Destiny Review: König der Besessenen

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Destiny feiert seinen 1. Geburtstag und wurde zur Feier des Tages von Bungie generalüberholt - Destiny 2.0 aka König der Besessenen schießt uns in das 2. Jahr. Für bescheidendes Entgelt gibt es die Neuerungen in Hülle und Fülle zu bestaunen, die das Spielerlebnis maßgeblich verbessern sollen. Hat das geklappt? Naja, fragt mal wie es meinem Reallife seit Release geht...

Montag Nacht 1.30 Uhr. Ich weiß, ich hätte mich längst aus meinem 6-Mann Team ausklinken müssen, schließlich klingelt der Wecker gnadenlos um 5.30 Uhr, aber meine Hände wollen sich einfach nicht vom Pad lösen. Nein, dieser blöde Raid muss noch erledigt werden, Oryx muss fallen, ich will LOOT…

Zwei Stunden später war mein Wunsch erfüllt und ich trat freudestrahlend den Weg ins Bett an – 5:30 traf mich wie ein Hammerschlag. Keine Sorge seit dem 18. September hat sich mein Raid-Team eingeschossen, sodass wir auch den fantastisch desingten Endlevel-Content packen, ohne Tagsüber auf dem Zahnfleisch kriechen zu müssen, nichts desto trotz weiß einen der König der Besessenen weiterhin auf Trab zu halten – die vielen Änderungen haben aus Destiny ein ungemein besseres Spielerlebnis gemacht. Eine kleine aber feine Kampange, herausfordernde neue Gegner-Arten, intelligente Bosse und endlich (!) ein befriedigendes Loot-System, welches einem mit ausreichend neuen Spielzeugen versorgt. Kirsche auf der Sahnetorte ist natürlich der bombastische Raid, Kings Fall. Wie schon angedeutet, hat mein Privatleben einiges durchzustehen.

 

Oryx-Kings-Fall-raid  Review: König der Besessenen

David gegen Goliath

… oder auch König der Besessenen gegen Destiny 1.0. Denn während uns “Vanilla” Destiny verzweifelt versucht hatte uns ein gewaltiges Story Epos, ohne klar erkennbare Story oder nennenswerte Aha-Momente, aufzuzwingen (Goliath), kommt die Geschichte rund um Oryx, dem König der Besessenen, viel komprimierter, dafür allerdings viel gehaltvoller und sympathischer (David) daher. Und wie wir alle wissen hat David den Boden mit Goliath gewischt… oder so ähnlich.

 

NPC_Cayde-6_01  Review: König der Besessenen

 

Die Kampange, die euch rund sechs Stunden beschäftigen dürfte, hat mich abgeholt und auf eine spaßige Reise durch intelligente Missionen, atemberaubende Cutscenes und witzige Dialoge mitgenommen. Hauptcharaktere des 1. Jahrs bekommen endlich ein Profil, eine Stimme im Geschehen oder kurz gesagt einen Sinn. Außerdem wird euch mit Oryx ein glasklarer Antagonist vorgesetzt, der gleich erstmal zum Einstieg eine ganze Flotte von Raumschiffen pulverisiert ohne erkennbare Anstrengung – DAS ist mal ein furchteinflößender Feind, vielleicht ein wenig platt in seiner Charakterzeichnung aber immer noch besser als irgendein waberndes schwarzes Herz (?!) einer Roboter-Alien-Rasse.

Schade jedoch, dass dieser gute Ansatz in den Quests, die dem Ende der Hauptkampange folgen, nicht wirklich fortgeführt wird. Aber hey, wenn ich weiß, dass mich eine geile exotische Waffe am Ende dieser Quest erwartet, geht mir das am Allerwertesten vorbei! Das umstrukturierte Interface bietet euch hierbei die Möglichkeit bestimmte Quests zu verfolgen und andere erst einmal auf Eis zu legen – durchaus sinnvoll angesichts der herrlichen Menge an Quests. Zwar befinden sich auch durchaus schlechtere Aufträge dazwischen, insgesamt können die Meisten aber überzeugen.

Pimp my Enemy

Nicht zuletzt aufgrund der neuen Gegner-Rasse, den Besessenen. Diese stellen neue Versionen bekannter Feinde dar, allerdings aufgerüstet mit brandgefährlichen Fähigkeiten. So können sich Besessene-Psions schier unbegrenzt vervielfältigen, Besessene-Kapitäne blenden euch und Besessene Goblins sind in der Lage ihre Mitstreiter unverwundbar zu machen. Neue Taktiken die eure Art zu kämpfen maßgeblich verändern und euch am Ball behalten.

Destiny-PS3-PS4-Xbox-360-Xbox-One-The-Taken-King-Header  Review: König der Besessenen

Änderungen von denen auch die Bosse profitieren. Kein Strike-Boss konnte mich bisher auch nur ansatzweise so sehr fesseln, wie Alak-Hul, das Dunkelschwert, den ihr in die sonnenlose Zelle-Strike begegnet. Diesen habt ihr in seiner düsteren Zelle zu besuchen, in der ihr kaum die Hand vor Augen seht. Big-Al hingegen hat keinerlei Schwierigkeiten euch zu finden, er kann sich sogar noch teleportieren und euch mit seiner gigantischen Axt aus der Dunkelheit heraus zu zermalmen – Nervenkitzel pur. Klar nicht jeder Boss erreicht dieses bärenstarke Niveau, wie z.B. die meisten Gegner des Hofs von Oryx, der Großteil der Bosse hat sich allerdings im Zuge des Königs der Besessenen verbessert. Sie sind herausfordernder, komplexer und haben Persönlichkeit. Bullet Sponges adé!

