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Filmkritik: Batman v Superman: Dawn of Justice

Irgendwie kommt es einem momentan wie ein kleiner Trend in den Studiohallen der Filmindustrie vor. In Civil War prügeln sich Marvels A-Promis, in X-Men: Apocalypse spaltet sich die Mutantengemeinde (mal wieder) in zwei Lager auf und nun haben auch noch Batman und Superman Beef? Klingt doch alles wie ein kleiner Marketing-Gag, wenn doch eigentlich sowieso jeder weiß, dass eine solche Streitigkeit zwischen derart ikonischen Superhelden spätestens mit der nächsten Runde Freibier wieder beiseitegelegt wird. Doch halt! Dass es Batman und Superman in einem Mann-gegen-Mann drauf ankommen lassen, ist unter Kennern des Comicuniversums ein alter Hut. Schon im Comic-Klassiker The Dark Knight Returns von Frank Miller kam es zum ultimativen Faustkampf zwischen den beiden Urgesteinen. Aus eben jenem Comic holte sich Zack Snyder, Regisseur und Fan der bebilderten Heftchen, die meiste Inspiration für sein neustes Herzensprojekt Batman v Superman: Dawn of Justice. Inhaltlich fährt der Film zunächst jedoch eine etwas andere Schiene:

Schon mit Man of Steel etablierte Warner eine Superheldenwelt, die immer noch ein bisschen mehr sein wollte, als ein Spielplatz, auf dem sich sehr starke Superwesen austoben können. Supermans Geschichte wirkte wie eine sehr ausführlich ausdiskutierte Philosophievorlesung über Onkel Bens Lieblingsmotto: „Aus großer Kraft folgt große Verantwortung!“. Und da Supermans Kraft nahezu grenzenlos ist, musste auch lange darüber debattiert werden, ob und wie viel Clark Kent denn nun in rot-blauer Uniform Kätzchen von Bäumchen retten darf. Diese Grundsatzdiskussion ist Aufhänger für den Plot von Batman v Superman. Hier nimmt Regisseur Zack Snyder elegant den kleinen Shitstorm der Fans über die Zerstörungswut von Superman in Man of Steel auf und verbaut sie glatt in seinen aktuellen Film. So herrscht im Film großflächig Entsetzen und Zweifel an der schieren Macht des gottgleichen Aliens, das mit seinen Taten zwar für viel Gutes, aber auch immer für reichlich Diskussionen um die moralische Legitimation seiner unkontrollierbaren Kräfte sorgt. Während Jungreporter Clark Kent (Henry Cavill) mit den Anschuldigungen gegen sein Alter Ego zu kämpfen hat, brütet Bruce Wayne (Ben Affleck) – seines Zeichens Millionär und Dunkler Ritter – einen Plan aus, die Welt vor einer möglichen Zerstörung durch ein übermächtiges Alienwesen zu bewahren. Was aus diesem angespannten Verhältnis folgt, verrät bereits der Filmtitel und dürfte dank der großzügig einsichtigen Trailer bereits weitestgehend bekannt sein.

Wie die satten 250 Millionen Dollar Produktionskosten des Films investiert wurden, wird relativ schnell klar, wenn man schon mal einen Zack Snyder Film gesehen hat. Audiovisuell ist Batman v Superman nämlich ein echtes Brett. Angefangen bei den Drehorten, Sets, den Kostümen und der Bildgestaltung wirkt alles akribisch geplant und angelegt. Zwar kann der Regisseur seine cinematographische Perfektion, die er in Watchmen (2009) bewies, nicht gänzlich wiederholen – dies liegt jedoch daran, dass Batman v Superman, trotz stilistischer Anlehnungen, ein freies Werk Snyders und seiner Drehbuchautoren Chris Terrio und David S. Goyer ist.

