Attack on Titan 2 im Test: Die Titanen-Jagd geht in die zweite Runde

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Japanische Anime-Spiele haben keinen leichten Markt im westlichen Raum. Das japanische Erfolgsstudio Koei Tecmo mit Entwickler Omega Force versucht seit Jahren, ihre Franchises für den europäischen oder amerikanischen Markt schmackhaft zu machen. Vor allem ihre Musou-Titel (Games mit übermäßig vielen Massenschlachten) wie Dynasty Warriors werden den meisten ein Begriff sein. Mit Attack on Titan 2 setzen sie bereits den zweiten Ableger eines der erfolgreichsten Manga-Serien der letzten Jahre um, welche auch in Deutschland eine große Fangemeinde besitzt. Seit dem ersten Teil wurden viele überraschende Neuerungen vorgenommen, die das Titanen-Schnetzeln umso spaßiger gestalten.

Ein Wiedertreffen mit alten Freunden

Vorneweg: Sicher kann man Attack on Titan 2 auch ohne Vorkenntnisse der Serie spielen, aber als Nicht-Kenner entgehen einem doch erhebliche Story-Details und auch Atmosphäre, da das Wissen um die Figuren und ihre Hintergründe oftmals im Spielverlauf vorausgesetzt wird. Sicherlich kein absoluter Spielspaß-Killer, doch gehen die Entwickler klar davon aus, dass Gamer auch die Serie kennen. Attack on Titan 2 fasst die Vorgänge von Season 1 und 2 zusammen. Dabei spielen wir nicht den Helden der Serie, Eren Jäger oder einen seiner Freunde Mikasa oder Armin, sondern dürfen uns selbst einen Titanen-Jäger erstellen. Gut durchdacht haben die Entwickler dabei, dass unsere Figur hervorragend in die Geschehnisse der beiden Staffeln integriert wird, sodass wir mit unseren Helden gemeinsam die Schicksalsschläge durch die Angriffe der Titanen miterleben dürfen.

Allein der Charakter-Editor verdient eine Extra-Würdung, ist es mit ihm doch möglich, seinen Helden oder seine Heldin wirklich bis ins kleinste Detail zu verfeinern. Ist dies geschehen, erleben wir die wichtigsten Stationen der Original-Serie nach, wie der Titanen-Koloss die Heimat von Eren, Armin und Co. angreift und wie sich die Heldengruppe nach Zerstörung ebensolcher dem 104. Trainungsregiment anschließt, um Titanen-Jäger zu werden. Hervorragend inszeniert ist dabei, wie Spielgeschehen und Original-Serienszenen miteinander verflochten werden. Da haben sich die Entwickler wirklich Mühe gegeben, Spiel und Serie verschmelzen zu lassen.

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Freundschaft ist das Wichtigste

Leider kommt das Story-Telling im Game an sich nicht wirklich in Fahrt. Während die Cutscenes Bombe sind, erfolgt die Erzählung selbst leider durch Tagebucheinträge und Textbeiträge im Ladebildschirm. Ein Highlight des Spiels bleibt die Charakterisierung der Figuren. Neben den Kampfsequenzen kann man sich ebenfalls in der neutralen Zone der Stadt aufhalten, um mit den Kameraden zu plaudern, sich auszurüsten und zu verbessern. Hier ist der Rollenspielpart des Games am besten vertreten, denn man kann mit all seinen Lieblingen aus Attack on Titan kommunizieren und gar durch verschiedene Antwort-Optionen mehr und mehr deren Freundschaft gewinnen, was im weiteren Spielverlauf zu Boni führt. Allerdings gestaltet sich dieser Ausbau der Freundschaft im Spielverlauf weniger bedeutungsvoll als erhofft. Man kann nicht wirklich eine falsche Antwort wählen, um aus einem Teammitglied einen Feind zu machen. Nach und nach steigen alle mehr und mehr zu Freunden auf. Ebenso wirkt der Stadtteil sehr trist, denn die NPCs stehen mit ihren Sprechblasen wie Warnsignale mitten in der Gegend, sodass der eigentlich nett gedachte Rollenspielteil mit der Zeit mehr wie ein Abklappern aller Dialogpartner verkommt, um sogleich wieder in den Titanenkampf zu gehen.

