Filmkritik: Humanoid

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Post-Apokalypse. Ein sehr beliebtes Element der Filmlandschaft. Karge und meist von Menschenhand zerstörte Natur, die komplette Ausrottung der Tierwelt, Menschen am Rande der Gesellschaft, die so nicht mehr existiert. Ein endloser Kampf ums Überleben, Werteverfall, das Durchsetzen des Stärkeren, manchmal auch technologischer Rückschritt bis hin zur Unzivilisiertheit. Gerade bei solchen Filmen muss man mit gut durchdachter Story, starken Charakteren mit Tiefe und vielleicht sogar dem erhobenen Zeigefinger punkten. Ob Humanoid das gelungen ist, erfahrt ihr in unserer Filmkritik!

Wir schreiben das Jahr 2307. Die Welt ist zu einer von Menschenhand geschaffenen Eiszeit erstarrt. Überlebende gibt es nur noch in unterirdischen Städten, ein Leben außerhalb dieser Städte ist wegen unmenschlicher Temperaturen unmöglich geworden. Für Aufgaben und Arbeiten an der Oberfläche haben Wissenschaftler intelligente und körperlich verstärkte Humanoide erschaffen, die immun gegen Frost und Schnee sind. Doch die Wesen zetteln einen Aufstand gegen ihre Erbauer an. Commander Bishop muss zusammen mit einem Spezialtrupp an die Oberfläche, um den Anführer der Rebellion, ASH-393 zu eliminieren. Geleitet wird er von persönlichen Beweggründen, denn ASH-393 hat seine hochschwangere Frau mitsamt umgeborenem Kind getötet. Es beginnt eine Hetzjagd durch klirrende Kälte auf Leben und Tod.

humanoid2  Filmkritik: Humanoid

Humanoid – mit dem wesentlich kreativeren Originaltitel 2307: Winter’s Dream – wird im Vorfeld wesentlich mehr aufgebauscht, als der Film im Endeffekt hergibt, soviel sei im Vorfeld schon mal gesagt. Bereits auf der Blu-Ray-Verpackung wird man mit folgender Aussage konfrontiert: “Mad Max trifft Blade Runner in einer zu Eis erstarrten Welt.” Abgesehen davon, dass Humanoid rein gar nichts mit genannten Filmen gemeinsam hat, ist – wenn dem doch so wäre – diese Aussage schon äußerst gewagt. Bloß weil ein Film ein post-apokalyptisches Thema hat, ist es nicht gleich ein Mad Max (1979), und jeglicher Vergleich mit einem Meisterwerk wie Blade Runner (1982) bedarf keines weiteren Kommentars. Humanoid hat eine düstere, beklemmende und dystopische Atmosphäre, die mal mehr und mal weniger zum Vorschein kommt und dem Film ein paar Pluspunkte beschert, allerdings wird das Ganze von einer ganzen Salve an negativen Punkten überschattet, die einfach zu schwer wiegen, als das man drüber hinwegsehen könnte.

humanoid5  Filmkritik: Humanoid

Zum einen wäre da das katastrophale Schauspiel der gesamten Besetzung. Straight-to-DVD-Filme und B-Movies neigen nicht unbedingt dazu, ein Staraufgebot vorzuweisen oder oscarreife Schauspielperformances zu beinhalten, aber dennoch gibt es oft genug solide Leistungen, die nicht weiter auffallen oder stören, sodass man sich ganz gut auf den Rest des Filmes konzentrieren kann. Bei Humanoid ist dies leider nicht der Fall. Angefangen vom Hauptcharakter Bishop, gespielt von Paul Sidhu, bis hin zu der burschikosen Kix und dem draufgängerischen El Hatta sind die Charaktere so dermaßen klischeebeladen und unausgegoren, dass es fast schon parodistisch wirkt. Den Charakteren fehlt so viel Tiefe, dass den Schauspielern nichts anderes übrig blieb, als ihren Text herunterzurattern, ohne wirklich etwas auszusagen, und das merkt man den ganzen Film über deutlich. Eine leere Worthülse nach der anderen wird abgefeuert, passend zu den Unmengen verschwendeter Munition im Verlauf des Films. Die Charaktere handeln unbedacht und unreflektiert, zum Teil geraten sie in unsinnige und unerklärliche Situationen, wenn zum Beispiel Kix ihren Soldatenkollegen vor einem ihn attackierenden Humanoiden retten will, und ihn permanent dazu auffordert, ihr aus der Schussbahn zu gehen, obwohl sie einen Meter daneben steht und freies Schussfeld hat. Das Drehbuch und das Skript von Humanoid weist lauter solcher Lücken und Schwächen auf.

