Bethesda und Id Software bringen uns in diesem Jahr mit DOOM einen alten Klassiker des Shooter-Genres zurück. Kann das Spiel überzeugen oder ist es nur ein warmer Aufguss eines großen Titels? Wir sagen es Euch in unserem Test.

 

Zurück zur alten Schule

12 Jahre ist es nun her als uns DOOM 3 den blanken Horror in einer von Dämonen aus der Hölle verseuchten Forschungsanlage auf dem Mars durchleben ließ. Zur damaligen Zeit war die gebotene Grafik mit all seinen Licht- und Schatteneffekten das NonPlusUltra und sorgte immer wieder für pures Gänsehautfeeling.

Mit dem kürzlich erschienenen vierten Teil, der einfach nur DOOM heißt, sorgt Bethesda ebenfalls für eine fantastische und oft düster-blutige Spielatmosphäre, verzichtet dabei aber Gott sei Dank auf das Wechselspielchen zwischen Taschenlampe und Schießprügel wie im Vorgänger.

Story-technisch bewegt sich die Neuauflage allerdings auf denselben ausgetretenen Pfaden und schickt uns in der Haut des berühmten Doom Marines in der ikonischen Rüstung durch eine, wie könnte es auch anders sein, Forschungsanlage auf dem Mars in der durchtriebene Wissenschaftler eine Verbindung zu einer Dimension geschaffen haben, die wir schlechthin als Hölle bezeichnen. Natürlich geschah all das im Sinne und für den Nutzen der Menschheit. Lange Rede kurzer Sinn, dass Höllenprojekt geriet außer Kontrolle und nun ist die Kacke gewaltig am Dampfen. Hinzu kommt noch das eine der Wissenschaftlerinnen nach wie vor ihr Unheil in der Anlage treibt und wir sie auf Teufel komm raus zur Strecke bringen müssen. Weiteres Hintergrundwissen zu den Charakteren und den Geschehnissen auf dem Mars, finden wir meist in Form von Codexeinträgen, die in allen Levels versteckt sind.

So ziehen wir vollgeladen mit allerlei Waffen durch finstere Gänge, verwinkelte Laborkomplexe und sind auch hin und wieder mal außerhalb der Anlage unterwegs, um den Dämonen den Gar aus zu machen. In Sachen Gameplay drückt DOOM von Beginn ordentlich aufs Gas und bietet ein schnelles Movement, an das man sich, wenn man eher an langsamere Shooter spielt, erst einmal wieder gewöhnen muss. Doch schon nach kurzer Zeit hat man sich an den schnellen Spielstil angepasst, flitzt im Sauseschritt durch die Level und gibt den dicken Biestern Saures.

Abwechslung, nein danke!

Bethesda und id Software wollen mit DOOM keine wahnwitzigen Experimente wagen, so nach dem Motto „Wir müssen jetzt das Shooter-Rad neu erfinden und anders definieren“. DOOM ist ein grundsolider Shooter durch den der Wind der alten Schule weht. Hier wird sich nicht um Ecken gelehnt, regeneriert wird sich ebenso wenig und nachladen braucht hier auch niemand. Wer sich gerne durch Horden blutrünstiger Bestien schießt und sägt, kommt hier garantiert auf seine Kosten. Wer allerdings Abwechslung sucht, wird hier wohl nicht glücklich. Im gepanzerten Ungetüm durch die Gegend cruisen, oder sich im futuristischen Fluggerät durch die Lüfte schwingen? Pustekuchen!

Rennen, schießen, springen; rennen, schießen, springen, ist hier das Gebot der Stunde und das ist auch gut so. Die schnelle Action gepaart mit saftigen Splattereffekten, mächtigen PowerUps und den Knochen zermürbenden GloryKills ist alles was das Spiel bietet und mehr braucht es auch nicht. Und wem es beim ersten anheben der BFG9000 nicht vor Glücksgefühlen in der Hose vibriert, ist hier sowieso im falschen Spiel!

Trotz des schnellen Gameplays bedeutet das nicht, dass man schlicht schnurstracks auf das Ende des Levels zu sprinten muss. Wer sich in den Gebieten etwas genauer umsieht, wenn die Luft rein ist, versteht sich, der findet hier und da kleine Easterggs und versteckte Objekte wie beispielsweise ominöse Hebel, die einen geheimen Gang öffnen, wenn man sie betätigt. Dahinter verborgen sind süße Schätze für Liebhaber der alten DOOM-Spiele. Man sollte also stets die Augen offen halten.

