Backlog-games! : Mad Max

Backlog-games! : Mad Max

Backlog – das bedeutet Arbeitsrückstand oder Nachholbedarf. Und in Sachen Games, kann man bei der Menge, die jedes Jahr erscheint, gar nicht alles spielen, ohne etwas in Verzug zu geraten. Wir werfen einen Blick auf die Spiele vergangener Tage. Manches liegt länger zurück, anderes wiederrum ist gerade mal ein oder zwei Jahre her, aber alle haben sie eines gemeinsam: Sie sind es wert, nochmal beleuchtet und vor allem gespielt zu werden. In dieser Kolumne gehen wir auf eine kleine oder auch große Zeitreise und erleben dabei die Höhen und Tiefen der Spielevergangenheit. Den Anfang macht Mad Max.

Der Motor grollt und faucht wie ein wildes Tier. Die Reifen quietschen und qualmen, werden eins mit der endlosen Straße, die immer geradeaus führt, und die kein Ziel kennt. Der Staub wirbelt um die Karosserie, die metallisch in der gleißenden Sonne aufblitzt, ein kurzer Moment, in dem die Maschine vorbeirauscht und schon bald am Horizont verschwimmt. Ein Mann, dazu verdammt, auf ewig mit der Einsamkeit in seinem Herzen zu leben und den Dämonen seiner schrecklichen Vergangenheit davonzufahren, die ihm unaufhörlich und mit gewetzten Messern im Nacken sitzen. Sein Blick ist streng nach vorne gerichtet. Schweißperlen vermengen sich auf seiner Stirn mit Ruß und schwarzem Öl. Das unaufhörliche Rattern des Gefährts hallt in seinen Ohren, das stetige Beben um ihn herum wie die Gewissheit, dass er noch am Leben ist. Sein Name ist Max, und der Highway ist seine Existenz.

Mad Max, von Avalanche Studios entwickelt und 2015 von Warner Bros. Interactive Entertainment herausgebracht, ist der wahrgewordene Traum eines jeden Fans des Road Warriors. Die Vorlage dafür waren selbstverständlich die Filme von George Miller: Mad Max (1979), Mad Max 2 (1981), Mad Max: Beyond Thunderdome (1985) und vor allen Dingen der neueste Teil des Franchise, Mad Max: Fury Road (2015). Aber das Spiel ist in keinesfalls ein „Spiel zum Film“, denn Mad Max steht sehr gut auf eigenen Beinen, nimmt sich die kultigen und typischen Elemente der Filmreihe und macht sie sich zu eigen. Natürlich ist die Figur des Max dieselbe, optisch eine Mischung aus Mel Gibson und Tom Hardy, die den Road Warrior in den Filmen verkörperten, aber die Geschichte ist eine ganz neue.

Der autofahrende Messias

In einer schier endlosen Open World-Ödnis muss Max Rockatansky in diesem rasanten Action-Adventure quasi von Null anfangen. Nach einer Konfrontation mit dem wahnsinnigen Warlord Scabrous Scrotus, Sohn des Immortan Joe, den man aus Fury Road kennt, wurde ihm alles genommen, Waffen, Kleidung und sein kultiger Interceptor, und man ließ ihn letztendlich zum Sterben in der Wüste zurück. Zum Glück begegnet Max dem übereifrigen und leicht verrückten Mechaniker Chumbucket, der in Max eine Art autofahrenden Messias sieht. Chumbucket werkelt an einem Auto, das er liebevoll Magnum Opus getauft hat und für das ihm noch einige Autoteile fehlen. Eine Zweckgemeinschaft entsteht, und Max sieht seine Chance, die weitläufigen post-apokalyptischen Wüstenlandschaften mit Chumbuckets Hilfe zu durchqueren, um nach Gastown zu kommen, wo Scabrous Scrotus herrscht und sich das zurückzuholen, was ihm gehört.

Mad Max macht optisch unglaublich viel her. Die kargen, toten Landschaften, der aufgerissene Asphalt, Berge von Müll und Geröll, ganze Seen von schwarzem Öl und Teer, brennende Schornsteine, Smog, verdunkelter Himmel und unendliche Dunkelheit, durch die nur schwer Licht dringt. Man kommt sich wirklich vor, als würde die Welt jeden Moment endgültig untergehen. Dieses deprimierende und hoffnungslose ist der Inbegriff der Post-Apokalypse und lässt einen tief in die dichte Atmosphäre des Spiels eintauchen. Wenn dann auch noch ein Sandsturm ausbricht, der viel eher einem gewaltigen Orkan gleicht und die Schrotteile sowie Autos begleitet von tosendem Lärm einem um die Ohren fliegen, weiß man, dass die Lage ziemlich ernst ist.

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Je rasanter, desto stilechter

Das beste Mad Max-Feeling kommt definitiv bei den Rennen zustande. Sowohl die optionalen, bei denen man einen Konvoi verfolgen und das Zielfahrzeug mit der Harpune oder Explosionsstäben nach und nach auseinandernehmen muss, während man die Schutzfahrzeuge beiseite rammt, als auch bei den Hauptmissionen, die eher einem Hindernisparcour gleichen und wo man sich vor aus dem Boden schnellenden Autos, Flammensäulen oder tödlichen Pendeln in Acht nehmen muss. Je rasanter, desto stilechter ist da die Devise und das fängt das Spiel ziemlich gut ein. Die Faustkämpfe sind ebenfalls gut umgesetzt, ähneln jedoch mehr einem Wrestlingmatch als wirklichem Straßenkampf. Es geht jedoch ziemlich brutal her und der Griff zum Messer oder zur Schrotflinte aus nächster Nähe beendet jegliche Handgreiflichkeiten recht schnell. Mit den Buzzards, einer speziellen Gruppierung von Feinden, die stets im Dunkeln agieren, und mit rotglühenden Augen aus dem Boden hervorkriechen können, kommt auch ein Horror-Element ins Spiel. Diesen Herrschaften begegnet man vor allen Dingen in verlassenen Bahnhöfen oder unterirdischen Kirchenkatakomben und Gruften, da kann man es dann schon mal mit der Furcht zu tun haben.

