Everspace Review

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Wie viel Spaß bereitet es, in Roguelike-Manier durch Everspace’s Sektoren zu jagen? In unserem Test gehen wir dieser Frage auf den Grund.

Mit dem Tod als Kopilot jagt ihr in Everspace in einem von drei Schiffen von Sektor zu Sektor immer euer Ziel im letzten und siebten Sektor vor Augen. Ein Tod führt zurück an den Anfang und es geht in rogue-like Manier von Vorne los. Soweit zur Grundprämisse von Everspace – doch wie viel Freude bereitet dieser Zyklus?

Angekommen im ersten Sektor setzt sich die Hatz in Gang. Bis zum Finale eures Runs treibt einen um, Module und Ressourcen für das eigene Schiff zu finden, den Treibstofftank gefüllt zu halten und – naja- sich nicht aus dem Weltraum blasen zu lassen. Für Letzteres wollen hauptsächlich Outlaws und die O’kar, eine reptiloide Alien-Spezies, sorgen. Sie greifen auf Sicht an und lassen bis zu ihrer Zerstörung nicht mehr ab. Damit diese mitunter sehr aufdringlichen Gegner ruhe geben, muss man also mit unterschiedlichen Primärwaffen, Sekundärwaffen, Gadgets und Consumables etwas nachhelfen. Insgesamt spielen sich die Kämpfe von Everspace schnell und flüssig, wozu auch die sehr gute Maus und Tastatur-Steuerung beiträgt. Unglücklicherweise gibt es keine Hotas- oder Joystickunterstützung, aber eine VR-Unterstützung, die ich mangels VR-Brille nicht ausprobieren konnte. Während der Kämpfe gilt es die Energieanzeige im Blick zu halten, da sowohl Waffen als auch der rettende Speedboost von ihr zerren. Geht diese zu Neige, sollte es die oberste Priorität sein, sich irgendwie die Gegner vom Leib zu halten, bis sich die schiffseigene Energie wieder regeneriert hat. Anders als beispielsweise Elite: Dangerous ist Everspace ein Spaceshooter und wird dieser Bezeichnung auch wirklich gerecht. Wenn Outlaws in einem Feuer aus Laserpulsen, Gatlingsalven und Raketenfeuer mit einem Schrei über den Funk das Zeitliche segnen, zeigt Everspace seine Muskeln. Doch auch das Sammeln von Ausrüstung, Ressourcen und Credits verfügt über einen gewissen Reiz und erweckt unter anderem dadurch einen Sammeltrieb, dass sich die unterschiedlichen Waffen erfreulich unterscheiden, schlagkräftigere Waffen nie verkehrt sind und es sogar nützliche Module und Gadgets gibt, die in gefährlichen Situationen äußerst nützlich sein können.

Leider droppen teilweise ebenfalls Module und Waffen, die man mit dem gerade benutzten Schiffstyp nicht benutzen kann, und merkwürdigerweise sind mir vermehrt leere Kisten untergekommen. Fliegt ihr im Scout-Schiff könnt ihr beispielsweise ein Tarn- oder Kurzstreckenmodul nutzen. Der Jagdbomber kann wiederum einen Geschützturm tragen, wodurch seine Trägheit ausgeglichen wird. Des Weiteren lassen sich mit Hilfe des rudimentären Craftingsystems Waffen, Gadgets und Module bauen, deren Baupläne in Kisten und Gegnerwracks auffindbar sind. Gleichwohl bieten Händler an Schiffen und in kleinen Stationen Waffen, Ressourcen, Gadgets und Module im Tauschhandel oder gegen Credits an. Wozu Credits sonst gut sind? Der „normale“ Spieler wird Everspace kaum im ersten oder zweiten Run durchspielen. Vor allem zu Anfang zerbröckelt das eigene Schiff schnell unter feindlichem Beschuss. Everspace’s übergreifendes System funktioniert ebenso für gewonnene Run. Auch wenn die Ausrüstung im Wrack des vorigen Runs in den Weiten des Sektors verloren ist, bleiben sämtliche Credits, Baupläne und auch die Erweiterungen, zusätzliche Modifikatoren, erhalten. Insbesondere die Credits erlangen zurück im Hangar eine besondere Bedeutung, denn mit ihnen lassen sich schiffübergreifende und schiffspezifische Upgrades weiter ausbauen. Diese geben Boni wie größere Energiekapazitäten, mehr Waffenslots oder bessere Drop-Wahrscheinlichkeiten. Ebenfalls lassen sich hier die zwei anderen Schiffe für 10.000 Credits erwerben. Nach etwas Spielzeit steht man vor der Wahl mit dem Anfangsschiff dem kolonialen Abfangjäger, dem Kolonialen Aufklärer oder doch den Kolonialen Jagdbomber zu fliegen. Ersterer ist ein guter Allrounder, wohingegen der Aufklärer schneller, zerbrechlicher und mit weniger Waffenslots daherkommt, im Ausgleich jedoch spezielle Module wie eben Tarnung verwenden kann. Das dritte Schiff hingegen setzt hauptsächlich auf seine Panzerung und Feuerkraft, da es über kein Schild verfügt und deutlich unwendiger ist als seine beiden Gegenstücke. Dem Gefühl nach hätten es zwar ruhig noch 1-2 Schiffstypen mehr sein können, doch bereits diese drei sorgen durch ihren jeweils eigenen Spielstil für ein gutes Maß an Abwechslung in Everspace. Für weitere Abwechslung bei den Schiffen sorgen zwei weitere Startausrüstungs-Presets, die man beim erstmaligen Betreten der Sektoren 4 und 7 freischaltet.

