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Far Cry Primal Review

Wenn man vorankommen will, muss man manchmal einen Schritt zurückgehen. Ubisoft Montreal geht aber gleich ganz zurück: Der neue Ableger ihrer Far Cry-Reihe spielt in tiefster Vorzeit. Wie viel Far Cry in Primal noch drin steckt, lest ihr in unserem Test!

 

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Das Lande Oros

Zehntausend Jahre vor unserer Zeitrechnung: Zusammen mit anderen seines Stammes ist der Wenja Takkar auf der Suche nach einem geeigneten Mammut, um ihr Überleben zu sichern. Doch gerade als sie ihre Beute nachhause bringen wollen, wird Takkars Gruppe von einem gewaltigen Säbelzahntiger überfallen. Getrennt von allem, entscheidet sich Takkar den letzten Wunsch seines sterbenden Freundes zu erfüllen und das Land Oros zu finden, in das einst viele Wenja geflohen sein sollen…

Ähnlich wie in Far Cry 3 gibt es auch in Far Cry Primal gleich zwei Antagonisten: Ull vom Stamm der Udam, eine Neandertaler-artige Gruppe, die mit Gift experimentiert und für ihren Kannibalismus bekannt ist und Batari, die Sonnenpriesterin der Feuer schwingenden Izila, die von ihren Visionen überzeugt ist, die alleinige Herrscherin von Oros zu sein. Doch während in Far Cry 3 vor allem Piratenanführer Vaas nahezu omnipräsent war, so sind Ull und Batari eher Charaktere, die in wenigen Schlüsselmomenten auftauchen. Immerhin misst man sich mit beiden auch persönlich, was für vergangene Far Cry-Spiele nicht unbedingt typisch war.

Schon in den Vorgängern war die Geschichte nie unbedingt ein großer Vorteil der Far Cry-Reihe, doch Far Cry Primal treibt es auf eine neue, leider negative Spitze: Die ganze Geschichte ist im Grunde völlig uninteressant. Keine großen Wendungen, wirklich spannende Charaktere oder nette Momente. Es ist einfach nur flach und man bekommt genau das, was man zu Beginn bereits erwartet. Immerhin hört man den Charakteren gerne beim sprechen zu, denn Far Cry Primal verwendet eine speziell für das Spiel entwickelte Steinzeitsprache, die auf europäischer Grundlage entstand. Nur die Untertitel sind eingedeutscht. So kommt es, dass auch im Deutschen Hauptcharakter Takkar von Elias Toufexis gesprochen wird, der Originalstimme von Adam Jensen aus den neuen Deus Ex-Spielen.

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Clankriege

Als Takkar hat man im Grunde von Beginn an Zugang zu praktisch der kompletten Karte, jedoch gibt es auch Einschränkungen. So kann der hohe Norden z.B. nur mit Winterkleidung für einen längeren Zeitraum betreten werden und auch das Gift der Udam erweist sich als äußerst wirkungsvoll ohne ein Gegenmittel. In Sachen Waffen ist man der Zeitperiode nach natürlich ein wenig eingeschränkt. Far Cry Primal reduziert die Basiswaffen auf Keule, Bogen und Speer, die man alle jederzeit bei sich hat. Natürlich sind diese Waffen nicht dauerhaft nutzbar. Sie können nach starkem Gebrauch zerbrechen oder die Pfeile ausgehen. Deswegen müssen Keulen und Speere sowie Pfeile und kleinere Nebenwaffen mit in der Welt auffindbaren Materialien zusammengebaut werden. Sammeln ist daher ein noch viel größerer Fokus als in der Hauptreihe – weswegen man dankbar sein kann für die Option, die Sammelanimationen auszuschalten.

Und auch wenn die Auswahl eingeschränkt ist: Es bleibt viel Platz für interessante Ideen. So kann Takkar eine Giftbombe bauen, mit der er Gegner in blinde Raserei versetzt. Und erschreckend nützlich sind die Nadelbomben, aus denen ein wilder Bienenschwarm auf Gegner in einer kleinen Umgebung niedergelassen wird. Weiterhin spielt Feuer wieder eine große Rolle. Nicht nur Pfeile sondern alle anderen Waffen können mit etwas Tierfett entzündet werden. Darin liegt nicht nur ein kämpferischer sondern auch ein praktischer Effekt. Feuer spendet nämlich im Norden auch Wärme und beleuchtet ansonsten die vielen dunklen Höhlen, in denen Takkar unterwegs ist. Abgesehen von den normalen Waffen gibt es noch einen großen und spaßigen Teile: Takkar lernt vom Medizinmann der Wenja, wie man Wildtiere zähmt und sie für sich kämpfen lässt. Zu Beginn holt man sich einen weißen Wolf an seine Seite, doch die Auswahl ist überraschend groß: Rothunde, Jaguare, Dachse bis hin zu Säbelzahntigern und großen Höhlenbären: Takkar kann sich ständig von einem von ihnen begleiten lassen. Sie greifen an wenn er es befielt, halten sich bedeckt wenn er das auch tut und manche von ihnen sind groß genug, dass Takkar sie mit einer Verbesserung sogar zum Reiten verwenden kann. Noch dazu kommt jedes Tier mit nützlichen Extrafunktionen. So sammeln manche herumliegende Gegenstände ein, markieren andere Tiere und Gegner in der Nähe oder können sich nach dem Tod sogar einmal wiederbeleben. Im Zentrum dieser Tierwelt steht Takkars Eule, sein erster Begleiter. Dieser Terror der Lüfte erfüllt anfangs simple Aufklärungsaufgaben und kann später zum treffsicherern Bomber werden, der Feuer und Bienen vom Himmel regnen lässt und bei Bedarf auch selbst Gegner mit einem Schlag ausschalten kann.

