Deponia Doomsday Review

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Nach unserem kurzen Ersteindruck kommen wir nun zum vollen Review von Deponia Doomsday. Kann Pokis Schrott-Saga auch in der Verlängerung begeistern? Oder haben wir endgültig genug von Rufus’ Eskapaden? Ich schon.

Deponia Doomsday hat einen ziemlich starken Anfang. Der Planet durchlebt einen nuklearen Winter, ist von menschenfressenden Mutanten überrant, Elysium nur noch ein Wrack auf der Planetenoberfläche und ein gealteter Rufus (nun Träger eines grauenvollen Schnurrbarts) zündet die Detonations-Sequenz und jagt den ganzen Planeten in die Luft. Ein unheimlich starkes Opening, mindestens eine 8 auf der “oh Mein Gott, was war das denn gerade?!”-Skala. Zu doof, dass die eigentliche Handlung das tatsächliche und titelgebende Doomsday-Szenario danach fast nur beiläufig streift.

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Alles auf Anfang

Auf einmal erwacht ein junger Rufus in der Vergangenheit. All die Ereignisse der letzten 3 Spiele und das apokalyptische Endzeit-Szenario nur ein böser Traum. Aber so einfach ist es dann doch nicht. Die Zeit wurde zurückgedreht und zusammen mit dem Zeitforscher McChronicle liegt es nun an Rufus den drohenden Weltuntergang abzuwenden.

Und damit sind wir gleich bei einem meiner zentralen Probleme mit diesem Spiel angekommen: Es ist schon wieder der selbe alte Rufus. Zwar erinnert er sich an die vergangenen Ereignisse, aber glaubt nicht, dass ihn das auch nur einen Deut gebessert hat. Das hier wird für viele eine Geschmacksfrage: Wenn ihr auch nach Goodbye Deponia noch nicht genug von der wandelnden Katastrophe habt, werdet ihr hier eure Freude haben. Doch persönlich ging es mir schon im 2. Teil Chaos auf Deponia ziemlich auf den Zeiger, dass Rufus allem Anschein nach vollkommen unfähig ist aus seinen Fehlern zu lernen. Er ruiniert Existenzen an jeder Ecke und hat nur Augen für sein Ziel und das ist inzwischen einfach nicht mehr witzig.

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Also reist unser neuer alter Rufus an verschiedene Orten und Zeiten auf Deponia und Elysium (endlich sehen wir das Ding mal) und verursacht dort diverses Chaos. Die Abschnitte auf Elysium bieten eine willkommende Abwechslung und es ist amüsant zu sehen welche Probleme diese utopische Gesellschaft mit sich bringt (die Koch-Roboter sind schon wieder ausgefallen). Was wir von Deponia sehen – die Außenbezirke von Rufus Heimatstadt Kuvak oder McChronicles Universität – sehen aus wie Deponia schon immer ausgesehen hat. Sehr farbenfroh und detailliert, dem eigenen Stil treu.

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Gewohnte Kost

Spielerisch bewegt sich Doomsday ebenfalls auf vertrautem Terrain: Ein Cartoon Point & Click Adventure der alten Schule. Genre-Kennern werden mit den meisten Rätseln vermutlich keine großen Schwierigkeiten haben, da es die zahlreichen Mono- und Dialoge recht eindeutig machen, was wie funktioniert. Der Grillmeister z.B. beschwert sich über die Musik und als über ihn gelästert wird beklagt er sich mit “sehe ich aus als hätte ich Kartoffeln auf den Ohren?”. Die Lösung ist klar: Bastelt ihm Ohrenschützer aus… einer Kartoffel.

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Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einfach ist, so viele Rätsel in dieser Richtung zu schreiben. Es ist ein schmaler Grat zwischen “boah, ist das witzig/clever” und “so langsam geht’s mir auf den Geist”. Insofern, kann ich es dem Spiel nur schwer vorwerfen, dass es sich oft auf kleinere – nur aus wenigen Bildschirmen bestehende Areale – konzentriert. So ist die Lösung des nächsten Rätsels oft nicht weit weg. Es gibt aber auch Fälle in denen sie ärgerlich versteckt ist und man mehrmals auf Dinge klicken muss, auf die man sonst nie kommen würde zu klicken.

Natürlich gibt es zwischendrin auch wieder einige Minigames, wie Bällebad-Ballereien, Schrottsurfen und “kleine Monster durch Labyrinthe lotsen”. Diese (Achtung: Floskel) lockern das Spielgeschehen auf, mir ist aber auch ein paar mal passiert, dass ich recht schnell in Richtung des Überspringen-Buttons schielte.

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Day of the Schnabeltier

Um erneut einen Teil meines eigenen Preview Artikels zu zitieren: Man muss schon verdammt Eier haben um ein Point & Click Adventure mit Zeitreisen als zentrales Plot (und Gameplay?)-Element zu produzieren! Rufus und McChronicle haben meistens auf die eine oder andere Art und Weise Zugriff auf ein Objekt mit denen die Zeit manipuliert werden kann. Das klingt leider spannender als es letztlich ist.