Auch unter Rollenspiel-Aspekt versteht sich der Ausbau und die Erweiterung der Ausrüstung, sei es das Schwert oder das Fluggerät ODM. Ebenso kann man Rohstoffe sammeln und verkaufen. Diese sind beim Basisbau wichtig, da man im weiteren Verlauf des Games darauf angewiesen ist, Stützpunkte zu errichten, mit dem Ziel sich mit neuen Schwertern und Gas zu versorgen. So lassen sich auf dem Schlachtfeld Geschütztürme, Nachschschublager und Bergbauminen errichten, wodurch man sogar einen Hauch von Strategiespiel erhält.

Titanen-Geschnetzteltes

Kern des Games ist und bleibt aber der Kampf gegen die Titanen. Und hier macht das Game alles richtig. Das Game vermittelt einem ein Gefühl der absoluten Freiheit, wenn man sich durch seine Ausrüstung beinahe frei wie ein Vogel durch die Stadt oder Wildnis schleudert, um sich dann wie ein Blitz auf einen Titanen niederzuwerfen. Hier hat man allerdings schnell die Taktik raus, um einen Riesen zu Fall zu bringen, nämlich erst Beine, dann Arme und schließlich Körper anzugreifen. Die Taktik-Komponente erweitert sich durch das Kommandieren der Teammitglieder. Die Titanen unterscheiden sich auch je nach Größe und Art und werden nach und nach stärker. Die Kämpfe gestalten sich durch die verschiedenen Kampfmanöver schnell, spannend und werden durch tolle Finisher-Moves abgerundet, sodass eine tolle Atmosphäre entsteht, die einem wirklich nahe an das Gefühl der Serie heran bringt. Leider stellt sich auf Dauer aber auch Monotonie ein. Titanen glänzen nicht gerade durch ihre Intelligenz und je nach Aufstieg unseres Helden wirken die Kämpfe immer leichter und einfallsloser.

A_O_T_-2_20180523225251  Attack on Titan 2 Review

Fazit

Letztlich wird auch nach längerem Spielen deutlich, was man zu Anfang von Attack on Titan 2 vermutet hat: Es ist an Fans der Serie gerichtet. Diese werden auch mit dem zweiten Ableger ihren Spaß haben, insbesondere der Rollenspiel-Anteil mit den Figuren aus der Serie, welche man mittels Freundschaftssystem beeinflussen kann, wird Fans von Eren, Armin, Mikasa und Co. Freude bereiten. Auch das Miterleben der Highlights aus den ersten zwei Staffeln mit seinem selbst erstellten Charakter bereitet einem schöne Momente. Die Titanen-Kämpfe sind flüssig, krachen ordentlich und sind schön anzuschauen. Größtes Problem von Attack on Titan 2 ist die Abwechslung. Schnell erkennt man das Baukastenschema der Missionen und den Ablauf der Kämpfe, die sich ständig mit dem Aufenthalt in der Stadt abwechseln. Es wiederholt sich alles zu oft, sodass selbst eingefleischte Fans womöglich auf Dauer gelangweilt sein könnten.

Good

  • Schafft es perfekt, die Atmosphäre der Serie einzufangen
  • Vielfältiger Charakter-Editor
  • Rasante Titanen-Kämpfe
  • Freundschaftsystem mit Original-Figuren der Serie

Bad

  • Keine Abwechslung, schnelle Monotonie
  • Titanen-Kämpfe auf Dauer zu einfach
  • Geschichte wird durch Tagebucheinträge und Texteinblendungen im Ladebildschirm erzählt
7.5

Gut

Gamingnerd und Filmjunkie. Angefangen hat die Videospiel-Reise mit NES und Gameboy, seither der Gameswelt verfallen. Filme und Serien sind seine Passion seit er selbstständig den Fernseher bedienen konnte. Besitzt eine Affinität zu allen Technik-Innovationen und nerdigen Trends.

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