Fallout 76 im Test: Der Super-GAU - Bethesda ruiniert Erfolgsserie

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Alles neu und besser, das war das Ziel. Die Stärken aus den Singleplayer kombiniert mit Multiplayer, Survival und viel Innovationen … Was bleibt, ist ein Debakel und mit das schlechteste Fallout Game seit Bestehen der Reihe mit Fallout 1 aus dem Jahr 1997. Um das gleich vorneweg zu nehmen – vor allem für jene, die in den letzten Tagen eifrig Fallout-76 Bashing gelesen haben. Der neueste Spross aus dem Endzeit-RPG-Setting ist kein schlechtes Game und hat seine Momente. Leider ist es aber auch kein gutes. Derbe Bugs, fehlende Spielinhalte und eine altbackene Grafik sind nur einige der Dinge, die Fallout 76 wohl zum Spieldesaster des Jahres machen.

Neufokussierung der Serie gescheitert

Ich als passionierter Fan der Singleplayer-Teile bin bei Fallout 76 natürlich nicht frei von einem gewissen Frustgefühl, das sich bereits seit Ankündigung des Games breit gemacht hat. Warum ein Multiplayer? Haben die Erfolge von Fortnite und PUBG die Macher von Bethesda dazu bewogen, hier anknüpfen zu wollen, um ihren Franchise neuen Spirit zu verleihen oder lagen doch eher finanzielle Aspekte im Fokus? Egal. Das Konzept, die Grundlage von Fallout 4 zu nehmen und dies mit den Gamingtrends der Zeit wie Multiplayer, Koop, Survival und PvP zu kombinieren, ist gescheitert. Fallout ist im Kern eben ein Singleplayer Game. Und lebt auch davon. Von einer tollen Story, innovativen Quests mit teils sarkastischen Inhalten, welche die Serie auszeichneten. Großartige NPCs mit viel Background sowie viel atmosphärischer Inhalt, welcher die Welt belebte. Kurz gesagt: Fallout 76 hat nichts davon. Die Story ist eine Aneinanderreihung langweiliger Sprachnachrichten, NPCs gibt es gar nicht und von Atmosphäre ist auch nicht viel zu spüren. Es scheint, dass der Fokus auf all die Multiplayer-Anteile dazu geführt hat, dass das Game selbst leer ist.

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Bethesda und seine Fallout 76 Baustellen

Kein Wunder, dass daher kurz nach Release alle Alarmglocken bei Bethesda schrillten. Kaum, dass renommierte Game-Seiten das Game zerrissen, User das Game bei Metacritics mit 2.8 von 10 Punkten abstraften und Gamer über dermaßen heftige Bugs klagten, dass das Game unspielbar wurde, wurde heftig an Patches nachgeliefert, die mit 50 GB gar größer ausfielen als das Original Game. Natürlich kann man hier das Gute im Schlechten sehen: Bethesda hat erkannt, dass sie mit Fallout 76 ein Baustellen-Chaos hinterlassen haben. Neben kleineren Fehlerbereinigungen sollen auch große Verbesserungen nachgeliefert werden, welche das Game an sich verbessern sollen. Doch Hoffnungen schüren und Versprechungen machen können nicht den Ist-Zustand verschleiern. Das Game ist aktuell ein Fehlschlag und nur diesen kann ich bewerten.

Das größte Plus: Fallout 76 lebt wie seine Vorgänger von seiner Welt. West Virgina ist groß, lädt zum Erkunden ein und die offene Spielwelt macht viel Freude. Und das ist traurigerweise für mich das einzige Highlight im aktuellen Game. Ganz in alter Fallout 3 und 4 Manier durch die Welt zu streifen, Gegenden und Gebäude auskundschaften, Monster töten und seine Ausrüstung verbessern. Doch frage ich mich immer wieder: Warum soll ich dann Fallout 76 zocken? Dann kann ich gleich bei Fallout 4 bleiben, das quasi die gleiche Grafik-Engine besitzt. Und besser ist.

