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Filmkritik: WarCraft – The Beginning

Vor 22 Jahren brachte Blizzard Entertainment einen Stein ins Rollen, der sich über die Jahre hinweg zu einem gewaltigen Erfolg entwickelte: WarCraft, einst eine Echtzeitstrategie-Reihe mit drei Spielen und Erweiterungen, ist spätestens seit dem 2004 erschienen MMO World of WarCraft zu einem weltweiten Phänomen geworden. Auch deswegen hatte sich Hollywood bereits mehrere Male bemüht, WarCraft als Film zu adaptieren. Doch erst unter der Regie von Duncan Jones (Moon, Source Code) ist nun ein fertiges Projekt entstanden. Kann WarCraft; The Beginning mithalten? Lest jetzt unsere Kritik!

Zurück auf Anfang

Mit dem Untertitel „The Beginning“ liegt der WarCraft-Film nicht einmal so falsch. Denn die Geschichte ist eine (lose) Adaptierung des ersten WarCraft-Spiels Orcs & Humans: Weil ihre Heimatwelt Draenor durch dämonische Verderbnis und Dürre nahezu unbewohnbar geworden ist, führt der Hexenmeister Gul’dan (Daniel Wu) zusammen mit Kriegshäuptling Schwarzfaust (Clancy Brown) die Orcs durch ein Dunkles Portal auf den fernen Planeten Azeroth. Unter den Kriegern der Vorhut ist auch der Frostwolf-Häuptling Durotan (Toby Kebbell), seine hochschwangere Frau Draka (Anna Galvin) und sein bester Freund, Orgrim Schicksalshammer (Robert Kazinsky). Unter dem Wunsch, für sich und sein Volk eine neue Existenz aufbauen zu wollen, entscheidet sich Durotan zunächst, Gul’dans Willen zu erfüllen und die ansässigen Menschen anzugreifen. Doch schon bald kommen ihm Zweifel, ob der zwielichtige Hexer wirklich nur das beste für die Orcs möchte.

Währenddessen erreichen die Nachrichten von Orc-Überfällen auch die Hauptstadt des Königreiches Sturmwind. König Llane Wrynn (Dominic Cooper) und General Anduin Lothar (Travis Fimmel) stehen zunächst vor einem Rätsel, bis sie von dem Zauberlehrling Khadgar (Ben Schnetzer) und der gefangenen Halb-Orcin Garona (Paula Patton) neue Informationen erhalten. Kann der mächtige Wächter Medivh (Ben Foster) ihnen bei der Lösung helfen?

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Von Fans – für Fans?

Bevor ich näher auf den Film eingehe, sollte ich vielleicht kurz meinen eigenen Hintergrund mit WarCraft beschreiben: Ich bin mit WarCraft III: Reign of Chaos Fan der Serie geworden, habe danach die alten Titel gespielt, mehrere zu den Spielen veröffentlichte Romane gelesen und spiele – mit ein paar Unterbrechungen – immer noch regelmäßig World of WarCraft seit seiner Veröffentlichung in Europa 2005. Daher kann ich diesen Film nicht unvoreingenommen als regulärer Kinogänger betrachten.

Und genau das ist auch der Grund, wieso ich das Kino ein wenig enttäuscht verlassen habe. Denn WarCraft sieht extrem hochwertig aus und kriegt Bonuspunkte für versteckte Referenzen an die Originalspiele – doch in Sachen Charakterisierung fällt man leider gehörig auf die Nase. Keiner der Darsteller ist in der Lage, eine wirklich herausragende Leistung abzuliefern oder eine große Wandlung durchzumachen, was man nicht nur teilweise auf die Erzählstruktur schieben kann: Duncan Jones, der auch das Drehbuch zusammen mit Charles Leavitt (K-PAX) verfasst hat, versucht in seiner Geschichte fast schon zwanghaft, beide Seiten des Konfliktes zu zeigen, in dem man den Fokus bei den Menschen auf Lothar und bei den Orcs auf Durotan legt. Nur indem man eben beide Seiten zeigt, so hat keine davon eine echte Möglichkeit sich zu etablieren oder mehr aus sich zu machen. Noch dazu tun sich dadurch ein paar unglückliche Plotlöcher auf: Z.B. sind die Orcs nicht in der Lage, die Sprache der Menschen zu verstehen, sprechen aber in Abwesenheit der Menschen völlig normales Deutsch (oder eben Englisch im Originalton), während Garona in anderen Szenen mit den Menschen als Übersetzerin agieren muss. Apropos Garona: Obwohl sie im Spiel nur ein Randcharakter war, ist sie hier im Film einer der wichtigsten Nebencharaktere. Jede Menge Zeit verwendet der Film darauf, sie uns näher zu bringen, aber auch wenn Paula Patton vieles versucht: Eine wirklich gute Schauspielerin ist sie nicht, was aber auch am Drehbuch liegt.

