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Code Name S.T.E.A.M. Review

London, im Zeitalter des Dampfes. Bei der Einweihung einer neuen Brücke wird die Stadt von außerirdischen Invasoren angegriffen. Zwei Soldaten nehmen den Kampf auf und werden daraufhin von Abraham Lincoln, der seinen „Rückzug aus dem öffentlichen Leben“ übrigens nur inszenierte, für das Einsatzteam S.T.E.A.M. rekrutiert. „No time to explain!“, ruft der Präsident noch, als es schon gilt zusammen mit dem Löwen aus der Zauberer von Oz die Königin von England vor einem cthuloiden Alptraum zu retten.

 

 

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Dabei ist das merkwürdigste an S.T.E.A.M. gar nicht so sehr die Idee, sondern das Gameplay. Im Prinzip funktioniert es wie ein rundenbasiertes Strategiespiel á la XCOM: Enemy Unknown (das übrigens nun eine Fortsetzung bekommt), aber die Charaktere werden gesteuert wie in einem 3rd-Person-Shooter. Klingt merkwürdig? Das ist es auch.

Jedes Feld das man sich fortbewegt kostet einen Aktionspunkt in der Form von Dampfkraft, das Einsetzen der zahlreichen Waffen verbraucht natürlich ebenfalls Dampf. Weil das Geschehen aber nicht klassisch von oben, sondern immer nur auf Augenhöhe der Agenten von S.T.E.A.M. gezeigt wird, muss man aufpassen wo man hinläuft. Man ist nah am Geschehen dran, was unheimlich zum Aufbau der Welt und der Atmosphäre beiträgt, aber auch massiven Einfluss auf das Gameplay hat. Ein zentrales Element ist nämlich die Overwatch-Mechanik, mit der man mit gespartem Dampf im Zug des Gegners feuern kann. Aber auch die Aliens haben immer ein Auge (oder 12) offen und es gilt sehr vorsichtig vorzugehen.

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Man bewegt sich also in einer Third-Person-Perspektive mittels Aktionspunkten durch die 32 Level und zielt dabei auch selber. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen haben viele Gegner einen Schwachpunkt an ihrem Körper, an dem man ihnen mehr Schaden zufügen kann. Dann gilt es noch den Streufaktor diverser Waffen mit einzuplanen und letztlich kommt hinzu, dass die Gegner zwar auf ihrem Feld verweilen, deswegen aber nicht still stehen und man sie unter Umständen trotzdem verfehlen kann. Besonders eine Art fliegender Moskito-artiger Gegner ist nur sehr schwer zu treffen, weil er eben nur ein sehr kleines Ziel abgibt und dabei rauf und runter flattert.

Der Genre-Mischmasch ist eine super clevere Idee, macht es aber teilweise leider etwas schwierig die genauen Regeln des Systems zu erkennen. Zu oft hat ein angreifender Alien mein Team erreicht und ich konnte mir nicht erklären, warum Overwatch in diesem Moment nicht funktionieren wollte. War es die Reichweite? Der falsche Blickwinkel? Ich weiß es nicht. Manchmal wünschte ich mir die Regeln wären etwas besser erklärt und die Werte der Waffen und Charaktere leichter nachschlagbar wie es bei Fire Emblem der Fall ist.

Code Name S.T.E.A.M. hat nur einen Schwierigkeitsgrad und der ist nicht von schlechten Eltern. Zwar nicht ganz auf dem Level eines Insane-Runs in XCOM ziehen die Invasoren doch immer wieder einen neuen, meist frustrierenden Trick aus der Tasche. Gerade die außerirdischen Overwatch-Fähigkeiten scheinen keine Grenzen zu kennen, teilweise ist ein Frontalangriff gar nicht möglich. Doch jeder hat seine Schwachstellen.

