Erstes Serien-Highlight 2018: Black Mirror Staffel 4 auf Netflix

Erstes Serien-Highlight 2018: Black Mirror Staffel 4 auf Netflix

In all dem Serien-Dschungel ist es schier unmöglich, den Überblick zu wahren und seine Lieblingsserie ausfindig zu machen. Von all den Neuheiten, die Anfang 2018 bei Netflix oder Amazon Prime raus schießen, verdient eine Reihe besondere Erwähnung. Black Mirror hat sich über die letzten Jahre hinweg zu einem absoluten Garant für beste Serienunterhaltung mit tiefsinnigen Botschaften entwickelt. Nun ist die vierte Staffel auf Netflix erschienen. (An dieser Stelle: SPOILER-Gefahr!)

Das Besondere an Black Mirror. Jede Folge ist eine in sich geschlossene Geschichte, die stets aktuelle Techniktrends aufnimmt und diese geschickt in eine Story verpackt, die uns dann in einer utopischen oder dystopischen Sichtweise und in Form einer Gesellschaftskritik mit einem (schwarzen) Spiegel vor das Gesicht gehalten werden. Das funktioniert so gut, dass viele Folgen der neuen Staffeln man sich problemlos auch als Kinoadaption auf der Leinwand hätte vorstellen können. Für die erste Folge USS Callister ist aktuell gar schon im Gespräch, daraus eine eigene Serie zu machen.

Episode 1: USS Callister

Als Zuschauer ist man fast versucht, Nerd-Alarm zu schreien, während man erlebt, wie der Coder Robert Daly sein tägliches Leben als gemobbter Außenseiter fristet. Doch der erfolgreiche Informatiker, der gemeinsam mit seinem Geschäftspartner eine an Matrix erinnernde virtuelle Welt namens Infinity entworfen hat, in der man sich per Neuro-Interface einklinken kann, lebt seinen Frust und Ärger über seine Mitmenschen in eben dieser Welt aus. In Hommage an eine alte ScFi TV-Serie (die zweifellos stark auf Star Trek oder Galaxy Quest Bezug nimmt) übt Daly an den Arbeitskollegen in der Weise Rache aus, dass er sie durch einen DNA-Scanner als seine digitale Flottenmannschaft auferstehen lässt. Durch ein gefundenes Haar oder Speichel an einem Kaffeebecher im Büro  erschafft Daly daheim eine virtuelle Kopie seiner Kollegen, um sie in seine Spielwelt hoch zu laden. Die Kopien realer Menschen müssen sich dort Daly als Kapitän unterwerfen und sind all seinen Schikanen ausgeliefert. Doch hat Daly die Rechnung nicht mit der neuen Mitarbeiterin Nanette Cole gemacht, die als DNA-Kopie auf dem Raumschiff alles andere als das virtuelle Ewigkeitsspiel mitmachen will.

Episode 2: Arkangel

Schon bei ihrer Geburt empfindet Marie einen besonders ausgeprägten Beschützerinstinkt zu ihrer Tochter Sara, weswegen sie sich entschließt, ihr einen Chip in den Kopf einzupflanzen, der zu dem Programm Arkangel gehört, ein Kontrollsystem, dafür konzipiert, dass Eltern zu jeder Zeit und an jedem Ort über ein Tablet registrieren können, wo die Tochter ist, was sie macht und mit wem sie zu tun hat. Marie besitzt ständigen Zugang zu Saras  Wahrnehmung, was sie sieht und hört und wo sie sich befindet. Arkangel geht sogar so weit, dass die App Maries Sicht, sobald eine Bedrohung registriert wurde, verpixelt. Das kann ein wütender Hund sein, Blut oder Gewalt. Schnell stellt sich heraus, dass diese Wahrnehmungsbeeinflussung erheblichen Schaden auf Saras Psyche und Entwicklung ausübt und die Mutter ihren Kontrolltrieb dermaßen überstrapaziert, dass sie beginnt, Einfluss auf Saras Leben und Entscheidungen zu nehmen. Doch die Tochter wehrt sich. Die Serie widmet sich allen extremen Helikopter-Eltern da draußen und rechnet dementsprechend mit ihnen ab. Jodie Foster führte Regie.

