Startseite » Reviews » Entertainment Reviews » Filmkritik » Filmkritik: Marvel’s The Avengers 2: Age of Ultron

Filmkritik: Marvel’s The Avengers 2: Age of Ultron

Hachja, vor 10-15 Jahren war ja noch alles anders… Die Vorreiter an den Kinokassen waren für-Freiheit-kämpfende Gladiatoren, lebensmüde Agenten, so gut wie jeder Zeichentrickfilm und Bruce Willis. Comicverfilmungen? Pah! Wer braucht denn so nen Quatsch? Joel Schumacher hat doch bewiesen, dass man Comicfiguren nicht ernst und cool verfilmen kann, richtig? Falsch! Die Rechnung hatte damals niemand mit Comic-Bigplayer Marvel gemacht. Genau genommen waren es ja eigentlich Sony und Fox, die mit X-Men (2000) und Spider-Man (2002) die lange eingestampften Comicverfilmungen wieder ins Spiel brachten. Heute sind diese Filme nicht mehr aus den Kinos wegzudenken.

Grund dafür ist vor allem Marvels hauseigenes Filmstudio, das den treuen Comicnerd und Kinobesucher jedes Jahr(!) mit mindestens einer Comicverfilmung versorgt. So trifft man heute auf der Straße kaum einen Menschen mehr, der mit dem Wörtchen „Marvel“ nicht sofort bunte Strumpfhosenträger und grüne Choleriker verbindet. Ich meine, selbst meine Oma weiß, wer Captain America ist und die geht höchstens ein mal im Jahr ins Kino…

Es dürfte also klar geworden sein, dass gerade bei so einem großen Filmprojekt aus dem Avengers-Franchise ein ganzer Rattenschwanz an Erwartungen hängt. Gerade dann, wenn Marvel sein Filmuniversum mittlerweile so eng vernetzt, dass man gar nicht mehr drum herum kommt, alle Filme zu gucken, um auch jede Referenz und jeden Storyfetzen zu verstehen.

Um meinen Standpunkt also kurz vorweg zu nehmen: Ich hatte, den hohen Erwartungen entsprechend, meine Probleme mit dem neusten Ableger der Comic-Schmiede. Dennoch ist Marvel’s The Avengers 2: Age of Ultron ein guter Actionfilm! Wie das zusammenpasst möchte ich gerne im Folgenden erläutern.

Doch zunächst zur Handlung – Spoilerfrei, versteht sich!

Filmkritik: Marvel's The Avengers 2: Age of Ultron 552d9bc6268e9

Welt retten 2.0

Nach einem holprigen Start in Marvel’s The Avengers (2012) ist die Truppe um Tony Stark aka Iron Man (Robert Downey Jr.), Thor (Chris Hemsworth), Captain America (Chris Evans), Black Widow (Scarlett Johansson), Hawkeye (Jeremy Renner) und dem Hulk (Mark Ruffalo) nun ein eingefleischtes Einsatzteam, das gelernt hat zusammenzuarbeiten, um den bösen Jungs von Hydra und Co. das Handwerk zu legen.

Selbst Hulk kann seinen unbändigen Zorn mittlerweile so gut kontrollieren, dass er nur noch seine Feinde und nicht mehr auch seinen Sitznachbarn in Stücke reißt. Dazu kommt, dass es dem Team endlich gelingt, das fiese Zepter von Loki, das im ersten Teil schon große Probleme verursachte, sicher zu stellen. Aber auch Superhelden brauchen mal Urlaub, weshalb Mastermind Tony Stark im neuen Avengers-Hauptquartier eine Legion an abgespeckten Roboter-Iron-Männern beherbergt, die er ferngesteuert auf kleine Rettungsmissionen schicken kann. Was ihnen fehlt, ist eine künstliche Intelligenz, mit der sie eigenständig agieren können und nicht mehr gesteuert werden müssen.