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In jeder Mission dürfen nicht mehr als 4 Mitglieder von S.T.E.A.M. ins Feld geführt werden, allesamt Charaktere aus englischer Literatur und Folklore, eine Art League of Extraordinary Gentlemen, darunter Figuren aus Der Zauberer von Oz, Moby Dick und den Werken von H.P. Lovecraft. (Wer mehr über die literarischen Hintergründe der S.T.E.A.M.-Agenten wissen möchte dem empfehle ich diesen ausführlichen Artikel von Tim Rozenski.) Dabei hat jeder Charakter eine eigene Spezial-Waffe und besondere Fähigkeiten, die es im Kampf gegen die Aliens zu meistern gilt. Diese Spezialisierungen sind teilweise unheimlich sinnvoll und praktisch, dass es einem wirklich schwer fällt, jede Mission die richtige Wahl zu treffen. Tiger Lily ist der „dedicated Healer“ von S.T.E.A.M. und sie mochte ich in fast keiner Mission vermissen. Tom Sawyers Boxhandschuh-Blaster macht nur wenig Schaden, wirft aber Gegner zurück und betäubt sie. Am praktischsten fand ich aber den Mythos-Forscher Carter von der Miskatonic Universität, der mit seinem Köder den tödlichen Overwatch Blick der Gegner negiert oder mit finsterer Magie die Verteidigung des Teams steigert.

Was es im Gegensatz zu Fire Emblem oder XCOM aber leider nicht gibt ist die Möglichkeit sein Team oder ihre Ausrüstung weiterzuentwickeln. Zwar schaltet man im Laufe des Spiels neue Sekundärwaffen und Boiler frei, doch klassische Upgrades oder ein Leveling System fehlen leider.

Viele Videospiele versuchen sich an einem „Comic Look“, doch selten ist mir ein Spiel untergekommen, welchen diesen so konsequent umsetzt. Neben Laut-Effekten und Speed Lines im Spiel ist besonders die Gestaltung der Zwischensequenzen toll anzusehen, in der man wie beim Lesen eines Comics Panel um Panel ins Auge nimmt und jedes Kapitel mit einem dramatischen Cliffhanger endet. Das die Story selbst sich völlig schamlos in ihrer eigenen Pulp-Inspiration suhlt macht natürlich auch viel Spaß.

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Summary
Ich kann es niemandem verdenken, sich alleine schon von der Zusammenfassung in der Einleitung etwas eingeschüchtert zu fühlen. Code Name S.T.E.A.M. jongliert eine Menge Teller auf einmal und dass das Ganze nicht in einem Scherbenhaufen endet ist eine Auszeichnung für Entwickler Intelligent Systems. Jedes Element greift wie ein Zahnrad wundervoll in das andere und nein, ich schäme mich nicht für diesen Pun.Zugegeben, es funktioniert nicht immer alles einwandfrei. Der Gegner wirkt oft spaßfrei übermächtig und das ungewohnte Bewegungssystem hat mindestens so viele Nach- wie Vorteile. Aber mich als Fan von rundenbasierter Strategie hat es wieder voll gepackt. Das alte bekannte und schlaf-verhindernde "nur noch eine Mission"-Feeling war wieder voll da. Code Name S.T.E.A.M. ist ein spannendes, super inszeniertes Spiel, das mit mäßigem Erfolg aus den Genre-Konventionen ausbricht. Aber gerade weil es so ein schräger Misch-Masch verschiedenster Konzepte und Ideen ist, dabei aber ein wirklich gutes Strategiespiel bleibt, sollte man sich diese neue Nintendo I.P. unbedingt genauer ansehen. Ich wäre auf jeden Fall wieder dabei, wenn der Präsident ruft "Full S.T.E.A.M. ahead!"
Good
  • Solides Taktik-Gameplay mit viel Variation
  • Toll umgesetztes Steampunk-Setting
  • Literatur Crossover
  • Herrlich umgesetzter Comic-Look und Atmosphäre
Bad
  • Regeln manchmal nicht ganz klar
  • Artstyle etwas gewöhnungsbedürftig
  • Wenig Möglichkeiten zur Weiterentwicklung des Teams
8
Sehr gut
Written by
Selbserklärter König der Nerds, Herausforderer bitte hinten anstellen. Ich bin der mit den Nunchakus und dem im Wind flatternden Bandana.

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