SATURN - Soo! muss Technik

 

Die games! Film-Highlights 2017

Die games! Film-Highlights 2017

Ein ereignisreiches Filmjahr ist zu Ende gegangen. Ein Jahr, das vor allem Remakes und Sequels von Filmklassikern sowie Science-Fiction Blockbuster im Gepäck hatte. Nicht alles ist so eingeschlagen wie es vielleicht geplant war, und viele groß angelegte Filme scheiterten leider an der Kinokasse, was allerdings nicht die Qualität der Werke widerspiegelt. Ganz im Gegenteil. Denn auch 2017 hat ein paar Juwelen hervorgebracht. Hier sind meine fünf Film-Highlights des vergangenen Jahres.

T2 Trainspotting

Sucht man nach dem Drogenkultfilm schlechthin, kommt man einfach nicht um Trainspotting (1996) von Regisseur Danny Boyle herum. Jede Facette des Drogenkonsums wurde dem Zuschauer entgegengeschleudert, das Gefühl des hemmungslosen Rausches, der Horrortrip beim Entzug und die verheerenden Folgen, all das auf unverschämte und ungenierte Art und Weise inszeniert und garniert mit herrlich schroffem schottisch-englisch. Gute 20 Jahre später folgte nun mit T2 Trainspotting das Sequel zum Klassiker mit Ewan McGregor, Robert Carlyle, Jonny Lee Miller und Ewen Bremner. Eine Fortsetzung, mit der man wohl eher nicht gerechnet hätte, da der erste Teil an sich schon ganz gut auf eigenen Beinen stehen konnte. „Schon wieder so eine unnötige Fortsetzung?“ könnte man nun raunen, aber T2 Trainspotting macht seine Sache erstaunlich gut. Alle liebgewonnenen Charaktere sind zurück, abgekämpfter, älter und erstaunlicherweise noch am Leben, aber was der erste Teil so gut konnte, wird hier nahtlos im zweiten fortgesetzt. Schwarzer britischer Humor gepaart mit einer Prise Action und geballten Emotionen. Nachdem Mark „Rent Boy“ Renton Edinburgh eigentlich hinter sich gelassen hatte, kehrt er nach langer Zeit wieder in seine Heimat zurück, wo seine alten Freunde immer noch herumlungern. Zwar ist die Heroinabhängigkeit passé, das heißt aber noch lange nicht, das jetzt alle ein geordnetes Leben führen. Manche Dinge ändern sich einfach nie. Und es ist ordentlich Ärger im Anmarsch, denn Francis Begbie bricht aus dem Gefängnis aus, und ist nicht sonderlich gut auf Rent Boy und die anderen Jungs zu sprechen.
T2 Trainspotting ein Nostalgietrip und Hommage, die sich sehen lassen kann. Viele Elemente aus dem ersten Teil werden stilvoll wieder aufgegriffen und lassen einen in Erinnerungen schwelgen, vielleicht sogar mit etwas Wehmut, wenn dann plötzlich Snippets des bekannten Soundtracks einsetzen (u.a. Born Slippy von Underworld). Und wenn dann Ewan McGregor den berühmt-berüchtigten „Choose Life“-Monolog erneut aufgreift, um ihn auf 2017 upzudaten, dann weiß man, das man inzwischen zwar erwachsen geworden ist, aber trotzdem die Vergangenheit irgendwo ein Teil von einem bleiben wird.

Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten

Luc Bessons neuestes Weltraum-Spektakel um die jungen und wilden Spezialagenten Valerian und Laureline, die sich in ein waghalsiges Abenteuer quer durch die Galaxie stürzen, muss auf jeden Fall auch einen Platz in dieser List einnehmen. Denn Valerian macht einfach unglaublich viel Spaß. Tolle Actionsequenzen, sympathische Charaktere, eine solide Story und vor allen Dingen gewaltige Bilder, die einen in ihren Bann ziehen, zählen zu den großen Stärken des Films. Das Effektfeuerwerk zieht sich quer über die gesamte Filmlänge von fast 2 1/2 Stunden. Die intensiven Neonfarben, die Detailverliebtheit und die technische Finesse sind definitiv was fürs Auge, die Visual Effects wohl momentan das Maß aller Dinge, und stellt somit James Camerons Avatar in den Schatten. Das Hauptdarsteller-Duo, die Hollywood-Shootingstars Dane DeHaan und Cara Delevingne überzeugen mit gutem Zusammenspiel, und auch Popstar Rihannas Gastauftritt fügt sich optimal in die Geschichte ein, was nicht selbstverständlich ist. Und wer Das Fünfte Element (1997) – ebenfalls aus der Feder von Besson – mochte, wird bei Valerian einige Parallelen und genug Gründe finden, auch diesen Film hoch zu schätzen.

Ghost In The Shell

Anime-Verfilmungen haben es grundsätzlich schwer, da nur sehr wenige an die Vorlage auch nur ansatzweise herankommen. Und wenn es sich dann auch noch nicht mal um eine japanische sondern US-amerikanische Produktion handelt, ist „es schwer haben“ gar kein Ausdruck. Mit Schrecken werden da Erinnerungen an das unterirdische Dragonball Evolution (2009) wach, Dinge, die sich einfach nicht wiederholen dürfen. Und trotzdem gibt es Ausnahmen, in denen das doch sehr gut funktionieren kann, wenn man einfach den Ost/West-Konflikt außer acht lässt und den Film als das nimmt, was er ist. Und Ghost In The Shell ist eben eine solche Ausnahme. Der Anime Ghost In The Shell (1995) von Mamoru Oshii gilt inzwischen schon als Anime-Klassiker, weswegen es schon sehr gewagt war, den Film überhaupt anzugehen, und dann auch noch in der Besetzung fast gänzlich auf japanische Schauspieler zu verzichten. Dennoch macht der Film von Rupert Sanders seine Sache ganz gut. Scarlett Johansson als unterkühlter Cyborg Major Mira Killian auf der Suche nach ihrer Herkunft überzeugt hier mit starker Präsenz, aber vor allem Japans Yakuza-Film-Großmeister Takeshi Kitano als Daisuke Aramaki, Leiter der Eliteeinheit Sektion 9, zu der Major gehört, ist das große Highlight des Films und überragt alle anderen bei weitem. Gute Action und tolle Effekte runden den Film ab, und die Hommage an Blade Runner (1982) mit der Frage nach Menschlichkeit und überdimensionalen Werbe-Hologrammen in einer hochtechnologisierten Metropole sind deutlich zu spüren.

It

Auch bei diesem Film haben sich wohl viele vorher gedacht: „Wozu denn ein Remake? Der alte Film war doch schon gut!“. Das ist zwar richtig, aber man darf bei all der Nostalgie und des Kultstatus des 90er-Jahre Zweiteilers von Stephen King nicht vergessen, dass es im Grunde genommen ein Low-Budget Fernsehfilm war. Zwar war Tim Curry als Pennywise The Dancing Clown einfach nur genial, aber das war es leider auch schon, denn betrachtet man die Machart der Filme abzüglich des Clowns, bleibt ein eher mittelmäßiger Streifen aus dem Nachmittagsprogramm übrig. Demnach war es ein richtiger und logischer Schritt, aus It einfach mehr herauszuholen, da die sehr umfangreiche Buchvorlage so viel Potenzial bietet. Und genau das hat Regisseur Andrés Muschietti gemacht, denn die Neuverfilmung von It ist wirklich ganz großes Kino. Stranger Things trifft Die Goonies, trifft deine schlimmsten, Clownschuhe tragenden Alpträume. Die wirklich starke Besetzung von jungen und facettenreichen Nachwuchsdarstellern geben dem ganzen ein kultiges 80er-Jahre Feeling mit viel Humor aber auch einem ordentlichen Gruselfaktor. Coming-of-Age hat selten so Spaß gemacht. Die Besetzung von Bill Skarsgard als Pennywise war ein guter Schachzug. Er versucht gar nicht erst, Tim Currys Darstellung zu kopieren, sondern gibt dem schreckenerregenden Killer-Clown einen ganz anderen Drive. Bedrohlicher, wahnsinniger und verstörender denn je, ist dieser Pennywise ein völlig anderes Kaliber, aber die Munition trifft heftig und wirkungsvoll. Da die Neuverfilmung von It sich auch etwas mehr an die Buchvorlage hält, als er alte Film, ist hier mehr Substanz und Tiefe zu spüren, und wenn man das über einem Horrorfilm sagen kann, bedeutet das schon eine ganze Menge. Da kann man sich eigentlich nur noch auf den zweiten Teil freuen.