Nicht nur das. Fallout 76 ist technisch unausgereift. Texturen, Grafik sowie Modelle sind uralt und man denkt, dass man das doch alles schon aus Skyrim oder Fallout 4 kennen würde. Die Menüführung ist ein Witz, sind überfrachtet und nerven seit Oblivion. Und dennoch will man diese Welt liebhaben. West Virginia verbreitet seinen eigenen Flair und seine regionalen Unterschiede. Doch das reicht eben nicht auf Dauer aus. Tote Leere mit einigen hin und wieder begegnenden Mitspielern, die alle ihre eigenen Wege gehen, bieten nicht Potential, um einen auf Dauer im Game zu halten. Zumal, wie gesagt, man das alles schon aus Fallout 4 kennt und dies dort besser umgesetzt wurde.

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Eine Story zum Gähnen

Die Story kann das Ganze nur bedingt retten. Als Neuankömmling aus Vault 76 machen wir uns auf der zerstörten Erde auf der Suche nach unserer Aufseherin, um beim Wiederaufbau der Welt zu helfen. Natürlich erkennen wir recht schnell, dass sich das nuklear-verseuchte Treiben etwas anders entwickelt hat, als wir im Schutz der Vault dachten. Die Story wird allein durch Sprach-Memos weiter erzählt, während wir im Spiel voranschreiten. Alle Sprecher liefern ausnahmslos exzellente Arbeit und sind im Grunde die einzigen, die dem Game wirklichen Handlungs-Inhalt verleihen. Dadurch, dass wir aber ständig unterwegs sind und die Sprachaufnahmen quasi nebenbei laufen, geht viel verloren. Auch der Kern der Hauptstory ist ziemlich altbacken. Eine Plage hat sich in West Virginia breit gemacht, die dafür verantwortlich ist, dass das Gebiet menschenleer ist. Einzig übrig bleiben verseuchte, die sich in zombie-ähnliche sogenannte “Scorched” verwandeln. Dieses Unglück soll immer geschehen, nachdem geflügelte Ungeheuer gelandet sind.

Soweit, so einfallslos. Ein Problem, neben fehlender Innovationen in Story und Rollenspiel leidet Fallout 76 auch daran, dass viele Quests, wie gesagt, bug-verseucht sind und sich nicht beenden lassen. Auch das Weiterspinnen vieler Story-Details durch aufgefundene Briefe und Computer-Inhalten lässt uns auf Dauer ziemlich kalt. Kein Vergleich zu Fallout 4, wo richtige kleine Storys um einzelne Ortschaften gesponnen wurden. Es ist müssig zu sagen, dass Fallout 76 kein Rollenspiel mehr ist, wie wir es von den Vorgängern kennen. Ohne wirkliche Charakter-Entfaltung, NPCs. Dialoge, Entscheidungen, Fraktionen und wirkliche Story bleibt das Ganze ziemlich flach. Die extrem reduzierte Version des S.P.E.C.I.A.L.-Systems, Basis des Rollenspiels seit den ersten Tagen wirkt durch Auslagern des Games auf Perks kläglich im Vergleich zum Skill-System der alten Games.

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Neue Bug-Rekorde alarmieren Verbraucherschutz

Okay, als Bethesda-Gamer ist man schon etwas abgehärtet, was Bugs angeht. Glitches, Texturprobleme, fliegende Gegenstände und Ruckler, das ist (traurigerweise) Alltag bei vielen Games der Softwareschmiede. Auch KI-Probleme gehören dazu. Aber Bethesda leistet sich mit Fallout 76 neue Rekord-Probleme. Performance-Einbrüche, Fehler in Quests sowie Rücksetzen ganzer Missionen, die Liste scheint endlos lang. Highlights: Ein Spieler klagte, dass er durch einen Bug unsterblich geworden sei und bat Bethesda darum, ihn endlich zu erlösen. Ein Power-Armor Glitch verwandelte Gamer in nackte Monster.

