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Die Autoren des Deponia Pen & Paper Rollenspiels im Interview

Deponia als Pen & Paper Rollenspiel? Wie soll das denn funktionieren? Um diese Frage zu beantworten habe ich das Kreativteam hinter den Projekt, inkl. Deponia-Schöpfer Poki ins Kreuzverhör genommen um so viel wie möglich über das Spiel in Erfahrung zu bringen. Lest jetzt unser Interview zum Deponia Pen & Paper Rollenspiel.

Mháire Stritter und Nico Mendrek sind nicht nur das Kreativ-Team hinter der nerdigen Webshow Orkenspalter-TV, sondern haben auch bereits Erfahrungen im Schreiben von diversen Rollenspiel-Abenteuern bzw. Kampagnen für den Uhrwerk Verlag gesammelt.  Jan „Poki“ Müller-Michaelis müsste den meisten von euch ein Begriff sein, er ist das wahnsinnige Genie hinter der Deponia-Trilogie und Edna bricht aus.

Hallo und danke, dass ihr da seid. Zu Anfang gleich mal die Frage: Was ist denn euer Lieblingsrollenspiel?

Mháire: Ich habe sehr lange und sehr intensiv Shadowrun gespielt, hab‘ aber mit dem Wechsel auf Edition 4.0 aufgehört. Es gehört aber noch immer zu meinen Lieblingsspielen. Ich hab auch ein Herz für Indies.

Nico: Ganz langweilig. Mein Herz liegt nach wie vor bei Dungeons und Dragons.

Mháire: Meine beste Runde war auch AD&D.

Poki: Meine beste Runde war tatsächlich das D20 Star Wars Pen & Paper, da hatten wir eine sehr langlebige Runde die über ein Jahrzehnt hielt.

Die Autoren des Deponia Pen & Paper Rollenspiels im Interview 1-Deponia-dance-off

Wie kamt ihr denn auf die Idee für Deponia als RPG-Setting? Wessen Idee war das eigentlich?

Nico: Keiner von uns dreien. Das war die Idee von Patric Götz, dem Chef vom Uhrwerk Verlag. Der meinte ‚Deponia ist so geil und die Let’s plays unterhalten mich so sehr, ich würde da gerne eine Rollenspiel zu sehen.‘ Ursprünglich wollte er Mass Effect, das Rollenspiel machen…

Ich auch, jetzt sofort bitte!

Nico: Da gab es Bemühungen und die haben auch mit Bioware darüber gesprochen, welche aber nicht die Zeit hatten sich damit zu befassen, also haben wir das nächstbeste genommen…

Poki: Oh, Alter, das schmerzt! Nur zweite Wahl?

Nico: Ja, tut mir leid.

Mháire: Du musst mehr sexy Aliens einbringen!

Nico: Deponia hatte doch ungefähr so viele Nacktszenen wie Mass Effect.

Die Autoren des Deponia Pen & Paper Rollenspiels im Interview 2-Mass-Effect-3

So richtig kann ich mir ein Rollenspiel auf Deponia noch nicht vorstellen. Wenn man z.B. Shadowrun spielt ist im Großen und Ganzen klar was die Gruppe für Aufgaben erledigen wird. Was wäre eine „typische“ Gruppe bzw. Abenteuer für Deponia?

Mháire: Das stimmt so eigentlich gar nicht. Das ist der falsche Ansatz, Shadowrun z.b. kam man völlig anders spielen, man kann den armen Ganger im Slum spielen oder jemandem der in einem Konzern arbeitet. Jedes Rollenspiel ist darauf ausgelegt, dass man Alternativen hat. Gerade bei Deponia sehe ich nicht, warum das nicht funktionieren soll, weil man seine Phantasie vom Zügel lassen kann. Was man spielt bei Deponia sind… kaputte Charakter, die halt auf einem Schrottplaneten passen und was sie machen ist: Überleben.

Wird es ein Einsteiger-Abenteuer geben?

