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Filmkritik: Deepwater Horizon

6 Jahre ist es her, dass es auf der Ölbohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko am 20. April 2010 zu einem sogenannten „Blow-out“ kam, bei dem nicht nur 11 Arbeiter ihr Leben verloren und unzählige verletzt wurden, sondern ebenso Millionen Tonnen Öl ins Meer entglitten, was dramatische Folgen für die Umwelt und ihre Lebewesen hatte. Man benennt den Vorfall bis heute als die größte Umweltkatastrophe der USA. Regisseur Peter Berg („Lone Survivor“) nahm sich der Verfilmung dieses realen Geschehnisses an und holte sich dafür erneut Action-Darsteller Mark Wahlberg ins Boot. 

Auf offenem Meer, weit entfernt der Küste Louisianas liegt die Ölplattform Deepwater Horizon. Ihre Aufgabe, und natürlich die der 126 Mann starken Besatzung, ist es, fristgerecht bestimmte Ölmengen für Großkonzerne wie der „BP“ aus der Tiefe an die Oberfläche zu befördern. Dem Zuschauer, welcher sich zusammen mit Chefelektroniker Mike Williams (Mark Wahlberg) auf die Bohrinsel begibt, wird äußerst schnell bewusst, unter welch intensivem Zeitdruck sich die Arbeiter bei der Beschaffung des Öls befinden. Allen voran Donald Vidrine, gespielt von Charakterdarsteller John Malkovich, welcher im Führungsstab der BP angesiedelt ist, möchte weder die Profiteinbußen hinnehmen, noch ist der gewillt, wichtige aber auch kostspielige Tests ausführen zu lassen. Erst die Beharrlichkeit einiger beunruhigter Crewmitglieder führt letztlich dazu, dass zumindest aussageärmere Über- und Unterdrucktests ausgeführt werden, welche zuweilen widersprüchliche und auch bedenkliche Ergebnisse liefern. Trotz äußerst schlechtem Zustand der Plattform und fraglichen Überdrucktestergebnissen entscheidet sich die Leitung des milliardenschweren Konzerns letztlich für die Fortsetzung der Bohrung. Motiv hierbei deutlich: Geld und Profitgier.

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Während einige Männer der Besatzung noch unwissend und scherzhaft Songzeilen à la „I could Kill for that money“ trällern, wird durch diese fatale Fehlentscheidung in diesem Moment das Todesurteil für einige von ihnen gefällt. Mit Fortsetzung der Bohrung kommt es letztlich zum gefürchteten Blow-out. Alle Versuche, den Druck zu stoppen, scheitern. Öl und Gase treten aus, welche letztlich zu gewaltigen Explosionen führen und ein aufgrund von Sparmaßnahmen defektes Alarmsystem verhindert eine weitestgehend kontrollierte Evakuierung der Mannschaft. So beginnt für die Besatzung der Deepwater Horizon letztlich ein Kampf ums Überleben…

Positiv hervorzuheben sei mit Sicherheit die Tatsache, dass sich Peter Berg in seinem Katastrophen-Blockbuster um Authentizität bemüht zu haben scheint. Bereits im Prolog des Films hört der Zuschauer eine original Audiospur aus der Gerichtsverhandlung rund um den Fall der Bohrinsel und auch im Epilog wird der Verstorbenen dieses tragischen Unglücks gedacht und einige Hintergrundinfos benannt. Trotz stellenweise klischeebehaftetem ‚Schema-F-Heldendramas‘, dass sich an einigen Stellen nicht leugnen lässt, wird ein schauspielerisch nur mittelmäßiger Mark Wahlberg hier glücklicherweise nicht unnötig stark in den Fokus gedrängt. Vielmehr geht es darum, einen allgemeinen, von einer Person losgelösten, Blick auf die Umstände zu erhalten.

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Visuell hat der Film für jeden Actionliebhaber sicher einiges zu bieten, doch muss man bei diesem Werk wohl zwischen den Zeilen lesen, wenn man seine tiefere Intention begreifen möchte. So geht es nicht nur um die Darstellung einer sicher vermeidbaren Katastrophe, sondern vielmehr um indirekte Kritik am Kapitalismus der Menschheit und insbesondere der Vereinigten Staaten von Amerika. Er möchte ein Bewusstsein für solche Prozesse schaffen. Sinnbildlich hierfür kann man sicher auch die US-Flagge verstehen, welche in einer Szene melodramatisch in den Flammen des Feuers weht.

Negativ fällt auf, dass der Film hauptsächlich auf die Heldentaten reduziert wird, aber etwa die Folgen, welche die eigentliche Katastrophe darstellen, kaum Beachtung finden, beziehungsweise nur kurz angerissen werden. Somit ist und bleibt er Kino für die breite Masse und verschenkt hier einiges an Potential.

Summary
Nicht nur die Tatsache, dass der Film auf einer wahren Begebenheit beruht, sondern ebenso der Umstand, dass die Filmemacher sich hier trotz des angeprangerten Kapitalismus in die eigene Tasche spielen, löst einen faden Beigeschmack aus. Kann man dieses Paradoxon allerdings ausblenden und sich auf die filmische Umsetzung beschränken, so erwartet den Zuschauer mit Deepwater Horizon ein mit 108 minütiger Laufzeit spannender, solider und visuell ansprechender Katastrophenfilm mit Starbesetzung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
7
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