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Evoland – Eine Spielbare RPG-Geschichtsstunde

Evoland steht seit Anfang April bei Steam für PC als auch Mac zum Download zur Verfügung. Aber was genau ist Evoland eigentlich? Eine genaue Zuordnung ist schwer, da Evoland einiges alt bekanntes in sich vereint und Jahrzehnte der Videospielgeschichte bunt miteinander mischt. Am besten nehmen wir euch in unserer Review gleich einmal mit nach Evolandia.

Von 0 auf 300.000

Bevor wir uns sofort auf die Aufarbeitung der Videospielgeschichte stürzen werfen wir erstmal einen Blick auf Evoland selbst. Das erste Evoland Classic wurde von Nicolas Cannasse für das Ludum Dare Event entwickelt. Ludum Dare ist ein Entwickler Event, bei dem angehende Videospielentwickler ihr Können unter Beweis stellen. Nicolas hat für sein Werk Evoland, welches den ersten Platz von rund 1400 eingereichten Spielen gewann, nur 30 Stunden Arbeitsaufwand gehabt. Evoland Classic erfreute sich bei Spielern weltweit großer Beliebtheit und gewann in wenigen Monaten mehr als 300.000 Spieler. Vor dem Hintergrund des Erfolges erklärte sich Shiro Games bereit eine weiterentwickelte Version des Spiels zu entwickeln, welches inhaltlich am Original anknüpft und den schlichten Namen Evoland trägt.

Controller raus, Klassenarbeit!

Evoland richtet sich an ausgewachsene Nostalgiker und (J)RPG Fans. Aber auch wer sein Wissen um Videospiele (mit klarem Fokus auf Rollenspiele) auffrischen möchte, ist hier gut bedient. Da ist es also kein Wunder, wenn ihr euch zu Beginn des Spiels mit eurem noch namenlosen Helden auf einem Screen wieder findet, der etwa so viele Pixel enthält, wie ein Grashalm in heutigen Spielen. Eine richtige Story oder Aufgabe gibt es zu dem Zeitpunkt noch nicht. In den ersten Minuten steht die Entwicklung von Grafik und Musik im Vordergrund. Euch wird auffallen, dass zu Anfang absolute Stille herrscht. Keine Geräusche beim Laufen, oder eine Spur von Hintergrundmelodie. Das ändert sich aber, sobald ihr durch die Gegend streift und unübersehbare Truhen öffnet. Damit werden die Basics, wie automatischer Bildlauf, 2D Bewegungen, Soundeffekte, Hintergrundmusik und 16 Farben freigeschaltet. Dabei kommt sehr schnell ein Gefühl wie bei den alten Zelda Spielen auf. Dieses Gefühl kommt auch nicht von ungefähr. Einige Aspekte im Spiel wurden bewusst von bekannten Spieleklassikern wie Zelda und Final Fantasy übernommen. Im weiteren Spielverlauf schaltet ihr Techniken frei, die jedem, der schon einmal ein Rollenspiel gespielt hat, bekannt sein dürften. Vorgerenderte Hintergründe, das Einblenden der aktuellen Umgebung, wenn ihr einen Screen betretet, dynamische Kameras, 3D Animationen, eine Weltkarte und verschiedene Kampfsysteme sind nur einige Beispiele. Während der ersten Spielminuten werdet ihr also regelrecht von Nostalgie bombadiert.

Von Kristallen, Minen und Monstern

Evoland ist gespickt mit klassischen RPG Elementen und Anspielungen auf altbekannte Titel. Komisch, dass euch als Kind nie jemand im Dorf für voll genommen hat und mit euch reden wollte. Warum heißen NPCs die Luftschiffe bauen immer Cid? Und wie war das noch mit der Entscheidungsfreiheit?

