Castlevania Requiem: Symphony of the Night & Rondo of Blood Review

PlayStation 4

 

Schon eine Weile her, dass Konami sich an ein neues Castlevania-Spiel wagte. Nach dem Ende der enttäuschenden Lords of Shadow-Reihe wurde es still um die Vampirjägerfamilie Belmont. Umso überraschender kommt diese Spielesammlung zweier alter Titel daher: Castlevania Requiem fasst zwei Spiele zusammen, die direkt aufeinander folgen.

 

Wer ist der Priester, der Dracula wiederbelebt? Shaft!

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Castlevania: Rondo of Blood

Im Jahre 1792 versucht ein dunkler Kult um den Priester Shaft, den Vampirfürsten Dracula wiederzubeleben und ihm ewiges Leben zu gewähren. Dazu benötigt er jungfräuliches Blut, das von vier Frauen aus einem Dorf beigesteuert werden soll. Eine davon ist Annette, die Verlobte des aktuellen Trägers der Vampirkillerpeitsche, Richter Belmont. Um sie und die anderen drei Frauen zu retten, macht sich Richter auf, die Diener des dunklen Herrschers  zu besiegen.

Rondo of Blood erschien 1993 und seinerzeit nur in Japan für die CD-Erweiterung der PC Engine. Obwohl diese Konsole unter dem Namen Turbografx 16 auch außerhalb erhältlich war, so blieb Rondo of Blood lange einem westlichen Publikum vorenthalten. 14 Jahre später wurde es als Teil der Castlevania: Dracula X Chronicles auf Sonys PSP erstmals im Westen veröffentlicht. Genau diese Version findet sich auch hier wieder. Konami nutzt dafür die PSP-Emulationsmöglichkeit der PS4, um beide Spiele abzuspielen, doch sparen sie dabei das gelungene Remake von Rondo of Blood ein.

Richters Abenteuer gilt als eines der letzten klassischen Castlevania-Spiele, die linear ablaufen. Neun Abschnitte stehen zwischen dem Vampirjäger und Dracula, doch auch diese enthalten Alternativpfade und Geheimnisse. Die zu rettenden Frauen sind nämlich nicht Teil des Hauptpfades. Arzttochter Iris, die Nonne Tetra und Richters Angetraute Annette sind in den Leveln gefangen und müssen gefunden werden. Ein Sonderfall ist die erste zu rettende Dame, die erst 12-jährige Maria Renard. Sie schließt sich Richters Kampf nämlich an und wird ein zweiter spielbarer Charakter.

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Castlevania: Symphony of the Night

1796: Dracula wurde schon vor Jahren besiegt, doch plötzlich taucht sein Schloss wieder auf. Dessen Präsenz weckt einen lange schlafenden Wächter: Alucard, Draculas halbmenschlicher Sohn, spürt die Gegenwart seines Vaters. Über 300 Jahre zuvor hatte er Trevor Belmont bei seinem Kampf gegen Dracula beigestanden (die Ereignisse von Castlevania III: Dracula’s Curse) und geschworen, dass sein Vater sich nie wieder an der Menschheit rächt. Im Schloss angekommen begegnet Alucard einer fast erwachsenen Maria Renard. Sie befürchtet, dass ihr alter Freund Richter Belmont für die Rückkehr von Castlevania verantwortlich ist.

Symphony of the Night ist der Urvater der heutigen Castlevania-Spiele, die nicht linear ablaufen und einen großen Fokus auf Erkundung setzen, wie Portrait of Ruin oder Aria bzw. Dawn of Sorrow. Einstmals für die PSone (mit einem Xbox 360 Port) und den Sega Saturn (mit Zusatzinhalten) veröffentlicht, so fand sich auch die hier verwendete Fassung schließlich auf der PSP wieder. Sie enthält eine komplett neue englische Synchronisation mit eingedeutschten Untertiteln und eine spielbare Maria, die sehr ihrem Ebenbild aus Rondo of Blood ähnelt.

Konami hat sich also entschieden, beide Spiele für die PS4 zu veröffentlichen – und tatsächlich halten beide bis heute der Prüfung stand.