Neu bei diesen unglaublichen Bug-Sammlung: Jetzt hat sich gar der Verbraucher-Schutz eingeschaltet und ermittelt gegen Bethesda wegen dem verbuggten Spiel.

Gemeinsam ja, gegeneinander nein

Kann der Multiplayer Fallout 76 retten? Es gibt viele Games da draußen, die alleine mühselig, in einer Gruppe oder im Duo jedoch reichlich Freude bereiten können. Und ja, gemeinsam durch Appalachia zu streifen, Gegenden unsicher zu machen und immer fiesere Monster zu plätten, bereitet Freude. Gerade im Koop ergeben sich schöne taktische Momente, wenn man Monster anlockt und der Partner von der Seite oder vorne kommt oder einer von einem Dach aus Sniper spielt. Hier existiert viel Potential. Am besten nimmt man seine Freunde jedoch aus dem realen Leben mit, denn auf den Servern selbst begegneten mir recht viele Lonely Wolves, die höchstens kurz eine “Hallo”-Geste vollführen und dann wieder abziehen. Rein waffentechnisch und vom Gameplay kann Fallout 76 bei Weitem nicht mit “echten” Shootern mithalten, was sich auch in der Praxis zeigt. Da steckt doch noch zu viel Fallout 4 drin, um das Game wirklich als echten Shooter bezeichnen zu können.

Zusammen macht Fallout 76 also Spaß. Doch wie ist das Gegeneinander, das PvP? Erneut gibt es nur ein Wort: Desaster. Einerseits würde man glauben, dass Pazifismus-System ist eine tolle Sache. Fremde Spieler müssen ein Beschießen erst zustimmen, bevor es ins Gefecht geht. Leider wirkt sich das eher so aus, dass die meisten Gamer PvP meiden oder gar nicht ausprobieren. Gleichfalls ein Witz ist die Survival-Komponente, die sich am Ende nur als nervig darstellt. Ständig wird unsere Protagonist von Durst und Hunger gequält, weswegen wir immer etwas Proviant bei uns tragen müssen. Zudem geht dauernd irgendwas kaputt und muss repariert werden. Auch das Bauen und Upgraden von Gegenständen und das Zerlegen wegen der Rohstoffe offeriert nur bedingt Spaß, ist es quasi 1 zu 1 aus Fallout 4 übernommen worden. Dasselbe gilt für das Bauen von Lagern und Basispunkten. Innovation Fehlanzeige.

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Fazit:

Fallout 76 braucht vor allem eines: Geduld. Geduld der Hardcore-Fans, die neben all den Schwächen, Fehlern und Problemen die besonderen Momente heraus erkennen und dem Game bzw. Bethesda eine Chance auf Verbesserung geben wollen. Alle anderen werden das Game verfluchen. Fans, die zu enttäuscht sein werden und auch Neueinsteiger, welche die Geduld nicht aufbringen werden können. Fallout 76 hat es geschafft, das Beste aus Fallout 4 und den Vorgängern zu tilgen und dem Game einen unzulänglichen Survival und Multiplayer Part zu verschaffen. Im Grunde erscheint Fallout 76 wie eine unausgereifte Fallout 4 Mod. Gamer, die Fallout 4 mochten, werden auch hier ihren Spaß finden. Fallout 4 ist als Game an sich nur einfach besser.

Good

  • Atmosphärische Welt, die zum Erkunden einlädt
  • Koop-Modus macht mit den richtigen Leuten Spaß

Bad

  • Unfertiges Game: Bug-Hölle
  • Survival, Multiplayer und PvP sind als Modi gescheitert
  • Leere Welt ohne NPCs, Story und Motivation, weiter zu spielen
  • Kein Rollenspiel mehr
5

Mittelmässig

Gamingnerd und Filmjunkie. Angefangen hat die Videospiel-Reise mit NES und Gameboy, seither der Gameswelt verfallen. Filme und Serien sind seine Passion seit er selbstständig den Fernseher bedienen konnte. Besitzt eine Affinität zu allen Technik-Innovationen und nerdigen Trends.

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