Filmkritik: Overdrive

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Schnelle Autos, schöne Frauen, taffe Typen, ein tollkühner Diebstahl und jede Menge Action. Das sind die Grundzutaten für einen Spielfilm im Stil von The Fast and the Furious oder The Italian Job. Und aus diesen Zutaten gilt es einen unterhaltsamen und sehenswerten Film auf die Beine zu stellen, der Alleinstellungswert hat und nicht in der repetitiven Filmlandschaft untergeht. Ob das bei Overdrive gelungen ist, erfahrt ihr in unserer Filmkritik!

Die Brüder Andrew und Garrett Foster sind draufgängerische Autodiebe und Meister ihres Fachs. Sie stehlen allerdings nicht jedes x-beliebige Auto, sondern haben es auf exklusive und hochpreisige Sammlerstücke abgesehen. Ihre Abenteuerbereitschaft und Risikofreude kennt keinerlei Grenzen. Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen verschlägt es die beiden an die französische Riviera, wo sie an den lokalen Gangsterboss Jacomo Morier geraten, auf dessen seltene wie unbezahlbare Autokollektion sie selbstverständlich ein Auge geworfen haben. Morier stellt sich jedoch als harter Hund heraus: Er zwingt sie, mit ihren besonderen Fähigkeiten seinem Gegenspieler Max Klemp ein ganz besonderes Auto abzuluchsen. Es beginnt ein rasanter Wettstreit gegen die Zeit, voller Adrenalin und unvorhersehbaren Wendungen.

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Overdrive ist filmisch gesehen wie ein toller Sportwagen, zu dem man keinen Schlüssel hat. Hier hätte es geholfen, wenn man – ganz im Stil des Films – das Auto kurzgeschlossen hätte, also mit etwas außergewöhnlichem hätte punkten können. Irgendein Element, das den Film aus allen anderen hervorragen lässt, ihn zu etwas besonderem macht. Aber scheinbar war keiner der Beteiligten in der Lage, ein Auto zu knacken um den Film zu retten. Hier hat man versäumt, mit neuen Ideen und eventuell etwas Mut zu punkten. Er bedient sich an Genre-Vorreitern wie The Fast and The Furious oder The Italian Job, ähnliche Elemente sind deutlich zu erkennen. Aber die Vorlagengeber machen es in vielerlei Hinsicht einfach besser, und lassen Overdrive wie eine Hommage oder – um das Brüderelement wieder einzubringen – wie den kleinen und präpubertären Bruder erscheinen.

Überhaupt drücken sich bei Overdrive die Klischees die Klinke in die Hand: Da gibt es das ungleiche Brüderpaar, die taffe Frau, die Schönheit, die nicht nur ein Anhängsel sein will, den schrulligen Sprengstoffexperten, den gnadenlos-grausamen Gangsterboss, alles wirkt wie nach Schablone zurechtgeschustert. Die Gags wirken erzwungen, man kann die Pointe einer lustigen Szene weit vorher erahnen, trotzdem hätte das auch noch wesentlich schlimmer sein können.

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Man kann es drehen und wenden wie man will: Scott Eastwood hat einfach nicht das Charisma seines Vaters Clint Eastwood. Er mag zwar das gute Aussehen vorweisen, und auch als Actionheld macht er garantiert nicht viel falsch, aber um in die großen Fußstapfen seines Vaters zu treten, bedarf es schon wesentlich mehr. Es gab in der langen Geschichte des Films schon mehrfach Beispiele, in denen Vater und Sohn beide ein schauspielerisches Talent vorweisen konnten, oder sogar der Nachwuchs den Senior übertraf. Da wäre zum Beispiel die Brolin-Familie oder auch die Douglas-Familie zu nennen. Im Hause Eastwood hat allerdings schauspielerisch immer noch der alte Haudgegen das Sagen. Man merkt Scott Eastwood an, dass er sich bemüht, und inzwischen geben ihm die Filmregisseure auch tragende Hauptrollen, allerdings muss da noch viel mehr kommen, um wirklich zu überzeugen. Da er als Schauspieler aber auch eher spät in die Gänge kam, kann es natürlich sein, dass der große Durchbruch dementsprechend noch etwas auf sich warten lässt.

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Allgemein lässt Overdrive schauspielerisch viel zu wünschen übrig. Auch die restliche Besetzung kommt eher hölzern rüber, die Dialoge sind künstlich und wirken beinahe parodistisch, da sie so klischeebehaftet daherkommen, als hätte man auch da nach Mustervorlagen gearbeitet. Freddie Thorp ist als Garrett Foster der etwas unverklemmtere Part des Brüdergespanns, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, rüttelt die statische Gruppe etwas auf mit seiner flapsigen Art. Simon Abkarian gibt den unbarmherzigen Gangsterboss, was am Anfang ganz gut funktioniert, aber irgendwann eher abflacht. Sein Gegenspieler Max Klemp, gespielt vom deutschen Schauspieler Clemens Schick, ragt unter allen Schauspielern wohl am meisten heraus. Mit seinem irren Blick, den Tätowierungen und seiner passiv-aggressiven Art umgibt die Rolle immer eine Aura der Gefahr und Unberechenbarkeit. Leider wird sein Charakter so sparsam eingesetzt und die Screentime zu kurz gehalten, um den Film durch ihn noch wirklich aus dem Strudel zu retten.

overdrive5  Filmkritik: Overdrive

Wie bei allen Filmen, in denen Autos eine wichtige Rolle spielen, erscheint das Ganze immer wie ein Auto-Showcase diverser großer Automarken. Das kann man Overdrive zwar nicht zum Vorwurf machen, da andere das wesentlich schamloser gemacht haben. Aber der dritte Autowechsel und die Kamerafahrt um das Gefährt, um auch jeden Winkel auf der Schnellstraße einzufangen, wirkt auf Dauer sehr ermüdend.

Trotzdem ist bei Overdrive bei weitem nicht alles schlecht. Die Actionszenen sind sehr gut, schnelle Schnitte und überzeugende Stunts fesseln einen an den Sitz – auch wenn der sinnbildliche Sicherheitsgurt in diesem Fall wohl überflüssig ist. Storymäßig hat der Film durchaus ein-zwei gute Twists auf Lager, die man so tatsächlich nicht direkt erahnen konnte, und streckenweise ist die Geschichte auch unterhaltsam. Dennoch gibt es hier zu viele Negativpunkte, um wirklich eine positive Bewertung abzugeben, und so dümpelt Overdrive in der Mittelmäßigkeit umher, geht leider in einem Meer aus vergleichbaren Filmen unter.

Fazit

overdrive_cover-212x300  Filmkritik: OverdriveOverdrive ist ein halbgarer Actionfilm, der mehr sein möchte, als er es letzten Endes ist. Die Action ist in Ordnung, die Schauspieler aber hölzern – vielleicht mit Ausnahme von Clemens Schick – und das Setting wirkt alles wie schon mal dagewesen, aber in weitaus besserer Ausführung. Zwar ist das ein Film, den man sich durchaus mal zwischendurch anschauen kann, aber wirklich bleibenden Eindruck kann er nicht hinterlassen – dafür stockt der Motor von Overdrive an zu vielen stellen zu sehr, als dass daraus ein wirklicher Fahrspaß werden kann.

 

 

 

 

Overdrive kommt am 29. Juni 2017 in die deutschen Kinos.

5

Mittelmässig

Space Cowboy und Teilzeit-Vampir. Immer schwer bewaffnet mit nem Controller in der einen und Kino-Ticket in der anderen Hand.

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