Nico: Ja, wird es geben. Es wird ein Solo-Abenteuer geben und ein kurzes Gruppen-Abenteuer. Das wird ziemlich klassisch, aber da müssen wir mit Poki nochmal drüber reden. Es werden aber viele Anregungen geben die überhaupt nichts mit dem Setting der Spiele zu tun haben.

Poki: Deponia ist ein Paradebeispiel für eine Metapher, die sich verselbstständigt hat. Was im Spiel angedeutet wird, durch die Rahmenhandlungs-Songs. Dieser Barde, der Penner, der von mir gesungen wird, der die Geschichte von Rufus nutzt um einen Punkt zu machen. Diese Welt hat sich für mich selber beim Schreiben so verselbstständigt als auch die Geschichte. Da ist was ganz Lebendiges mit einer Eigendynamik entstanden. Alle Charaktere und die Orte haben für mich eine eigene Realität entwickelt und es war für mich halt schon immer klar, dass es hinter der nächsten Ecke weitergeht. Es ist keine Kulissenwelt, die nur für diese eine Handlung existiert. Wenn man über den schwimmenden Schwarzmarkt läuft, findet in den anderen Häusern eben auch was statt.

Nico: Man sollte mal auf den Ansatz eingehen. Man muss sich davon lösen, dass es ein klassisches Rollenspiel wie D&D ist, wo der Kampf stark im Mittelpunkt steht. Wenn es eine Adventure-Umsetzung ist, muss das kombinieren und improvisieren stark im Mittelpunkt stehen. Das Buch wird nicht nur aus dem Buch bestehen, sondern es wird tatsächlich noch kleine Kärtchen geben die für Items im Inventar stehen. Da wird es verschiedene Gegenstände geben, die werden in die Story eingebaut und der Spielleiter denkt sich ein Rätsel aus. Oder man legt einen Kartenstapel in die Mitte des Tisches und nach erfolgreichen Problem in jeder Szene dürfen die Spieler Zufallskarten ziehen, in dem sie im Schrott wühlen, das ist ja fast überall möglich auf Deponia und dann müssen sie versuchen die gestellten Aufgaben zu lösen, indem sie mit diesen Item Karten eine möglichst… bescheuerte Geschichte erzählen wie sie das denn tun. Zum Beispiel ein altes Dixi-Klo mit Zahnpasta versiegeln, damit es sich im Säurefluss nicht auflöst und dazu ein Torpedo-Antrieb.

Klingt für mich wie ein Kartenspiele à la Ja Herr und Meister.

Nico: Das ist so ein bisschen die Inspiration dafür, ja. Allerdings ist das nicht der einzige Kern des Spiels, es gibt auch Möglichkeiten zu kämpfen. Man kann machen was man in jedem anderen Rollenspiel auch machen kann, nur sind die Regeln halt ein bisschen simpler. Wir benutzen das Fate Accelerated Regelwerk.

 Mháire: Fate fördert das Erzählspiel, es gibt nur sehr simple Kampfregeln. Jeder Charakter wird mehr über bestimmte Aspekte als Werte festgelegt. Wichtig ist, dass der Charakter durch bestimmte Grundzüge festgelegt wird, die aber auch der Meister gegen ihn einsetzen kann. Man ist ein zweischneidiges Schwert.

Also insgesamt weniger zahlenbasiert?

Mháire: Ganz eindeutig. Und dabei ist D&D ja noch sehr harmlos im Vergleich mit DSA.

Nico: Man muss nicht mal ein Menschen spielen. Man kann auch ein Schleimmonster aus der Kanalisation spielen.

Das wollte ich als nächstes ansprechen. Muss man einen Deponianer spielen oder könnte man auch einen Elysianer, einen Organon Soldaten oder einen Roboter spielen?

Die Autoren des Deponia Pen & Paper Rollenspiels im Interview 3-Deponia-Archetypen

Poki: Das soll sogar so sein.

