Filmkritik: The Void

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Die 80er-Jahre waren zweifelsohne eine gute Zeit für atmosphärische Horrorfilme, die ohne viel Schnickschnack auskamen und dem Zuschauer trotzdem einen kalten Schauer über den Rücken laufen liessen. John Carpenters Das Ding oder Clive Barkers Hellraiser sind schon längst Kult geworden und haben die Horrorfilmlandschaft maßgeblich geprägt. Auch The Void hat sich solche 80er-Jahre Schocker zum Vorbild genommen. Ob es an die Angst und den Schrecken der Idole herankommt, erfahrt ihr in unserer Filmkritik!

Sheriff Carter hätte nicht erwartet, dass seine eigentlich unspektakuläre Nachtschicht so eine Wendung nehmen würde. Erst bricht ein blutender Mann vor seinem Auto zusammen, und als er ihn ins nächste Krankenhaus bringt, tauchen zwei mysteriöse Jäger auf, die dem Unbekannten an den Kragen wollen. Doch das sollte erst der Anfang sein, denn schon bald überschlagen sich die Ereignisse. Die Patienten und Angestellten des Krankenhauses sind gefangen, denn draußen werden sie von bizarren, in weißen Kutten gekleideten, messerschwingenden Gestalten bedroht, die jegliche Flucht unmöglich machen. Und als dann auch noch im Krankenhaus die ersten Opfer zu grausigen Monstern mutieren, wissen die Beteiligten, dass das Tor zur Hölle sich längst geöffnet hat.

TheVoid_Szenenbild_07  Filmkritik: The Void

Zugegeben, The Void hat sehr vielversprechend angefangen. Allein der Trailer macht definitiv Lust auf mehr, und so bieten bereits die ersten Minuten eine große Anspannung, düstere Atmosphäre und ein beklemmende Enge. The Void vergeudet nicht viel Zeit, die schlimmen Dinge beginnen bereits sehr früh im Film. Und das alles geschieht in einer wirklich maßgeschneiderten Kulisse. Das Krankenhaus, in dem die Handlung sich abspielt, wirkt, als wäre man mitten in der Zombie-Apokalypse, ähnlich dem Krankenhaus der ersten Episode von The Walking Dead. Stünde an einer der Krankenhaustüren “Don’t Open, Dead Inside”, es wäre nicht verwunderlich gewesen. Das Krankenhaus hat einen Brand hinter sich, und fast die gesamte Belegschaft samt Patienten ist in ein anderes umgezogen, was die perfekte Ausgangssituation für einen Horrorfilm bietet. Nur eine Handvoll Personen in einem zerfallenen Krankenhaus. Wenn diese Personen dann aber auch noch schauspielern könnten, wäre der Film womöglich noch zu retten gewesen.

Die schauspielerische Leistung der Besetzung ist nämlich unter aller Kanone. Phrasen werden durch den Raum geworfen, ohne groß einen Effekt zu erzielen, man spielt eher nebeneinander statt miteinander und auch die Mimik und Gestik wirkt wie in einem schlechten Theaterstück. Meistens kann selbst in C-Movies der Hauptdarsteller noch ein wenig das Schiff auf Kurs halten, aber selbst Aaron Poole wirkt als Sheriff Carter eher blass und hölzern. Die Tatsache, dass er der Protagonist ist und die meiste Screentime bekommen hat, ist in dem Fall eher ein Nachteil, da er so nur umso mehr Gelegenheiten hat, sich um Kopf und Kragen zu spielen.

TheVoid_Szenenbild_02  Filmkritik: The Void

Hinzu kommen die wirklich dämlichen Aktionen der Beteiligten. Jeder weiß, wie leichtsinnig und stupide sich Charaktere in Horrorfilmen anstellen, sie stürzen sich blindlings in diverse lebensbedrohliche Situationen und bringen ihre Mitmenschen unnötig in Gefahr, aber bei The Void ist die Naivität der Charaktere ein Paradebeispiel. Es ist natürlich eine richtig tolle Idee, in einem Krankenhaus, in dem es von mutierten Monstern, Wiedergängern und messerschwingenden Kuttenträgern nur so wimmelt, auf eigene Faust und unbewaffnet loszuziehen, um Medikamente zu beschaffen, die es selbstverständlich nur in dem abgelegensten Trakt des Krankenhauses gibt. Auch ist es ein besonders guter Einfall, nach draußen zu den Messerwetzern zu rennen, um Waffen aus dem Sheriff-Auto zu besorgen, das plötzlich erstaunlich weit weg geparkt ist, um dann im Auto so unnötig viel Zeit mit unerklärlichen Handgriffen zu verbringen, statt sich einfach nur die Waffen zu schnappen und zu türmen, bis natürlich die Herrschaften in den Roben einem quasi im Nacken sitzen. Zudem kommen Sturheit und unerklärliches Abwägen von Prioritäten. Wenn zum Beispiel Kathleen Munroes Charakter statt auf den Sheriff zu hören lieber die Hebamme für eine schwangere Frau sein möchte, wenn es um das Überleben aller Anwesenden im Krankenhaus geht, und Zusammenhalt und das gegenseitige Bewaffnen vernünftiger gewesen wären. Natürlich muss eine Ärztin sich um ihre Patienten kümmern, aber die Sturheit in dieser Szene wirkt so dermaßen deplatziert, dass es fast schon absurd wirkt.

