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Filmkritik: Bunker of the Dead 3D

Es gab eine Zeit, da waren sogenannte „Found Footage“-Filme das nächste Große Ding. Filme, in denen quasi Amateur-Aufnahmen irgendwelcher Geschehnisse geborgen wurden, die man dann dem Zuschauer als Film verpackt präsentierte, um ihm das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Filme wie Blair Witch Project (1999), Paranormal Activity (2007) oder auch Rec (2007) brauchten nur wenig Hilfsmittel, um zu funktionieren. Dreh- und Angelpunkt des Ganzen war aber immer die Videokamera, aus deren Blickwinkel der Zuschauer den gesamten Film in der Ich-Perspektive erfahren durfte, was für einige Schocker und beklemmende Szenen sorgte. Irgendwann war das allerdings nicht genug: Nach dem so-und-so-vielten Sequel brachten die Filmemacher ein weiteres, neues Element ins Spiel: Eine geladene Waffe. Die Ich-Perspektive wurde sozusagen zur Ego-Shooter-Perspektive. Was der Doom-Film (2005) eher halbherzig ausprobierte, wurde durch Hardcore (2015) endgültig durchgezogen. Die Filmindustrie springt auf den Zug des erfolgreichen Videospielgenres auf und versucht die Atmosphäre eines Shooters in einem Film zu rekonstruieren. Aus dem Blickwinkel einer Person verfolgt man den blutigen Pfad, den er mit dem Schießeisen hinterlässt, aus nächster, ungeschönter Nähe. Hat Hardcore also einen neuen Trend geschaffen, dem nun viele folgen werden? Sicherlich hat auch Bunker of the Dead ähnliche Ambitionen – statt ins futuristische Russland geht es hier aber nach Deutschland, wo man – natürlich – auf blutrünstige Nazi-Zombies in düsteren Gewölben trifft. Und das in 3D. Ob Bunker of the Dead der Headshot gelingt oder vorher kläglich die Framerate einbricht, erfahrt ihr in unserer Kritik!

Im beschaulichen bayerischen Oberammergau verschaffen sich die Freunde Markus (Patrick Jahns) und Thomas (Aciel Martinez Pol) mit Hilfe eines jüdischen Tagebuches Zugang zu einem verlassenen, unterirdischen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, der mitten im Sperrgebiet einer US-Militärbasis liegt. Ausgerüstet mit Spezialanzug, 3D-Kamera und Funkkontakt, durch den Thomas Markus durch das Labyrinth aus sicherer Entfernung lotst, dringt der Jugendliche immer tiefer in die Katakomben, auf der Suche nach dem ganz großen Gewinn: Nazigold. Schnell wird Markus jedoch klar, dass er dort unten nicht alleine ist, denn mit seiner Anwesenheit hat er etwas geweckt, das sich seit 70 Jahren nach Menschenfleisch verzehrt. Konfrontiert mit blutrünstigen Nazi-Zombies und dem US-Militär auf den Fersen, sieht Markus nur eine Möglichkeit, zu überleben. Er muss sich mit Waffengewalt wehren.

Filmkritik: Bunker of the Dead 3D Bunker4Die Ausgangslage des Films erschien zugegebenermaßen vielversprechend, wie vielversprechend ein weiterer Nazifilm und noch ein Zombiefilm im Jahr 2016 auch immer sein können. Die Schauspieler wirken amateurhaft genug, um nicht den Eindruck zu erzeugen, hier würden Profi-Akteure sich bemühen, möglichst wenig zu schauspielen, um alles realistisch und glaubhaft darzustellen. Auch die Atmosphäre, die sich vom Eindringen in den Bunker bis zur Begegnung mit dem Bösen langsam und brodelnd aufbaut, liess viel erhoffen. Konnte man Markus die unverschämten Sprüche gegenüber den amerikanischen Soldaten, denen er vorher begegnet war, noch verzeihen, wird dieses Kartenhaus der Hoffnung jedoch schnell mit der Brechstange eingerissen, als endlich die ersten Zombies ihren Auftritt bekommen. Aus Spannung und Ungewissheit wird Klamauk und Splatter, die Geschichte erzählt sich in den kurzen, ca. 70 Minuten zu schnell, jede Szene, die der Zuschauer vorgesetzt bekommt, kann man meilenweit im Voraus kommen sehen und auch recht gut deuten, wie sie ausgeht.

Filmkritik: Bunker of the Dead 3D Bunker3Markus ist ein Pseudo-Draufgänger, jemand, der in einer Stresssituation oder gar unter Lebensgefahr überraschenderweise ohne weiteres den großen, unbesiegbaren Helden markieren kann. Keine Gefahr scheint ihm zu groß, kein Unwesen zu furchteinflößend, alles wird mit einem flotten Spruch garniert, bevor das Brecheisen geschwungen oder die Pistole abgefeuert wird. Die Zombies stellen sich dabei so dermaßen dämlich an, dass wohl jeder wenig Probleme gehabt hätte, mit ihnen fertig zu werden. Ein wirkliches Gefühl drohender Gefahr kommt nur in kurzen Momenten zum Vorschein, wenn es mal irgendwelche zufälligen US-Soldaten zerfetzt, aber wirklich Angst um den Protagonisten kommt eigentlich nie auf. Wenn dann Nazi-Zombies in Slapstick-Einlagen ihr Ziel verfehlen, weiß man, dass der Film sich definitiv nicht allzu ernst nimmt, und Trash hier ohne Zweifel in Großbuchstaben geschrieben wird.

