Cuphead Review

PC Xbox One

 

   

Vor drei Jahren präsentierte Studio MDHR zum ersten Mal Cuphead, ein Jump’n’Shot angesiedelt in einer Zeichentrickwelt der 30er Jahre. Schon im Vorfeld heimste man dadurch viel Lob ein, doch wie sollte das fertige Spiel aussehen? Nach mehreren Verschiebungen haben wir nun endlich die Antwort.

 

Nicht den Teufel an die Wand malen

Die Brüder Cuphead und Mugman könnten eigentlich ein schönes Leben mit ihrem Großvater, dem großen Kessel, führen. Doch eines Tages geraten sie unversehens in das Kasino des Teufels persönlich, wo sie ordentlich abräumen. Dies führt dazu, dass der Teufel selbst auf sie aufmerksam wird. Gewieft wie er ist, fordert er die beiden zum Spielen heraus. Während Mugman direkt Bedenken hat, lässt sich Cuphead von den versprochenen Reichtümern blenden, womit er prompt beider Seelen an den Herren der Finsternis verspielt. Weil aber der Teufel von Natur aus Herausforderungen schätzt, stellt er beiden eine Aufgabe: Die Seelen derer einzutreiben, die dem Teufel noch etwas schulden. Wenn sie die Seelenverträge jedes Schuldners zu ihm bringen, wird er beiden ihre Seelen zurückgeben.

Auf den ersten Blick eine simple Geschichte, aber genau da liegt der Clou: Damit setzt Cuphead direkt den Ton für den Rest des Spiels. Denn Geschichten wie diese finden sich zuhauf in den Cartoons von Warner Bros., Fleischer und sogar frühen Werken von Disney. In dieser Zeit wurden Zeichentrickfilme nicht für Kinder sondern vornehmlich für Erwachsene produziert, die damit in die Kinos der damaligen Zeit gelockt wurden. Cuphead ist ein solcher Cartoon – nur spielbar und in Überlänge.

Cuphead3  Cuphead Review

Contra-produktiv

Aufgeteilt ist Cuphead vornehmlich in zwei Segmente: Run’N’Gun Levels und Bosskämpfe. Ursprünglich sollte nur letzteres Teil des Spieles sein, doch Studio MDHR entschied sich für zusätzliche Variation. In diesen Abschnitten bewegt sich der Spieler meist von Punkt A zu Punkt B, während man auf dem Weg Gegner eliminiert sowie Münzen einsammelt. Diese Münzen können beim Händler für permanente Extras eingetauscht werden. Sekundärwaffen wie Multifeuer oder zielsuchende Munition wecken Erinnerungen an Spiele wie Gunstar Heroes vom Sega Mega Drive. Doch vorsicht: Jedes Extra bietet Vor-, aber auch kleine Nachteile, die entsprechend kompensiert werden müssen. Der Schwierigkeitsgrad hingegen ist größtenteils Contra-gleich, will heißen: Ziemlich deftig, aber meist nicht unfair. Mit entsprechendem Tempo geht es relativ zügig durch diese Abschnitte.

Herzstück Cupheads sind hingegen die Bosskämpfe. 28 Bosse warten auf die Seelenernte. Keiner von ihnen gibt die allerdings freiwillig ab: Jeder von ihnen leistet direkt in mehreren Phasen Widerstand, ein jede davon ist unglaublich liebevoll gestaltet, was sehr zu dem unwahrscheinlichen Charme beiträgt, den Cuphead mit sich bringt. Eine Blume z.B. wirft mit Karottenraketen und Samenkörnern um sich, während eine Zepplindame sich in verschiedene Tierkreiszeichen verwandelt um zu attackieren. Großer Faktor für relativ gering gehaltenen Frust: Die meisten Bosskämpfe dauern kaum länger als zwei bis drei Minuten. Selbst wenn man scheitert, wird einem zumindest angezeigt, wie weit der Gegner war besiegt zu werden. Das motiviert direkt zum nächsten Versuch. Bosskämpfe werden übrigens nicht nur am Boden sondern auch in der Luft ausgetragen: Mit kleinen Flugzeugen, die ähnliche, aber andere Fähigkeiten verwenden.

