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Battlefield 1 – Wo bleibt die Belohnung beim Belohnungssystem?

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Progression – das erwartet der gediegene Spieler heutzutage. Dahingegen dümpelt Battlefield 1 bei seinen Belohnungen vor sich hin. Woran liegt das?

„Alles wird besser mit Looten und Leveln!“ Dieser Gedanke muss findige Shooterentwickler in den frühen 2000ern umgetrieben haben, als sie die boomenden MMORPGs betrachteten. Diese Idee hat sich seitdem tief im Entwickler- und Spielerverstand festgesetzt. Davon blieb Battlefield ebenso wenig verschont. Nur bei der Umsetzung für Multiplayershooter mussten die Entwickler etwas umdenken: Wake Island direkt mit Schatztruhen vollzustellen, hätte dann doch den Spielfluss geringfügig unterbrochen. Anstatt also Loot direkt aus Truhen oder von Gegnerleichen in der Spielewelt aufzuklauben, drückt Battlefield euch seine Belohnungen als Einblendungen auf dem Schlachtfeld, in den Ladescreens oder am End-of-Round-Screen in die Hand. Sie sind also in gewisser Weise vom eigentlichen Spielfluss getrennt. Unglücklicherweise ist das Belohnungssystem des aktuellen Battlefields quasi kaputt. Ich sage quasi kaputt, weil es an sich funktioniert, aber nicht immer und der Belohnungsfaktor etwas zu kurz kommt. In Zeiten, in denen wir Spieler und Spielerinnen eher Belohnungssysteme als Videospiele spielen, erntet Battlefield 1 dafür deutliche Kritik. Das rangiert dann von „Irgendwie ist die Luft raus“ bis hin zu „Battlefield 1 ist einfach scheußlich langweilig“.

Insgesamt gründet dieses „quasi kaputt“ auf mehreren Teilproblemen. Erst einmal die guten Nachrichten:  Dice hat nicht vollständig bei der Progression versagt. Die Service Stars für die Waffen, das Sammeln von Dogtags und das gesamte Punktesystem funktionieren hervorragend. Apropro ist euch dieser Zusatzsound aufgefallen, wenn ihr einen Gegner tötet? Ich könnte wetten, dass dieses befriedigende Pling-Pling der Ideenküche irgendeines Marketing-Psychologen entstammt. Außerdem taugen die Battlepacks zum ersten Mal in der Franchisehistorie etwas – meinen Glückwunsch. Zum Ausgleich schüttet das Spiel diese auf Basis irgendeines pseudo-zufälligen Hokuspokus aus. Wodurch es für die Spieler völlig unklar bleibt, ob oder wie sie deren Dropchance beeinflussen können. Heruntergebrochen wollen wir Spieler für unser Spielen belohnt werden. Auf die Gnade eines Zufallsgenerators am Ende eines Matches zu hoffen, dem es gleich ist, ob man das ganze Match in der Nase gebohrt hat oder an der Spitze des Scoreboards stand, entspricht da nicht ganz dieser Erwartungshaltung. Weiterhin taugt das Medaillensystem von Battlefield 1 in der Praxis nichts. Es mag auf dem Papier eine fixe Idee gewesen sein, aber die Spieler finden es scheußlich, auch wenn es inzwischen halbwegs funktioniert. Sich immer nur auf eine Medaille fokussieren  und mitunter Medaillenrotationen abwarten zu müssen, um bestimmte erspielen zu dürfen, lässt sie zu nervtötender Arbeit ausarten. Zu lösen wäre dies, indem die Spieler jeder Zeit Fortschritt für alle Medaillen sammeln könnten. Um dies umzusetzen, müsste Dice nur die sich überschneidenden Medaillen umändern, einen eifrigen Programmierer darauf ansetzen und das Problem wäre gelöst.

Wo sind eigentlich die Anstecknadeln hin? Anstecknadeln (oder Ribbons) waren in Bad Company 2, Battlefield 3, Battlefield 4 und Battlefield Hardline (also in wirklich allen modernen Battlefields vor Battlefield 1) die “kleinen” Medaillen. Sie zeigten den Spielern nach jedem Match, was sie alles (zumeist) Sinnvolles vollbracht haben. So gab es eins fürs Wiederbeleben, Munitionsausteilen, Killstreaks – ihr versteht schon worauf ich hinaus will. Nach so und so vielen Ribbons erhielt der Spieler darauf eine Medaille für die jeweilige Tätigkeit. Warum war das gut? Jede dieser kleinen Belohnungen gleicht einem Schulterklopfen für eine Tätigkeit. Das ist gut für unser Belohnungszentrum und damit gut für Dice. Warum dieses Feature nicht in Battlefield 1 ist? Eigentlich gibt es keinen guten Grund dafür, da die Medaillen noch da sind. Darüber hinaus wäre es schlau noch an weiteren Ideen zu arbeiten. Spieler und Spielerinnen lieben das Individualisieren ihrer Charaktere. Hier hinkt Battlefield 1 wie so oft bei solchen Ideen der Konkurrenz hinterher. Wie wäre es beispielsweise mit besonderen Helmen oder kleinen Accessoires? Quasi alles könnte hier den Sammeltrieb wecken. Einziger wichtiger Umstand wäre, dass Dice aufpassen müsste, dass die neuen Belohnungen immer noch ins Gesamtbild passen. Battalion 1944 scheint hier genau den richtigen Weg zu gehen und könnte als geeignete Quelle für etwas Inspiration dienen. Schlussendlich versagt sich Battlefield 1 auch einem elementaren Bedürfnis vieler Spieler – dem dauerhaften Leveltrieb. Während andere Shooter erkannt haben, dass es vielen nicht reicht einfach das Maxlevel zu erreichen, hält Battlefield 1 gnadenlos daran fest. Weiteres Aufleveln mit Extrabelohnungen wie in Overwatch – nope. Ein Prestigesystem wie in Call of Duty, Titanfall 2 oder Battlefield Hardline – ebenfalls Fehlanzeige. Für so manchen mag diese Idee überflüssig erscheinen, aber solche Kleinigkeiten können maßgeblich zur Motivation beitragen.

Warum ist ein gutes Belohnungssystem so wichtig? Früher ging es immerhin auch ohne diesen ganzen Blitzer-Bling-Kram! Seit die Spielestudios kollektiv damit angefangen haben, uns auf Belohnungsysteme zu trainieren, haben wir uns daran gewöhnt. Wir sehnen uns augenscheinlich bewusst oder unterbewusst nach Belohnungen in Videospielen. Zudem verlieren viele relativ schnell den Reiz an einem Spiel, wenn es ihnen an einem Ziel fehlt. Unglücklicherweise bieten klassische Multiplayershooter von Haus aus keine längerfristigen Ziele in diesem Sinne: Ein Match ist ein Match und endet mit dem Sieg der einen und der Niederlage der anderen. Nichts ist von Dauer, es zählt nur der Moment. Auf eine gewisse Weise gelang es den Spielestudios durch das Aufspringen auf den Belohnungszug also eine neue Spielergruppe – und damit eine größeres Publikum anzuziehen. Sollte Dice die Progression und das Belohnungssystem von Battlefield 1 nicht verbessern, droht dem Spiel auf Dauer ein gewisser Teil seiner Spieler abzuwandern und das wäre schlecht für alle. Am Ende lebt ein Multiplayershooter von seiner lebendigen Community, ohne sie ist er nichts. Davon kann Battleborn beispielsweise ein Lied singen.

 

Meist zu finden in Shootern, Rollenspielen oder Strategiespielen. Zudem Student der Informatik.

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