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Filmkritik: The Last Witch Hunter

Im Mittelalter hatten es die Menschen schon ziemlich schwer. Übermäßig viel Kriminalität, unzureichende medizinische Versorgung, kein W-Lan, aber vor allem: schlimme Berufsperspektiven. Dort wurde man entweder das, was der Vater war, oder Schmied. Beides war nicht wirklich erfolgsversprechend und so blieb Vielen nichts anderes übrig, als in halsbrecherischen Berufssparten, wie dem des Hexenjägers, ihr Glück zu versuchen. Hier ist allerdings nicht die Rede von den buckeligen alten Hexen, die in ihren kleinen Waldhütten fiese Grippe-Tränke brauen. Gemeint sind wirklich mächtige magische Wesen, die mit kleinen Handbewegungen ganze Gebäude in Brand setzen und das Land mit tödlichen Giftfliegen-Schwärmen bedecken können. Für diese Art von Hexen braucht es einen knallharten, durchtrainierten Haudegen von Jäger. Quasi eine Art Vin Diesel im Mittelalter…

Das dachte sich der Regisseur von The Last Witch Hunter wahrscheinlich auch und castete eben Vin Diesel für die Rolle des ursprünglich mittelalterlichen Hexenjägers, Kaulder. „Ursprünglich“ deshalb, weil die Geschichte des Films nur für ca. 10 Minuten im europäischen Mittelalter angesiedelt ist. In diesen Anfangsminuten gelingt es dem erfahrenen Hexenjäger nämlich, in das Versteck der fiesen Hexenkönigin einzudringen, um ihr ein für alle Mal den Garaus zu machen. Doch kurz bevor er ihr den endgültigen Todesstoß versetzen kann, belegt ihn die Hexe mit einem grausamen Fluch!

Ewig Leben, Ewig Jagen

Von diesem Zeitpunkt an ist Kaulder dazu verdammt, keine Sekunde mehr zu altern. Sein Körper zeigt keine natürlichen Verschleißerscheinungen und jede ihm zugefügte Verletzung heilt von ganz allein in sekundenschnelle. Er wird also unsterblich – welch fürchterliches Schicksal. Ein fatales Versehen seitens der Hexe? Mitnichten. Denn Kaulder ist ein Mann, der sich nach der Versöhnung des Todes sehnt, um die Qualen seiner Vergangenheit ablegen zu können. Ein Wunsch, der ihm somit verwehrt bleibt. Vom nagenden Zahn der Zeit unangetastet, findet sich Kaulder, ca. 900 Jahre später, im New York unserer Zeit wieder. Inzwischen hat sich viel verändert – die Welt ist sich nicht mehr über die Existenz von Hexen gewahr. Diese leben hingegen noch immer unter den Menschen. Die meisten haben sich jedoch einem Bündnis angeschlossen, welches sie dazu verpflichtet, ihre Fähigkeiten niemals gegen Menschen zu wenden. Sollten sie diesen Pakt brechen, hetzt die Kirche ihnen den letzten Hexenjäger auf den Hals. Was 900 Jahre lang gut funktioniert hat, wird jedoch plötzlich zum Problem, als eine uralte Form der Hexerei sich in New York bemerkbar macht, die Kaulder noch aus seiner Zeit als bärtiger Schwertschwinger kennt…

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Ungewöhnlich viel Plot für einen Film, der eigentlich nur der Formel: „Vin Diesel + Action + CGI + Neuzeit = Cool“ folgen will. Und obwohl die Formel nicht ganz auf das Ergebnis kommt, was sie sich erhofft, muss man sagen, dass es Regisseur Breck Eisner (The Crazies) tatsächlich gelungen ist, sich an sein Rezept zu halten. Denn so seltsam die Mischung aus mittelalterlicher Hexerei im modernen New York unserer Zeit auch klingen mag – der Film bleibt konsequent bei seinem Setup und erzählt seine Geschichte mit überraschend trockener Ernsthaftigkeit. Und vielleicht ist das genau sein Problem. Denn wenn Vin Diesel, ein flammendes Schwert schwingend, durch den Untergrund New Yorks spurtet, um regelmäßig seinen trockenen Humor per One-Liner zu demonstrieren, fällt es dem Zuschauer unweigerlich schwer, den Film wirklich ernst zu nehmen. Dies könnte man damit aushebeln, dass der Film sich selbst ebenfalls nicht allzu ernst nimmt und man gemeinsam über die ein oder andere unfreiwillig komische Stelle lacht. Tut er das allerdings nicht, lacht nur der Zuschauer, was dann irgendwie für beide unangenehm wird.