Aufgelockert werden die Abschnitte auf der Karte mit Interaktionen anderer Einwohner der Inkwell Insel. Zudem gibt es Gruftlevels, in denen die eigenen Parierfähigkeiten gefragt sind. Parieren ist eigentlich gedacht, um bestimmte Projektile abzuwehren, doch Cuphead setzt diese Fähigkeit auch zum Punkte generieren ein. Wer also am Ende eines Levels einen hohen Rang möchte, sollte sich damit vertraut machen. Zwei Spieler können lokal gleichzeitig ran, einer als Cuphead, der andere als Mugman. Im Weg stehen sich die Protagonisten zum Glück nicht, doch Gegner werden dadurch nicht einfacher. Tatsächlich leidet der Co-Op Modus unter zu vielen Dingen, wie man sie aus Spielen wie Contra kennt. Die Kamera z.B. folgt nur dem führenden Spieler.

Cuphead1  Cuphead Review

Exzellenz in Steuerung und Präsentation

Bei einem so hektischen Spiel wie Cuphead ist es nicht verwunderlich, dass ein Controller regelrecht Pflicht ist. Selbst der kann jedoch zu Hektik führen, weil die Standard-mäßigen Tastenkombinationen nicht optimal sind. Glücklicherweise sind diese jedoch dem eigenen Wunsch nach anzupassen. Gehört habe ich zudem über ein paar Bugs, die noch ausgebügelt werden müssen, persönlich jedoch ist mir kein Glitch begegnet.

An dieser Stelle sei noch mal erwähnt: Cuphead hat mit weitem Abstand ein paar der schönsten Animationen, die ich in den letzten Jahren bei einem Spiel erleben durfte, was man darauf zurückführen kann, dass alles (und zwar wirklich alles!) in diesem Spiel von Hand gezeichnet wurde. Bis in die kleinsten Fasern lässt sich annehmen, hier handele es sich wirklich um einen Cartoon der 30er Jahre. Dazu kommt das absolut herausragende Sounddesign. Die Musik ist mit dem Hintergrundrauschen eines alten Grammophons versehen, Soundeffekte klingen gewollt dumpf, Sprache (sofern sie vorhanden ist), als ob sie mit extrem alten Rundfunk übertragen wurde. Die Musik selbst ist unglaublich jazz-lastig und eine absolute Wohltat für die Ohren. Dazu kommen ein paar Lieder mit Gesang. Großes Highlight hier ist die Titelmusik des Spiels sowie das Lied des Teufels zweiten Mannes, dem Würfelkönig.

Cuphead2  Cuphead Review

FAZIT: Oscar-würdig!

award_games_cuphead_2017_10  Cuphead ReviewStil ist vieles, aber nicht alles. Als Cuphead einst angekündigt wurde, sagte ich zu mir: Niemals kann dieses Spiel so gut aussehen und gleichzeitig spielerisch anspruchsvoll sein. Zu oft wurden die Spieler bereits enttäuscht. Slain! war eingangs eine herbe Enttäuschung, was in der Back from Hell-Edition nur leicht verbessert wurde. Cuphead hingegen…ist sogar besser geworden als man es sich jemals hätte erhoffen können. Hier werden Ästhetik und Gameplay auf eine Weise vereinigt, wie ich es noch nie zuvor gesehen habe. Es ist nicht nur eine grandiose Hommage an die alte Zeichentrick-Ära, sondern auch gleichzeitig ein heißer Kandidat für Spiel des Jahres!

Getestet wurde die PC-Version auf Steam. Es ist außerdem DRM-frei bei GoG.com sowie als Play Anywhere-Titel auf Windows 10 und Xbox One erhältlich.

Good

  • Beste Präsentation des Jahres!
  • Herausragende Musik
  • Schwer, ohne wirklich unfair zu werden

Bad

  • Co-Op könnte besser sein
10

Meisterhaft

Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*

Lost Password