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„God vs. Man. Day vs. Night!“

Insgesamt wirkt Snyder jedoch mal wieder seinen filmischen Zauber und filmt Bilder, die gut und gerne so auch einem Comic-Panel entnommen sein könnten. Besonders auffällig wird das, wenn er entsprechende Frames in kleinen Zeitlupen und passgenauer Bildsymmetrie nahezu künstlerisch zelebriert. Diesen Stil mag der ein oder andere als Überinszenierung kritisieren, jedoch passt er einfach in die sowieso schon mit Pathos beladene Superheldenwelt, die bereits Christopher Nolan stilistisch prägte. Auch farblich hält sich Snyder diesmal wieder an seine bewährte Formel. Zwischen Gothams düsteren Gassen und Batmans pechschwarzem Cape wirkt jede Szene mit dem rot-blauen Mann aus Stahl fast wie eine farbliche Erlösung. Doch auch hier funktioniert der raue Farbton als Versinnbildlichung des schweren Filminhalts. Auch das körnige Filmbild und der Matt-Filter – mittlerweile ebenfalls Markenzeichen des Regisseurs – kommen in den vielen, ruhigen Sequenzen ganz besonders zur Geltung. Die CGI-Effekte hingegen sind durchaus ansehnlich und wissen, bis auf die leichte Überbeanspruchung zum Filmende hin, zu beeindrucken.

Epische Inszenierungen kann Snyder einfach. Das jedoch nicht nur auf rein bildlicher Ebene, sondern auch musikalisch. Der Soundtrack ist satt, finster und epochal und verleiht jedem der ikonischen Filmfiguren ein eigenes musisches Thema. Besonders gelungen ist die Neuinterpretation einiger bekannter Klänge aus Burton- und Nolan-Filmen immer dann, wenn Bruce Wayne seine finstere Miene gen Kamera richtet. Hier haben Hans Zimmer und DJ Junkie XL Großartiges geleistet.

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„Tell Me, Do You Bleed?“

Eine finstere Miene dürften nun auch all diejenigen ziehen, die Ben Affleck damals als absolute Fehlbesetzung für den Dunklen Ritter schimpften. Denn mit seiner Interpretation des rachedürstenden Antihelden liefert uns Affleck die bisher finsterste und kompromissloseste Version des schwarzen Rächers. Der 44 jährige Schauspieler sieht seiner Comic-Vorlage nicht nur angenehm ähnlich, sondern verkörpert auch mit jeder Zornesfalte die Wut, die in Batman brennt und sein überraschend brutales Vorgehen rechtfertigt. Es fällt nicht schwer zu behaupten, dass Affleck mit Leichtigkeit jede Szene, die er betritt, dominiert und dabei selbst sein rot-blaues Superhelden-Pendant in den Schatten stellt. Christian Bale in allen Ehren – könnte „Batfleck“ doch der neue beste Realfilm-Batman sein. So kann man nun mit aller Vorfreude auf den kommenden Batman-Solofilm warten, der nicht nur mit Affleck daher kommt, sondern auch von ihm selbst inszeniert wird.

Nennenswert ist außerdem die Performance von Jesse Eisenberg als geniales Verbrechergenie Lex Luthor. Dieser bekommt für Batman v Superman einen fast schon humoristischen Anstrich und fungiert ein wenig als Gegenpart für die von Sorge und Dramatik geerdeten Helden. Doch bei all der soziapathischen Manie, die Eisenberg seinem Charakter einhaucht, geht ein wenig die Bedrohlichkeit des Antagonisten verloren, die man von einem Comic-Bösewicht erwarten würde.

Jeremy Irons spielt Bruce Waynes Butler und assistierenden Techniker Alfred. Auch Irons gibt seinem Alfred eine deutlich markantere Note, als es noch Michael Cane tat und kommt leider in einem Monumentalwerk wie diesem viel zu kurz. Gerade dann, wenn es einer solchen Nebenfigur gelingt, Batman auf argumentativer Ebene herauszufordern, um dem Zuschauer kleine Einblicke in die Psyche der Figuren zu gewähren, sind 1-2 Dialoge dieser Art leider viel zu wenig.

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„Twenty years in Gotham. How many good guys are left? How many stayed that way? He has the power to wipe out the entire human race. I have to destroy him.“

Doch zum Reden bleibt am Ende des Tages sowieso nicht viel Zeit, denn Action und Bildgewalt sind die Hauptargumente von Batman v Superman. Die setzt der Film auch gekonnt ein und versetzt seine Zuschauer damit zwangsläufig immer wieder ins Staunen. Und auch hier sind es gerade diejenigen Szenen, in denen ein gewisser Muskelprotz mit einem Faible für schwarz loslegt und alles perfekt choreographiert nieder walzt, was sich ihm in den Weg stellt. Und bei all diesen Lobgesängen für das, was Zack Snyder richtig gut macht, ist es so verdammt schade, dass es doch so Vieles gibt, was er leider in eben demselben Maße falsch macht. Eben dieses Übergewicht an Dingen, die sich Snyder vornimmt, zeigt, dass Batman v Superman einfach viel zu viel sein wollte.