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Glanzloser Zauber

Schauspielerisch ist The Last Witch Hunter erstaunlich gut ausgestattet! In den Nebenrollen gesellen sich Rose Leslie (die die meisten aus Game of Thrones kennen dürften), Elijah Wood und Michael Caine zum Protagonisten. Umso erstaunlicher, dass all diese großen Namen einem nach den 106 Minuten lediglich als blasse Statisten in Erinnerung bleiben. Gerade Caine und Wood werden leider viel zu deutlich instrumentalisiert und dienen lediglich den simplen Zwecken des Storytellings – die an dieser Stelle, zugunsten der ohnehin zu einfachen Geschichte, ungenannt bleiben sollen. Lediglich Leslie bekommt ein wenig Raum, um ihre Figur zu etablieren, jedoch schlägt auch hier der mächtige Bleistift des Drehbuchautoren zu, der die Figur so uninteressant schreibt, dass es kaum gelingt, nur irgendwie einen Draht zu ihr zu entwickeln.

Und wenn es uns nicht gelingt, wie soll es dann der steinharte Vin Diesel, der die andere Hälfte des ungleichen Gespanns darstellt und leider viel zu aufgesetzt mit Leslie zu harmonieren versucht. Abgesehen davon, ist Diesel jedoch eindeutig das schauspielerische Highlight des Films – und das will was heißen! Seine Figur Kaulder ist tatsächlich cool, gewohnt gefühlskalt und stellenweise auch mal humorvoll. Daher ist es umso trauriger, dass das Drehbuch keine Gelegenheit ergreift, mehr zur emotionsgeladenen Vergangenheit des Titelhelden zu erzählen. Dies hätte möglicherweise sogar die Motivation des Hexenjägers ein wenig nachvollziehbarer gemacht.

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Dass ein Großteil vom 90Millionen-Dollar-Budget an die Darsteller gegangen sein muss, zeigt sich an den CGI-Effekten. Die schmücken nahezu alle Actionszenen des Films und sind leider häufig viel zu glatt und farbenfroh animiert. Dadurch setzen sie sich oft deutlich vom Rest der düsteren Szenerie ab und stören die Illusion eines realistisch-neuzeitlichen Settings. Davon abgesehen, ist die Action im Film recht passabel, lässt im Mittelteil viel zu lange auf sich warten, aber unterhält, wenn sie dann mal eingetroffen ist.

Die temporeichen Passagen inszeniert Eisner deutlich besser, als den gesamten Rest des Films. Das wäre eigentlich auch überhaupt nicht tragisch, wenn dieser besagte Rest nicht irgendwie wie Füllmaterial zwischen den spektakulären Sequenzen wirken würde. So sucht man während der ruhigen Dialog- und Handlungssequenzen häufig nach einem Sinn der entsprechenden Passagen, die jedoch leider nur durch völlige Belanglosigkeit auffallen. Da erschließt sich einem auch nicht wirklich, weshalb das Studio vorsieht, aus dem Film ein mögliches Franchise zu machen, so dünn wie die Geschichte präsentiert wird. Insofern lohnt es sich auch kaum, das Ende des Abspanns für eine Zusatzszene abzuwarten, die Raum für einen Nachfolger aufmacht, der hoffentlich niemals kommt. Zumindest nicht in der Qualität des schwächelnden Erstlings.

Summary
Was ein witziges Trash-Fest mit einem starken Cast hätte werden können, verschoss leider vorzeitig sämtliches Potenzial. So wurde The Last Witch Hunter lediglich zu einem höchstens durchschnittlichen Fantasy-Action-Film, der seine eigentlich kurzen 106 Minuten länger wirken lässt als sie sind. Ins Kino gehen sollten daher lediglich diejenigen, die ihren Anspruch auf eine durchdachte Geschichte nahezu gänzlich herunter schrauben können, oder solche, die Vin Diesel so sehr verehren, dass sie sich dafür sogar gerne die spärlich verteilte FSK12-Action anschauen. Ansonsten kann man sich mit diesem Film in 1-2 Jahren auch gut einen gemäßigten TV-Abend machen.
4
Schwach
Written by
Student, Vollblut-Cineast und Teilzeit-Gamer! You stay classy, San Diego!

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