Abhilfe soll da die neu entdeckte Technologie verschaffen, an der Stark zusammen mit Labor-Kumpel Bruce Banner arbeitet. Das neue K.I.-Programm, mit dem bescheidenen Namen „Ultron“, könnte sogar den lang ersehnten Weltfrieden bringen. Dass das nicht ganz so läuft, wie gewünscht, mag sich der ein oder andere jetzt denken. Und tatsächlich wird aus dieser idyllischen Idee ein gänzlich neuer Feind geboren, der die Avengers vor eine Prüfung stellt, die das Team endgültig zerschlagen könnte…

Filmkritik: Marvel's The Avengers 2: Age of Ultron 53cf07262efb5

Halbgötter und Rüstungsträger in Hochform

Das klingt ja erst mal nach einem interessanten, wenn leider bereits vielfach erzählten Plot. Doch zunächst zu dem, was Marvel’s The Avengers 2: Age of Ultron richtig macht:

Hier reicht es fast, die Checkliste vom ersten Ableger nochmal heraus zu kramen, da sie sich nahezu deckungsgleich anwenden lässt. Joss Whedon versammelt auch im zweiten Teil seines Comic-Ensembles eine gewaltige Riege an A-Listern. Und tatsächlich gelingt es ihm erneut, all diese Charaktere in ein nahezu gleichwertiges Verhältnis zu setzen. Jeder Superheld bekommt seine Screentime und nahezu jeder fährt mit einer ikonischen Szene auf, die ihn im Rahmen der Handlung wichtig erscheinen lässt. Klar hat es ein Hawkeye schwer, sich neben großen Brüdern, wie Iron Man und Thor durchzusetzen. Aber auch dieses „Gewichtungsproblem“ wird von Whedon smart aufgefangen und in die Handlung verbaut.

Führt man sich vor Augen, dass Marvel’s The Avengers 2: Age of Ultron sogar noch eine Reihe weiterer Figuren einführt, die gänzlich neu etabliert werden müssen, ist es fast erstaunlich, dass kaum eine Titelfigur zu kurz kommt. Und auch von den Darstellern selbst erfährt man gewohnt Gutes. Jeder Dialog wartet mit einem Gag auf und an den alt bekannten One-Linern mangelt es dem Film auch nicht. So wird jedem Kampf und jeder noch so großen Gefahr auch immer mit einem kleinen Augenzwinkern entgegnet.

Filmkritik: Marvel's The Avengers 2: Age of Ultron 53cf0aadbf7d4

Apropos „Kampf“! Die Action ist natürlich mal wieder vom Feinsten, die Spezialeffekte saugut und ein bisschen bekommt die Wucht der ein oder anderen Szene mittlerweile Michael Bay-artige Ausmaße! Anders als sein Vorgänger ist Marvel’s The Avengers 2: Age of Ultron in seiner Farbgebung deutlich dunkler und matter. Ein Thema, das gut zur düsteren Atmosphäre der Handlung passt und gerade den Action-Sequenzen einen angenehm schmutzigen Ton verpasst.

Ein bisschen gestört hat stellenweise die Kameraführung, die im Vergleich zum ersten Teil, der ebenfalls bereits große und lange Massenschlachten bot, deutlich hektischer geworden ist und leider viel zu oft die „Wackelkamera“ zum Einsatz bringt. So geht gerade im großen Trouble der Überblick über das Gesamtgeschehen verloren. Das ist jedoch ein eher kleinerer Wermutstropfen in einem ansonsten audiovisuell großartig inszenierten Gesamtwerk!

Filmkritik: Marvel's The Avengers 2: Age of Ultron 552d9a15d7092

K.I. mit Kinderkrankheiten

Hach, wär da nur nicht dieser Ultron… Nicht falsch verstehen! Künstliche Intelligenz, die sich gegen seine Erschaffer wendet? Oft gesehen, aber okay. Ein intelligenter Gegner, der seine Feinde von innen heraus zerstören will? Cool. Aber was war noch mal die Begründung für all das? Und genau hier leistet sich Whedon nämlich einen Makel im ansonsten gut inszenierten Plot.

Ultron wurde nie als Bösewicht geschaffen – im Gegenteil! Er ist im Ursprung ein Friedenssicherungsprogramm. Wie und wann genau der Wandel zur dunklen Seite der Macht stattfindet, klärt der Film leider nicht. Und mit der Erklärung „Die Menschheit muss vernichtet werden, weil sie der Ursprung allen Übels ist!“ möchte sich der smarte Zuschauer auch nicht mehr zufrieden geben. Tatsächlich antwortet Ultron selbst auf die Frage, ob es sein Ziel sei, einfach alles Leben auf der Erde zu vernichten, mit den ungefähren Worten: „Ich bin ein Friedensicherungsprogramm! Aber kurz gesagt: Jup!“.