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Vom technischen Aspekt her kommt Mad Max‘ Motor etwas ins Stottern. Hier und da ruckelt und rumpelt es, es gibt vereinzelt Bugs, die Max in Slapstick-Manie wie aus heiterem Himmel Radschlagen lassen, wenn ihn ein stärkerer Wind erfasst. Und es gibt keine Möglichkeit, es schneller Nacht oder Tag werden zu lassen. Für 1-2 Missionen muss eine bestimmte Tageszeit eingetreten sein, wobei man sich dann mit looten oder herumfahren die Zeit vertreiben muss, bis es beispielsweise endlich Nacht wird, um die Mission überhaupt starten zu können. Das ist zwar ärgerlich, kommt jedoch nicht häufig vor, aber es hätte wesentlich schlimmer kommen können. Ärgerlicher sind hingegen die Fahrten durch enge, verwinkelte Gänge, wie die Lobby eines stillgelegten Flughafens. Da Chumbucket das Auto nicht verlassen, man ihn als Sidekick aber stets dabeihaben muss, manövriert man das Auto in einer Schleichfahrt mühselig vor und zurück, anstatt einfach zu Fuß weiterzugehen. Da sehnt man sich schnell nach einer Tür, durch die das Gefährt nicht hindurchpasst sowie Max dann mit den Worten „Bleib beim Auto, ich geh alleine weiter“ aussteigt.

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Die ewige, endlose Routine

Die wohl größte Schwäche des Spiels ist eine, die sich zu deutlich bemerkbar macht, als dass man darüber hinwegschauen könnte: Repetition. Im Grunde genommen macht man in jeder Gegend immer das gleiche. Um die Anführer der jeweiligen Territorien auf seine Seite zu ziehen, muss man feindliche Lager aufreiben, Treibstoffdepots zerstören, Sniper ausschalten, Insignien des Scabrous Scrotus zertrümmern, Vogelscheuchen niederfahren, Konvois überfallen und vor allem eine ganze Menge War Boys verprügeln. All das ist an sich ganz gut umgesetzt, es kommt richtiges Mad Max-Feeling auf, wie man sie aus den Filmen kennt und macht wirklich Laune, aber nach der zweiten Gegend stellt sich eine Routine ein, die nicht wirklich neues bietet. Auch die Feinde variieren nach einer Weile nur in den Farben ihrer Masken oder Kleidung, sobald man mal jeden Typ kennengelernt hat. Man muss schon eine Menge Geduld aufbringen, will man wirklich jeden Quest lösen sowie jeden versteckten Schatz heben, aber das ist ja allgemein ein Problem von Open World-Spielen. Mit repetitiven Aufgaben wird die Spielzeit gestreckt, künstlich verlängert. Gerade da sollte man mit Nuancen und kleinen Veränderung für genug Abwechslung sorgen, damit es sich nicht ganz so anfühlt, als würde man den gleichen Kram immer und immer wieder durchkauen. Gerade bei Mad Max kommt man so auf eine Spielzeit von über 60 Stunden. 60 Stunden, die sich wie eine Ewigkeit anfühlen. Ein Durchrushen ist nicht wirklich machbar, da man sein Auto zumindest bis zu einem gewissen Punkt aufmotzen muss, um bei den Story-relevanten Automissionen nicht zu einem Schrottklumpen zermalmt zu werden. Zum Glück gibt es eine Schnellreisefunktion, ohne die man wahrscheinlich nach einer Weile auf dem Zahnfleisch durch die Wüste kriechen würde.

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Tüftler kommen aber trotzdem voll auf ihre Kosten, da man den Magnum Opus auf unterschiedlichste Art und Weise tunen kann. Die Karosserie, die Felgen, die V6 und V8-Motoren, sogar Stacheln und imposante Stoßstangen sind beliebig zusammenstellbar, je nachdem, wie man die Autoteile kombiniert, verändert sich die Beschleunigung, das Gewicht oder der Grip des Gefährts. So lässt sich der Magnum Opus an den eigenen Geschmack und präferierten Fahrstil anpassen. Und schließlich mit einem brandgefährlichen, chromfarbenen Zerstörer mit donnerndem Motor in Höchstgeschwindigkeit durch die Wüste zu rasen, macht einfach sehr viel Spaß.

Fazit

Alles in allem ist Mad Max trotz der Tatsache, dass es so wenig interessantes im Spiel zu tun gibt, welches sich nicht andauernd wiederholt, sehr zu empfehlen, und das nicht nur für Fans der Filme-Reihe. Das dystopische Setting, das Auto-Tuning, die skurrilen Charaktere, die rasante Action, all das zusammengefasst macht das Spiel zu einer besonderen Erfahrung, die man mal erlebt haben muss.

Mad Max ist für die PS4, die Xbox One, den PC, sowie als Download in den gängigen Stores überall erhältlich.

Space Cowboy und Teilzeit-Vampir. Immer schwer bewaffnet mit nem Controller in der einen und Kino-Ticket in der anderen Hand.

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