Call of Juarez: Gunslinger im Review

PC PlayStation 3 Xbox 360

 

Westernspiele haben es in der heutigen Spielewelt nicht leicht. Das müssen auch die Entwickler  von Techland bemerkt haben, als sie nach ihrem durchaus ansehnlichen Call of Juarez-Prequel “Bound in Blood” ihre Serie für “The Cartel” in einen Neo-Western in der heutigen Zeit umwandelten – um damit einen hohen Preis zu zahlen. Um Fans der Reihe zu besänftigen, machten sie den Westen wieder wild und brachten Call of Juarez wieder dahin, wo es hingehört. Doch hier enden auch die Gemeinsamkeiten, denn Call of Juarez: Gunslinger hat mit dem Rest der Reihe nicht das geringste zu tun. Das muss es aber auch nicht, denn Gunslinger schafft es ohne weiteres, auf eigenen Füßen zu stehen…

Ein Mann kommt in eine Bar…

Was auf den ersten Blick beginnt wie ein Witz, ist im Grunde der Beginn der Geschichte von Call of Juarez: Gunslinger. Denn jener Mann behauptet, der aus Groschenromanen bekannte Kopfgeldjäger Silas Greaves zu sein und erklärt sich bereit, im Austausch für einige kostenlose Drinks den Gästen seine Geschichte zu erzählen. Und so beginnt eine wilde Geschichte, die in Comic-artigen Zwischensequenzen weitererzählt wird und auf den ersten Blick keinen Zusammenhang bildet. Doch Greaves hat durchaus einen Anlass dafür…

Und während den einzelnen Episoden schlüpft man in Greaves’ Haut und spielt seine Geschichte in guter, alter First Person Shooter – Manier nach. Dabei bedient sich das Spiel einem aus Bastion bekannten Element: Dem Einfluss des Erzählers, der sich aktiv auf die Spielwelt einwirken kann. Oftmals füllt Greaves nämlich Erinnerungslücken in seiner Geschichte direkt aus und lässt Spielobjekte und Gegner im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Nichts erscheinen. Manchmal erzählt er auch Varianten ein und der selben Begebenheit, die immer jeweils einen anderen Verlauf nehmen. Oder seine Gäste erzählen die Geschichte, so wie sie diese kennengelernt haben. Nur eines ist immer gleich: Gegner sind zahlreich vorhanden – und alle wollen dem guten Silas ans Leder.

call-of-juarez-gunslinger_screen_1  Call of Juarez: Gunslinger im Review

Der Code des Westens

Glücklicherweise weiß Greaves sich zu wehren: Erfolgreiche Abschüsse werden mit Erfahrungspunkten belohnt, die Greaves im Level aufsteigen lassen, um neue Fähigkeiten freizuschalten. Wie aus Spielen wie “Borderlands” bekannt, hat Greaves sogar Zugriff auf bestimmte Spezialisierungen: Verwegener Pistolero, konzentrierter Scharfschütze oder ausdauernder Schrotflintenspezialist. Zwar werden für Spezialisierungen auf eine der drei Gruppen die einsetzbaren Waffen verbessert, aber mit Beschränkungen hat man nicht zu kämpfen, da man auf kurz oder lang alle Fähigkeiten freischalten kann, was sich leider negativ auf den Schwierigkeitsgrad auswirkt, da dadurch einige Sequenzen viel zu leicht werden. Dazu trägt auch die Todessinn-Mechanik bei, die sich automatisch aktiviert, wenn Silas beinahe von einer tödlichen Kugel getroffen wird. Mit einem kurzen Druck in die entgegengesetzte Richtung kann er sich so aus ihrer Schussbahn lehnen. Immerhin ist diese Fähigkeit einer Abklingzeit unterworfen.