Mháire: Tatsächlich hast du da schon drei von unseren Archetypen genannt!

Nico: Da Fate nicht so auf Werte abzielt, geht es eher darum, dass die Charaktere sich über ihre Vor- und Nachteile auszeichnen. Wenn du jetzt ein Schleimmonster spielst sind das und das seine Nachteile. Natürlich macht es Sinn, dass das Schleimmonster ein bisschen stärker ist, dafür aber ein bisschen blöder…

Poki: Moment mal, Schleimmonster sind halt schon verhältnismäßig vernünftig. Ich will nicht, dass hier eine Intoleranz gegen Schleimmonster gefördert wird.

Mháire: Einige meiner besten Freunde sind Schleimmonster.

Die Autoren des Deponia Pen & Paper Rollenspiels im Interview 4-Deponia-Kanalisation-Monster-3

Um nochmal auf das Kämpfen zurückzukommen: Gibt es eine Karte oder ähnliches auf der diese ausgefochten werden.

Nico: Es geht mehr ums Erzählspiel. Man hat auch weniger Lebenspunkte, einfach damit die Kämpfe kürzer sind. Es gibt auch keinen Attacke/Parade-Wert, bei Fate wird einfach auf das Angriffstalent gewürfelt. In einer Tavernenschlägerei muss man auf seinen Faustkampf-Wert würfeln. Das System richtet sich an Neulinge und soll deswegen weniger kompliziert sein.

Die Autoren des Deponia Pen & Paper Rollenspiels im Interview 5-Deponia-Bataka

Wie wird der schmerzhafte Slapstick gehandhabt? Man kann ja keine Kämpfe haben, wenn Charaktere es überleben an einer Rakate durch einen Haufen Schrott gezogen zu werden. Wie viel Schaden würde das Intro von Deponia machen?

Poki: Das ist eine hervorragende Frage!

Nico: Angenommen jemand würde Rufus spielen, dann hätte der mit Sicherheit den Aspekt „Unzerstörbar“. Der Spieler würde dann sagen, der Schaden den ich nehme, kann gar nicht so groß sein und es würde eher auf eine Diskussion mit dem Meister hinauslaufen als auf eine Würfelorgie. Das fördert Fate eben auch. Diskussion statt Tabellenwälzen. Man kann in Deponia ja nicht sterben, es wird im Spiel auch nicht darauf hinauslaufen, dass die Charaktere alle gewiped werden, weil die Spieler eine dumme Entscheidung getroffen haben. Es wird auch eine Möglichkeit geben sie aus dem Totenreich zurück zu holen, die im Spiel ja schon präsentiert wurden. Die müssen wir nur umsetzen.

Neben aus den Spielen bekannten Orten soll es ja auch neue Orte auf Deponia geben. Gibt es da Beispiele? Hat Poki vielleicht einen Ort, den er unbedingt umsetzen wollte?

Poki: Oh da gibt es einiges. Bin ich noch dran und schreibe ich mich in einen Wahn, sozusagen.

Nico: Das hab ich befürchtet…

Poki: Ich hab sehr viele Ideen für Deponia. Einig Orte wurden schon genannt, wie Nachbarstadt von Kuwack, oder auch ferner gelegene Orte wie, Rußland oder Schrottland. Das taucht alles schon als Sidegag im Spiel auf. Wir haben da jetzt schon ein paar Hände voller Lokalkonflikte wo man Bock hat direkt loszuspielen. Ich würde am liebsten jetzt schon nach Porta Rustica reisen.

Wie sieht das fertige Buch aus? Habt ihr schon einen Vorstellung der Seitenzahl, ob es Hardcover oder Softcover wird?

Nico: Nach den aktuellen Plänen soll es ein Hardcover mit ungefähr 200 Seiten werden. Aber nagel mich nicht drauf fest.

Die Autoren des Deponia Pen & Paper Rollenspiels im Interview 6-Deponia-RPG-cover

Wie sieht es mit dem Artworks aus?