Blade Runner 2049

Der von Sci-Fi-Fans vielleicht am heißesten ersehnte und am längsten erwartete Film des Jahres 2017 rundet diese Liste ab. Für mich persönlich ist der erste Blade Runner (1982) einer der größten Filme, die jemals gemacht wurden. Die Atmosphäre, die Bildgewalt, das düstere Noir-Setting, die Synthie-Musik von Vangelis sowie ein grandioser Harrison Ford in der Hauptrolle, fügen sich zu dem Meisterwerk zusammen, das Blade Runner ist. Deswegen war die Angst groß, das Vermächtnis des Films könnte mit einem mittelmäßigen bis schlechten Sequel einen Makel bekommen. Aber die Sorge war überflüssig, denn Regisseur Denis Villeneuve hat die Elemente, die ihm zur Verfügung standen genommen, und einen starke Fortsetzung abgeliefert. Vieles vom ersten Teil erkennt man in Blade Runner 2049 wieder. Das Setting ist zwar nicht mehr ganz so dunkel, weist aber noch genug Noir-Elemente auf, um nicht aus der Reihe zu fallen. Die charakteristischen Werbe-Hologramme sind erneut omnipräsent, wirken noch viel größer und näher als im ersten Teil. Harrison Ford wiederholt seine Rolle als Rick Deckard – zwar ist eine Menge Zeit vergangen, sowohl im Film als auch in der Realität, aber dennoch bleibt Fords Leistung konstant stark. Auch mit Mitte 70 macht er in einigen Actionszenen eine erstaunlich gute Figur. Der andere Protagonist, Agent K, gespielt von Ryan Gosling, geht neben Ford ein wenig unter, die Mimik Goslings ist wie immer ausdruckslos und abwesend, aber gerade in einem Film, in dem die Grenze zwischen Mensch und Maschine verschwimmt, und man nie genau sagen kann, wer jetzt ein Replikant, und wer aus Fleisch und Blut ist, ist das Ganze dann doch sehr passend. Wieder einmal behandelt der Film die Frage nach dem Menschsein, werden Replikantenjäger zu gejagten, das alles gepaart mit gewaltigen Bildern und rasanter Action. Am meisten hervorzuheben ist jedoch der Sound des Films. Man konnte diesmal zwar nicht erneut Vangelis für das Projekt gewinnen, aber trotzdem bebt und donnert einem eine Soundkulisse entgegen, die tief in Mark und Bein geht. Nie würde sich ein Surround-System mehr lohnen als hier, denn das tiefe elektronische Wummern macht Blade Runner 2049 zu einer alle Sinne ansprechenden Erfahrung. Man merkt den Übergang, beziehungsweise die größe Lücke zwischen 1982 und 2017 kein bisschen. Hier geht ein guter Film nahtlos in einen anderen guten Film über, der nicht enttäuscht sondern auf allen Eben abliefert.

Space Cowboy und Teilzeit-Vampir. Immer schwer bewaffnet mit nem Controller in der einen und Kino-Ticket in der anderen Hand.
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