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Filmkritik: Star Trek – Beyond

Vor sieben Jahren erweckte Regisseur J.J. Abrams – der heute von vielen Sci-Fi-Fans als der Steven Spielberg einer jüngeren Generation gehandelt wird – eine TV-Saga erneut zum Leben, die ihre Hochzeiten auf der Kinoleinwand längst hinter sich hatte. Mit viel Liebe zum Quellmaterial, einem handerlesenen Cast und einer Wagenladung „Lens Flares“ inszenierte Abrams mit Star Trek (2009) ein durchweg gelungenes Reboot, das nicht nur Fans der TV-Serie begeistern konnte. Pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum der klassischen TV-Serie erreicht uns mit Star Trek: Beyond nun der dritte Teil dieses Kino-Neuanfangs. Doch wird auch dieser Teil seinem schweren Erbe gerecht, oder geht er letztlich in den unendlichen Weiten des Kinoprogramms verloren?

Am Ende von Star Trek: Into Darkness (2013) begab sich die Crew der Enterprise auf den schweren Weg in eine 5-jährige Erkundungsmission im All. Beyond setzt nun drei Jahre nach dem Antritt dieser Reise an und macht gleich zu Beginn deutlich, dass eine solch lange Zeit im Weltraum durchaus seine Spuren in den gestählten Körpern und Köpfen der Enterprise-Crew hinterlässt. Während Captain James T. Kirk (Chris Pine) an einer kleinen Selbstfindungskrise zu beißen hat, steht es um die romantische Beziehung zwischen Mr. Spock (Zachary Quinto) und Leutnant Uhura (Zoe Saldana) auch nicht sonderlich gut. Da kommt eine kleine Rettungsmission gerade gelegen, die das Team auf einen angeblich unbewohnten Planeten führt, wo sie ein in Not geratenes Schiff bergen sollen. Der Auftrag gestaltet sich jedoch schwerer als erahnt, als ein Schwadron von Alien-Raumschiffen die Enterprise über dem Planeten zum Absturz bringt. Krall (Idris Elba), der tyrannische Anführer der Aliens, will ein seltenes Artefakt in seine Hände bekommen, das sich zuletzt an Bord der Enterprise befand. Mit dessen Hilfe könnte es ihm ein gelingen, die galaktische Föderation mit einer neuen, mächtigen Massenvernichtungswaffe zu zerstören…

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Der Eindruck eines versimpelt zusammengeführten Plots, der beim Lesen dieses kleinen Abrisses möglicherweise entstanden sein könnte, macht sich auch beim Schauen des Films breit. Denn viel mehr hat Star Trek: Beyond Story-technisch tatsächlich nicht zu bieten. Während die „Der Bösewicht will die mächtige Waffe in seine Finger bekommen und damit die Föderation zerstören, weil er Frieden doof und Krieg cool Findet“-Prämisse in einer alten Star Trek-TV-Episode funktioniert haben mag, wirkt ein solcher Plot selbst im aktuellen Action-Kino ein wenig platt. Obwohl Idris Elba (den man unter der Maske gar nicht mehr erkennt) den fiesen Fiesling beeindruckend verkörpert, wirkt seine Handlungsmotivation, auch mit nachgelieferter Hintergrundgeschichte in den letzten Filmminuten, unzeitgemäß. Hat einem der Antagonist des Films dann auch noch seinen finsteren Masterplan verraten, kann man den etwas vorhersehbaren Plot auch schnell im Kopf umreißen.

Für viele Filme, besonders aus dem Action-Genre, wären Kritikpunkte wie diese bereits ein K.O.-Kriterium. Star Trek: Beyond kann jedoch mit Lichtgeschwindigkeit über diese kleineren Mängel hinausschießen. Das gelingt dem Film vor allem durch die fabelhaft geschriebenen Figuren. Besonders als sich die Enterprise-Crew in der zweiten Filmhälfte aufteilt und auch Nebenfiguren wie Pille (Karl Urban), Scotty (Simon Pegg) und Chekov (Anton Yelchin) genug relevanten Handlungsspielraum bekommen, glänzt Star Trek: Beyond mit seinem großartigen Cast. Das Drehbuch jongliert die Figurenkonstellationen in einer Ausgewogenheit, die sämtlichen Charakteren Absicht und Funktion in der Rahmenhandlung verschafft. Gleichzeitig sprühen die Dialoge derart vor Witz und Charme, dass selbst ein Star Trek-Laie nicht drum herum kommt, einen ulkigen Scotty oder gar den chronisch-pessimistischen Pille in sein Herz zu schließen.

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Handlungsexposition und der obligatorische Auflockerungsgag werden dann in regelmäßigen Abständen von brachialer Action unterbrochen, die erstmalig von Fast & Furious-Regisseur Justin Lin inszeniert wurde. Dieser scheint sich im Sci-Fi-Genre pudelwohl zu fühlen. So weiß er, dass Laserschüsse und Raumschiff-Torpedos mit sattem Bass unterlegt werden müssen und ein Raumschiffabsturz auf einem fremden Planten von der Totalen in gut getakteten Schnitten immer mal wieder in die Nahaufnahme gehen muss, um auch dem Zuschauer in der letzten Sitzreihe die Wucht der Action ins Gesicht zu knallen. Bei so viel Getöse mag man aber zwischenzeitig auch mal nach Luft schnappen – gut also, dass Lin eine passende Formel für das richtige Maß an Bildgewalt gefunden zu haben scheint, die er in Star Trek: Beyond gekonnt umzusetzen weiß. Und immer dann, wenn die Handlung das nächste Kapitel der zugegeben etwas episodisch erzählten Geschichte aufschlägt, findet Lin ein neues atemberaubendes Setting für seine butterweich und stilsicher gefilmten Action-Passagen.

Insgesamt wirkt der Film wie eine Art „Best of“ aller Errungenschaften der letzten beiden Star Trek-Teile. Die Figuren bekommen mehr individuellen Handlungsraum, die Action versucht sich in ihrem Ausmaß noch mal zu überbieten und auch der Wortwitz zündet besser als in jedem Marvel-Film. Extrapunkte gibt es darüber hinaus für den wohl coolsten Einsatz des Beastie Boys-Songs „Sabotage“ in den vergangenen Jahren und einen kleinen melancholischen Rückblick auf die Star Trek-Historie von vor 50 Jahren.

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Summary
Mit der dritten Installation gelingt Justin Lin und dem Rest des großen Produktionsteams um Star Trek: Beyond das Unmögliche: Sie erschaffen einen Film, der sich nach bereits zwei guten Vorgängern in einer trockenen Wüste aus Sci-Fi-Action-Streifen gegen sämtliche seiner Sequel-Konkurrenten durchsetzt und aus einer bewährten Formel das absolute Maximum heraus holt, ohne sein schweres Erbe zu beflecken. Sicherlich ist auch der dritte Teil des Star Trek-Reboots keine Neuinvention des Genres und tatsächlich gibt es weder auf dem Papier, noch im Handwerk wirklich neue filmische Errungenschaften zu sehen. Dennoch scheint das Konzept noch so gut zu funktionieren, dass Vollblut-Trekkies und Action-Enthusiasten aller Art gleichermaßen voll auf ihre Kosten kommen.
8
Sehr gut
Written by
Student, Vollblut-Cineast und Teilzeit-Gamer! You stay classy, San Diego!

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