Einige Abschnitte spielen in einer Zeitschleife, d.h. findet ihr nicht die richtige Lösung wird Rufus wieder an den Anfang des Abschnitts teleportiert, bzw. löst den Neustart selber aus. Das führt (logischerweise) zur Wiederholung einiger Dialogzeilen, was trotz Rufus frustriertem Gemurmel nicht wirklich charmant bleibt.

An einigen Punkten nimmt Rufus sogar Platz in einer Zeitmaschine oder springt durch Portale um in andere Zeiten zu gelangen. Was nach einem tollen Aufhänger für viele Rätsel klingt, entpuppt sich mehr als Plot-Device das euch in den nächsten Abschnitt bringt. Nie hat man die Möglichkeit sich zwischen mehreren Zeit-Ebenen zu bewegen, die Einstellungen der Zeitmaschine verhindern es. Es macht massiv den Eindruck, als wären Elemente aus der Konzeptionsphase des Spiels auf der Strecke geblieben.

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Generell habe ich das Gefühl, dass das Spiel oft einen Bogen um die bestmöglichen Szenarien macht. Namentlich noch weiter in die Vergangenheit oder die Zukunft Deponias reisen. Das Spiel hatte mich am Anfang voll am Haken mit der frostigen Einöde und den Mutanten-Horden, stattdessen dreht sich wieder viel um den Beziehungsaufbau zwischen Rufus und Goal und das haben wir doch bei aller Liebe jetzt lange genug durchgekaut.

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Ich komme auch nicht herum um über die Gesamthandlung des Spiels und seinen Platz in der Deponia Timeline (höhö) zu reden. Schon das einleitende Lied des Schrottbarden (Poki) erweckt ein den Eindruck, dass die Fortsetzung überflüssig ist und nur dazu dient Leute zufriedenzustellen, die mit dem Ende von Goodbye nicht einverstanden waren. Zusätzlich machen diverse Charaktere Anspielungen darauf, dass dieses oder jenes Ding “nie so gut sein kann wie das Original”, oder, dass man einfach nicht wüsste wann Schluss ist. Zu Beginn ist es noch niedlich und passt gut in den Meta-Humor den Pokis Spiele so auszeichnen. Doch gerade wenn man das Ende erlebt hat, fragt man sich welchen Zweck dieses Spiel nun eigentlich erfüllt hat.

Fazit

Deponia Doomsday stellt mich vor ein faszinierendes Dillema: Ich hatte leider nur bedingt Spaß mit diesem Spiel. Einmal abgesehen von einigen cleveren Witzen war das Gesamtwerk für mich mehr ein belangloses Durchklicken, begleitet von intensivem Augenrollen. Was mich zu einem von 2 Möglichkeiten bringt: Entweder das Team um Poki hat es verbockt, was ich mir nicht vorstellen kann. Oder ich habe den Spaß an klassischen Point & Click Adventures verloren. Was ich mir AUCH nicht vorstellen kann. Doomsday möchte ein Greatest Hits sein, wirkt aber mehr wie ein Greatest Hits II. Die interessantesten Ansätze werden nicht richtig genutzt und was bleibt ist ein Spiel welches seinen Vorgängern SEHR ähnlich ist und nicht genug tut um diesem Eindruck entgegenzuwirken. Ein starkes Gefühl von “kenn ich, aber früher war’s besser” lies sich nicht vermeiden.

Wenn ihr an Chaos auf Deponia und Goodbye Deponia noch genau so viel oder sogar noch mehr Spaß hattet als mit dem Vorgänger und euch Rufus immer noch nicht auf den Sack geht, ist Doomsday vermutlich keine schlechte Entscheidung. Es ist immer noch genauso schön, die Musik ist immer noch genauso nett. Es ist einfach mehr Deponia. Aber leider ist es nicht wirklich besseres oder interessanteres Deponia. Und das hätte die Serie meiner Meinung nach dringend gebraucht um einen viertel Teil zu rechtfertigen.

Good

  • Sehr starkes Opening...
  • Solide Rätselkost...
  • Schöne Optik...
  • Rufus Schnurrbart (Ich mag den)
  • Gute Musik

Bad

  • ...mit dem leider nicht mehr gemacht wird
  • ...aber 08/15
  • ...aber keine große Abwechslung zu den Vorgängern
  • Nein, wirklich.
  • Zeitreise Set-Up wird nur sehr rudimentär benutzt
  • Rufus ist immer noch der selbe egoistische Vollpfosten
  • unbefriedigendes Ende
6

Okay

Selbserklärter König der Nerds, Herausforderer bitte hinten anstellen. Ich bin der mit den Nunchakus und dem im Wind flatternden Bandana.

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