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DEX: Enhanced Edition Review

Mysteriöse Mega-Konzerne im Neon-Schein. Merkwürdige Gestalten in dunklen Gassen. Computergesteuerte Sicherheitssysteme und ihre Angriffspunkte. Waffengewalt oder Hinterhalt? Guter Cop oder böser Cop? Dex hat zahlreiche Zutaten eines guten Cyberpunk-Abenteuers verpackt in solide 2D-Mechaniken. Aber reicht das auch?

Unsere blauhaarige Protagonistin Dex wacht eines Nachts auf, weil ihr Appartement kurz davor steht von einem SWAT Team gestürmt zu werden. Ihr kennt das. Der mysteriöse Hacker Raycast hilft ihr zu entkommen und setzt sie auf den Pfad eine Verschwörung aufzudecken und ihre eigene Herkunft zu erforschen. Dafür muss man sich selbstverständlich mit einem schattenhaften Mega-Konzern anlegen.

Die Hauptstory ist ganz unterhaltsam, das Finale allerdings etwas hektisch und unbefriedigend. Ein Problem dabei ist auch, dass Dex selbst ein eher unbeschriebenes Blatt ist. Wir bekommen nur in einer Handvoll Zwischensequenzen ihre Stimme zu hören und die Multiple-Choice Dialog-Optionen fallen oft klar in eine strikte gut/böse Schiene ohne uns viel über die Figur zu erzählen.

Dafür baut das Spiel eine spannende Welt auf und bietet in den Sidequests originelle Cyberpunk-Geschichten. Eine Mission schickt uns auf die Suche nach einem verlorenem Bruder, der wegen seinem Mangel an Cyber-Implantaten im örtlichen Bordell besonders beliebt ist, ein echter Flesh-and-Blood Typ, wie es sie kaum noch gibt. Ein andermal müssen wir eine Diva beschützen, die von einem wahnsinnigen Fan Morddrohungen erhält. …. Okay, die Story ist zeitgemäßer als sie sein sollte. Trotzdem bietet Harbor Prime eine echt schicke Cyberpunk-Welt mit einen cleveren Ideen.

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Die Metropole Harbor Prime ist sehr übersichtlich in einzelne Stadtteile aufgeteilt, die man per einfacher Quick Travel-Funktion leicht abklappern kann. Es kann aber auch passieren, dass man sich beim Erforschen mal in der Welt verliert. Auf einmal stößt man auf Hinweise für eine Quest die man noch gar nicht kennt und wird mit Namen und Worten beworfen mit denen man (noch) nichts anfangen kann. Ich hatte gar nicht vor, mich groß mit einer Quest über ein geschlossenes Restaurant zu befassen, als ich auf einmal in einem Tunnel auf einen Redneck-Giftmischer stolperte der mir half die Verschwörung aufzudecken.

Gameplay-technisch lässt sich Dex tatsächlich am besten als ein 2D Deus Ex beschreiben. Wie ihr ein Problem angeht ist ganz euch, bzw. eurem „Build“ überlassen. Für jeden besiegten Gegner und erledigte Quest gibt es XP und beim Erreichen eines neuen Levels werden Skillpoints in diverse Fähigkeiten gesteckt. Mehr Nahkampf-Schaden, Charisma-bedingte Rabatte oder vielleicht doch einfach genug Fachwissen um die Schrotflinte benutzen zu können?

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Bei meiner ersten Runde investierte ich schnell so viele Skillpoints wie möglich in Hacking, da dies doch eine recht zentrale Mechanik ist, die sich nur schwer umgehen lässt. Die meisten Quests schicken euch in irgendein Lager oder Basis wo diverse Türen, Wachen, automatische Geschütze und Lüftungsschächte zwischen euch und dem Ziel stehen. Dabei hatte ich zu Beginn den Eindruck, dass das Spiel einige Balancing Probleme hat: Hacking verläuft immer gleich. In einer über das Bild gelegten AR-Ansicht sucht man sich das Ziel aus, startet den Hack und muss dann den Angriffen des Sicherheitssystems ausweichen. Ohne passend investierte Skill-Points kommt man nur schwer durch die Verteidigung, aber da alle System auf mehr oder weniger dem gleichen Level fungieren, gibt es keine wirkliche Lern-Kurve.