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Ein Blick in den Hangar

Wenn es zu Gegnertypen kommt, hält sich diese vor allem in den ersten zwei Sektoren sehr zurück und man begegnet vor allem Outlaw Aufklärern, O’kar Jägern und Drohnen beider Fraktionen. Vor allem die am Anfang geringe Gegnervielfalt führt nach einigen Runs zu einem gewissen Gefühl der Abnutzung. Erst später kommen weitere Typen wie O’kar Corvetten, Outlaw-Trägerschiffe und -Bomber, Schilddrohnen und sogar zwei weitere Fraktionen dazu. Weiterhin tauchen Verbesserungen bestehender Gegner und Elite-Gegner auf, so dass „langweiligere“ Gegner sogar im späteren Spielverlauf eine echte Gefahr werden können. Die Elite-Gegner lassen häufiger Schlüssel fallen, mit denen sich Spezial-Tech-Behälter in kolonialen Raumstationen und Sicherheitsbehälter in anderen Strukturen öffnen lassen, beide können besonders gutes Loot oder Individualisierungsgegenstände wie neue Farben oder Erweiterungen beinhalten. Nebenher begegnet man immer wieder G&B-Schiffen, den normalerweise neutralen Raumschiffen der in den Sektoren von Everspace ansässigen Bergbau-Firma: Greift man diese an, schafft man sich automatisch einen weiteren Feind. Wenn es nach mir ginge, könnte Everspace aber ruhig noch ein, zwei Fraktionen mit häufig auftretenden Gegnern vertragen.

Was bisher noch keine Erwähnung fand: Es gibt sogar kleine Quests in Everspace. Hier und da ruft ein NPC mal um Hilfe,ein Frachter braucht bestimmte Ressourcen, es wurde ein Kopfgeld auf einen Gegner ausgesetzt oder muss aus einem Minenfeld befreit werden. Jeder Sektor besteht aus unterschiedlichen Gebieten, die man durchqueren muss und in denen es die vorhin genannten Gegner zu bekämpfen gilt: Die Erstellung dieser Gebiete erfolgt über prozedurale Generierung und setzt sie aus unterschiedlichen Bausteinen immer wieder neu zusammen. Dies ist weitgehend gut gelungen und führt immer wieder zu optisch und spielerisch variierenden Gebieten. Zusätzliche Phänomene wie Sonnenstürme, elektrisch geladene Nebel und Schwarze Löcher, uralte Strukturen, alte oder bemannte Raumstationen, Metroidenbasen und Wracks füllen die einzelnen Regionen.

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Was mich jedoch wirklich stört, ist die Art wie Everspace mit manchen Gegnermechaniken und seinem Reparatursystem umgeht. Beispielsweise bläht sich ein bestimmter Gegnertyp nach seinem Tod zu einem schwarzen Loch auf, was bei mir ordentlich Frust erzeugte. Außerdem platziert Everspace unheimlich gern Störsender, die das Springen zum nächsten System verhindern, auf schlagkräftigen Corvetten. Ein Störsender in einem System mag noch okay sein, werden es aber zwei oder mehr, erzeugt dies irgendwann ebenfalls Frust. Noch böser wird es, wenn gleichzeitig ein Sonnensturm aktiv ist.