Hammertime with Palpatine

Um gegen die neuen Herausforderungen bestehen zu können hat jede Klasse eine neue Unterklasse spendiert bekommen und somit das Set an Fähigkeiten komplettiert. So wurden die Jäger mit einer unterstützenden Fähigkeit, dem Nachtpirscher, bedacht, die ihnen endlich einen Nutzen für die PVE-Inhalte beschert hat. Mithilfe eines lila Energie-Bogens könnt ihr Gegner festsetzen und Mitstreitern einen Haufen Bonusschaden ermöglichen. Andere Fähigkeiten wie Rauchbombe und Ausweichschritt runden die Klasse ab.

 

destiny-the-taken-king  Review: König der Besessenen

 

Warlocks und Titanen hingegen dürfen endlich mal die Sau rauslassen: Sonnenbezwinger Titanen erhalten die Fähigkeit Widersacher mit brennenden Hämmern zu bewerfen (und zu pulverisieren), Sturmbeschwörer Warlocks dürfen den Imperator in sich freien Lauf lassen und ein förmliches Blitzgewitter auf Feinde jagen – UNLIMITED POWER! Die neuen Kombinationsmöglichkeiten erschaffen ein frisches Spielgefühl und wecken zudem im Fall der Warlocks und Titanen das Kind im Mann (in der Frau). Das ein oder andere Mal saß ich irre lachend auf dem Sofa und habe die Welt mit meinen Hämmern in Brand gesetzt… bitte denkt nicht schlecht von mir.

Hail to the Kind of Loot

Der König der Besessenen hat meinem größten Kritikpunkt des “alten” Destiny’ aus dem Weg geräumt: Das Loot-System. Zwar zum Teil immer noch abhängig von Zufall und Glück werdet ihr mit lila Schmuckstücken geradezu überschüttet. Ebenfalls neu: Habt ihr in diesem Feuerwerk der Belohnungen einen besonderen Liebling ergattert, so könnt ihr diesen per Infusion immer auf eurem aktuellen Level halten. Damit fühlt sich der eigene Charakter endlich individuell und als etwas besonderes an, nicht jeder andere Hüter ist eine Blaupause eurer selbst. Besonders die speziellen Drops der Strikes haben es mir angetan. So könnt ihr z.B. den Helm von Alak-Hul für euren Titan finden und einfach mal sexy aussehen!

 

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Das aufpolierte Loot-System schafft es Destiny zu einem adäquaten Einzelspieler-Titel zu machen. Es gibt so viel zu tun und zu entdecken, dass man auch mal ein paar Stunden ohne seinen Clan auskommt – bis sich allerdings irgendein knackiger Gegner offenbart und ihr doch jede Hilfe gebrauchen könnt die ihr kriegen könnt. Besonders im neuen Gebiet, dem Flagschiff des Königs der Besessenen, wimmelt es nur so von biestigen Bossen und spannenden Rätseln.

King’s Fall

Die Kirsche auf der Sahnetorte König der Besessenen ist der 6-Spieler-Raid King’s Fall und hat meiner Meinung nach eine kleine Anekdote verdient: Erstes Wochenende nach Release, King’s Fall geht online und mein Fireteam steht mit feuchtem Schritt an der Schwelle zum Abenteuer. Beginn Freitag Abend 20:00 Uhr, Ankunft bei Oryx himself Sonntag Abend 21:00 Uhr (Samstag wurde pausiert). Drei Stunden lang haben wir uns die Zähne an diesem A****loch ausgebissen, haben geflucht, geblutet, geweint… Bis 1:34, als der große König zu ersten Mal in Graß gebissen hatte. Wart ihr zum WM-Sieg zufällig in einer Kneipe oder beim Public-Viewing? Ja? Dann habt ihr einen kleinen Eindruck von den Jubelschreien sechs junger Männer die gerade auf ihren Sofas tanzen. Ohne Witz…wir haben sogar ein Selfie im Spiel geschossen! Das geilste Spielerlebnis dass man in einem modernen Ego-Shooter haben kann.

Fazit

Destiny der König der Besessenen ist ein umwerfendes Upgrade, dass im Grunde jeden meiner einstigen Kritikpunkte den ich mit dem Original hatte ausradiert hat. Ein solides Loot-System, eine lustige/interessante Story, neue Unterklassen, fordernde Gegner und eine Hülle und Fülle an Quests, die mich selbst nach einem Monat ausgiebigen zockens noch locker ausfüllen. Als i-Tüpfelchen noch das Kronjuwel King’s Fall. Ich persönlich bin wunschlos glücklich!

Good

  • hervorragendes Spielgefühl
  • stärkerer Fokus auf taktischem Vorgehen
  • stilvolle Kulisse mit beeindruckenden Innenräumen
  • motivierende Jagd nach stärkerer Ausrüstung
  • mehr Aufgaben speziell für Einsatztrupps
  • Waffen und Rüstungsteile können beliebig weit verbessert werden
  • neuer Fokus erweitert taktischen Spielraum aller Klassen
  • zahlreiche tägliche Aufgaben und Questreihen
  • packender Raid für sechs Spieler als großer Höhepunkt
  • interessante Charaktere als Auftraggeber in Turm
  • nahtlose Verbindung von Solo- und kooperativem Spiel
  • Spieler-gegen-Spieler-Gefechte mit verschiedenen Spielvarianten

Bad

  • Clanmitglieder finden im Spiel nicht automatisch zusammen
  • meist chaotisches Reaktionsspiel statt taktischem Gefecht im Schmelztiegel (PVP)
  • Charakterklassen unterscheiden sich recht wenig
9

Großartig

Studierender Gamer und Kinogänger. Zu finden auf Playstation 4 und Nintendo Handhelds, meistens beim Rollenspielen.

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