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Fallout 4 Review

Irgendwo mitten im Ödland hellt der Nachthimmel langsam auf. Dunkelblau verwandelt sich in Blau, durchzogen von sanftem rosa und einem leichten, goldenen Schein, der die aufgehende Sonne ankündigt. Die Silhouetten kahler, nackter Bäume zeichnen sich in einem fast schon grotesken Kontrast gegen den immer heller werdenden Himmel ab. Zwei Raben fliegen über die trostlose Landschaft, und irgendwo ist ein Rascheln zu hören. Dann steigt Nebel auf und die Sicht wird weiß, verschwommen. Dein treuer Begleiter, ein Schäferhund, dreht sich zu dir um und sieht dich aufmerksam an, die Ohren gespitzt. Gehen wir weiter?, fragt sein Blick.

Nur einen Moment, vermittelst du ihm wortlos. Und so stehst du dort und wachst stumm über die Sonne, die langsam über der Welt aufgeht, die einst deine Heimat war. Nur wenige Augenaufschläge hat es gedauert, um sie für immer zu verändern.

Und dann schallt die Stimme des sozial eher ungeschickten Radiomoderators durch die Lautsprecher deines Pip-Boys: „Ähm, ja, das Juwel… das Grüne… ich meine, ähm… [Stimme bricht] das große Grüne Juwel… das große Grüne Juwel des Commonwealth…. Diamond City… Radio…“

Fallout ist zurück. Und mehr denn je bringt es zwei Dinge auf unglaubliche Weise ins Ödland: Atmosphäre und ein Herz. Ja, die Grafik ist nicht die Beste und ja, das Spiel ist teilweise verbugt. Aber wenn irgendjemand uns einmal mehr beweist, dass die Grafik fast egal sein kann, wenn ein Spiel die richtige Mischung aus Story, Atmosphäre, Herz und Gameplay hat, dann ist das Bethesda.

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Ich habe die Geschichte noch nicht ganz durchgespielt und möchte hier auch noch nichts verraten, aber wenn ich einen Kritikpunkt an Skyrim oder Fallout: New Vegas hatte, dann war das die schwache Hauptgeschichte. Mit diesem Makel hat Bethesda in Fallout 4 ein für alle Mal Schluss gemacht. Fallout 4 kommt mit einer spannenden, manchmal schockierenden und vor allem aber auch herzzerreißenden Geschichte, die nicht nur mit klassischen Elementen der Fallout-Welt spielt, sondern auch mit dem persönlichen, emotionalen Involvement des Hauptcharakters. Mit welchen Emotionen der Spieler reagiert ist allerdings vollkommen freigelassen, und damit bewahrt sich Fallout viel von seinem Kern.

Und um diese Story herum setzt Fallout Charaktere, teils mehr, teils weniger involviert in die Hauptgeschichte, die zum ersten Mal mit den tiefgründig ausgefeilten Charakteren von stärker Story-orientierten Spielen mithalten können. Die Begleiter aus Fallout reagieren auf den Spieler; sie reden mit uns, sie haben eine Meinung zu dem was wir tun und sie wissen, wo wir uns in der Spielwelt befinden (mein Lieblingsmoment war der, als der Bürgermeister von Diamond City eine Hassrede auf Piper – eine der knapp ein Dutzend Begleiter in Fallout 4 – hält und sie sich vollkommen entspannt in die erste Reihe setzt und sich erstmal eine Zigarette anzündet). Und sie lassen es uns wissen, wenn sie uns mögen (oder nicht); sie fragen nach unserer Meinung oder bitten um unsere Hilfe. Oder lassen uns auch ganz allein im Ödland stehen, wenn wir eine gewisse Grenze überschreiten. Und alle diese Charaktere haben eine Hintergrundgeschichte, Motive und Gefühle, die nicht mehr nur impliziert, sondern aktiv in das Spielgeschehen eingebunden werden.