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Auch die Story macht da keine Ausnahme. Ihr trefft recht schnell auf ein junges Mädchen, welche ihr vor ein paar Monstern rettet. Nachdem ihr der jungen Dame einen Namen gegeben habt (ja, früher konnte man selbst namen vergeben) erzählt sie euch, dass sie ihr Heimatdorf retten muss und dazu den Kristall aus der naheliegenden Höhle benötigt. Ihr ringt mit eurem Gewissen und entscheidet euch dann dafür ihr dabei zu helfen. Ihr selbst könnt euch natürlich auch einen Namen geben, oder den vorgeschlagenen „Clink“ übernehmen. Erinnert der euch an jemanden? Gut möglich, denn Clink ist nur eine von vielen, teilweise schon sehr dreisten, Anspielungen. Außerdem erfahrt ihr noch von Babamut, Chobokos und dem Klassiker von allen Bäumen: dem Manabaum. Aber mal nicht so schnell, das erfahrt ihr noch alles früh genug in der Story. Diese führt euch, wie sollte es auch anders sein, in das Heimatdorf eurer Begleiterin, in dunkle Wälder und finstere Minen. Die Story fällt im Umfang und auch in der Erzählweise sehr dünn aus. Das Spiel habt ihr somit leider schon nach etwa 2 – 3 Stunden Spielzeit durch. In der Story liegt auch eine große Schwäche von Evoland. Die Story dient bestenfalls als loses Bindeglied zwischen einzelnen Stationen. Große Tiefe entwickelt sich also nicht. Die Story des Spiel steht aber auch nicht im eigentlichen Vordergrund. Vielmehr soll Evoland die geschichtliche Entwicklung von Spielen allgemein aufzeigen. Diese Entwicklung wird aber zu Beginn sehr schnell erzählt und die eigentliche Reise habt ihr schon nach ca. einer halben Stunde hinter euch gebracht. Darüber kann auch die kleine Story im Spiel nicht hinweghelfen. Auch bei einem nacherzählten, sehr emotionalen Moment in der Videospielgeschichte, wollen selbige hier einfach nicht aufkommen.

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Die Kämpfe… Mal so, mal so

Auch die Kämpfe in Evoland sind schwer zu beschreiben, da das Kampfsystem ständigen Änderungen unterliegt. Auf der Weltkarte rennt ihr in Zufallskämpfe, die rundenbasiert ausgetragen werden. An dieser Selle ist es auch möglich mit eurem Teammitglied zu kämpfen und durch das Sammeln von EP im Level aufzusteigen. Levelaufstieg hat aber kaum Relevanz im Spiel, da ihr in Dungeons und Wäldern in Echtzeitkämpfen spielt. Dieses Echtzeit-Kampfsystem wird im Grunde beibehalten, allerdings wird später ein Fokus auf Hack and Slay wie in Diablo gelegt. Damit unterliegt auch das Health-System einigen Änderungen. Zu Beginn des Spiels seit ihr bei Berühung eines Gegners sofort tot. Später bekommt ihr einige bekannte Herzen als Lebensanzeige, die euch einige Treffer einzustecken erlaubt. Auch die Regeneration durch Tränke oder das Einsammeln von Herzen, welche besiegte Gegner hinterlassen wurde berücksichtigt. Im Laufe des Spiels verabschiedet ihr euch aber auch von diesen wieder und bekommt stattdessen eine Lebensanzeige im Diablo Stil. Dadurch wird der Spieler mit vielen bekannten Kampfsystemen konfrontiert und muss sein Können in allen Disziplinen beweisen. Durch den ständigen Wechsel der Kampfsysteme ist es spielerisch nicht möglich, aber auch gar nicht notwendig, seine Charaktere weiterzuentwickeln. Die Zufallsbegegnungen auf der Weltkarte sind zwar zahlreich, jedoch auch nicht wirklich fordernd. Zum wirken von Zaubern stehen euch außerdem unendlich viele Magiepunkte zur Verfügung. Besser gesagt wurde auf eine MP Anzeige gänzlich verzichtet. In den Dungeons wird ein wenig Geschick in Echtzeitkämpfen gefordert. Wenn ihr dann die Hack and Slay Era erreicht habt, mutiert das Spiel aber zum Button-Masher. Unterschiedliche Ausrüstung zum sammeln gibt es nicht, daher könnt ihr euch auch nicht verbessern. Also rennt ihr mit dem, was ihr so bei euch habt, einfach durch die Dungeons. Gelegentlich fallengelassene Heil-Orbs füllen dann eure Energie wieder auf. Alles in allem sind die Kämpfe relativ einfach. Durch den ständigen Wechsel der Systeme will aber kein richtiges Feeling aufkommen. Der Reiz das nächste Level-up zu bekommen, endlich genug Geld für ein neues Schwert zu haben oder Item- Sammelwut sind Aspekte die in Evoland völlig fehlen. Schade, sind das doch genau die Punkte, die den Reiz anderer Spiele ausgemacht haben.