Die Schnitte und Kameraführung von The Void sind holprig, die Kameraeinstellung ist oft zu nah am Geschehen oder viel zu weit weg. Die Actioneinlagen wirken schlampig geschnitten, Fausthiebe scheinen ins Leere zu gehen, treffen dann aber doch, und die Soundeffekte passen manchmal nicht zum Bild, als hätte man bei der Nachbearbeitung irgendwie versucht, es passend zu machen, weil man die Szenen nicht mehr nachdrehen konnte, aber sobald man so etwas im Endprodukt bemerkt, hat jemand seine Hausaufgaben nicht gemacht.

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Man merkt die Liebe des Regisseur-Duos Jeremy Gillespie und Steven Kostanski zu Horror-Klassikern wie Das Ding (1982) oder Hellraiser (1987), denn The Void strotzt nur so vor Elementen beider Filme. Die bizarren Gestalten und entstellten Körper, die ohne viel Computerisierung und mehr auf handgemachte Effekte setzen, die verstörende und bedrückende Atmosphäre des Ungewissen, und der okkulte und teuflische Touch, in den der Film im Verlauf verfällt, weisen deutlich die Handschrift der 80er-Jahre Filme auf. Und das gelingt The Void trotz aller Kritik recht gut. Mit wenig Budget schafft man es einige spannende Momente zu erschaffen, wenn die Charaktere beispielsweise durch die Katakomben des düsteren Krankenhauses schleichen, nicht ahnend, was dort in den Tiefen auf sie wartet. Man bekommt bei diesen Bildern beinahe ein Horror-Game-Erlebnis à la F.E.A.R. geliefert. Die spärliche Beleuchtung, das Spiel mit der Dunkelheit, die flackernden Lampen, sorgen für eine furchteinflössende Atmosphäre, und die Splatter-Elemente sind nur schwer zu verdauen. Dennoch erfinden die Regisseure das Rad dadurch natürlich nicht neu, und man hat das Gefühl, vieles davon schon einmal in einem anderen Film gesehen zu haben. Nur mit besseren Schauspielern.

TheVoid_Szenenbild_03  Filmkritik: The Void

The Void ist außerdem gespickt mit visionenhaften, abstrakten Szenen, die aus einem Alptraum stammen könnten, und bietet vor allem gegen Ende viele unbeantwortete Fragen und Raum für Interpretationen. Der Zuschauer muss sich selbst einen Reim aus dem Gesehenen und Gehörten bilden, aber es wirkt stellenweise dann doch etwas zu konfus und unbeständig. Die Story nimmt einige unerwartete Wendungen, überschlägt sich allerdings ein paar Mal zu oft und weiß gefühlt selbst nicht, wo genau sie hin will. Am Ende ist es natürlich einfacher, den Stecker zu ziehen, wenn man sich erzählerisch in eine Sackgasse begeben hat, aus der es keinen Ausweg gibt, aber ob gewollt oder ungewollt bleibt natürlich ungeklärt.

Einer der Charaktere stellt in den unteren Katakomben des Krankenhauses entsetzt fest: “Wir sind in der Hölle.” – der Zuschauer hingegen stellt sich passenderweise den ganzen Film über die Frage: “Was zur Hölle geht hier eigentlich vor?”

Fazit

The-Void_DVD-Packshot_DE_16-212x300  Filmkritik: The VoidThe Void schafft es trotz 80-er Jahre-Flair, angespannter und verstörend-beklemmender Atmosphäre und einigen derben Schockern nicht, vollends zu überzeugen. Das wirklich unterirdische Schauspiel und das “alles-schon-mal-dagewesen”-Gefühl begleitet einen durch den ganzen Film und auch die Geschichte hinterlässt zu viele Fragen, die wohl niemals eine Antwort bekommen werden. The Void will mehr vermitteln und darstellen, als er im Endeffekt im Stande ist, und so bleibt das Ganze nur eine mittelmäßige Angelegenheit.

 

 

 

 

The Void ist bereits auf DVD, Blu-Ray und Video On Demand erhältlich.

5

Mittelmässig

Space Cowboy und Teilzeit-Vampir. Immer schwer bewaffnet mit nem Controller in der einen und Kino-Ticket in der anderen Hand.

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