Bloodborne im Test

PlayStation 4
Jetzt Kaufen

 

Was ist Bloodborne? Nun, meiner Meinung nach lässt sich Bloodborne am ehesten mit einer atemberaubend schönen Frau vergleichen, einer von der intelligenten/witzigen/perfekten Art und Weise, in die ihr euch auf den ersten Blick verlieben könntet. Die herrliche Dame hat nur einen kleinen Haken: Sie lässt jeden der sie erobern möchte gnadenlos auflaufen und somit wahrscheinlich auch euch. Fragt ihr sie also nach einem romantischen Date, lacht sie euch sowohl charmant als auch eiskalt ins Gesicht und tritt euch mit aller Kraft ins Gemächt. Und solltet ihr so naiv sein nicht aufzugeben tut sie das nicht nur einmal, sondern hunderte Male. Solange bis ihr euch nur noch O-beinig fortbewegen könnt und jeglicher Kinderwunsch zerstört sein dürfte.

Aber seid ihr hart(näckig) genug sagt sie nach dem 116. Tritt in eure Kronjuwelen, ja – was dann nicht einfach nur eine schnöde Verabredung zum Abendessen bedeutet, nein…ihr fühlt euch in dem Moment ungefähr so als würdet ihr von Obama und Putin auf der Internationalen Raumstation zum Herrscher der Welt gekürt werden, während sie euch gleichzeitig die Schuhe putzen und ihr gesamtes Vermögen auf euch überschreiben. Und ja ihr seid natürlich auch noch mit einer traumhaft schönen Frau zum Abendessen verabredet – obwohl ihr möglicherweise zum Dessert nicht mehr in der Lage seid. Das ist Bloodborne für mich. Ihr fragt euch wie ich darauf komme? Dann lest mal weiter.

Game of Souls

Bloodborne ist ein Biest von einem Spiel und muss sich vor seinen Stiefgeschwistern der Souls-Reihe in Sachen Härte nicht verstecken. Und das nicht nur, weil ein Durchlauf an sich sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Allein die drei Startgebiete kosten weniger geübte Spieler mit zig Neuversuchen locker sechs bis sieben Stunden. Doch darüber hinaus erfordert es auch viel Zeit und Mühe, die Monsterhatz in ihrer Komplexität voll zu erfassen. Das gilt besonders für die erzählte Geschichte, die auf den ersten Blick kaum zu begreifen ist.

Bloodborne-ss09_1402364363  Review

Klar, die Ausgangssituation ist noch relativ leicht zu umschreiben: Eure Spielfigur leidet an einer mysteriösen Krankheit und macht sich auf den Weg in die Großstadt Yharnam, weil es dort ein Heilmittel geben soll. Allerdings stellt ihr vor Ort zu eurem Leidwesen fest, dass fast die gesamte Bevölkerung von eben dieser Krankheit dahingerafft wurde. Ihr selbst findet euch festgebunden an einem Tisch inmitten einer heruntergekommenen Apotheke wieder, wo martialische Experimente an euch durchgeführt werden, bis ihr schließlich in das Gruselkabinett Namens Yharnam entlassen werdet – als Jäger von Monstern.

Und wer hätte das gedacht, ihr habt noch nicht einmal ganz das Startgebäude verlassen, da werdet ihr schon von einem Werwolf in Stücke gerissen – typisch Souls-Serie: Bis zum ersten Tod vergeht also kaum eine Minute Spielzeit. Euer Dahinscheiden ist aber ausnahmsweise Teil der Story. Ihr erwacht in einer Traumwelt, die fortan als Rückzugspunkt für euer Abenteuer fungiert (ähnlich wie der Feuerbandschrein im ersten Dark Souls) und gleichzeitig eines der wichtigsten Kernelemente der intelligent erzählten Geschichte darstellt.

Denn ganz nach alter Souls-Manier erlebt ihr in Bloodborne keine cineastisch dargestellte Rahmenhandlung die euch an der Hand nimmt und euch durch das Spiel begleitet. Nein, ihr erlebt die Geschichte genau so wie sie eure Spielfigur erlebt, seht die Welt mit seinen Augen und habt euch eure Meinungen aufgrund von Dialogfetzen und Gegenstandsbeschreibungen selbst zu bilden.