Doch so ganz 100% Oldschool wollte man dann wohl doch nicht sein und hat ein paar Features mit eingebaut, die heutigen Standards sehr wohl entsprechen. Es können beinahe alle Waffen modifiziert werden, um noch zerstörerischer zu werden. So kann man das Maschinengewehr entweder mit einem Zielfernrohr oder einem Multi-Raketenwerfer bestücken oder die Shotgun mit einem kleinen Granatwerfer ausrüsten. Auch die ohnehin schon schlagkräftige Gatlingkanone, kann dank Modifikation aus bis zu 6 Läufen ballern. All diese Updates können ebenfalls noch aufgewertet werden. Auch unsere Rüstung wird im Laufe des Spiels immer stärker und gewährt uns bessere Widerstandskräfte, mehr Hinweise auf versteckte Items, schnellere GloryKills und mehr.

Hinzu kommen drei Plätze für Runen, die wir uns in kleinen von der Spielwelt abgeschnittenen Arealen verdienen können. Hier gilt es unter Zeitdruck eine bestimmte Anzahl von Dämonen auf eine festgelegte Art und Weise zu töten oder Items zu sammeln. Ist die Herausforderung bestanden, können wir die Runen platzieren und profitieren von einer erhöhten Sammelreichweite für Items, längerer Benommenheit bei den Gegnern um sie per GloryKill zu töten oder mehr Effektivität unseres Equipments. Das Aufrüsten und Anpassen unseres Marines bringt somit etwas mehr Tiefe ins sonst so simpel gestaltete Spiel und das gefällt uns.

Von Mehrspielern und Snapmaps

Auch der neueste Ableger der DOOM-Serie kommt nicht ohne einen Mehrspielermodus aus. Dieser geht, ähnlich wie die Einzelspieler-Kampagne, klassische Wege ohne viel Schnickschnack. Da gibt es das klassische Team-Deathmatch, Modi in denen Punkte eingenommen und gehalten werden müssen oder aber der nervenaufreibende Clan-Arena Modus, in der jedes Teammitglied nur ein einziges Leben hat und das Team verliert, welches all seine Spieler verloren hat. All das macht zwar über kurz oder lang Spaß, so richtig will der Funke aber dennoch nicht überspringen.

Hinzu kommen die abwechselnd und in schneller Frequenz spawnenden Dämonen, die vom Spieler gesteuert ordentlich Chaos in die Gefechte bringen. So nett die Idee mit diesen Ungetümen auch ist, so werden sie schon nach kurzer Zeit zu einem gewissen Frustfaktor. Sie kommen einfach zu oft und bringen unserer bescheidenden Meinung nach keinerlei Mehrwert in die Gefechte. Auch die zahlreichen Rüstungsteile, Lackierungen oder Hackmodule, die man nach den Partien freischaltet, bieten nur geringen Anreiz den Multiplayer über lange Zeit zu besuchen.

Da bietet das Snapmap-Feature schon ein wenig mehr. Doch was genau ist eigentlich dieses Snapmap? Man könnte fast sagen es ist ein simpel gestalteter Mapeditor in dem jeder von einfachen bis hinzu zu komplexen Maps alles basteln kann, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Im Snapmap können sowohl neue Spielkarten, als auch dazugehörige Spielmodi kreiert werden. Den Usern stehen hier, zumindest in einem gewissen Rahmen, umfangreiche Möglichkeiten zur Verfügung. So gibt es beispielsweise schon Usermaps, die den Spielern eine Art Koop-Modus mit bis zu 4 Playern anbieten, in dem es gilt sich gegen mehrere Gegnerwellen zur Wehr zu setzen. Auch einen Capture the Flag Modus haben wir entdeckt, bei dem wir uns fragten, warum es diesen nicht auch im Hauptspiel gibt.

Allerdings hat Snapmap auch seine Grenzen und mehr als Maps und kleinere Modi lassen sich nicht kreieren. Wer also hofft ein vollständiges Spiel neben DOOM erschaffen zu können, den müssen wir enttäuschen. Bastelfreunde kommen dennoch auf ihre Kosten.