Alles wirkt lieblos und halbgar. Es gibt quasi keine Charakterentwicklung, jeder bleibt statisch in seiner ihm vorgesehenen Rolle und schleppt sich so durch das Geschehen. Die Schnitte sind hektisch und holprig, sowie die Kameraführung, mit der man Actionszenen rasanter machen will, wodurch aber alles sehr schwammig wird, sodass man fast nicht genau nachvollziehen kann, was nun gerade in einer Szene mit den Charakteren passiert. Hinzu kommen eher dürftige Special Effects, die aber wohl aufs niedrige Budget zurückzuführen sind.

humanoid3  Filmkritik: HumanoidDie gesamte Story und Handlung wirkt halbfertig und unausgereift. Die unterirdischen Städte, die die letzte Bastion der Menschheit darstellen, werden nur kurz in Szene gesetzt, im Grunde genommen wirkt das Ganze wie eine kleine Forschungsstation, der Zuschauer bekommt gar kein Gefühl für die enorme Wichtigkeit der neuen Welt unter der Erde, grundlegende Dinge werden vom Erzähler im Vorfeld kurz angerissen, aber gerade hier hätte man mit mehr Tiefe und Sorgfalt eine bessere Atmosphäre erschaffen können. Das Freudenhaus, in der sich der Protagonist zu Beginn aufhält, wirkt mit seiner düsteren Neonbeleuchtung vielversprechend, ist jedoch ein viel zu kleiner Lichtblick in einem sonst ideenlosen Setting.

Zudem ist man mit Logikfragen konfrontiert, die niemals wirklich geklärt werden, man tappt hier bis zum Schluss im Dunkeln. Die Filmemacher wollten scheinbar eine erzählerische und komplexe Tiefe erschaffen, aber meist fragt man sich einfach nur, was das Ganze eigentlich soll. Damit die Soldaten in der Außenwelt überleben können, in denen -60 Grad herrschen, bekommen sie ein Mittel verabreicht, das sie temporär vor der Kälte schützt. Dennoch treffen sie auf ihrer Jagd nach ASH-393 auf Tiere, und sind natürlich verwundert, dass scheinbar doch noch andere Wesen außer den künstlich geschaffenen Humanoiden bei der Eiseskälte überleben können. Wieso und warum scheint keiner zu wissen, womöglich noch nicht einmal die Autoren des Films. Desweiteren begegnen die Soldaten auch Indianern, denen die Kälte ebenfalls nichts auszumachen scheint – warum ausgerechnet Indianer? Warum gibt es Menschen, von denen niemand etwas in der Unterwelt zu wissen scheint, die jegliche “Regeln” des Films auf den Kopf stellen? Das sind nur ein paar der anstrengenden Fragen, die man sich während Humanoid stellt und die einen eher ratlos zurücklassen, was das Filmerlebnis deutlich schmälert.

humanoid1  Filmkritik: Humanoid

Einer der Charaktere führt Adolf Hitlers “Mein Kampf” mit sich herum, und zitiert munter Zeilen aus dem Buch, das aus unersichtlichen Gründen eines der wenigen Bücher ist, welches die Apokalypse überstanden hat, und dieser Charakter rechtfertigt somit die Jagd auf Humanoide, die ja keine richtigen Menschen sind und auch nicht zur einzig wahren Menschenrasse gehören. Das soll natürlich eine überspitzte Kritik und Parallele an dem Extremismus und Rassismus der Gegenwart sein, ist aber so abgedroschen und geschmacklos, und wirkt auf eine Art komplett deplatziert.

Die Story nimmt ein paar ungeahnte – oder eben doch sehr stereotype – Wendungen, was die Ausgangssituation des Films komplett umkehrt, aber dieser Twist kommt viel zu spät, und am Ende bleibt nicht genug Laufzeit, um diesen wichtigen Plottwist auszuarbeiten, weshalb das ganze zum Schluss hektisch und erneut unfertig wirkt, als hätte man den Film schnell irgendwie aus Zeitgründen abschließen müssen. Eine verpasste Chance, aus der man, wäre sie früher eingetreten, mehr hätte machen können. Charaktere wechseln mehrfach die Seiten aus fadenscheinigen Gründen, bekommen ihre lang vorbereitete Vorstellung oder ihren großen Moment, nur um im nächsten Moment abserviert zu werden, sodass man sich fragt, wieso sie überhaupt so viel Screentime geschenkt bekommen haben. Am Ende bleiben viele unbeantwortete Fragen offen, der Zuschauer wird frustriert und verwirrt einfach gnadenlos in der frostigen Eiseskälte stehengelassen.

Fazit

humanoid_cover-213x300  Filmkritik: HumanoidHumanoid ist mit all dem was er verkörpert ein typischer Straight-to-DVD Film, aber selbst in dieser Kategorie gehört er zu der schwerfälligeren und schwächeren Sorte. Blasse Charaktere, unterirdische Schauspieler, eine konfuse Story und eine allgemein lieblose Handhabung sorgen für kein besonders angenehmes Filmerlebnis. Zwar kann Humanoid hier und da mit seiner beklemmender post-apokalyptischen Atmosphäre punkten, aber diese Momente sind zu selten, um den Film auf ein höheres Podest zu heben, sodass diese frostige Schneehölle einen eher kalt lassen dürfte.

 

 

 

 

Humanoid ist bereits auf DVD, Blu-Ray und Video on Demand erhältlich.

3

Mangelhaft

Space Cowboy und Teilzeit-Vampir. Immer schwer bewaffnet mit nem Controller in der einen und Kino-Ticket in der anderen Hand.

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