So trefft ihr zum Beispiel erst nach zwei Stunden einen alten Rollstuhlfahrer, der euch euer “Schicksal” als Jäger erklärt – er fasst sich am Ende kurz und sagt: “Macht Euch nicht so einen Kopf über die Hintergründe. Geht raus und tötet ein paar Bestien.” Klingt doch recht einfach oder? Nun…nur so ein kleiner Tipp von mir am Rande: Glaubt nicht alles was man euch rund um Yharnam erzählt.

Bloodborne-ss06_1402364358  Review

Zwar gibt es anders als in den Souls-Spielen keine komplexe Mythologie im Hintergrund, aber das gleicht die Geschichte mit einem guten Schuss Horror und Mystery aus. Im Gesamtbild wirkt das nicht weniger rund, ganz im Gegenteil: From Software erschafft mit dem viktorianischen Yharnam eine untote Stadt, die mich direkt in ihren Bann geschlagen hat.

Anders als in der Welt von Dark Souls kann man sich hier das Leben und Treiben vor der Pestkatastrophe wirklich gut vorstellen; das macht die wenigen Figuren greifbarer, das Leid nachvollziehbar. Wenn ihr in den Anfangsgebieten einem Überlebenden begegnet, der uns von seinem Turm aus mit einem dampfbetriebenen Maschinengewehr beharkt, dann versteht ihr, dass er verzweifelt ist und das aus Selbstschutz tut.

Aber warum hassen die patrouillierenden Bewohner in den Straßen Yharnams unseren Anblick, beleidigen uns als Wurzel allen Übels, jagen uns mit Mistgabeln und Macheten? Warum sehen die kauzigen Herrschaften ebenfalls aus wie entstellte Ungetüme? Oder sehen sie vielleicht nur für euch so aus? Man kann sich nie sicher sein: Wer ist jetzt das Monster? Wer hat das Recht, wen zu töten? From Software bezieht den Spieler auf spannende Weise in die Geschichte mit ein – indem ihm überlassen bleibt, was davon er erleben und wie er es interpretieren will. Der erste großartige Aspekt unserer wunderschönen Frau Bloodborne.

Lachend in die Kreissäge laufen

Wie schon bereits erwähnt erweißt sich ein außerordentlich ausgeprägtes Gewaltpotential als einer der herausstechensten Aspekte unserer holden Maid. Denn Bloodborne weiß euch, wie schon seine indirekten Vorgänger des Souls-Universums, zu peinigen und dabei scheint es auch noch unverschämt viel Spaß zu haben – sei es ein gut platzierter Hinterhalt einer mörderischen Einwohnergruppe oder ein funkelnder Schatz der von weitaus mehr als einem Hobbit verteidigt wird. Der Adrenalinspiegel in eurem Blut wird zu keinem Zeitpunkt dem Normalzustand entgegen gehen und euer Herz wird euch das ein oder andere Mal um die Ohren schlagen.

Bloodborne-G_tP  Review

Woher diese Anspannung kommen soll? Nun, im Gegensatz zu anderen zeitgenössischen AAA-Titeln ist euer Videospieltod in Bloodborne nicht einfach nur aus Nächstenliebe zu eurem Charakter zu bedauern: Sterbt ihr, verliert ihr eure gesamten Blutechos, die Währung die euch schicke Items, Waffen und Level Aufstiege bescheren kann, und ihr habt nur noch einen einzigen Versuch die Pfütze eures letzten Körper und damit die verlorenen Echos wieder zu finden. Sterbt ihr bei dem Versuch erneut, dann startet ihr wieder bei Null. Und seid ihr mal einen Augenblick so naiv zu glauben ihr hättet die Situation im Griff und die Echos wieder so gut wie in der Tasche, dann werdet ihr womöglich von einem riesenhaften Henkersmann halbiert, dem ihr an der nächste Ecke geradewegs in die Axt lauft. Ich fasse mich kurz: Erwartet Gevatter Tod an jeder Ecke, erwartet dass ihr viele viele Blutechos abgeknöpft bekommt und ihr könnt nicht mehr enttäuscht werden. Angefangen bei den Bewohnern von Yharnam, Werwölfen, Ogern, Killerschweinen und giftigen Schlangenwollknäulen und aufgehört bei durchgeknallten Jägerkollegen – es gibt nur wenig Leben in Bloodborne, dass euch eures nicht nehmen möchte.