Nico: Das ist ein guter Punkt. Ist alles noch ein bisschen in Arbeit. Die Artworks aus dem Spiel werden natürlich drin sein, inklusive Skizzen die uns Pokis Leute geschickt haben.

Poki: Wir untersützen uns da gegenseitig. Ich hab da ein stark illustriertes Regelwerk im Kopf. Wir werden keine nackte Textwüste in die Regale stellen.

Mháire:  Es wird neue Illustrationen geben, aber sie werden aussehen, als passen sie zu Deponia.

Es gibt nicht viele Pen & Paper Rollenspiele die auf einem Comedy-Setting basieren. Ich hab z.B. ein Scheibenwelt-Regelbuch von GURPS im Regal stehen, das ich nie benutzt habe. Wie glaubt ihr wird das funktionieren?

Poki: Ich hatte mal eine Discworld Runde und das war ganz hervorragend. Wir haben sehr viel gelacht. Man denkt zuerst beim Humor kommt es auf’s Timing an und, dass er sehr autorengesteuert ist, aber die Sachen auf die die Leute selbst gekommen sind, waren alle so unheimlich unterhaltsam. Selbst die kleinste Ausgangssituation führte zu den absurdesten und lustigsten Szenen.

Die Autoren des Deponia Pen & Paper Rollenspiels im Interview 7-discworld-gurps

Nico: Ich hab die gleichen Erfahrungen gemacht mit Discworld als auch mit Deponia Testspielen. Ich glaube Pen & Paper-Spiele haben eh viel Potential für Unsinn. Die meisten Spieler müssen eher daran arbeiten diesen Quatsch zu unterdrücken um nicht die epische Stimmung kaputt zu machen, die in den meisten Rollenspielen gefragt ist. Bei Deponia kann man das einfach alles mal raus lassen. Wenn das nicht witzig wird, dann ist die ganze Gruppe humorbefreit und ich glaube nicht, dass es in der Rollenspielszene solche Menschen gibt.
Ich glaube Deponia ist kein System das man jede Woche spielt um eine epische Kampagne hinter sich zu kriegen sondern gut ist um zwischendurch Entspannung in die Gruppe zu bringen, im Vergleich mit all den ernsten Rollenspielen.

Habt ihr schon einen Release-Termin?

Poki: Wir sagen Sommer.

Nico: Ist nach wie vor realistisch.

Poki: Wir wollen das nicht auf Druck veröffentlichen um irgendeinen Termin einzuhalten, sondern wollen sicherstellen, dass es dem Franchise… und jetzt ist es ja ein Franchise… gerecht wird. Wir können es selber kaum abwarten, dass es fertig wird. Ich hab meine Gruppe schon zusammen!

Die Autoren des Deponia Pen & Paper Rollenspiels im Interview 8-Deponia-rebels

Ich freu mich auch schon drauf, und wenn’s nur zum ins Regal stellen ist…

Nico: Darauf zielen wir ja ab, dass das niemand spielt, sondern sich nur die schönen Bilder anguckt. Wir haben uns schon überlegt, dass ’ne Menge der Leute die das interessant finden wahrscheinlich gar kein P&P spielen oder keine Gruppe haben, d.h es soll auch für sich, als Artbook, als Reiseführer, eine Wertigkeit besitzen; den Kauf wert sein, ohne, dass man es spielt.

Poki: Es enthält ja auch viele wichtige Hintergrund-Informationen über Deponia, die Fans der Adventure gar nicht haben, die aber von höchster Stelle entweder durch gewunken wurden oder sogar direkt aus meiner Feder stammen. Man wird sehen, dass die Trilogie nur ein sehr kleiner Flecken auf der Deponia-Weltkarte ist.

Dann vielen Dank für eure Zeit und ich freu mich schon auf das Spiel.

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Selbserklärter König der Nerds, Herausforderer bitte hinten anstellen. Ich bin der mit den Nunchakus und dem im Wind flatternden Bandana.

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