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Zugegeben, die Grafik in Fallout 4 ist für ein 2015-Spiel teilweise schauderhaft. Manche Texturen, insbesondere die von NPCs, sind definitiv ein wenig zu „2009“ – teilweise war ich an Texturen von Mass Effect 2 erinnert. Aber atmosphärisch hat die etwas veraltete Grafik zum Glück keine Auswirkung auf das Spielerlebnis. Durch schöne Lichteffekte, dynamische Veränderungen im Wetter und Dampf, Regen und Nebel wirkt die Spielwelt lebendig und vor allem wandelbar; Sanctuary, das ehemalige zuhause unseres Sole Survivors, kann je nach Wetterlage freundlich bis unheimlich wirken.

Besonders heraus stechen vor allem Diamond City und Goodneighbour. Diamond City, nachts erleuchtet, mit Dampf und Rauch, der aus Häusern und Blechhütten aufsteigt und sich in den Straßen sammelt, und dem stets erleuchteten, von einem japanischen Roboter geführten Ramen-Restaurant als Mittelpunkt der größten Siedlung in Boston, hat fast schon etwas von einem Ghibli-Film (Chihiros Reise ins Zauberland). Und Goodneighbour, mit einer Lichterkette, die sich über die engen Gassen voller Drogenabhängiger und Ghouls in Gangster-Outfits spannt, dem blauen Licht von Straßenlaternen neben dem roten Licht der „Memory Den“ (einer Art Opiumhaus, nur statt Opium gibt es das ewige Wiederdurchleben schöner Erinnerungen), hat fast schon etwas von der Atmosphäre eines Film noir.

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Auch was das Gameplay angeht sehe ich nur Verbesserungen gegenüber Fallout 3 und New Vegas. Die Gefahr (oder zumindest die Furcht von eingefleischten Spielern) bei Nachfolgern beliebter Spiele ist oft, dass die Spielmechanik zu sehr vereinfacht wird. Hier hat Fallout 4 meiner Meinung nach ein gutes System gefunden: anstatt das Gameplay zu vereinfachen, haben sie es einer rigorosen Strukturierung unterzogen – mit dem Ergebnis, dass viele der Features in Fallout 4 schlicht und ergreifend selbsterklärend werden. Insbesondere das Modden von Waffen und Rüstung ist sehr eingängig, aber trotzdem nicht simpel; es gibt tausende Möglichkeiten, die eigenen Waffen und Rüstungen zu individualisieren. Und das gleiche gilt für die Perks, die jetzt enger an die S.P.E.C.I.A.L.-Attribute gebunden sind. Dadurch, dass die Protagonisten zum ersten Mal synchronisiert wurden, musste natürlich bei den Antwortmöglichkeiten zurückgeschraubt werden. Statt neue Dialog-Optionen eröffnen die sieben Attribute nun den Zugang zu Perks, und jeder Perk kann mehrmals hochgestuft werden. Bis auf die Restriktion durch die Attribute (in die allerdings auch im Nachhinein noch Punkte gesteckt werden können) ist man in der Wahl der Perks komplett frei; wer also einen charismatischen Rüstungs- und Waffenbastler spielen möchte, der gleichzeitig noch alle Schlösser knacken kann, dem ist das genauso freigestellt, wie einen komplett radioaktivitätsimmunen Machetenkämpfer, dem ein paar Schusswunden nicht wirklich etwas ausmachen.

Oh, und die Power-Armour kann vollkommen unabhängig von sonstiger Rüstung vollkommen frei individualisiert – und angemalt (pinke Power-Armour anyone?) –  werden.

Und dann gibt es auch noch die Siedlungen, die gegründet werden können…

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Ja, Fallout 4 liefert ab. Auf mehreren Ebenen. Aber gerade weil es ein wirklich unglaublich gutes Spiel ist, sind die Bugs natürlich umso nerviger. Insbesondere, wenn sie den Spielspaß zerstören. So wurde zum Beispiel kritisiert, dass die physische Spieler- und NPC-Beweglichkeit trotz aktualisierter Engine noch immer an die Framerate gebunden ist – das heißt Spieler und NPCs am PC bewegen sich schneller, je höher die Framerate ist, was gerade im Nahkampf einen extremen Nachteil für Spieler mit niedriger Framerate und einen übertriebenen Vorteil für Spieler mit sehr hoher Framerate bedeutet.

