Bannermen Review

 

Es gehört schon einiges dazu, als Fantasy-Echtzeitstrategiespiel hervorzustechen. Bannermen von Pathos Interactive und 2tainment GmbH begleitet den Lord eines untergegangenen Reiches auf seinem Wiederaufstieg an die Spitze – und den Kampf gegen einen mächtigen Dämonenkönig.

Kampf gegen das Böse

Die Kampagne beginnt mit der großen Niederlage: Bei der Schlacht von Beckron verlor die Menschheit gegen den finsteren Dämon Karthor. Lord Berrian, einer der letzten Kriegsherren der Menschen, kann sich gerade so schwer verletzt vom Schlachtfeld retten und kommt in einem nahegelegenen Dorf unter. Nun gilt es, Leute wiederzugewinnen und das Böse aufzuhalten. Doch zunächst backt Berrian kleine Brötchen: Banditen müssen bekämpft und Wölfe erlegt werden, bevor er sich größeren Aufgaben widmen kann. Mit insgesamt 23 Missionen ist die Kampagne recht üppig und glücklicherweise variieren die Ziele: Manchmal gilt es, Verbündete zu verteidigen, einen Wagen zu eskortieren oder Portale zu schließen. Spezialfertigkeiten sind verfügbar, sobald ein Tempel auf einem Heiligen Gebiet gebaut wird. Diese sind oftmals essentiell zum Sieg, weshalb diese Tempel verteidigt werden müssen, sofern man weiter auf sie zurückgreifen will.

Oft genug trifft man allerdings auf ein anderes Problem: Zwar wird festgemacht, wie die Schlacht zu gewinnen ist, aber das Spiel macht nicht von Anfang an deutlich, was zu tun ist, damit man nicht verliert. Kleines Beispiel: In einer Mission kämpft ein verbündetes Volk an der eigenen Seite, inklusive Heldeneinheit, die nur den Stützpunkt verteidigt. Nur endet das Spiel sofort, wenn besagter Held stirbt und nirgendwo wird darauf aufmerksam gemacht. Das kann extrem ärgerlich sein, wenn es spät in der Mission passiert und man von vorne anfangen muss. Außerdem hat das Spiel zwar territoriale Abwechslung, doch allzu häufig wird eine Karte für mehrere Missionen recycelt

Trotz einigermaßen vorhandener Abwechslung bleiben die Charaktere selbst blass und uninteressant. Das mag vor allem daran liegen, dass die Cutscenes nur relativ kurz und die Sprecher nicht besonders gut sind. Eine Unterbrechung innerhalb einer Mission gab es nie. Zudem fehlen den Charakteren Aspekte, an die man sich gern erinnert, geschweige denn von einer Vorgeschichte zwischen ihnen. Charakteraufbau sieht anders aus.

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Vorbilder

Bannermen nimmt sich sehr viele Vorbilder: Die Kameraperspektive von WarCraft III, die Ästhetik stammt von Age of Empires und Kämpfe erinnern an die Schlacht um Mittelerde. In der Kampagne werden Lord Berrian nach jeder Mission Talentpunkte gegeben, die sich in seine Fähigkeiten oder seine allgemeine Wehrhaftigkeit investieren lassen. Unterschiede sind jedoch bestenfalls marginal und kaum festzustellen. Da das Spiel einem die Freiheit lässt zu entscheiden, hindert es einen nicht, direkt in die wirklich wichtigen Dinge zu investieren und sich um nichtige Talente später zu kümmern. Im Mehrspielermodus werden Helden über Altäre belebt.

Der bei weitem größte Knackpunkt von Bannermen: Es gibt nur ein spielbares Volk. Jede Mission findet im Prinzip nur zwischen Splitterfraktionen ein und desselben Volkes statt. So ist die Abwechslung am Ende doch eher Mangelware, obwohl dieses eine Volk über eine relativ große Zahl von Einheiten verfügt. Viele davon braucht man aber zu oft überhaupt nicht, es sei denn in manchen Missionen lässt sich kein Stützpunkt bauen.

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Nicht von der Grafik ablenken lassen

Immerhin ist Bannermen relativ nett anzusehen. Terrains sind ok designt, die Karten üppig an Details. Nur die Charaktermodelle wirken etwas steif. Musikalisch geht einem der Soundtrack schon nach kurzer Zeit auf den Zeiger. Nur eine Handvoll Melodien existieren überhaupt und sie wiederholen sich schnell und oft. Soundeffekte sind da etwas besser, wenn gleich einige Dinge wie Ressourcen sammeln praktisch ohne Ton ablaufen.

Neben der Kampagne gibt es gewertete und ungewertete Mehrspielerpartien sowie der übliche Geplänkelmodus. Fragt sich allerdings, wie viele Leute darauf zurückgreifen werden angesichts des einen spielbaren Volks.

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FAZIT: Zu viele Abstriche

Mit seiner seelenlosen Präsentation macht Bannermen viele Dinge zunichte, die eigentlich gelungen sind. Mir gefiel, dass die Kampagne einigermaßen Abwechslung bietet, aber heutzutage als Echtzeitstratgiespiel mit nur einem spielbaren Volk daherzukommen, ist einfach nur inakzeptabel. Sogar die Urväter moderner Echtzeitstrategie wie Command & Conquer boten zumindest Unterschiede in Sachen Gebäude und Einheiten innerhalb ihrer Fraktionen. Seitdem hat sich einiges getan im Genre, allerdings macht Bannermen oft den Eindruck, diese Innovationen verschlafen zu haben. So bleibt leider nicht genug übrig, um dauerhaft zu unterhalten.

Bannermen ist ein exklusiver PC-Titel.

Good

  • Abwechslungsreiche Kampagne
  • Grafisch ansehnlich

Bad

  • Langweilige Story und Präsentation
  • Nur ein spielbares Volk
  • Musik nervt schnell
4

Schwach

Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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