Von den eigentlichen Endgegnern aka Nussknackern ganz zu schweigen. Egal ob klein oder monströs, allein oder mit Unterstützung, jeder Boss wird euch alles abverlangen – ein besonders gnädiges Exemplar konnte mit mir sagenhafte 26 mal den Boden wischen! Ich möchte aus Spoilergründen keine Namen nennen aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sein Behinderten-Ausweis gefälscht ist. Und so masochistisch das klingt empfinde ich den teilweise enormen Schwierigkeitsgrad der Endgegner als angenehm, insbesondere aus dem Grund, dass sich die Probleme im Kampf nicht aus einer abnormal großen Lebensleiste oder unfairen Aktionen ergeben sondern aus dem intelligent (folternd) gestalteten Handeln der Bosse, welches den schmalen Grad zwischen unmöglich und möglich meistert. Sprich, es gibt immer einen Weg zum Sieg, ihr müsst ihn nur finden, selbst wenn dafür 26 Versuche notwendig sind bis ihr es schafft.

Bloodborne-Download  Review

Vielleicht fragt ihr euch jetzt warum zum Teufel ihr euch so etwas antun solltet? Die Antwort darauf ist ganz einfach: Nachdem ich beim 27. Versuch meinen Peiniger niedergestreckt hatte bin ich jubelnd vom Sofa gesprungen und hatte für die nächsten Spielstunden ein breites Grinsen auf dem Gesicht! Bei den Rollcredits war ich ernsthaft stolz auf mich und bin es auch jetzt noch. Jeder Erfolg fühlt sich echt an und weckt das Verlangen nach mehr.

Ich gebe euch Brief und Siegel darauf, dass Bloodborne euch zwar einerseits in den Wahnsinn treiben wird, aber euch anderseits mit den großartigsten Erfolgsgefühlen belohnen wird die die moderne Videospiellandschaft zu bieten hat. Ihr müsst nur durchhalten und euch in dem Arsch treten lassen, aber ihr werdet es nicht bereuen.

Angriff ist die beste Verteidigung

Wo ich euch also gerade über den enormen Schwierigkeitsgrad von Bloodborne augeklärt habe muss ich euch noch eine weitere unbequeme Wahrheit offenbaren: In Bloodborne habt ihr keine Möglichkeit euch zu verteidigen. Wer sich also einen schönen schweren Eichenschild zum verkriechen erträumt hatte wird leider enttäuscht. Die Kämpfe in Yharnam werden getreu dem Motto “draufhauen oder weglaufen” geführt. Alles was euch dafür zur Verfügung steht ist eure Hauptwaffe (dazu später mehr) in der rechten Hand und eine Schusswaffe in der Linken. Dazu kommen noch ein paar akrobatischer Ausweichrollen und Ausfallschritte – fertig ist die Kampfausrüstung.

Was uns zu dem Glanz – und Herzstück von Bloodborne bringt: Dem Kampfsystem. Das kann sich nämlich, aller Bescheidenheit zum Trotz, als eines der Besten im Rollenspiel-Genre betiteln. Dabei erscheint es auf dem Papier “recht” simpel: Als Aktionen stehen euch ein schwerer und ein leichter Schlag mit eurer Hauptwaffe zur Verfügung, die sich in diversen Kombos verknüpfen lassen. Hinzu kommt noch eure Schusswaffe dessen Schuss, wenn richtig getimed, eine gegnerische Attacke unterbrechen kann und euch Raum für einen Konter liefert.

Als Verteidigungsoptionen stehen euch zwei Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung und je nach Charakterbuild lassen sich auch noch magische Vorteile ins Kampfgeschehen einbauen. Jede dieser Aktionen kostet euch Ausdauer, sodass ihr nicht blind Buttons smashen könnt. Jeder eingesteckte Treffer kostet euch Lebensenergie, die sich nur mit (massig zu findenden) Items oder mit einer schnell ausgeführten Anzahl an Schlägen auf den Gegner, der euch gerade den Schaden zugefügt hat, zurückgewinnen lässt. Gegner könnt ihr allgemein mit dem rechten Stick anpeilen oder per Autolock sogar fest ins Visier nehmen, sofern die zickige Kamera mitspielt. Eigentlich simpel oder?

