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Battlefield 1: Kommentar – Das Premium-Dilemma im Visier

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Battlefield 1 erhält einen Premium Pass – Überraschung… Was erzürnt viele Leute an dieser absehbaren Entwicklung und wie könnte man es besser machen?

Jedes neue Battlefield erhält dieser Tage einen Premium Pass. Das ist in etwa so absehbar wie der jährliche Release eines Call of Duty. Obgleich es sich bei ihm quasi um einen ganz normalen Season Pass plus ein paar Gimmicks handelt, gilt er als Sinnbild dafür, was bei Battlefields DLC-Modell alles falsch läuft. Auch die Empörung erscheint inzwischen fast einstudiert zu sein, ist sie doch bisher bei jedem Premium Pass aufgeflammt. Nachdem Overwatch und Rainbow Six Siege ihrerseits mit neuen DLC-Modellen von sich reden machten, ist die Empörung dieses Mal etwas lauter.

Das bietet der Premium Pass

Was hat dieses ominöse Premium für Battlefield 1 überhaupt zu bieten? Der neuste Ableger der altehrwürdigen Shooter-Reihe wird nach dem Release vier Erweiterungspakete erhalten. Insgesamt sollen diese 16 Karten, 20 Waffen, neue Eliteklassen, neue Fahrzeuge, die neuen Fraktionen Frankreich und das Russische Reich und optischen Spielkram umfassen. Neben diesen DLCs verspricht Premium einige Dogtags, ab November monatlich ein Battlepack mit besonderen optischen Inhalten und einen zweiwöchigen Headstart für jedes DLC. Traditionell kostet ein Erweiterungspaket für ein Battlefield seit Battlefield 3 15€, womit man beim Kauf von Premium 10€ einsparen würde, sollte man alle DLCs einzeln erwerben. Allerdings kann der Kunde natürlich nicht vorhersehen, ob die kommenden Pakete ihm auch alle zusagen. In der Vergangenheit schwankte die Qualität der unterschiedlichen DLCs etwas, womit einige Fans skeptisch geworden sein könnten.

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Rein rechnerisch bietet der Season Pass für seinen im Vergleich zu den Einzel-DLCs reduzierten Preis dennoch recht viel Inhalt. Tatsächlich kritisiert auch kaum ein Fan, dass dem nicht so wäre. Ab und an wird nur Kritik daran laut, dass Battlefield 3 und Battlefield 4 fünf DLCs statt vier erhalten haben. Das mag zwar wahr sein, aber dafür wurde der Erste bei beiden der Limited Edition beigelegt und beinhaltete nur neuaufgelegte Versionen alter Karten.

Das Dilemma – Community-Fragmentierung

Warum nun das ganze Drama, obwohl die zwar preislich höher angesetzten DLCs wahrscheinlich genug Inhalte bieten? Der Aufhänger all der Kritik ist die sogenannte Fragmentierung der Spielerbasis. Nur wer ein Battlefield-DLC besitzt, kann auch auf seinen Karten spielen – soweit so logisch. Während die Karten des Basisspiels im gesamten Lebenszyklus eines Battlefield sich reger Beliebtheit erfreuen und sich immer Server für sie finden, lösen viele DLC-Server die Karten des letzten DLC häufig mit denen des gerade erschienenen ab. Das macht Sinn, weil zumeist nicht alle Spieler alle DLCs besitzen, da sie eben auch einzeln erhältlich sind. Am Ende kann nur eine geringe Anzahl der Spieler wirklich alle Karten spielen und die eines einzelnen DLCs verrotten hinter der Paywall. Zudem werden Spieler, die sich die Gesamtsumme aller DLCs nicht leisten können, mitunter davon ausgeschlossen, mit ihren Freunden zusammenzuspielen. Das ist schade, verringert den Wert der Einzelpakete und mindert den Spielspaß. Wer Geld für Zusatzinhalte ausgibt, will auch alle wirklich auskosten können. Weiterhin tut eine Community-Spaltung einem Spiel quasi nie gut.

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Bei Rainbow Six Siege sind alle Karten kostenlos und die neuen Operator freispielbar.

Hinkende Vergleiche: „Macht es doch wie Siege oder Overwatch!“

In der heutigen Zeit muss es keine Community-Fragmentierung mehr geben. Wie man sie verhindern kann, machen Spiele wie Rainbow Six Siege und Overwatch vor, weshalb viele Fans danach rufen, diese Modelle für Battlefield 1 zu kopieren. Dabei vergessen manche, dass die Modelle nur begrenzt vergleichbar sind.

Rainbow Six Siege finanziert seine vermeintlich kostenlosen DLCs hauptsächlich durch die Verkäufe seines Season Passes, mit dem die Spieler sich des Operator-Grindings entledigen, und erwerbbare kosmetische Gegenstände. Statt 16 Karten erhält Siege in der ersten Season zudem nur fünf.