Erzählerisch zerfasert der Film leider mit jeder Sequenz immer stärker und wird stellenweise so unnötig kompliziert erzählt, dass die Handlung teils wirr und überkonstruiert wirkt. Besonders die Exposition lässt sich unnötig viel Zeit und streckt die Phase des Films in die Länge, die das moralische Dilemma des Superheldenlebens dramatisch aufgeblasen in den Mittelpunkt der Handlung rückt. Letzteres ist grundsätzlich zwar in Ordnung, weil ein solcher Symbolismus in der Natur der Figuren liegt und deren Handlungsmotivation in abstrahierter Form für alle sichtbar macht. Jedoch stiehlt die langatmige Erzählweise dieses Filmteils dem letzten Drittel die nötige Aufbauzeit, was zu einer schmerzlich holprigen Auflösung des titelgebenden Kampfes zwischen Batman und Superman führt.

Insgesamt wirkt die Handlung nach dem langatmigen Einstieg stark gehetzt und erschwert die Nachvollziehbarkeit vieler neuer Elemente, die Snyder – in weiser Voraussicht auf das, was im DC Filmuniversum noch so kommen möge – in diesen ohnehin schon schwer überladenen Film bringt. Darüber hinaus werden viele Schlüsselpunkte der Handlung mit der größtmöglichen Fürsorge ausgerollt und oft mit guten Dialogzeilen unterfüttert, nur um in ihrer Konklusion plötzlich völlig irrationale und teils schrecklich plumpe Wege einzuschlagen.

 

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Batman v Superman ist eindeutig ein Film für Fans der DC-Comicgeschichten. Und Zack Snyder scheint es zu lieben, den Fans zu jeder passenden Gelegenheit kleine Brotkrumen ins Gesicht zu schmeißen, die auf altbekannte Werke der Comic-Historie verweisen. Das ist jedoch keine wirkliche Entschuldigung dafür, dass einige Szenen, die der Film völlig unvermittelt ins Gemenge streut, bei vielen Zuschauern für Verwirrung sorgen, da sie lediglich dem Zweck dienen, Kenner der Comicgeschichten mit Ausblicken auf die kommenden Justice League-Filme zu teasen, ohne für den Film selbst einen wirklichen Mehrwert zu bieten.

Doch die gravierendsten Schwächen offenbart der Film in seiner finalen halben Stunde. Das dramaturgische Missgeschick findet hier seinen Knotenpunkt, weshalb das Drehbuch am Ende leider versagt, eine angemessene Konklusion zu der so aufwändig aufgebauten Dramatik zu finden. Jedoch nicht nur erzählerisch, sondern auch inszenatorisch bleibt das Finale deutlich hinter den bildgewaltigen Szenen der vorangegangenen Minuten zurück. Da hilft auch nicht der, bereits im Filmmarketing offenbarte, Einsatz von Gal Gadots Wonder Woman, die zwar eine sympathische Ergänzung darstellt, aber ebenfalls seltsam unfertig in die Geschichte gehetzt wird.

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Summary
Batman v Superman: Dawn of Justice ist ein Film, der an der schieren Menge seiner Vorhaben scheitert, obwohl viele der einzelnen Versatzstücke aus tollen und einzigartigen Elementen bestehen. Zack Snyder beweist erneut sein cinematographisches Genie mit einem Film, der beeindruckend aussieht und seine Symbolträchtigkeit nicht nur mit Worten, sondern auch mit starken, epischen Bildern zum Ausdruck bringt. Den Tiefgang, den auch die Handlung haben könnte, verliert der Film durch seine unstrukturierte, langatmige und teils leider sehr flache Erzählweise. So ist aus Batman v Superman: Dawn of Justice leider nicht der Superhelden-Klassiker geworden, der er hätte sein können. Bleibt also nur noch zu hoffen, dass die Verantwortlichen diese Fehler mit den kommenden DC-Projekten vermeiden. Denn wenn dieser Film eins gezeigt hat, dann dass seine Figuren und Geschichten durchaus das Potenzial zu Größerem haben.
6
Okay
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Student, Vollblut-Cineast und Teilzeit-Gamer! You stay classy, San Diego!

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