Dann ist da noch das Reparatursystem: Nimmt das eigene Schiff Schaden, lässt sich dieser mit Nanobots oder Nanoinjektor-Gadgets reparieren, soweit so spielerisch in Ordnung. Allerdings können feindliche Angriffe (oder unbeabsichtigte Rammmanöver) ebenso Kernsysteme wie Antrieb, Schilde, Nebenwaffen, Hauptwaffen, Sensoren und Lebenserhaltung beschädigen, was in aufsteigender Reihenfolge für die Nerven immer strapazierender wird. Jedes der Systeme lässt sich zwar mit Ressourcen und Nanobots reparieren, dennoch bereitet diese Idee einfach keinen Spaß. Wenn ich quasi blind für Ressourceneinblendungen und Gegneranzeigen durch ein System gondele, weil die Sensoren ausgefallen sind, kommt mir persönlich der Spaß von Everspace etwas abhanden. Noch schlimmer wird es bei Beschädigung der Lebenserhaltung, worauf man nur noch begrenzte Zeit hat, um das Schiff zu reparieren, bevor der Pilot einfach wegstirbt.

Everspace verfügt im Übrigen auch über eine Story, die durch Kommentare des Protagonisten und seiner KI, deren leicht trockenen Kommentare ich lieb gewonnen habe, und duch gezeichneten Zwischensequenzen vorangetrieben wird. Durch seine rogue-like Natur ist es zwar nicht imstande eine Story zu erzählen, wie ein Wing Commander dazu in der Lage wäre, aber sie gibt dem Sprung von Sektor zu Sektor einen Sinn und Rahmen, ohne auf Klischees wie „Besiege das große Böse“ zurückzugreifen. Tatsächlich hat sich Rockfish Games beim World Building überraschend viel Mühe gegeben, wie sich an unzähligen Glossareinträgen und Zusatzinformationen erkennen lässt. Das Team hat im Hintergrund ein eigenes kleines Universum mit eigener Geschichte und Sozialstrukturen aufgezogen, obwohl Everspace noch nicht einmal wirklich an dessen Oberfläche kratzt. Wenn es um die Technik und Grafik von Indies geht, winken Spieler und Spielerinnen nur allzu gern ab, es ginge ihnen ja nicht um die Grafik. In Everspace spielt die Unreal Engine 4 ihre Stärken hingegen deutlich aus. Sie zaubert Asteroidenfelder, Wracks und Nebel ruhend über unterschiedlichen Welten auf den Bildschirm und erhebt Everspace zu einem der schönsten Weltraumspiele, die es derzeit auf Steam gibt. Dadurch bereiten die Kämpfe gleich noch mehr Spaß und man begibt sich gern auf die Suche nach mehr Items beim Sprung von System zu System.

 

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Ist Everspace ein Spiel für mich?

Fazit: Weltraumgeheimtipp aus Hamburg

Alles in allem hinterlässt Everspace einen positiven Eindruck, das Reparatursystem, etwas fehlende Abwechslung, ein paar Item-Querälen und ein paar störende Mechaniken mögen zwar stören, dagegen steht aber ein insgesamt überzeugendes und Spaß bereitendes Spielkonzept mit hervorragender technischer und optischer Grundlage. Darüber hinaus hat Everspace in gewisser Maßen einen Bann gebrochen: Mit Rockfish Games hat sich endlich wieder ein deutsches Studio auf den großen Plattformen in ein neues Genre gewagt fernab von Rollenspielen, Adventures, Simulationen und Aufbaustrategie. Ihr Spaceshooter überzeugt mit einem tollen Spielfluss auf Basis motivierender und Laune bereitender Kämpfe und einer Hatz nach Ressourcen und Items.

 

Good

  • Insgesamt sehr schöner Spielfluss
  • Angenehme und schnelle Kämpfe
  • Abwechslungsreich generierte Gebiete
  • Angenehme Steuerung
  • Run-übergreifendes Upgradesystem ist gut durchdacht
  • Die drei Schiffe unterscheiden sich merklich
  • Kleine Quests und Zusatzstrukturen wie überschaubare, erkundbare Stationen sind eine coole Idee
  • Itemhatz motiviert
  • Wirklich tolle Grafik

Bad

  • Etwas wenige Gegnertypen
  • Kleine Schiffsauswahl
  • Kein aufs jeweilige Schiff zugeschnittenes Loot
  • Teils unfaire Mechaniken
  • Beschädigung von Kernsystemen des Schiffs stört gewaltig
  • Keine Hotas-Unterstützung
8

Sehr gut

Meist zu finden in Shootern, Rollenspielen oder Strategiespielen. Zudem Student der Informatik.

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