Bloodborne__18_-pc-games-1  Review

Nicht ganz, das Spiel bietet im eigentlichen Geschehen Möglichkeiten die noch weiter ins Detail gehen. So besitzt jede einzelne der Waffen, die ihr findet und benutzt, zwei Gesichter. Die Axt als Beispiel steht im normalen Zustand für schnelle wuchtige Schläge auf kurzer Distanz und lässt sich mit einer Hand nutzen, soll heißen eure Schusswaffe bleibt verfügbar. Transformiert ihr eure Axt gewinnt ihr eine Menge Reichweite und eure Schläge werden noch wuchtiger, dafür sind diese auch langsamer, ganz zu schweigen davon, dass ihr eure Knarre wegstrecken müsst, da ihr die Axt mit beiden Händen führt. Damit sollte für jeden Geschmack der richtige blutdurstige Gefährte dabei sein – Schwere Hammer, leichte Peitschen, rasiermesserscharfe Sensen, vergiftete Katanas, riesige Schwerter, alles was das Herz eines Jägers begehren kann.

Und vergesst mir nicht die Schusswaffen! Diese dienen nicht nur als Pariermöglichkeit, sondern können auch eine Menge Schaden austeilen – Bloodborne bietet neben handelsüblichen Pistolen und Schrotflinten, auch Flammenwerfer und Schiffskanonen. Interessant hierbei ist, dass zwar jede Waffe den gleichen und einzigen Munitionstyp im Spiel nutzt…allerdings auf unterschiedliche Weise: Ein Schuss mit der Pistole entspricht einer Patrone wohingegen euch der Schuss mit der Kanone gleich zehn Stück kostet. Das mit der Tatsache kombiniert, dass ihr nur um die 20 Schuss mit euch führen könnt, verleiht dem Ganzen eine gewisse taktische Tiefe.

bloodborne  Review

Ihr seht, Bloodborne liefert euch alles, was ihr benötigt um es mit einem Pfeifen auf dem Lippen zu meistern, in Form eines fantastischen Kampfsystems und einem bunten Waffenarsenal – wenn ihr damit umzugehen versteht. Und wie ihr vielleicht oben schon gemerkt habt, braucht ihr auf keine geduldige Nachhilfe hoffen bis ihr soweit seid. Den Bogen zu unserer aufreizenden Bloodborne Metapher mag ich an dieser Stelle nicht spannen, da müsst ihr euch schon selbst Gedanken machen.

Stille Wasser sind tief

Waffen, Knarren, Zauber, Ausdauer und Lebensenergie. Wie überall auf der Welt wird euch auch im fiktiven Yharnam nichts geschenkt – ihr müsst euch alles verdienen. Dank der universell einsetzbaren Währung der Blutechos, die ihr, sofern ihr sie nicht verliert, für jeden besiegten Gegner erhaltet, seid ihr in der Lage zu Leveln, um euren Charakter den menschenfeindlichen Umständen anzupassen, ihr könnt Waffen und Rüstungen kaufen und natürlich auch alles mögliche an Hilfsmitteln erstehen alá Gegengifte oder Molotov Cocktails. Was die Möglichkeiten zum Charakteraufstieg angeht stehen zunächst die üblichen Verdächtigen Vitalität und Ausdauer zur Auswahl, ihr könnt aber auch in Stärke, Fertigkeit, Arkan und Blutfärbung investieren.

Stärke und Fertigkeit entscheiden hierbei welcher Art von Waffen ihr euch verschreibt: Wählt ihr Stärke entscheidet ihr euch für die schweren und langsamen Fleischklopfer des Waffenarsenals, Fertigkeit steht für die flinken Schlitzer. Benutzt ihr Waffen entsprechend eurer Ausrichtung erhalten diese Schadensboni. Arkan und Blutfärbung verkörpern die Magie in Bloodborne und werden daher benötigt um eurem Charakter einem kleinen Vorteil gegenüber dem Normalsterblichen zu verschaffen.

Bloodborne-G_bQ_Do5BW  Review

Aber nicht nur euer Jäger lässt sich aufpumpen, sondern auch eure Waffen könnt ihr im Hub des Spiels, dem Hunters Dream, verbessern. Zunächst einmal könnt ihr eure Lieblinge auf handelsübliche Art und Weise mit bestimmten Upgradematerialien auf Stufe 10 befördern um mehr austeilen zu können. Reicht nicht? Dann verpasst eurer Dornenpeitsche doch einfach mal Giftschaden oder lasst euren Schwert-Hammer ein feuriges Inferno veranstalten. Blutsteine machen es möglich – diese findet ihr mit einer Vielzahl an Effekten in ganz Yharnam verteilt und jede Waffe könnt ihr mit bis zu drei dieser herrlichen Dinger bestücken. Sogar eure Handfeuerwaffem könnt ihr auf diese Weise noch tödlicher machen!