Persönlich hätte ich auch gerne noch mehr Inhalt bei den Charakteren gesehen. Natürlich sind die Charaktere ein riesiger Schritt von Fallout 3 oder New Vegas, sogar von Skyrim aus. Dennoch läuft gerade bei den Charakteren, die nicht in die Hauptgeschichte involviert sind, relativ schnell der Content aus. Und das ist besonders schade, da Fallout es wirklich gut schafft, die Charaktere vorzustellen – und am Ende lechzt man einfach nach mehr.

Insgesamt habe ich jetzt knapp 30 Stunden gespielt und ich bin mir sehr sicher, dass mich das Spiel noch für viele weitere Jahre (7 Jahre, bis Fallout 5?) fesseln wird. Ich bin glücklich und zufrieden mit dem Spiel; das ist natürlich auch Bethesdas Marketing-Strategie zu verdanken. Sie haben genau darauf geachtet, nur extrem wenig Spielmaterial vor dem Release zu veröffentlichen, was den Hype nur gesteigert hat. Ich werde jetzt jedenfalls meine Pizza holen, meine Tür abschließen, die Vorhänge zuziehen und viele weitere Stunden meines Lebens in Fallout 4 investieren. Ganz ohne Bedauern.

2. „Erste Impressionen“ von Konrad

Es gibt nur sehr wenige Spiele die in den letzten 10 Jahren so viel von meiner Zeit gefressen haben wie Fallout 3. Insofern hab ich mich auf den neusten Teil sehr gefreut, hatte aber auch ein bisschen Bammel. Kann mich das Spiel nochmal so packen? Sollte es das überhaupt?

Ich bin an diesem Punkt nach noch nicht mal 10 Stunden drin, hab aber schon einiges erlebt was mir gefallen hat, aber auch ein paar Dinge gesehen, die mich etwas missmutig stimmten. Die Story reisst für mich an diesem Punkt noch keine Bäume aus, aber das habe ich auch nicht erwartet. Dafür macht es weiterhin viel Spaß selbst neue Dinge im Wasteland zu entdecken und die Handlung einfach mal zu ignorieren.

Dass wir unseren Helden nun die ganze Zeit sprechen sehen ist eine massive Verbesserung gegenüber dem Vorgänger. Doch was ich diesbezüglich leider schwerlich vermisse, ist der Mangel an Skill-bezogenen Gesprächsoptionen. Ich hatte immer viel Freude daran, wenn mir ein hoher Wert in ‚SCIENCE‘ ermöglicht besser mit anderen Wissenschaftlern zu reden, so fühlt sich die Charakter-Ausarbeitung etwas eingeschränkter an.

Sehr früh gewärt einem das Spiel Zugang zu einer Power Armor und das macht mir um ehrlich zu sein ein bisschen Sorgen. In alten Teilen war die mächtige Rüstung der Brotherhood of Steel das Ding auf das man sich im Endgame freuen konnte. So hab ich ein bisschen das Gefühl, dass man auf keinen Fall riskieren wollte, einen gewissen Spielerstamm zu langweilen. Aber hey, es ist ein Rollenspiel und kein Call of Duty.

Das Waffen-Basteln und die Siedlungen zu errichten macht mir dagegen viel Spaß. Endlich ist all der Schrott, den man immer sammelt zu etwas gut. Hey, da liegt ein altes Dreihrad, das sind schonmal neue Metal- und Gummi-Resourcen. Noch wurde meine Siedlung noch nicht angegriffen, aber ich fürchte, dass dieses Sub-Game ein enormer Zeitfresser wird.

Fallout 4 ist bisher kein perfektes, aber ein sehr spannendes Spiel und ich kann es kaum erwarten endlich weiter zu spielen.

Hinweis: First Impressions

Bei diesem Text handelt es sich noch nicht um den endgültigen Test. Das Spiel bietet Content von mehreren hundert Stunden und wir wollten unbedingt schon mal unsere ersten Eindrücke zu Fallout 4 vermitteln. Aktuell sitzen vier Redakteure (2x PC- und 2x PS4-Version) an dem Umfangsmonster. Sobald wir unseren Test abgeschlossen haben, erweitern wir diesen Artikel und vergeben dem Spiel auch eine endgültige Wertung, Pro & Contra sowie mit den Meinungen aller teilnehmenden Redakteure.

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