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Filmkritik: Die Unfassbaren 2

Für viele war Die Unfassbaren im Kinojahr 2013 das kleine weiße Häschen, das überraschend aus dem Programmhut Hollywoods gezaubert wurde. Das erstaunlich vielfältig besetzte Cast, ein erfrischendes Drehbuch und ansehnliche Computereffekte machten den Blockbuster zu einem kleinen Überraschungshit. Regisseur Louis Leterrier (The Transporter) plante gleich eine ganze Trilogie und auch die Einspielergebnisse ebneten den Weg für eine Fortsetzung. Fast ein wenig überraschend also, dass Die Unfassbaren 2 sowohl filmisch, als auch finanziell hinter den Erwartungen zurück bleibt.

Die Vier Reiter – bestehend aus dem Illusionisten J. Daniel Atlas (Jesse Eisenberg), dem Kartentrickser Jack Wilder (Dave Franco), dem Hypnotiseur Merritt McKinney (Woody Harrelson) und Neuzugang Lula (Lizzy Caplan) – haben sich nach ihrem letzten Coup zurückgezogen und warten auf neue Einsatzbefehle von der einflussreichen Magier-Gilde „Das Auge“. Der neue Job erweist sich jedoch als Rachefeldzug des Milliardärs Walter Mabry (Daniel Radcliffe). Dieser hegt nämlich einen persönlichen Groll gegen die Vier Reiter und verlangt von ihnen, im Gegenzug für ihr Leben einen schier unmöglichen Raubzug durchzuziehen. Nach ihrer Einwilligung wird den Magiern jedoch bewusst, dass hinter ihrem mysteriösen Auftrag weitaus mehr steckt…

Einer der Hauptverkaufspunkte des Vorgängers war sein charismatisches Cast, das zu jeder Zeit mit witzigen Gags und einer sympathischen Darstellerharmonie zu unterhalten wusste. Auch mit dem zweiten Teil gelingt dieses Konzept, das vor allem durch Jesse Eisenbergs konsequenten Sarkasmus und einer genialen Doppelrolle Woody Harrelson’s getragen wird. Eine wirklich gelungene Ergänzung findet das Gespann mit Lizzy Caplan, deren alberne Attitüde in 8 von 10 fällen funktioniert und weitaus authentischer wirkt, als der böse Harry Potter, Daniel Radcliffe. Diesem gelingt es leider nicht wirklich, den bedrohlichen Antagonisten zu verkörpern, was jedoch mehr an seiner blass geschriebenen Figur liegt, als am Schauspiel. Ebenfalls etwas flach fällt die Figurenpräsenz von Mark Ruffalo und Morgan Freeman aus, deren Relevanz für die Haupthandlung sehr bescheiden bleibt und die charismatische Rivalität der beiden aus dem Vorgänger etwas vermissen lässt.

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Die wenigen Magierfilme, die das Kino in den letzten Jahren gesehen hat, lassen sich grundsätzlich in zwei Typen aufteilen. Diejenigen Filme, in denen die Figuren im Film Zaubertricks anwenden, um sowohl die Zuschauer im Film, als auch vor der Leinwand in die Irre zu führen, bis die verblüffende Enthüllung die Genialität ihres Tricks offenbart – Und diejenigen Filme, in denen die Zauberer tatsächliche Magie verwenden, die dann mittels CGI-Effekt visualisiert wird und keinerlei Auflösung bedarf. Die Unfassbaren 2 fällt – wie auch schon sein Vorgänger – in eine filmische Grauzone einer solchen Unterteilung. Das ist per se kein Problem, jedoch sollte jedem bewusst sein, was ihn hier erwartet.

Denn wenn Dave Franco sein Publikum mit einem Kartentrick verblüfft, oder der Zuschauer mit einem smarten Mind-Trick hinters Licht geführt wird, erfüllt sich die freudige Erwartung, die man erfährt, wenn man einem Bühnenmagier zuschaut. Denn hier handelt es sich um reale „Tricks“, die den Zauber nachvollziehbar und erklärbar machen. Wenn diese greifbare Illusion dann jedoch eine Szene später durch eine nicht enden wollende CGI-Sequenz unterbrochen wird, in der eine computeranimierte Spielkarte gefühlte 10 Minuten durch die Luft gewirbelt wird, oder Jesse Eisenberg auf unerklärliche Weise den herabfallenden Regen in der Luft zum Stehen bringt, bricht das ein wenig mit der Vorstellung, dass es sich beim gezeigten „Zauber“ im echte Handwerkskunst handelt. Aber noch mal: Das ist nur dann ein Problem, wenn man von Die Unfassbaren 2 eine ähnliche Verblüffungsqualität erwartet, wie man sie von anderen Magier-Filmen wie Prestige – Meister der Magie (2006) oder The Illusionist (2006) kennt.

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Wenn irgendwann dann aber doch das „Wie zur Hölle soll sowas möglich sein?!“-Echo im Kopf verhallt, kann die temporeiche Erzählung gut unterhalten. Hier tut der Film sich einen besonders großen Gefallen. Die wenigen erzählerischen Pausen sollte man nämlich nicht unbedingt dafür nutzen, zu lange darüber nachzudenken, ob denn nun tatsächlich all das Gezeigte Sinn ergibt. Gerade wenn gewisse Handlungselemente – quasi wie von Zauberhand – passgenau zusammen fallen, wünscht man sich einen total smarten Twist, der die banale Zusammenführung doch noch zu einer genialen Idee macht.

Summary
Die Unfassbaren 2 tritt wie erwartet in die konzeptionellen Fußstapfen des Vorgängers. Eine breite Schauspielerriege, viel Witz und ein noch aufwändigerer Einsatz von CGI-Effekten sorgen für gute, kurzweilige Unterhaltung. Allerdings nur, sofern es einem gelingt, über ein dünnes Skript hinweg zu sehen und die Erwartungen auf handgemachte Zaubertricks mit Aha-Effekt herunter zu regulieren. Die erhoffte Trumpfkarte wird das Sequel somit, trotz guter Unterhaltungswerte, leider nicht.
6
Okay
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Student, Vollblut-Cineast und Teilzeit-Gamer! You stay classy, San Diego!

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