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Auch Stealth ist ein bisschen kompliziert. Ohne ein teures Upgrade das man erst später im Spiel erwerben kann, ist es nicht immer klar wohin die Gegner gerade schauen. Und da man nicht in andere Räume „spicken“ kann, läuft man aus versehen auch direkt mal in die Sichtlinie einer Kamera und/oder bewaffneter Wachen beim simplen Durchschreiten einer Türe.

Kämpfe gibt es nämlich zahlreiche, schon zu Beginn müsst ihr euch nur mit euren nackten Fäusten bewaffnet mit einer gefährlichen Gang anlegen. Schusswaffen gibt es natürlich auch, die je nach Situation eine schnelle Hilfe sein können. Trotzdem funktionieren sie nicht immer perfekt. Dex‘ praktische Stealth Takedowns sind leider nutzlos gegenüber großen Schlägern und bewaffneten Wachen und so läuft es oft doch auf Kickboxen hinaus. Auch die Möglichkeit die augmentierten Nervensysteme der Gegner zu hacken ist nicht so wahnsinnig praktisch und unterbricht den Spielfluss eher als viel beizutragen.

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Dex fühlt sich an manchen Stellen einfach zu ambitioniert an. Es hat viele gute Elemente die es umsetzen möchte, aber nicht alle funktionieren. So kann man zum Beispiel in manche Gebäude eindringen in dem man durch die Lüftungsschächte kriecht, kann dabei aber auch leicht sterben, wenn man zu tief fällt und noch nicht das passende Upgrade hat.

Oder eine kleine Platformer-Einlage in einer verlassenen Chemie-Fabrik, an denen aber klar wird, dass die Mechaniken nicht für solche Dinge ausgelegt sind.

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Punkten kann Dex auf jeden Fall in Sachen Design, trotz des geringen Umfangs schafft das Spiel eine in sich stimmige Cyberpunk-Welt. Dunkle Korridore sorgen für Klaustrophobie und Dächer laden zum Klettern ein.

Einzig das Hacken könnte interessanter aussehen, aber leider bewegt man sich hier immer durch die selben „Programme“, egal wen oder was man hackt. Da hätte ich mir gerne etwas mehr Abwechslung gewünscht und wenn es nur Hintergründe gewesen wären.

Die Musik ist insgesamt dezent, untermalt die Atmosphäre in den einzelnen Gebieten aber sehr gut und trägt zur Atmosphäre bei.

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Dex ist für PS4, Xbox One und PC via Steam erhältlich. Getestet wurde die PS4 Version.

Summary
Rückblickend gefällt mir Dex tatsächlich noch besser als beim Spielen selbst. Es ist ein Spiel, das definitiv zum mehrmaligen Spielen einlädt und ich weiß jetzt schon von einer handvoll Elemente die beim ersten Mal völlig an mir vorbei gegangen sind. Es ist ein Spiel das man langsam angehen sollte; Nicht nur weil einige Fähigkeiten dringend gelevelt werden müssen um auch nur halbwegs in den Quests voran zu kommen, sondern auch weil es Spaß macht die Welt zu entdecken. Nicht jedes Teil des Spiel funktioniert einwandfrei. Tatsächlich habe ich mich über viele Kleinigkeiten an fast jeder zentralen Mechanik geärgert. Dennoch hat das Gesamtpaket einen sehr soliden Eindruck hinterlassen. Dex ist ein spannendes, offenes und doch sehr kompaktes Cyberpunk-Abenteuer das einfach ein bisschen über seine eigenen Ambitionen stolpert.
Good
  • Tolle Atmosphäre
  • Viele Skills
  • Interessante Sidequest
  • Schöner, aber subtiler Soundtrack
  • Viele Geheimnisse
Bad
  • Haupt-Story nicht so berauschend
  • Hacking-Skills absolut unverzichtbar
  • Kämpfe trotzdem recht zentral und nicht sehr spannend
7
Gut
Written by
Selbserklärter König der Nerds, Herausforderer bitte hinten anstellen. Ich bin der mit den Nunchakus und dem im Wind flatternden Bandana.

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