Buchrezension: Finderlohn (Stephen King, Bill Hodges Trilogie, #2)

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Besessen bis zum Mord: Wie konnte John Rothstein es wagen einen der wunderbarsten Buchcharaktere endgültig zu zerstören? Wie konnte er den Rebellen Jimmy Gold zu einem sesshaften, einfachen Jemand machen?

Inhalt

John Rothstein hat in den Sechzigern drei berühmte Romane veröffentlicht, seither aber nichts mehr. Morris Bellamy, ein psychopathischer Verehrer, ermordet den Autor aus Wut über dessen »Verrat«. Seine Beute besteht aus einer großen Menge Geld und einer wahren Fundgrube an Notizbüchern, die auch unveröffentlichte Romane enthalten. Bellamy vergräbt vorerst alles – und wandert dummerweise für ein völlig anderes Verbrechen in den Knast. Jahre später stößt der Junge Peter Saubers auf den »Schatz«. Nach seiner Haftentlassung kommt Bellamy dem ahnungslosen Peter auf die Spur und macht Jagd auf ihn. Kann Bill Hodges, den wir als Detective a. D. aus Mr. Mercedes kennen, den Wahnsinnigen stoppen?

Der Wolf und das Lamm

In Kings jüngstem Roman ist der pensionierte Detective Bill Hodges zurück, um sich einem neuen Gegner zu stellen. Morris Bellamy ist ein fanatischer Fan der Buchreihe um Jimmy Gold, die in den Sechzigern von Autor John Rothstein veröffentlicht wurde. Im zarten Alter von dreiundzwanzig sucht er den Autor auf, um ihn für den Verrat an seiner Romanfigur zur Rede zu stellen. Bellamy ist intelligent, wie engstirnig. Seiner Meinung nach ist es dem Autor Rothstein trotz seines Alters nicht gestattet mit dem Schreiben aufzuhören und sein Talent zu verschwenden, in einem Gefecht mit ihm, tötet er den Autor. Danach stiehlt er seine Notizbücher, die von nun an sein wertvollster Schatz werden. Als Bellamy wegen eines anderen Verbrechens ins Gefängnis kommt, sind die Notizbücher vorerst nicht mehr in seiner Reichweite. Das dies Bellamy halb wahnsinnig macht, noch wahnsinniger als er zuvor schon war, ist nur eine Frage der Zeit. Morris’ Charakter ist fabelhaft. King schreibt mit ihm einen Mann, der durch seine Vergangenheit und dem dadurch hervorgehenden Fanatismus, ein uneinsichtiger, engstirniger Junge bleibt. Durch wiederholte Monologe des Antagonisten blickt man sehr schnell tief in Morris hinein und in das, was von ihm übrig ist. Der sonst eigentlich sehr intelligente Mann, der ein Talent zum Schreiben besitzt, ist so versessen auf die Romanfigur des Jimmy Gold, auch, weil es der einzige war, mit dem sich Morris in seiner Kindheit identifizieren konnte, dass er für eine Fortsetzung der Bücher alles tut. Verglichen mit Brady Hartsfield aus Mr. Mercedes (Band 1 der Bill Hodges Trilogie) ist Morris’ Mordlust nicht auf die reine Lust nach dem Töten beschränkt. Für ihn ist es mehr ein Mittel zum Zweck, was eine ganz eigene Art Psychopath aus ihm macht.

Entgegengesetzt dazu und Protagonist, ist in diesem Band nicht Bill Hodges, sondern Pete. Peter Saubers ist gerade mal dreizehn Jahre jung, als er auf die vergrabenen Notizbücher von John Rothstein stößt. Der gütige und liebevolle Junge ist Morris’ komplettes Gegenteil. Als er jedoch Bellamys Schatz findet, beginnt auch in ihm das Interesse an Jimmy Gold zu wachsen. So unterschiedlich sich Protagonist und Antagonist sind, so ähnlich sind sie sich auch. Das Interesse am Schreiben und der Literatur ist ein Faden, der die beiden verbindet, jedoch nicht der einzige. Petes charakterliche Entwicklung, die in Finderlohn über mehrere Jahre geht, ist bemerkenswert. Er entwickelt sich, beeinflusst durch die gefundenen Notizbücher, zu einer ganz eigenen Art Siebzehnjähriger. Die Verbindung, die sich langsam zwischen Morris und Pete aufbaut ist gut umgesetzt, wenn auch eher unter der Oberfläche erkennbar. Petes kleine Schwester Tina, ist in Finderlohn ebenfalls ein zentraler Punkt, der auf Petes Charakter Einfluss nimmt. Ihre geschwisterliche Entwicklung ist ein schöner Teil des Romans.