Der Film scheint sich hier selbst nicht besonders viel Mühe mit der Ausgestaltung seines Antagonisten geben zu wollen. Das ist besonders deshalb schade, weil Marvel mit Captain America: Return of the First Avenger (2014) schon im Vorjahr bewiesen hatte, dass sie mit ernsten Plots und intelligenten Bösewichten auffahren können. Umso enttäuschender hier die Darstellung eines Bösewichts, dessen Motivation der Science-Fiction-Klischeebox entnommen und fast unverändert serviert wurde.

Filmkritik: Marvel's The Avengers 2: Age of Ultron 5499c6cec9a17

[SPOILER voraus !!!]
In der zweiten Hälfte macht es Whedon leider in einigen weiteren Punkten nicht besser. So muss man eine vor amerikanischen Klischees triefende Farmhaus-Szene über sich ergehen lassen, bei der man gerne auch mehr als ein mal mit den Augen rollt, nur um kurz darauf Thor beim Baden in einem magischen See der Erkenntnis zuzusehen. Und nein, wirklich sinnvoll in die Handlung eingebettet ist auch diese Szene nicht. Das alles ist aber eigentlich halb so schlimm, da man ja sowieso nur auf einen finalen Endkampf mit Ultron wartet. Und das leider vergeblich. Dieser lässt sich nämlich bei jeder Konfrontation nahezu mühelos von einem der Titelfiguren in alle Einzelteile zerschlagen. Zum Glück verbreitet der Wicht sein Bewusstsein in Windeseile über das Internet und scheint über schier endlose Ressourcen zu verfügen, um seinen Körper in einer ausreichenden Menge zu reproduzieren. Da scheint eine Massenschlacht gegen eine Ultron-Roboterarmee fast unvermeidlich. Deja vu? Natürlich. Denn eine solche Schlacht kennen wir ja aus Teil eins. Durch die Einführung eines ach-so-bösen Fieslings in Teil zwei erwartet man jedoch insgeheim, dass es am Ende mal so richtig kracht. Und das tut es in Marvel’s The Avengers 2: Age of Ultron… halb! Die eigentliche Bedrohung stellt Ultron nämlich nur in seiner schieren Vielzahl dar – und nicht etwa in seiner Kraft oder Intelligenz. Das wirkt ein wenig antiklimaktisch.
[SPOILER ende !!!]

Tatsächlich stellt sich beim Schauen des Films ein wenig das Gefühl ein, dass Whedon bestimmte Höhepunkte für sein großes Finale Infinity War 1 + 2 (2018/19) zurück hält. Auch das Ende des Films macht deutlich, dass bestimmte Handlungsfäden lediglich gewoben wurden, um den Weg für die kommenden Marvel-Verfilmungen zu ebnen. Das ist im Prinzip auch okay, solange diese Absicht hinter bestimmten Handlungswendungen nicht offensichtlich wird.

So bleibt am Ende der fade Nachgeschmack, keinen eigenständigen Teil des Marvel Cinematic Universe erlebt zu haben, der die Storyfäden sinnhaft zusammenknotet, sondern nur einen weiteren Faden gesponnen zu haben, dessen Knotenpunkt uns erst in ein paar Jahren erreicht.

Filmkritik: Marvel's The Avengers 2: Age of Ultron 553e927455ad6

Summary
Puh, das war ganz schön viel Genörgel! Aber sind all diese Makel denn wirklich so schlimm? Eigentlich nicht. Denn eines kann man bei all dem Gemecker nicht leugnen: Marvel's The Avengers 2: Age of Ultron macht Spaß - und zwar ne ganze Menge!Das macht sich vor allem dadurch bemerkbar, dass die satten 141 Minuten wie im Flug vergehen und man sich zu keiner Minute ernsthaft langweilt. Nur ist es eben das schwere Erbe des Vorgängers, der den ein oder anderen Kritikpunkt besonders deutlich macht. Befreit man sich jedoch erst einmal von seinen Erwartungen, erfreut man sich an einem Action-Feuerwerk erster Klasse, das seine Kinokarte mehr als Wert ist!
6
Okay
Written by
Student, Vollblut-Cineast und Teilzeit-Gamer! You stay classy, San Diego!

Bewerte den Artikel

0 0

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Lost Password

Please enter your username or email address. You will receive a link to create a new password via email.