Episode 3: Crocodile

Nach einer durchzechten Nacht im Club überfahren Rob und Mia auf der Heimfahrt einen Fahrradfahrer. Noch unter Schock will Mia sofort Rettungskräfte anrufen, doch Rob beschwichtigt sie, den Leichnam verschwinden zu lassen, da sie völlig blau waren und er die Gefängnisstrafe fürchtet. Sie werfen den Toten über die Klippen nahe der Straße. 15 Jahre vergehen, als die beiden Täter wieder in einem Hotel in Reykjavik aufeinander treffen. Mia ist eine erfolgreiche Architektin, steht mitten im Leben mit Haus, Mann und Kind, während Rob es eher zu wenig gebracht hat. Doch ihn hat ihre Vergangenheit nicht losgelassen, er will mit dem damaligen Mord an die Öffentlichkeit gehen. Mia sieht ihr aufgebautes Leben zerbrechen und reagiert …

Direkt vor dem Hotel geschieht derweil ein Unfall mit einem automatisierten Pizzalieferwagen, der einen Mann anfährt, welcher über die Straße gehen wollte. Die Versicherungs-Angestellte Shazia wird damit beauftragt, den Fall zu rekonstruieren, um herauszufinden, wie schnell das automatische Fahrzeug gefahren ist und damit die Schadenssumme festzulegen. Mittels eines Gedankenlesers sammelt sie daher Erinnerungseindrücke aller Leute,die den Unfall erlebt haben. Über mehrere Leute hinweg wird Shazia auf Mia aufmerksam, die den Vorfall nach der Begegnung mit Rob aus dem Hotelfenster beobachtet hatte. Ein klassischer Krimi mit Mind-Reading-Elementen. Islands Kulisse ist ein perfektes Setting für diese Thriller-Folge.

Episode 4: Hang the DJ

In Zeiten zunehmender Singles und noch mehr Singlebörsen wäre es doch eine tolle Idee, all dieses Paarungs- und Beziehungsgedöns einem System anzuvertrauen, dass für einen (mehrere) Partner samt einer festgelegten Beziehungszeit aussucht, um durch diese Verfahren Personendaten zu sammeln und zu analysieren, um so schlussendlich den besten Partner für’s Leben zu finden. Amy und Frank sind zwei Partnersuchende, die sich einem digitalen „Coach“ anvertrauen, der durch dieses Systemverfahren ihr bestes „Match“ herausfinden soll. Die beiden begegnen sich als Erstes und finden in der kurzen Zeit, welche das System ihnen gönnt (12 Stunden) sofort Gefallen aneinander. Es funkt so richtig zwischen ihnen, doch das System hat anderes vor und schickt sie nach dieser wundervollen, gemeinsamen Zeit erstmal mit anderen Partnern in Beziehungshöllen von einem Jahr Dauer oder in eine Serie von One-Night-Stands. Doch Amy und Frank können einander nicht vergessen, beginnen zunächst am System zu zweifeln, schließlich sogar dagegen zu rebellieren, weil sie im Inneren wissen, dass sie zusammen gehören. Eine Lovestory um die wahre Liebe in Zeiten von Millionen Dating-Apps.

Episode 5: Metalhead

Bella, Tony und Clarke haben ein Ziel vor Augen: ein Lagerhaus zu erreichen und ein bestimmtes Paket zu finden. Das Problem: Wir befinden uns in einer Endzeitwelt, in der wohl alles ziemlich schief gelaufen ist. Gerade als sie in das Lagerhaus eindringen und das Paket gefunden haben, taucht plötzlich ein Roboterhund, eine Hundeversion des Terminators auf und macht Jagd auf die Überlebenden. Tony und Clarke erwischt es schnell, für Bella beginnt ein eiserner Überlebenskampf gegen den metallenen Vierbeiner im besten Stile einer Sarah Connor. Metalhead ist eine klassische Kurzgeschichte. Weder Zeit, Ort oder Hintergründe der Figuren werden näher gebracht, warum sie das Paket suchen oder für wenn es wichtig ist, das alles ist zweitrangig. Vielmehr geht es um die Action und den Thrill, der bis zur letzten Minute packt. Gerade wenn man die realen Roboter-Vierbeiner von Boston Dynamics im Hinterkopf hat, gewinnt der adrenalin-geladene Überlebenskampf gegen diesen futuristischen Killer auf vier Metallpfoten einen umso stärkeren Eindruck.