Der eigentliche Protagonist der Trilogie, Bill Hodges, wirkt in Finderlohn fast wie ein Nebencharakter. Meiner Meinung nach hat Stephen King damit genau das Richtige getan. Nach einer zweihundert-seitigen Vorgeschichte, tritt Bill das erste Mal auf und dieses Mal nicht im Mittelpunkt des Geschehens. Dadurch nimmt er in Finderlohn die klare Position eines Ermittlers ein und ist nicht wie in Mr. Mercedes direkt involviert. Durch seine Unwissenheit dem Geschehen um Morris und Pete gegenüber, steigt die Spannung stark an.

Bill Hodges’ Universe

King ist bei seinen Fans dafür bekannt, dass er innerhalb seiner Bücher viele Parallelen entstehen lässt. So sind seine Bücher nicht voneinander zu trennen, sondern ergeben im Gesamten ein großes Universum. Die Bill Hodges Trilogie ist da etwas anders. In der Geschichte um den pensionierten Detective gibt es wenig Parallelen zu anderen Werken und wenn, dann nur durch Erzählungen anderer Charaktere über einen Film oder ein Buch und nicht als direktes Geschehen in der Welt. Die Trilogie formt ihr ganz eigenes, kleines Universum, was erst in Finderlohn wirklich klar wird. King schlägt in Finderlohn so viele Verbindungen zu Mr. Mercedes, dass es dem Leser Gänsehaut verschafft. Mit der Erwartungshaltung, jedes Buch behandelt einfach nur seinen eigenen Fall, befindet sich der Leser auf dem Holzweg. King verflechtet die Charaktere beider Bücher großartig und bringt viele Gesichter und Schauplätze aus Mr. Mercedes zurück. Auch die Entwicklung der Charaktere, die der Leser bereits aus der vorangegangenen Geschichte kennt, hört in Finderlohn nicht auf.

“Scheiß auf den Scheiß.”

Wie in jedem seiner Romane, brilliert King mit einem fantastischen Schreibstil, den er je nach Charakter wechselt und anpasst, damit die Charaktere authentisch wirken. Düster, verdreht und auch humorvoll erzählt er die Geschichte eines kranken Fanatikers. Durch sich wiederholende Sprüche und Runninggags bringt er den Leser oft in die Verlegenheit, in unpassenden Momenten zu lachen und fiese Charaktere sympathisch zu finden. Auch eine stetige Wiederholung von inneren Gedanken der Charaktere ist großartig. Dadurch festigt er die Charaktere und gibt Einblicke in ihr Gefühlsleben.

Erscheinung

King_SFinderlohn_161941-187x300  Buchrezension: Finderlohn (Stephen King, Bill Hodges Trilogie, #2)Wie auch der erste Band der Bill Hodges Trilogie, ist Finderlohn beim Heyne < Verlag als Hardcover mit Schutzumschlag erwerbbar. Hier auch ein hochwertiger Schutzumschlag mit fühlbaren Hervorhebungen, die schön verarbeitet sind.

Erneut ein kreatives Cover, welches sehr gut zum Inhalt des Buches passt, wenn auch nicht ganz so kreativ wie das erste Cover des Vorgängers Mr. Mercedes.

Nachdem Finderlohn erschienen ist, hat auch Mr. Mercedes in einer Neuauflage ein neues Cover bekommen, das farblich, sowie illustrativ zu Finderlohn passt.

Ohne Schutzumschlag ist Finderlohn ein hochwertig gebundenes schwarzes Buch. Auf dem Buchrücken lässt sich im gleichen Stil der anderen Bücher im Taschenbuchformat von Heyne < Stephen Kings Name und Titel des Buches in weiß eingelassener Schrift finden.

Fazit

Finderlohn ist ein sehr progressiver Roman. Der zweite Teil der Trilogie ist ebenfalls nicht mit dem typischen King des Horrors zu vergleichen und in jedem Fall “nur” ein Krimi-Thriller. Tolle Charaktere, spannende, kurze Kapitel und eine interessante Story über die Liebe zur Literatur fesseln den Leser an das 544 Seiten lange Buch. Wir sind gespannt, wie es im finalen Buch um den pensionierten Detective weitergehen wird; und wer das Buch beendet hat, hat sicher schon eine kleine Vorahnung: “Klack”

8

Sehr gut

Game Design-Studentin, Teetrinkerin, Leseratte, Serienjunkie, Filmliebhaber, Videospielenthusiast.

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