Exile’s End Review

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Als der Amiga von Commodore in den 80ern die Heimcomputerszene beherrschte, haben Jump’n’Runs wie Another World oder Prince of Persia die Szene beherrscht. Fast 30 Jahre später präsentieren Magnetic Realms und Marvelous ihre eigene Interpretation eines Amiga-Titels. Exile’s End will vor allem eine Hommage sein. Lest jetzt unser Review!

 

Kolonialmarines

Der Marine Jameson ist ein alter Veteran, wird aber vom Rest seiner Mannschaft nicht geschätzt. Als ihr Raumschiff über ihrem Missionsziel abgeschossen wird, ist Jameson der einzige Überlebende und entschließt sich, seine Aufgabe fortzusetzen: Den Sohn des Ravenwood-Chefs auf dem Planeten finden und mit ihm entkommen. Im Grunde ist die Geschichte nicht viel mehr als eine verkürzte Form des Films Aliens. Erzählt wird sie in teils extrem schönen Comic-artigen Zwischensequenzen im 16 bit-Aussehen, die fast schon krass mit dem restlichen Spiel im Widerspruch stehen, erinnern sie doch mehr an Spiele aus der Super Nintendo- oder Sega Mega Drive-Ära.

Sprachausgabe sucht man vergebens, was dem Stil geschuldet ist. Dafür tauchen im Spiel immer wieder verschiedenfarbige Texttafeln auf, mit denen Dialoge geführt werden. Viel erwarten sollte man von der Story aber nicht. Die Wendungen sieht man kommen, wenn man mit ähnlichen Filmen vertraut ist. Noch schwerer wiegt die Tatsache, dass man all das schon einmal sah – und das praktisch im wahrsten Sinne des Wortes, denn Exile’s End ist ein Remake eines anderen Magnetic Realms-Spiels, Inescapable. Wirklich neu sind nur die Dinge, die die japanischen Entwickler beigesteuert haben, die durch diese Tatsache deutlich hervorstechen, eben weil sie qualitativ im Widerspruch zum ursprünglichen Spiel stehen.

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Was ist ein Metroidvania?

In der Beschreibung ihres Spiels betonen die Macher, dass es sich bei Exile’s End NICHT um ein Metroidvania-Spiel handelt, doch hält diese Aussage in der Praxis nicht stand. Jameson ist zu Beginn auf sich allein gestellt und nimmt in seinem beschädigten Raumanzug sogar Fallschaden. Mit Steinen ist er anfangs gezwungen, sich gegen Schlangen zu wehren. Vor anderen Gegnern sollte man lieber ganz einen großen Bogen machen, bis man ein paar Upgrades gesammelt hat – wo sich schon ein großes Problem bemerkbar macht: Das Inventar. Mit L1 und R1 scrollt man durch die verfügbaren Gegenstände, doch werden es im Laufe des Spiels so viele, dass man schnell den Überblick verliert, was man gerade benutzt. So kommt es allzu oft vor, dass man wichtige Munition wie z.B. Granaten verschwendet. Großes Lob verdient jedoch die restliche Steuerung, die tatsächlich richtig präzise funktioniert und gut von der Hand geht.

Mit einer Karte orientiert man sich durch die Welt, die in insgesamt 7 verschiedene Abschnitte führt, oftmals mit vielen verzweigten Pfaden und der Voraussetzung, dass man alte Abschnitte neu besucht, um bisher unpassierbare Bereiche zu finden. Problem dabei ist: Das Fehlen einer Schnellreisemöglichkeit, so dass man alle Wege mühsam zu Fuß gehen muss. Dadurch, dass die Level selbst sehr dröge gestaltet sind, macht sich schon bald Langeweile breit. Noch dazu fehlen jegliche Hinweise, wie man im Spiel vorankommt, wodurch man manchmal an Stellen gerät, bei denen man einfach nicht weiter weiß und man erst nachschlagen muss, wie es denn weiter geht. Alles mag der Wiedererkennbarkeit als Amiga-Hommage geschuldet sein, aber ist für die heutige Zeit auch ein wenig zu viel des Guten.

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Motivationsverlust

Was den drögen Eindruck verstärkt ist, dass die Geschichte selbst eine sehr lange Zeit brauch, um wirklich in Fahrt zu kommen. Schon der Beginn, in dem man normalerweise in dieser Art Spielen gut mit visuellem Geschichtenerzählen – ähnlich wie Portal 2 – Spannung aufbauen kann, stimmt auf diesen Aspekt ein, in dem er den Weg vom Beginn zum ersten Item-Upgrade unnatürlich lang macht und dabei die Wege mit Schlangen säumt, die sich von der Umgebung nur bei genauen Hinsehen unterscheiden lassen. Grafisch ist Exile’s End (abgesehen von den Zwischensequenzen) unspektakulär, weil sich die Schauplätze trotz der verschiedenen Vegetation doch sehr ähneln und wenig Abwechslung in seiner Gestaltung bieten. Auch war ich kein Freund der Musik, die von Ninja Gaiden-Komponist Keiji Yamagishi stammt, da sie bewusst simpel gehalten wird, um der Formel gerecht zu werden.

Auch ärgerlich: Die PS4-Version enthält kein Crossbuy, wodurch man für die PS Vita-Fassung extra zur Kasse gebeten wird.

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FAZIT: Manchmal ist “mehr” doch besser…

Exile’s End schafft, was es erreichen möchte, setzt dabei aber seine Ambitionen zu niedrig. Wäre es vor 25 Jahren erschienen, hätte man es sicher als einen Meilenstein bezeichnet, aber so steuert geht es gegen viele moderne Spielegewohnheiten zuwider. Shadow of the Beast hat dieses Jahr bewiesen, wie man einen Amiga-Klassiker baut, ohne dabei sich nur auf alte Spielelemente zu verlassen. Gerade die Tatsache, dass es sich auch bei Exile’s End um ein Remake handelt hätte für einige substantielle Verbesserungen reichen sollen. So bleibt es leider ziemlich dröge. Gut zu steuern, aber ziemlich langweilig.

Getestest wurde die PS4-Version. Es ist auch erhältlich auf PC und PS Vita.

Good

  • Gute Steuerung
  • Recht authentisch zu alten Amiga-Spielen

Bad

  • Wird schnell langweilig
  • Etwas zu antiquierte Spielmechanik
  • Manchmal frustierend
4

Schwach

Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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