So schön kann Splatter sein

DOOM ist ebenfalls für die Playstation 4 und Xbox One erschienen und bietet auch auf den Konsolen eine mehr als tolle Grafik, als auch smoothe 60Frames pro Sekunde und das bei nahezu gleichbleibender Auflösung von 1080p. Nur ab und an, in Situationen wo sich sehr viel auf dem Bildschirm abspielt, wird die Auflösung dynamisch runtergeschraubt um die 60 Frames halten zu können. Wir haben das Spiel auf dem PC getestet wo sogar noch einiges mehr an Frames zustande kam. Wenn man die Begrenzung abschaltet und die nötige Hardware im Rechner hat, sind auch mehr als 100 Frames überhaupt kein Problem.

Wem die Bilder pro Sekunde allerdings egal sind und mehr auf tolle Effekte und scharfe Texturen sowie Licht- und Schattenspielereien achtet, der bekommt ordentlich was geboten. Egal ob in den Laborkomplexen auf dem Mars oder den tiefen Abgründen der Hölle, DOOM ist von Anfang bis Ende eine Augenweide. Vor allem die herumwirbelnden Partikeleffekte sind immer wieder toll anzusehen. Zwar benötigt das Spiel für Ultra-Details auf dem PC neueste Technik von NVidia bzw. AMD, aber auch ältere Hardware bringt das Spiel zum Laufen.

Doch auch in DOOM ist Aussehen nicht alles. Die Soundeffekte dröhnen und ballern in einer Tour durch das Headset bzw. die heimische Soundanlage und verwandeln so das Wohnzimmer in ein akustisches Schlachthaus der Superlative, in dem harte Heavy Metal-Riffs für eine perfekte musikalische Untermalung sorgen. Somit schließt sich hier der Kreis und das Gesamtpaket ist ordentlich bestückt und gut verschnürt.

Fazit

award-games-doom-splattertastisch  ReviewWollte man DOOM in einem Wort beschreiben, dann wäre das splattertastisch! Es ist schnell, spielt sich wunderbar und erinnert an die Zeit in der in Spielen weniger geredet, dafür umso gehandelt und mit dem Vorschlaghammer alles Kurz und Klein geschlagen wurde. DOOM ist ein Spiel in dem Gewalt Trumpf ist und der Spieler mal all seine Aggressionen an virtuellen Ungetümen auslassen kann.

Auch technisch hat uns das Spiel vollends überzeugt. DOOM macht auf allen Systemen eine gute Figur und punktet mit einer flüssigen Bildrate, knackigen Texturen und herrlichen Effekten an allen Ecken. Grafikenthusiasten können sich hier wohl kaum beschweren.

Leider hat uns der Mehrspieler Modus aus genau dem Himmel gerissen, in den uns der Einzelspieler befördert hat. Die Matches wirkten, auch wenn wir einen Hauch Nostalgie gerne vernehmen, doch ziemlich altbacken und schon nach kurzer Spielzeit wenig motivierend. Die von Spielern gesteuerten Dämonen sind viel zu oft präsent und stellen eher einen Frust- als einen Gewinnfaktor dar. Wir würden uns wünschen, dass man die Dämonen via Spieleinstellungen auch deaktivieren könnte.

Doch id Software hat mit dem Snapmap-Feature der Community genau das richtige Werkzeug in die Hände gegeben, um sich über lange Zeit selbst mit neuem und kreativen Content zu versorgen. Die ersten Erzeugnisse haben uns zumindest schon einmal gefallen.

Abschließend könne wir sagen, dass das neue DOOM ein tolles und mit viel Spielspaß bepacktes Game geworden ist, dennoch aber ein paar Schwächen aufweist, die allerdings mit ein paar Updates ausgebügelt werden können. Wer Lust auf hämmernde Action mit viel Gedärm hat, egal ob allein oder mit anderen, der sollte zuschlagen…im wahrsten Sinne des Wortes.