Anfangs sind die Wenja noch unbedeutend, doch mit der Zeit muss Takkar die wichtigsten Leute in die Gemeinschaft zurückbringen, um ihrer Hilfe neue Ausrüstung herzustellen und neue Verbesserungen frei zuschalten. Mit ihnen wächst auch der Stamm selbst und die anderen Mitglieder sind nicht untätig: Jeden Morgen steht in einem zentralen Behälter neue Rohstoffe zur Verfügung, die der Stamm am Tag gesammelt hat. Dort kann sich Takkar frei bedienen, was besonders bei seltenen Gegenständen viel Zeit und Nerven spart. Ansonsten ist die Formel wie in Far Cry gehabt: Außenposten und Leuchtfeuer gilt es einzunehmen um sich Schnellreiseoptionen zu sichern, es gibt jede Menge Nebenaufgaben für Extra-Erfahrungspunkte und Belohnungen und man wird durch unzählige Symbole auf der Karte zu leicht abgelenkt.

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Prähistorische Wiederverwertung

Keine Überraschung bei der Grafik: Zur Einsatz kommt die Dunia Engine, die schon seit Far Cry 2 in der Reihe Verwendung findet. Die Karte des Spiel selbst wurde zumindest zu großen Teilen der Karte von Far Cry 4 entnommen. Es ist im Grunde die exakt selbe Karte, nur kleiner und mit anderer Vegetation. Einen ähnlichen Fall hatte man mit Far Cry 3: Blood Dragon, wo man die südliche Insel aus dem regulären Far Cry 3 zweckentfremdet hat. Allerdings war Blood Dragon auch ein 15 €-Spiel, kein Vollpreistitel wie Far Cry Primal, was den Eindruck ein wenig säuert.

Immerhin ist der Soundtrack wieder gelungen. Ein besonderer Moment verwendet sogar einen modernen Titel in einem guten Kontext. Und ein sehr kurzer Teil der Musik ist sogar dem bereits genannten Blood Dragon gewidmet. Doch finden müsst ihr die Stelle schon selbst. Aufgefallen sind mir ein paar Glitches, in denen Tiere an Teilen der Spielwelt plötzlich abgehoben sind, nur um dann tot wieder am Boden aufzuschlagen. Und einmal warf mich das Spiel zurück auf die Oberfläche meiner PS4.

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FAZIT: Es funktioniert, aber vielleicht nicht zum Vollpreis

Getestet wurde die PS4-Version. Es ist außerdem erhältlich für PC und Xbox One.

Summary
Far Cry Primal wirkt wie ein logischer Schritt in der Evolution der Reihe und spielt sich praktisch gewohnt wie ein klassisches Far Cry-Spiel, wenn auch ohne den Einsatz von Schusswaffen. Man merkt aber auch, dass die Formel im Grunde festgefahren ist. Vielleicht ist aber der Punkt erreicht, wo sich Ubisoft Montreal neu erfinden wird mit einem unausweichlichen Far Cry 5 und man hier eher ein kleines Experiment gewagt hat. Nur wieso dies zum Vollpreis geschehen musste, bleibt mir verschlossen. Zu gute halten kann man ihnen, dass auf einen Mehspielermodus und auf einen Staffelpass verzichtet wurde. Mich macht das gespannt darauf, ob überhaupt noch weitere Inhalte für Far Cry Primal geplant sind. Far Cry-Fans werden sicher ihre Freude an Primal haben, doch trotz der Zeitperiode erfindet auch Far Cry Primal das Rad nicht neu.
Good
  • Sehr atmosphärisch trotz einiger Freiheiten
  • Viele Inhalte
  • Das Bestiensystem
  • Gute Präsentation
Bad
  • Ein wenig zu nah an der üblichen Formel
  • Karte nahezu kopiert aus Far Cry 4
8
Sehr gut
Written by
Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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