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Obwohl es bei einem Nazi-Zombiefilm sowieso vergebene Liebesmühe ist, nach jeglicher Logik zu kramen, erscheinen die wandelnden Leichen dann doch etwas zu gut erhalten, wenn man bedenkt, dass sie seit 70 Jahren dort unten vor sich hinmodern. Auch das wild herumspritzende Kunstblut ist etwas zu frisch und einen Tick zu rot, als dass es von einem Toten kommen könnte. Die Klischeekiste wird rigorös ausgeschüttet, wenn die US-Soldaten als stereotype Karikaturen des Tabak-Kauenden Amerikaners dargestellt werden, und der Film sich in wilde und absurde Verschwörungstheorien verstrickt.

Die Kameraführung von Bunker of the Dead ist wackelig und sorgt durch gelegentliche Ruckler und Bildstörungen zwar für einen authentischen Effekt, und die Interaktion mit dem Thomas, dem Sidekick des Protagonisten auf dem Display an seinem Handgelenk haben durchaus einen gewissen Videospiel-Flair, aber trotzdem fällt auf, dass es hin und wieder Cuts gibt, die den Verlauf des Films bremsen und den Drive herausnehmen. Es wirkt so, als wolle man genau da einen Schnitt platzieren, wenn gerade nichts passiert, um erst dann wieder einzusetzen, wenn Markus kurz vor einer Begegnung mit Zombies steht, es also wieder spannend wird. Da nicht anzunehmen ist, dass Markus während seines Trips durch den Zombiebunker gelegentlich die Kamera ausgemacht hat, geht hier dann doch der Found-Footage-Effekt wegen dieser mangelnden Kontinuität flöten, da rohes, so vorgefundenes Bildmaterial wohl kaum wie bei einem Youtube-Vlog nachbearbeitet worden wäre.

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Ein großer Vorteil der Ego-Shooter-Perspektive ist aber, dass die 3D-Effekte umso mehr Wirkung haben, allgemein mehr Spaß machen als sonst. Während man bei anderen Filmen alles aus einer gewissen Distanz betrachtet, ist der Zuschauer bei Bunker of the Dead viel näher am Geschehen. Aus der Sicht des Protagonisten, beziehungsweise seiner Kamera, ist ein Messer, dass einem ins Gesicht gehalten wird, oder gierige Zombieklauen, die nach einem greifen um einiges effektvoller.

Für eine Low-Budget-Produktion, die für Found-Footage-Filme wohl eine Grundvoraussetzung ist, sieht das Setting des Films noch nicht einmal schlecht aus, es ist düster, staubig und man fühlt sich tatsächlich wie in einen erdrückenden Bunker gezwängt, aber die Art, wie mit dem gegebenen Material umgegangen wurde, ist zu gewollt unterdurchschnittlich. Natürlich prangt über allem der Überbegriff „Trash“, und wenn etwas als trashig gilt, ist das fast schon wie ein Freifahrtschein, Dinge absichtlich schlecht zu machen, weil man weiß, es wird einem verziehen, und kaschiert so etwaige mangelnde Mittel. Trotzdem sollte es nicht wie hier spürbar sein, dass jemand mit einem Trash-Handbuch über das Set gelaufen ist, um auch alles stimmig oder gerade eben unstimmig zu machen. Bunker of the Dead schafft vielleicht im Ansatz den Videospiel-Effekt, aber gestandene Shooterkings wird dieser Versuch eher wenig vom Hocker hauen, da müssen noch deutlich größere Geschütze aufgefahren werden. Zumindest einmal bietet dieses Genre noch viel Luft nach oben und lässt auf ein Upgrade hoffen.

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Bunker of the Dead 3D ist ab dem 2. Juni 2016 auf DVD, Blu-Ray und 3D-Blu-Ray erhältlich.

Summary
Bunker of the Dead ist ein halbgarer, ziemlich vorhersehbarer Trash-Film, der leider nicht die Kultkompetenz oder den Humor anderer Genre-Kollegen erreicht. Zwar kommt durch düstere Bunker-Klaustrophobie und massig Blutvergiessen eine beklemmende, gruselige Atmosphäre auf, das ändert aber nichts an der lauen Story und dem abgedroschenen Nazi/Zombie-Thema. Einzig und allein die Ego-Shooter-Perspektive wäre als positiver Aspekt zu nennen, da dieses Element noch frisch und unverbraucht ist und durchaus Potenzial bietet, das der Film zumindest ansatzweise nutzt. Ein perfektes Beispiel für einen Film, den man sich besser in 3D anschaut, da der Blickwinkel mit 3D-Aufwertung ihn vor dem gänzlichen Untergang bewahrt.
4
Schwach
Space Cowboy und Teilzeit-Vampir. Immer schwer bewaffnet mit nem Controller in der einen und Kino-Ticket in der anderen Hand.

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