Hat Evoland euch eigene Ideen?

Evoland trumpft sicher nicht im letzen Moment mit einer völlig neuartigen Spielmechanik auf. Aber das war auch nicht Ziel des Ganzen. Eine der wichtigsten Mechaniken des Spiels ist es, ähnlich wie in Paper Mario, zwischen der 2D und 3D Sicht zu wechseln, um so Hindernisse zu umgehen. Dafür findet ihr in der Spielwelt blaue Kristalle, welche euch bei Berührung in die jeweils andere Grafikdimension wechseln lassen. Der Wechsel zwischen den Dimensionen ist aber nicht nur als grafischer Wechsel zu sehen. Vielmehr spiegelt die 2D Sicht die Vergangenheit wieder, während die 3D Sicht die Gegenwart darstellt. In der 2D Welt ist es euch beispielsweise möglich über kleine Büsche zu laufen, welche euch in der 3D Sicht den Weg versperrt haben. Diese könnt ihr niederbrennen, also in der Vergangenheit vernichten, damit sie euch in der Gegenwart nicht mehr den Weg versperren.

Evoland - Eine Spielbare RPG-Geschichtsstunde evoland-3-Evoland

Evoland gibt es bei Steam für 9,99€ zu kaufen.

Summary
Evoland ist ein durchaus interessantes "Spiel" für Fans des RPG Genre, obwohl es korrekt betrachtet eher ein Erlebnis, beziehungsweise eine spielerische Zusammenfassung von bekannten Mechaniken ist. Spielerisch bedient sich Evoland stark an Klassikern wie Zelda und Final Fantasy, was auf der einen Seite unter Fan Service verbucht werden kann, auf der anderen Seite aber auch eigene Ideen zu kurz kommen lässt. Mehr eigene Ideen hätten hier gut getan, was aber aufgrund der ständig wechselnden Spielmechanismen kaum möglich ist. Leider spielt sich Evoland auch sehr schnell. Schon in den ersten 10 Minuten hat man den Sprung vom Pixelpüree zum 3D Spiel mit ordentlicher Soundkulisse geschafft. Damit wirken die einzelnen Evolutionsstufen des Spiels nicht tief genug auf den Spieler, da man sich nur einige Sekunden in der jeweiligen Videospielepoche aufhält. Mittlerweile werden auch Controller unterstützt, allerdings nur unter Windows. Mac User müssen das Spiel leider mit der Tastatur spielen. Das ist in diesem Spiel in besonderem Maße in Manko, da die Anleihen aus dem Spiel selbst mit dem Controller gespielt wurden. Hier ist die Unterstützung von Controllen auch für den Mac Pflicht!Trotz der genannten Kritik ist Evoland aber ein Spiel, mit dem man Spaß haben kann. Besonders RPG Fans werden sich von den vielen vertrauten Mechaniken angesprochen fühlen. Viele Anspielungen auf bekannte Spiele lassen ein Lächeln aufkommen. Das Karten-Minispiel und die sammelbaren Sterne sind ebenfalls ein feines Extra. Auch die Kämpfe entpuppen sich als teilweise etwas fordern, was aber auch an der fehlenden Controllerunterstützung in der Mac Version liegen kann. Evoland würde ich final keinem Empfehlen, der auf der Suche nach einem neuen RPG ist. Wer sich aber mit der Spielgeschichte befassen möchte, darf hier ruhig bedenkenlos zugreifen.
6.5
Okay
Written by
Spielt von RPGs bis Shooter fast alles - aber nur auf der Konsole.

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