Overwatch hatte zahlenmäßig mit 12 Karten und 21 Helden zu Release relativ viel Inhalt. Dieser schrumpft Zusehens zusammen, wenn einem bewusst wird, dass diese Karten jeweils nur für einen der wenigen Modi gelten. Außerdem verfügt jeder Held nur über ein einziges Kit. Da Blizzard kostenlose Inhalte, querfinanziert durch die kaufbaren Lootboxen, versprochen hat, rettet dies Overwatch aus der kritikwürdigen Situation.

Battlefield 1 wird zu Release etwa 8-10 Karten in fünf Modi bieten. Die vier Klassen werden alle mit einer nicht bekannten Anzahl von Waffen und eigenen Gadgets ausgestattet. Dazu kommen mehrere Fraktionen, die meisten, die es jemals in einem Battlefield gab, Fahrzeuge, Eliteklassen und natürlich die Singleplayerkampagne. Abgesehen davon, dass die Inhaltsmenge zu stimmen scheint, würde Sieges Modell nicht funktionieren, da es eben keine Operator in Battlefield 1 gibt. Overwatchs Modell müsste mit noch mehr kosmetischen Boxen implementiert werden. In beiden Fällen würde Battlefield 1 am Ende auf jeden Fall weniger Inhalte erhalten, als es bei Premium der Fall ist. Damit wird klar, dass beide Modelle wegfallen. Noch etwas, das gern vergessen wird: Seit Battlefield 4 hat sich EAs DLC-Mentalität etwas geändert. Inzwischen liefern die Studios des US-Publishers kostenfreie Zusatzinhalte nach dem Release. Für Battlefield 4, Hardline und sogar Battlefront mündete dies in mehrere kostenlose Karten, Waffen und sogar Modi. Für Battlefield 1 ist für Dezember bereits eine kostenlose Karte namens Giant’s Shadow angekündigt. Mit etwas Glück wird es also fast genauso viele kostenlose Karten erhalten, wie Siege in der ersten Season bekommen wird – okay vielleicht auch ein, zwei weniger. Mindestens drei kostenlose Karten scheinen jedoch realistisch zu sein.

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Alternativ-Lösungen: Community-Fragmentierung muss doch vermeidbar sein, oder?

Alles in allem handelt es sich bei Dice nicht annähernd um das erste Studio, das sich mit Community-Fragmentierung konfrontiert sah und eine Lösung suchte. Andere außer Blizzard und Ubisoft haben sich diesem Problem auch angenommen. Zum Einen könnte man die Karten alle kostenlos verteilen, wenn man Battlefield mit massiven Mikrotransaktionen füttern würde. Doch damit wäre niemanden geholfen, denn bereits die kaufbaren Battlepacks strapazieren die Spielernerven, auch wenn sie bisher nur Items enthielten, den man sich sehr schnell freispielen kann oder gar nicht erst braucht.

Eine andere Idee erscheint vielversprechender zu sein: Wie wäre es, wenn man allen Spielern einen begrenzten Zugang zu den neuen Karten gewährt? Dieser könnte einerseits als Demo und andererseits als Fragmentierungsvermeidung fungieren. Vermarktbar wäre dieser Limited Access beispielsweise als „Rekrutenprogramm“: Wer ein DLC nicht besitzt, kann auf dessen Karten als Rekrut spielen. Allerdings müssten diese Rekruten gewisse Einschränkungen haben, da es ansonsten keinen angemessenen Anreiz mehr gäbe, die Erweiterungspakete zu kaufen, was EA finanziell schaden würde. Beispielsweise könnten Rekruten nur Zugriff auf eine sehr kleine Auswahl von Waffen haben. Außerdem müssten neue Waffen, neue Fahrzeuge und neue Eliteklassen vollkommen Tabu für sie sein. Sie dürften maximal mit in die neuen Fahrzeuge einsteigen, aber nicht mit ihnen spawnen. Alles andere könnten die Käufer der Inhalte verärgern, da sie ihren Mehrwert als gefährdet erachten könnten. Weiterhin könnten EA und Dice sie mit dem Zusatz ausstatten, dass Rekruten nur mit einem Freund zusammen auf den Karten spielen können, der das jeweilige DLC besitzt.

Mein Fazit

Alles in allem erachte ich das Premium-Modell von Battlefield 1 als obsolet. Eigentlich müssten Dice und EA langsam an einer Überarbeitung von Premium arbeiten, so dass dessen Fehler endlich aus ihm verschwinden. Allerdings sollte man sich davon verabschieden, dass alle Inhalte einfach kostenlos sein können. Ein begrenzter Zugang zu neuen Karten und Modi könnte eine mögliche Lösung sein. Nichtsdestotrotz bleibt Premium sogar in seinem jetzigen Zustand für mich noch attraktiv. Sowohl bei Battlefield 3 als auch bei Battlefield 4 hatte ich mit den DLC-Inhalten großen Spaß und werde ihn hoffentlich auch wieder bei Battlefield 1 haben.

Meist zu finden in Shootern, Rollenspielen oder Strategiespielen. Zudem Student der Informatik.

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