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Filmkritik: Baywatch

Sonnenschein, ein Strand, das Rauschen des Meeres und rote Badeanzüge, die in Zeitlupe auf die Kamera zuwippen. Wer erinnert sich nicht an die klassischen und fast ikonischen Elemente, die die Serie Baywatch zum Kult gemacht haben? Selbst diejenigen, die Ende der Achtziger, beziehungsweise Anfang der Neunziger zu jung waren, um das Spektakel mitzuerleben, wissen genau worum es geht, sind doch die malerischen Badestrandkulissen und Rettungsschwimmer-Schönheiten längst zur mehrfach parodierten und honorierten Popkultur geworden. Wurde also höchste Zeit für einen feature length film, dachte sich Kill The Boss-Regisseur Seth Gordon und brachte prompt den Baywatch Film auf die große Leinwand. Ob der Film den kultigen Flair der Serie einfangen konnte erfahrt ihr in unserer Kritik!

Die Baywatch – Rettungsschwimmer im Dauereinsatz – ist ein knochenharter, ernstzunehmender Job, zumindest, wenn es nach Mitch Buchannon geht. Sieht man ihm mit seinem muskelgestählten Körper beim Ausführen seiner Arbeit zu, wirkt es wie Hochleistungssport, der höchste Konzentration erfordert. Und diese hohen Ansprüche hat Mitch auch an sein Team, nur die besten dürfen ein Teil davon werden. Bei dem Auswahlverfahren neuer Rettungsschwimmer-Rekruten muss aus PR-Gründen aber ausgerechnet Mitchs personifizierter Albtraum ins Team aufgenommen werden: Olympischer Medaillen-Schwimmer Matt Brody – in Mitchs Augen eine absolute Luftnummer. Dieser scheint nichts ernst zu nehmen und ausschließlich ein Auge auf die hübschen Baywatch-Damen geworfen zu haben. All das wird jedoch zur Nebensache, als Mitch und Matt der kriminellen Verschwörung eines Öl-Tycoons auf die Schliche kommen, der mit Korruption und Drogenhandel den Strand und alles was dazugehört an sich zu reißen droht.

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Natürlich lebt so ein Film wie Baywatch von seinem Humor. Von Penis-Gags bis Chauvi-Witzen, Slapstick und Situationskomik, sowie One-Linern wird die gesamte Palette abgespult, aber wer jetzt nur noch müde mit den Augen rollen kann, soll eines besseren belehrt werden: Denn Baywatch bringt einen tatsächlich zum Lachen! Natürlich ist das alles sehr seicht und man muss sich bewusst darauf einlassen, aber die Gags zünden und funktionieren fast alle. Und genau deshalb funktioniert der gesamte Film überraschend gut. Auch die Zeitlupen, die so symbolisch für die Serie waren, werden hier ordentlich auf die Schippe genommen. Trotzdem ist Baywatch keinesfalls eine Parodie, er nimmt sich zwar definitiv nicht zu ernst, zieht das Ganze aber auch nicht unnötig ins Lächerliche. Es gibt durchaus viele Anspielungen an die Serie, ohne jedoch wie ein Abklatsch zu wirken. Viel mehr liefert Regisseur Seth Gordon hier eine Hommage an die Serie. Sogar die Dialoge sind absichtlich hölzern gehalten, eben um besser in dieses 90er-Jahre Setting zu passen, in dem wohl niemand wirklich auf gute Dialoge geachtet hat, da lag der Fokus wohl auf gänzlich anderen Dingen.

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Im Verlauf des Films weiß Baywatch allerdings nicht, was genau es denn nun sein will. Mehr Komödie oder doch lieber stuntreicher Actionfilm. Der leichtfüßige Humor vom Anfang des Films weicht schnell und im Mittelteil geht es eher ernst und actionreich zu. Natürlich fällt der Humor nicht komplett ins Wasser, ist jedoch spärlicher gestreut als zu Beginn. Es wirkt fast so, als wären die besten Witze bereits früh verpulvert gewesen, und man hat im Verlauf gemerkt, dass man nun doch ein paar lustige Momente dazwischenschieben muss, bevor das Ganze zu ernst wird. So wirkt der Humor im Mittelteil und vor allem am Schluss sehr erzwungen, wie mit dem Brecheisen will Seth Gordon dem Publikum noch ein paar letzte Lacher entlocken, was jedoch nur mäßig gelingt. Einzig die Leichenhallen-Szene ist dabei hervorzuheben, da der Humor hier sehr derb und beinahe so geschmacklos wird, dass es fast wieder gut ist.

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Schauspielerisch ist Baywatch in Ordnung, keiner der Schauspieler wächst hier wesentlich über sich hinaus, aber auch keiner fällt sonderlich negativ auf. Alle fügen sich gut in die ihnen vorgegebenen Rollen ein, wie blass diese auch immer sein mögen. Vergleicht man die Schauspieler, die Mitch Buchannon verkörpert haben, ist das wohl die drastischste Veränderung, da – im Gegensatz zu David Hasselhoff – Dwayne „The Rock“ Johnson eine derart imposante Gestalt ist, dass es fast ein wenig zu viel des Guten ist, aber er spielt den Part der übereifrigen Rettungsschwimmer-Galionsfigur überzeugend und mit einer ordentlichen Portion Selbstironie.