Silas Greaves’ Geschichte erstreckt sich über insgesamt acht Kapitel, die alle einem durchaus ähnlichem Muster folgen: Man beginnt zu Fuß in der Landschaft, kämpft sich im Schlauchprinzip moderner Millitärshooter durch Reihen um Reihen von Gegnern und bekämpft irgendwann einen Boss, entweder in dem man sich taktisch an ihn heranschleicht, sein Angriffsmuster verstehen lernt oder indem man ihm getreu der alten Call of Juarez-Spiele im klassischen Western-Pistolenduell gegenübertritt. Dabei sind die jeweiligen Bosse durchaus berühmte und reale Western-Figuren wie Jesse James, Pat Garrett, Butch Cassidy oder die Dalton-Brüder. Da die Ereignisse die Silas rekapituliert natürlich frei erfunden sind, haben sich die Entwickler für die Sammelgegenstände etwas besonderes ausgedacht: Überall im Spiel verstreut befinden sich insgesamt 54 sogenannte Nuggets der Wahrheit. Jeder von ihnen enthält Hintergrundinformationen über die auftretenden Persönlichkeiten, Begebenheiten oder Waffen und was jeweils wirklich damals passiert ist.

call-of-juarez-gunslinger_screen_2  Call of Juarez: Gunslinger im Review

Borderlands indeed…

Was an Call of Juarez: Gunslinger sofort auffällt ist der völlig andere Artstyle, der es vom Rest der Reihe abhebt. Waren die alten Call of Juarez-Spiele noch mehr darauf bedacht ihrer Grafik einen realistischen Ton zu geben, so geht Gunslinger einen weitaus stilistischeren Weg. Die Grafik ist bunt und in Cellshade gehalten, wodurch durchaus Ähnlichkeiten mit Gearbox’ Borderlands auftreten können. Verstärkt wird dieser Eindruck durch Comicmontagen, mit denen die auftretenden Antagonisten vorgestellt werden. Für die Musik ist einmal mehr Serienkomponist Pawel Blaszczak zuständig, der einen grandiosen Job macht und dem Soundtrack einen großartigen Western-Charme verleiht und dabei trotzdem modern wirkt. Von den gut gewählten englischen Sprechern stechen John Cygan als Silas Greaves und Paul Eiding als Barkeeper Ben, beide bekannt aus Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty, besonders hervor. Die Präsentation ist für einen Downloadtitel einzigartig gut.

Zwei zu viel?  Wohl eher nicht…

Wer sich nach etwa 5 bis 6 Stunden Spielzeit nach mehr Content sehnt, für den haben die Entwickler auch entsprechendes parat: Nach dem Durchspielen wird ein New Game+ Modus freigeschaltet, in dem man alle bereits erhaltenen Fähigkeiten behalten kann, um sie in einen höheren Schwierigkeitsgrad mitzunehmen. Einmal abgeschlossen steht zudem der neue True West-Schwierigkeitsgrad zur Verfügung, der sämtliche HUD-Elemente entfernt sowie Präzision und Waffenkenntnis erfordert. Außerdem darf man im Arcade-Modus auf Punktejagd gehen, um seinen Platz in den Leaderboards zu verbessern. Schlussendlich steht auch noch der Duell-Modus zur Verfügung, in dem man die Pistolenduelle des Hauptspiels nochmal erlebt und mit nur fünf verfügbaren Leben seine Gegner ausschalten soll.

call-of-juarez-gunslinger_screen_4  Call of Juarez: Gunslinger im Review

In den Sonnenuntergang

Call of Juarez: Gunslinger macht am Ende eines ziemlich deutlich: Die Zeit der McCall-Brüder als reine Protagonisten der Reihe ist vorbei, denn die Geschichte von Silas Greaves kann nicht nur mithalten, sondern überholt seine Vorgänger noch mit einem starken Fokus auf eine gute Präsentation, einem tollen Soundtrack und vor allem durch sehr viel spaßigerem und intuitiveren Gameplay. Da vergibt man gerne die Nachteile wie eine fehlende offene Spielewelt oder die Eintönigkeit, die sich im Gameplay nach einiger Zeit einstellt.

Anmerkung:
Eine Kopie des Spiels wurde vom Reviewer für PC auf Steam gekauft und in 5,5 Stunden auf dem Schwierigkeitsgrad Schwer abgeschlossen, mit weiteren 2 Stunden, in denen Arcade- und Duell-Modus getestet wurden. Erhältlich ist der Titel auf Steam sowie Uplay sowie anderen digitalen Vertrieben und auf Xbox 360 und PS3.

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7.5

Gut

Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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