2. Fazit von Connor Schönberner

Ein neues DOOM? Kritische Geister möchten der Redakteursschaft vorwerfen, dass Nostalgie ihren Blick auf die neue Splatterorgie trüben würde. Sie mögen die Nase über den geringen pädagogischen Wert, die wenige Innovation und die fehlenden alternativen Lösungswege rümpfen. Nostalgie pah – aufgrund meines Standortnachteils in der Zeitlinie habe ich noch kein anderes DOOM von innen gesehen. Außerdem, wen interessieren denn bitte pädagogische Werte und alternative Lösungswege, wenn man Dämonen schnetzeln kann? Für mich war DOOM bis dato nur ein von anderen Leuten getragener Mythos. id Software hat diesen Mythos nun zum Leben erweckt und er spielt sich großartig. Der Flow, den es in seinen schnellen Singleplayer-Gefechten aufbaut, ist grandios. Das Gameplay mit seinen ikonischen Waffen und brutalen Finisher-Angriffen sucht seines Gleichen und übertrumpft mit einem Handstreich nahezu alles, was die Konkurrenz zu bieten hat. Okay, die Story liefert maximal eine Begründung, warum in aller Höllen Namen der DOOM-Marine etliche Dämonen über den Boden verteilt, aber es ist DOOM. Glaubt mir, es braucht keine gute Story. Sein Gameplay spricht für sich. In meinen Augen lässt id Software sogar Wolfenstein: The New Order mit DOOM im Regen stehen.

Beim Multiplayer schafft es id Software nicht übers Mittelmaß hinaus. Dazu strapazieren ein paar Designfehler das Nervenkostüm des Shooter-Liebhabers gewaltig. Alle paar Minuten stapft ein übermächtiger Dämon über die Karte und Hackmodule verdrehen das Balancing. Außerdem, wo ist der klassische Arena-Shooter-Modus den ich erwartet habe?

Auf die gesteigerte Nachfrage nach Modding reagiert DOOM mit Snapmap, einem eingängigen, in seinen Grundzügen sehr gut bedienbaren Map-Editor, der an die Philosophie von Spielen wie Trackmania erinnert. Die Idee hinter ihm ist magisch: Snapmap verspricht nicht weniger als einen endlosen Nachschub an neuen Singleplayer, Multiplayer und sogar Koop-Karten zu liefern. Die ersten Ergebnisse können sich sehen lassen. Allerdings wird das Tool noch durch einige Restriktionen und fehlenden Asset-Umfang zurückgehalten. Standardmäßig können Spieler von Snapmaps nur zwei Waffen bei sich führen. Die Kettensäge, die Pistole und einige Waffenmods tauchen gleich gar nicht in ihm auf. Ich wünsche mir für Singleplayerkarten einfach die Waffenvielfalt und das Waffenrad aus dem Singleplayer mit individuellen Magazinen für jede Waffe – bitte Dankeschön. Einige Monster wie den Summoner gibt es auch noch nicht in Snapmap, was schade ist. Bisher können Modder zudem nur maximal 12 Dämonen gleichzeitig auf den Spieler zu stürmen lassen. Das ist zwar schon eine Menge, aber einige Modder wünschen sich mehr. Darüber hinaus wäre es traumhaft, wenn zu den bisherigen Korridorassets noch Möglichkeiten dazu kämen, Karten auf der Marsoberfläche oder gleich direkt in der Hölle nachzubauen. Achja, die Spielerbegrenzung auf vier Leute macht PvP-Multiplayer in Snapmap irgendwie witzlos. Eine Anhebung für Deathmatch- und CTF-Karten wäre bitter nötig. Snapmap hat viel Potenzial, das aber noch ausgeschöpft werden muss. Das nützliche Tool könnte sich noch zu etwas Großem entwickeln, wenn es nur genug Liebe erfährt.

Schlussendlich bleibt: Ja, der Multiplayer dürfte kein Dauerbrenner werden. Snapmap ist schön, benötigt jedoch noch Überarbeitung. Dem ungeachtet, ist DOOM durch seine Kampagne ein vielversprechender Anwärter für den besten Singleplayer-Shooter des Jahres.

Good

  • Schnelles eingängiges Gameplay
  • PowerUps und ikonische Waffen versprühen Oldschool-Feeling erster Klasse
  • Blutige Action und GloryKills die nie langweilig werden
  • Knackige Schwierigkeitsgrade für echte Doomer!
  • Große Levels mit vielen versteckten Geheimnissen
  • Alte Doom-Levels!
  • Snapmap-Feature gut integriert und mit viel Potential
  • Spitzengrafik und hervorragende Performance auf allen Systemen
  • Tolle Soundeffekte und typisch harter Soundtrack

Bad

  • Multiplayer nach kurzer Zeit recht eintönig
  • Spielmodi bieten nur wenig Abwechslung
  • Dämonen zu oft präsent (MP)
  • Umfang von Snapmap leider noch etwas gering
9

Großartig

Shooter-Urgestein, Let´s Player und Twitch-Streamer, Abgedreht und doch freundlich

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