der anderen einheimst? Cory Barlog und sein Team bei den Santa Monica Studios haben in den letzten 5 Jahren großes geschaffen und God of War in zuvor ungeahnte Höhen katapultiert. Dabei unterscheidet sich der neueste Ableger gravierend von seinen Vorgängern und schafft es scheinbar dennoch selbst eingefleischte Fans vom neuen Konzept zu überzeugen.

Die Vater&Sohn-Geschichte mag vielleicht nicht jedem zusagen, gerade jüngere Spieler könnten hier wenig Geschmack dran finden, dennoch können die beiden Hauptcharaktere von Anfang bis Ende überzeugen und die Beziehung der beiden zueinander wird immer wieder toll inszeniert und lässt den Spieler teil der Entwicklung werden. Aufgepeppt wird die Geschichte von Kratos und Atreus durch die vielen Nebencharaktere, seien es nun gute oder böse, in den vielen Dialogen und Kämpfen des Spiels. Mal witzig und mit tollem Humor und dann wieder episch inszeniert mit grandiosen Kameraeffekten in den vielen Kämpfen des Spiels. God of War weiß wie es den Spieler an den Bildschirm fesselt und es fällt schwer den Controller bei Seite zu legen um eine kleine Pause zu machen. So viel gibt es zu sehen und zu entdecken, so viel zu tun und nicht selten hält man einfach inne und lässt die Szenerie einfach auf sich wirken.

Um mein Fazit nicht allzu sehr ausufern zu lassen: Ich bin begeistert von God of War, ich mag die Dialoge, das Gameplay, die Charaktere und die überwältigend grandios gestaltete Spielwelt. Ich freue mich schon auf weitere Spiele der Reihe, die Weiterführung der Geschichte und darauf andere Welten innerhalb der nordischen Mythologie zu bereisen. Hauptsache ist, wir müssen nicht wieder 5 Jahre warten!

 

SATURN - Soo! muss Technik

Good

  • Gelungenes Revival der alten God of War Serie mit neuem Gameplay
  • Action-Rollenspiel mit starken Hauptfiguren und Charakterentwicklung
  • Grandios inszenierte Welt auf Basis der nordischen Mythologie
  • Tolles varianten-reiches Kampfsystem, das individuell angepasst werden kann

Bad

  • "Alte" Fans könnten das Spielgefühl vergangener God of War Spiele vermissen
9.5

Großartig

Gamingnerd und Filmjunkie. Angefangen hat die Videospiel-Reise mit NES und Gameboy, seither der Gameswelt verfallen. Filme und Serien sind seine Passion seit er selbstständig den Fernseher bedienen konnte. Besitzt eine Affinität zu allen Technik-Innovationen und nerdigen Trends.

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