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Kinder der Nacht

Rondo of Blood ist – wie bereits erwähnt eine größtenteils lineare Affäre. Richter steuert sich wie ein klassischer Belmont aus den alten NES-Spielen: Gepeitscht wird nur nach vorne und hinten, ein wenig langsam zu Fuß und nicht zu steuern im Sprung. Einziger Unterschied jetzt: Richter besitzt einen Rückwärtssalto, der aber ziemlich situationsabhängig ist. Maria hingegen ist da sehr viel beweglicher, kann einen Doppelsprung ausführen, im Lauf angreifen und sich im Sprung bewegen. Nur hält sie deutlich weniger aus. Angesichts ihres Bewegegungspotentials wird sie dafür weit weniger getroffen als Richter. Beide Charaktere können Subwaffen einsetzen, die hier erstmals auch mit einem Item-Crash ausgestattet sind, eine Superattacke, die meist den ganzen Schirm von Gegnern befreit, aber viele Herzen kostet. Levels verfügen über alternative Pfade, wo völlig andere Bosse warten mit Ausgängen zu geheimen Bereichen.

Mit Symphony of the Night ist es nicht zu vergleichen: Alucard verfügt von Beginn an über eine breite Palette von Zaubersprüchen, für die einfach die richtige Tastenkombination reicht. Zusätzlich besitzt auch er Subwaffen (ohne Item-Crash) und beharkt Gegner mit verschiedenen Klingen, Kolben oder Faustwaffen. Einen vorgegeben Pfad gibt es im Grunde nicht. Einzig die Zugangsbedingungen müssen erfüllt werden. Fähigkeiten wie das Öffnungsjuwel oder der Doppelsprung ermöglichen Zugang zu Bereichen in Abschnitten, in denen er noch gar nicht war. Um Wege abzukürzen verfügt Draculas Schloss außerdem über ein Schnellreisesystem. Viele versteckte Pfade enthalten Sonderitems wie Familiare. Die folgen Alucard und erfüllen Zwecke wie Gegner beharken oder weitere Verstecke ausfindig machen.

Beide Spiele gehörten einst zum besten, was Castlevania bis dato zu bieten hatte und sind wichtige Meilensteine für die weitere Geschichte der Reihe. Umso enttäuschender, wie lieblos diese Kollektion daher kommt. Als Extras enthalten sind u.a. frei wählbare Hintergründe und Bildschirm-Modi – und das war es eigentlich auch schon. Keine Herausforderungen, keine lustigen Remixes, nicht einmal eine Galerie mit Konzeptzeichnungen oder Informationen zur Entstehungsgeschichte haben sie beigepackt. Offenbar setzt man darauf, dass die Spiele selbst die Attraktion sein sollen. Angesichts der Klasse beider Titel scheint das verständlich. Zu einem Preis von 20 € kann man aber – ähnlich der Mega Man Legacy Collection – auch ruhig ein paar mehr Extras erwarten.

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Absolutes Minimum

Die Steuerung ist exzellent von der PSP übertragen worden. Es empfiehlt sich dringend die Nutzung des Steuerkreuzes statt des Analogsticks, da die Street Fighter-artigen Kampfmoves von Alucard bzw. Maria sich so präziser ausführen lassen. Tatsächlich hat sich Konami sogar die Arbeit gemacht und ein paar ärgerliche Bugs aus der PSP-Version streichen können. Eine notorisch störungsanfällige Stelle ging dieses Mal ohne Probleme von statten.

Muss ich eigentlich extra erwähnen, wie toll die Musik ist? Es ist ein Castlevania-Spiel! Aber doch ist Castlevania Requiem selbst unter so vielen guten Soundtracks eine Ausnahmeerscheinung. Beide Spiele enthalten ein paar der besten Melodien der ganzen Serie, vor allem dank der Nutzung echter CD-Qualität. Seien es Remixes bekannter Titel wie “Vampire Killer” oder neue Lieder wie “Dracula’s Castle” oder “Bloodlines” – die Musik bleibt einem im Gedächtnis.

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FAZIT: Grandiose Spiele im enttäuschender Neuveröffentlichung

Castlevania Requiem: Symphony of the Night & Rondo of Blood ist ohne Zweifel ein Glücksfall: Eine Neuveröffentlichung eines der besten Metroidvanias überhaupt und ein Spiel, das dringend mehr Aufmerksamkeit bedarf, eben weil es so gut ist und es endlich ein westliches Release erhält, der wirklich umfassend ist. Warum also wird mit diesen wichtigen Titeln nicht der Anreiz gegeben, sie auch entsprechend ins Rampenlicht zu stellen?  So bleiben zwei fantastische Spiele, die leider regelrecht stiefmütterlich präsentiert werden. Für Fans trotzdem ein Muss und ein idealer Titel für den Einstieg in die Reihe.

Castlevania Requiem ist ein exklusiver PS4-Titel.

Good

  • Zwei großartige Castlevania-Spiele
  • Tolle Musik

Bad

  • Präsentation als Sammlung lässt sehr zu wünschen übrig
8

Sehr gut

Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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