Souls-Veteranen fragen sich jetzt sicherlich, wo die Ringe vergangener Tage geblieben sind oder? Keine Sorge, zwar darf sich euer Jägerlein nicht mehr mit Ringen schmücken, bekommt aber dafür Runen um ein wenig mehr aus sich herauszuholen. Ihr wollt mehr Heilitems oder Munition tragen, mehr Lebensenergie oder Ausdauer, mehr einstecken können, mehr Blutechos finden? Für all das gibt es Runen zu finden und ganze drei dürft ihr gleichzeitig auswählen. Ihr seht, ganz umgerüstet braucht ihr nicht in die Schlacht zu ziehen, ihr dürft euch für unsere schöne Herausforderung durchaus herausputzen um ihr zu imponieren – außer jedoch ihr seid verrückt und zieht nackt in die Schlacht.

Schaurig schön

Ständig rede ich hier von einer Schönheit, die euer Gemächt zertrümmert, habe allerdings noch kein Wort über die optischen Qualitäten von Bloodborne verloren – kann bei all dem emotionalen Stress, der Todesangst und den Schmerzen schon einmal aus dem Fokus geraten. Nichtsdestotrotz bekommt ihr mit Bloodborne einen unglaublich atmosphärischen und schönen Exklusivtitel für eure Playstation 4 geboten. Liebe zum Detail und intelligentes Leveldesign werden in Yharnam groß geschrieben und machen es möglich euch in eine wunderbar gestaltete Welt fallen zu lassen, die euch fesselt, die Haare zu Berge steigen lässt und fasziniert. Entfernungen fühlen sich authentisch an, die Stadt wirkt organisch und selbst die abgefahrenen Orte jenseits des urbanen Yharnam machen Sinn. Und Leute, dieser Himmel bzw. der Mond haut mich jedes Mal wieder um.

Was das Leveldesign angeht spürt man schon nach den ersten Stunden, dass Mijazaki endlich wieder die Zügel in der Hand hatte. Egal wie weit der Weg zu einem Endgegner euch im ersten Moment erscheint, es gibt immer die ein oder andere Möglichkeit clever abzukürzen. Keine Leiter führt ins nichts, kein einziger Pfad wirkt generisch, aller fühlt sich an wie aus einem Guss – eine Schönheit eben. Nur leider eine, die nicht immer ganz so flüssig läuft. Die moderaten 30 fps gehen bei Gegneransammlungen oder riesenhaften Bossen so manches Mal unter die Gürtellinie und lassen die sonst so makellose Fassade bröckeln. Nicht zu vergessen sind die Ladezeiten die, wenn auch mittlerweile stark verkürzt, kaum zu ertragen sind. Und das bei einem Spiel, dass euch regelmäßig auf die Bretter und damit zurück zur Wartezeit schickt. Als wäre die Frustgrenze schon nicht strapaziert genug.

bloodbronee  Review

Überraschenderweise konnte Bloodborne mich zum Teil als Horror-Erfahrung überzeugen. In einem besonderen Teil der Stadt, einem düsteren Gefängnis, haben mir die Kombination aus einem unheimlichen Männerchor, kehlenaufschlitzender Hexen und riesenhafter Wärter bewaffnet mit einem Sack Leichenteile, eine höllische Angst eingejagt – Höchstgeschwindigkeit meines Jägers vielleicht ein Meter in der Minute. Und glaubt mir…das gilt nur als Beispiel und ist nicht allein in der Bremsspurabteilung Bloodbornes. Yharnam konnte mich insgesamt weitaus mehr schocken als viele der Spiele die sich “Horror” auf ihre Fahnen schreiben.

Kein Ende in Sicht

Sind einem 40 Stunden Tortur inklusive einiger optionaler Areale noch nicht genug endet Bloodborne noch lange nicht mit einer der drei Endsequenzen. Zum Einen liegt es euch jeder Zeit frei euch im PvP mit anderen Jägern zu messen, zum Anderen könntet ihr auch anderen geplagten Seelen bei den besonders harten Bossen unter die Arme greifen und diese im Koop legen. Aber das Zauberwort für stundenlangen Spiels abseits der Hauptstory lautet “Chalice Dungeon”.