Zac Efron ist – wie in so gut wie allen seinen neueren Filmen – der smarte Sunnyboy der aber eine selbstverliebte knallharte Seite hat, deren Fassade aber bald zu bröckeln beginnt. Gekonnt spielen sich Johnson und Efron den Ball gegenseitig zu und stellen somit wichtige Stützpfeiler des Films dar. Die Hauptdarstellerinnen Alexandra Daddario, Kelly Rohrbach und Ilfenesh Hadera spielen allesamt schöne Rettungsschwimmerinnen, von denen eine taffer ist als die andere, beziehungsweise versucht es zu sein, aber letzten Endes bleiben sie im gesamten Film eher blass, vor allem die Rolle der C.J. Parker verkümmert – wie schon damals bei Pamela Anderson – zu einem reinen Eyecandy. Hier hätte man ein Zeichen setzen können, aber zumindest Alexandra Daddarios Charakter Summer Quinn geht vom Charakterpotenzial in die richtige Richtung.

Bollywood-Star Priyanka Chopra ist die kühle, unberechenbare Geschäftsfrau und Haupt-Antagonistin, und hat hingegen ein wenig zuviel davon, was den anderen weiblichen Rollen im Film fehlt. Jon Bass ist als übergewichtiger Ronnie, der entschlossen ist, ins Baywatch-Team zu kommen, wohl der Lieferant für die meisten Gags, und obwohl solche Charaktere meist erzwungen komisch dargestellt werden und ansonsten deplatziert wirken, ist das in diesem Fall ganz gut dosiert und fügt sich ordentlich ein.

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Baywatch hat schnelle Schnitte in den Actionszenen, sowie eine wackelige Kameraführung, als würde der Kameramann konstant neben den Geschehnissen ohne Stativ mitlaufen und draufhalten. Das wirkt handgemacht und geerdet, passt aber nur bedingt zu der eher künstlich-plastischen Scheinwelt von Baywatch. Ein wenig mehr Glätte hätte sich hier besser eingefügt. Auch wirken die Spezialeffekte sehr laienhaft und unecht, wenn beispielsweise ein Schiff auf hoher See anfängt zu brennen und sich das Feuer auf das Meer ausbreitet. Fast schon hologrammartig flackert es daher, als könne man einfach hindurchgreifen, und das nimmt der eigentlich eher gefährlich anmutenden Szene die wirkliche Bedrohung.

Allerdings zeigt das CGI-Team gleichzeitig, dass es auch anders geht, werden hier immerhin die schönen Strandsettings und Meereshintergründe mit Greenscreen optisch aufgemotzt, um die perfekte Illusion zu erschaffen. Die Priorität wurde hier wohl auf die wichtigsten Elemente gesetzt, die den Film ausmachen, was durchaus vertretbar ist.

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Auch versucht Baywatch nicht, die Geschichte in die 90er Jahre zurückzuversetzen, oftmals wollen solche Filme den damaligen Zeitgeist einzufangen, aber das ist hier nicht der Fall. Alles ist modern, angefangen bei der Technologie, bis hin zur Musik. Natürlich gibt es hier und da auch alte Songs zu hören, wie eine kleine Erinnerung an gute alte Zeiten, ohne sich in ewiger Nostalgie zu ergießen. Dieser Mix beider Epochen ist erfrischend und funktioniert gut, ohne besonders in den Vordergrund zu treten.

Selbstverständlich kann es keinen Baywatch-Film ohne Cameo-Auftritte der alten Stars geben, die inzwischen selbst auch Kultfiguren-Status in der Medienwelt erreicht haben. David Hasselhoff und Pamela Anderson, die selbst früher die Rollen von Mitch Buchannon und C.J. Parker verkörperten, geben sich auch im Spielfilm die Ehre, und auch wenn es nur für eine kurze Gastrolle gereicht hat, ist vor allem „The Hoff“s Auftritt ziemlich gelungen, da er sich als wandelndes 80er/90er Jahre-Klischee optimal in die hölzernen Dialoge des Films einfügt.

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Baywatch ist genau das was man erwartet, und dann wiederum doch nicht. Natürlich gibt es wunderschöne Settings, viele Muskeln, eine Prise Action, ordentlich Humor und bedient alle Klischees, die man mit diesem Franchise verbindet, aber all das wird auf so eine unbeschwerte und lockere Art über die Leinwand gebracht, und ist lange nicht so niveaulos und fliessbandartig, wie man vielleicht bei der aktuellen Remake-und-Reboot-Flut alter Formate erwartet hätte. Der Trick dabei ist, sich als Film nicht allzu ernst zu nehmen, gerne Seitenhiebe und Persiflagen an die alte Thematik zuzulassen, ohne als müde Parodie daherzukommen, und das alles mit einem Augenzwinkern und einer warmen Umarmung anzunehmen. Man versucht gar nicht erst, irgendwelche Erwartungen zu erfüllen sondern lässt hier den Dingen einfach ihren Lauf, und so gelingt es Seth Gordon ganz gut, hier eine ordentliche Actionkomödie auf die Beine zu stellen. Wer sich also nicht voreingenommen und mit den größten Erwartungen in den Film setzt, wird auf jeden Fall positiv überrascht werden.

Summary
Baywatch ist entgegen aller Erwartungen und Vorurteile eine grundsolide Actionkomödie. Die Gags, so flach sie auch sein mögen, zünden zum Großteil, die Schauspieler - allen voran Dwayne Johnson - machen einen guten Job, und auch die Actioneinlagen können sich sehen lassen. Gekrönt von wirklich schönen Aussichten - je nach Gusto eben körperlicher oder strandtechnischer Natur - ist Baywatch ein Film, bei dem man einfach mal den Kopf ausschalten und sich bespaßen lassen kann. Und in einer immer komplizierter werdenden Welt ist das vielleicht genau das richtige für zwischendurch.
6
Okay
Space Cowboy und Teilzeit-Vampir. Immer schwer bewaffnet mit nem Controller in der einen und Kino-Ticket in der anderen Hand.

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