Episode 6: Black Museum

Nish ist mit ihrem Auto unterwegs und legt bei einer Raststätte eine Pause ein, um ihr Auto per Solarmappe aufzuladen. Da fällt ihr Blick auf „Rolo Haynes‘ Black Museum“, woraufhin sie beschließt, sich dort die Zeit zu vertreiben, bis ihr Wagen wieder fit ist. Der Besitzer Haynes, der Nish durch dieses Gruselkabinett an realen Gewaltverbrechens-Requisiten führt (mit Haufen Anspielungen an vergangene Black Mirror Folgen), erzählt ihr daraufhin drei Geschichten zu drei Ausstellungstücken. Die erste handelt von einem Doktor, der aufgrund seiner schlechten Rettungsquote beschließt, sich ein Schmerz-Sensor in den Kopf zu implementieren. Dadurch ist er in der Lage, den Schmerz eines jeden Patienten nachzufühlen, was ihm ermöglicht, die Symptome besser zu erkennen und dadurch die Menschen schneller und effizienter zu heilen. Das Problem: die andauernde Schmerzdosis anderer Menschen bereitet dem Doktor mehr und mehr Lustgefühle, sodass er irgendwann süchtig nach Schmerz wird, seinem eigenen und dem anderer …

Die zweite Geschichte handelt von dem tragischen Ende eines jungen Liebespaars. Kaum, dass ihr Sohn auf der Welt ist, wird Mutter Carrie überfahren und muss ihr Leben fortan im Koma fristen. Vater und Sohn scheinen alleine zurück zu bleiben, doch da kommt die Lösung: Mittels eines Bewusstsein-Sensors ist es möglich, Carriers digitales Ich in Jacks Kopf zu pflanzen, sprich Carrie ist in der Lage, alle Emotionen von Jack nach zu empfinden, was er sieht, hört oder wenn er seinen Sohn umarmt. Auch hier wird das Problem schnell klar. Carrie ist nicht Jack und die beiden beginnen zunehmend das andere Ich abzulehnen, sich bald zu hassen. Zwei Seelen gefangen in einem Körper, das kann nicht gut gehen. Das Problem wird es richtig groß, als sich Jack in die Nachbarin von nebenan verguckt.

Die letzte Story knüpft als Rahmen an den Anfang mit Nish an. Haynes präsentiert ihr sein Highlight: Die digitale Kopie eines Mörders, Clayton Leigh, der auf dem elektrischen Stuhl seine digitalen Persönlichkeitsrechte an Haynes abgegeben hat. Haynes hat aus der wie ein Geist wirkenden digitalen Kopie des verurteilten Mörders eine makabre Attraktion gemacht. Museumsbesucher können Clayton immer und immer auf einen digitalen Stuhl rösten lassen, das digitale Selbst von Clayton erlebt jedes Mal den Schmerz neu mit. Haynes hält das für einen riesigen Spaß, doch da hat er nicht die Rechnung mit Nish gemacht, die ein großes Geheimnis mit sich trägt.

Fazit

Erneut schafft es Charlie Brooker, mit seinem Konzept Black Mirror auch in der vierten Staffel zu überzeugen. Sein Universum schauriger Techno-Zukünfte wird immer größer und verflechteter. Bei Netflix hat er wohl ein gutes zu Hause für sein Baby gefunden.

 

 

Gamingnerd und Filmjunkie. Angefangen hat die Videospiel-Reise mit NES und Gameboy, seither der Gameswelt verfallen. Filme und Serien sind seine Passion seit er selbstständig den Fernseher bedienen konnte. Besitzt eine Affinität zu allen Technik-Innovationen und nerdigen Trends.

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