Wenn ihr den ersten Kelch nach einem Bosskampf in Alt-Yharnam erbeutet, könnt ihr im Hauptquartier das erste von vielen zufallsgenerierten Dungeons an einem Grab öffnen. Diese Verliese sind mehrere Ebenen tief und locken mit spezieller Beute wie besonderen Experten-Blutsteinen zur Aufrüstung der Waffe, wenn man den Boss der Etage besiegt.

Bloodborne-ss12_1402364367  Review

Allerdings muss man auf dem Weg dorthin nicht nur viel Kroppzeug weghauen, sondern auch Gitter über Hebel öffnen oder fiesen Fallen ausweichen – wie z.B. von der Decke schwingende Klingen oder Bodenplatten, die für geifernde Verstärkung sorgen. Es kann auch sein, dass plötzlich Bestien aus Dimensionslöchern fallen oder dass man wahnsinnig wird. Schön ist auch, dass es immer einen Zwischenboss vor dem Finale gibt. Hier inszeniert From Software in kleinen individuellen Labyrinthen sehr kompakte Herausforderungen. Und: Ihr könnt sie auch mit Freunden teilen und gemeinsam online durchqueren!

Fazit

So, ich hoffe ihr habt jetzt ein Bild meiner verzückenden Kieferbrecherin. Ich habe versucht mich so unparteiisch wie möglich an diesen Test zu setzen und mich immer wieder dabei ertappt verzweifelt nach Fehlern zu suchen nur um nicht als Souls-Fanboy dazustehen. Und ja…die Kamera kann einem so manches Mal in den Wahnsinn treiben, ja…die Ladezeiten waren eine Zumutung und sind jetzt immernoch nicht ohne, ja…die Framerate kann mal in die Knie gehen, bla bla bla.. das hier ist mein Fazit, hier kann ich schreiben was ich will und ich finde Bloodborne phänomenal! Unfassbare Atmosphäre, tolle Optik, spannende Geschichte voller Wendungen und Nervenkitzel pur für 50+ Stunden. In der Zeit in der Tripel A Titel ihre Spieler bei der Hand nehmen und durch einen Film führen lässt mich Bloodborne Blut schwitzen und ich finde es geil. Das ist mal wieder ein Spiel, dass einen nicht bemuttert oder tröstet wenn ihr euch den Zeh stoßt. Hier bekommt ihr erst etwas wenn ihr es euch erarbeitet habt – aber nur so kann man auch richtig Stolz drauf sein.

Daher kann ich vollkommen parteiisch nur jedem empfehlen über seinen Schatten zu springen und sich selbst einem Gefallen zu tun. Lasst euch mal so richtig die Fresse polieren. Wofür habt ihr euch sonst eine Playstation 4 gekauft?!

Good

  • anspruchsvolles Action-Rollenspiel
  • offene Charakterentwicklung
  • fragmentiertes Storytelling regt Fantasie an
  • NPC mit eigenen Zielen & mehrstufigen Quests
  • NPC bewegen sich, reagieren später anders
  • kleine Entscheidungen mit Konsequenzen
  • grandiose, schaurig schöne Kulisse
  • hervorragendes Art- und Figurendesign
  • abwechslungsreiche, toll inszenierte Bosskämpfe
  • sehr fair gesetzte Teleportpunkte
  • intelligentes Leveldesign
  • cooles Konter- & Finishersystem
  • taktische Kämpfe mit Hieb- & Schusswaffen
  • Monster und Bosse fressen Blutechos
  • Zufallsdungeons mit Fallen und Bossen; auch online
  • Online-Multiplayer kooperativ und kompetitiv
  • kein Freischaltgedöns, kein Blinken, keine Questziele
  • komfortable Lagerfunktion mit Auffüllautomatismus
  • New Game Plus

Bad

  • lange Ladezeiten
  • sporadische Bildratenprobleme
  • kleine Physikdefizite: Waffen & Monster durch Hindernisse
  • die Kamera
10

Meisterhaft

Studierender Gamer und Kinogänger. Zu finden auf Playstation 4 und Nintendo Handhelds, meistens beim Rollenspielen.

Leave a Reply

Your email address will not be published.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Lost Password