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Filmkritik: Jane Got a Gun

Im Jahr 1871 führt Jane Hammond (Natalie Portman) mit ihrem Mann Bill (Noah Emmerich) und ihrer Tochter ein friedliches Leben auf einer Farm in New Mexiko. So lange bis Bill von seinen ehemaligen Bandenmitgliedern aufgespürt wird. Mit acht Kugeln durchsetzt, rettet sich Bill, dem Tode nahe, zurück zu seiner Familie. Schwer verletzt bleibt ihm nur noch, seine Frau Jane vor den Verfolgern zu warnen, die bereits die Spur aufgenommen haben – angeführt vom berüchtigten Bandenchef John Bishop (Ewan McGregor). Die junge Mutter ist also gezwungen, auf eigene Faust Vorbereitungen zu treffen, um ihre Familie vor den Angreifern zu schützen. Dabei wird ihr immer klarer, dass sie nicht nur von John Bishop und seiner Bande, sondern ebenfalls von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt wird…

Jane Got a Gun unterliegt einer faszinierenden Prämisse, die auf dem Papier mehr als vielversprechend klingt. Ein klassischer Rache-Western, durchsetzt von den nostalgischen Elementen des Genres, wie dem Familiendrama, typischen Vergeltungsgeschichten, blasse, jedoch sympathische Heldenfiguren und zweidimensionale Antagonisten. Dieses mal jedoch mit einer weiblichen Titelheldin als Revolver schwingendes Familienoberhaupt. Viel komplexer muss ein Western dieser Art auf dem Blatt nicht sein. Aber dann sollte auch die Umsetzung funktionieren und hier scheitert Jane Got a Gun leider in vielen Punkten. Und dabei spielt auch keine Rolle, dass der Film schon vor Drehbeginn um seinen federführenden Filmemacher kämpfen musste. Denn die größten Schwächen sind konzeptioneller Natur.

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So vor allem die Erzählstruktur, die nach den ersten 10 Minuten bereits ordentlich Fahrt aufgenommen hat und dieses Tempo rapide wieder verliert. Das liegt daran, dass das Drehbuch den Zuschauer in den spannenden Filmmomenten mit Rückblenden jeder aufkommenden Spannung beraubt. Im Gegenzug wird er mit einer seichten Hintergrundgeschichte belohnt, die weniger Relevanz für einen Rache-Film besitzt, als sie Zeit in Anspruch nimmt. Vor allem die Figurenmotivation, die durch diese Rückblenden beleuchtet werden soll, bleibt leider auch im letzten Drittel weitestgehend auf der Strecke.

Von Schauspieler-Seite aus beschenkt Jane Got a Gun den Zuschauer immerhin ein bisschen. Während Natalie Portmans makelloses Gesicht jedoch eher wie ein Fremdkörper in den dreckigen Wüstenlandschaften wirkt, funktionieren vor allem Joel Edgerton und Ewan McGregor als abgebrühte Männer-Domänen. Schade daher, dass die Titelheldin des Films viel zu schnell in ihr stereotypes Frauenbild fällt und ohne Männerhilfe nahezu hilflos wirkt. Auch fehlt den Dialogen häufig der Biss, den die Charaktere aufgrund ihrer Divergenz durchaus verdient hätten. Dafür gelingt es dem Gespann aus Portman und Edgerton ein Team-Up wider Willen zu mimen, dessen sympathische Chemie durchaus Sorge um ihre Figuren weckt.

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Helle Momente hat Jane Got a Gun immer dann, wenn Regisseur Gavin O’Connor sich Zeit nimmt, um weite Panorama-Aufnahmen in den stilistischen rot-braunen Farben wirken zu lassen. Schade, dass die Musik in diesen Szenen – da viel zu dezent und uninspiriert – kaum Stimmung erzeugen kann. Immerhin gelingt es dem Film, in seinen letzten Minuten endlich mal einen Hauch von Spannung zu erzeugen, die sich zumindest für wenigen Minuten halten kann. Wenn O’Connor dann noch die Skrupellosigkeit seiner Welt effektiver in Szene gesetzt hätte, anstatt sie viel zu oft verpuffen zu lassen, hätte vielleicht auch das Finale mehr Wirkung erzeugen können.

Summary
Jane Got a Gun mag als vielversprechendes Projekt an den Start gegangen sein, scheint sein Potenzial jedoch bei den vielfältigen Produktionsproblemen verloren zu haben. Dramaturgisch plätschert der Film viel zu lange vor sich hin und investiert die kurzen 98 Minuten für unabgestimmte erzählerische Rückblenden. Leider können auch sympathische Charaktere und schöne Bilder nicht über den Eindruck von Einfallslosigkeit hinweg retten.
4
Schwach
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Student, Vollblut-Cineast und Teilzeit-Gamer! You stay classy, San Diego!

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