Ein weiteres Manko ist, dass der Film trotz einer Laufzeit von 123 Minuten sonderbar unstrukturiert und in seinem Umfang klein wirkt. Zwar sehen wir viele Aufnahmen der umgebenden Landschaft, doch die Szenen mit den eigentlichen Darstellern finden meist nur in kleinen Räumen statt, die wenig Freiraum für echte Szenenbildung bieten. Mag zunächst einmal komisch klingen, daher gehe ich auf eine Szene mal näher ein: Khadgar landet mit seinem Greifen in der fliegenden Stadt Dalaran und wird dort von Erzmagier Antonidas (ebenfalls Toby Kebbell, nur eben ohne Effekte) empfangen. Bis er in der Halle des Magierrats erscheint, sehen wir keinen einzigen anderen Menschen, obwohl Dalaran eine Stadt ist, die es locker in Sachen Größe mit Sturmwind aufnehmen kann. Das ist nur ein kleines Beispiel für Szenen, bei denen offensichtlich Material geschnitten wurde. Nur eventuelles Bonusmaterial in der Zukunft wird zeigen, wie viel wirklich unter dem Schneidetisch landete.

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Warum denn so ernst?

In anderen Kritiken habe ich Meinungen gelesen, dass der Film sich zu ernst nimmt. Ich denke eher, dass es seine Vorlage durchaus respektiert und auch vieles richtiges daraus macht, aber eben an bestimmten Punkten einfach aufhört, der roten Linie zu folgen. Wieso z.B. gibt es in WarCraft: The Beginning keine Gnome, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt bereits fest als Teil der Allianz etabliert sind oder zumindest zu dem, was einmal die Allianz werden wird? So gehen wertvolle Momente für ein paar kurze Lacher verloren. Denn im Vergleich zu einem Film wie Civil War gibt es tatsächlich wenige Momente, an denen man einfach mal kurz schmunzeln kann. Und wenn es sie gibt, wird meist Khadgar zum Tollpatsch gemacht.

Außerdem nimmt der Film zahlreiche prominente Figuren und macht im Film selbst einfach nichts aus ihnen. Es tauchen z.B. ein paar Zwerge auf, inklusive Magni Bronzebart, dem König von Khaz Modan, aber er ist einfach nur da, um Stichworte zu geben oder um als Gast einigen Szenen beizuwohnen. Auf der Hordenseite haben wir mit Grom Höllschrei einen der mit Abstand bekanntesten Orcs der alten Spiele, doch bleibt er von seinen Kameraden völlig unbeachtet. Würde er nicht aussehen wie Grom und seine ikonische Axt Blutschrei tragen, hätte man ihn beinahe nicht ausmachen können. Umso ärgerlicher ist, dass Grom wohl zu irgendeinem Zeitpunkt eine kleinere Rolle im Film hatte, denn auf der Comic Con 2015 wurde eine Szene gezeigt, in der Grom im direkten Gespräch mit Durotan, Draka und Orgrim zu sehen war – und die wohl noch vor dem eigentlichen Beginn des Films stattgefunden hätte, denn WarCraft: The Beginnng verschwendet keine Zeit damit, die Orcs von ihrer Heimat wegzubringen. Gleich die erste Szene zeigt, wie Gul’dan das Dunkle Portal öffnet – und danach spielt Draenor kaum noch eine Rolle. Ein missglückter Start und eine unglückliche Entscheidung, den Film so zu beginnen, denn dadurch nimmt man den Orcs ein weiteres Stück Charakterisierung.

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Die Präsentation stimmt

Effektemäßig ist WarCraft recht gelungen, auch wenn wirklich sehr offensichtlich ist, wenn CGI verwendet wurde. Immerhin wirken die Menschen dabei aber nicht deplatziert. Vor allem die Ausstattung kann sich sehen lassen, allen voran die Rüstungen und Waffen, die die Armeen der Menschen in der Schlacht trugen. Weniger glücklich fiel die Maske aus: Garona ist der einzige Orc im Film, der nicht am Rechner entstand. Paula Patton wurde für den Film eine digitale grüne Haut verpasst und ziemlich billig aussehende falsche Fangzähne, die man wohl auch beim Kostümladen um die Ecke erwerben könnte. Dazu gesellen sich ziemlich unterdurchschnittliche Hochelfen (wie bei den Zwergen nur im Film um zu zeigen, dass es sie gibt) und die ständig leuchtenden Augen der Magier und Elfen.

Am meisten loben kann ich den wirklich guten Soundtrack. Für den zeichnet sich Game of Thrones-Komponist Ramin Djawadi verantwortlich und mixt dabei bekannte WarCraft-Melodien mit ein. Übrigens etwas, was in den bisherigen Trailern nie wirklich zu hören war. Vor allem einer der letzten Trailer enthielt statt Djawadis Musik völlig unpassendes Dubstep und ich habe immer noch keine Ahnung, welcher Spezialist bei Legendary Pictures meinte, das sei eine tolle Marketing-Idee.

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FAZIT: Weiter warten auf einen guten Videospielfilm

Summary
WarCraft: The Beginning ist ein Film, der vieles auf Nummer sicher spielt. Dank einer guten und würdevollen Repräsentation des WarCraft-Universums, umgeht er die Falle vieler Videospiel-Adaptionen, nur den Namen für einen einfachen Fantasy-Film zu verwenden. Dabei erfüllt er allerdings nur minimale Erwartungen und ist an sich einfach zu unambitioniert, um wirklich großartig zu werden. Dem Thema entsprechend wäre es vielleicht besser gewesen, den Film aufzuteilen in einen Horde- und einen Allianz-Film, der sich auch ausschließlich nur auf jeweils eine Seite konzentriert hätte. Man mag nur hoffen, dass man sich ein wenig mehr Mut für eine eventuelle Fortsetzung fasst, denn Potenzial hat das vorliegende Material allemal.
6
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Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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