Startseite » Reviews » Entertainment Reviews » Animekritik: Himouto! Umaru-chan

Animekritik: Himouto! Umaru-chan

Mit der Kombination der beiden japanischen Begriffe „Himono“, welcher umgangssprachlich als Beschreibung für eine öffentlich sehr tüchtige Lady, im Geheimen aber eine eher ungepflegte Faulenzerin gebraucht wird, und dem japanischen Wort „Imoto“, welches „kleine Schwester“ bedeutet, ist die Beschreibung für Umaru perfekt. Die 17-jährige Oberschülerin lebt einen Alltag voller Bewunderung und Neid, den ihre Mitschüler ihr gegenüber empfinden. Sie ist allseits beliebt, ein Rundumtalent und wäre das nicht schon genug des Glücks, auch noch eine bildschöne junge Dame. Sobald Umaru zu Hause in ihrem Apartment ist, in dem sie mit ihrem großen Bruder lebt, sieht das jedoch vollkommen anders aus. Umaru, die sich, wenn sie könnte, den ganzen Tag nur von Chips und Cola ernähren würde, sitzt ununterbrochen an ihrer Konsole, ihrem Handy, schläft sabbernd auf dem Wohnzimmerteppich und drückt sich vor allem, was körperliche Anstrengung bedeuten würde, außer natürlich es dient ihrem Spaß.

Der 12-episodige Anime legt einen recht guten Start hin, indem er in der ersten Episode aus der Sicht von Umarus Bruder die Marotten des jungen Mädchens aufzählt und ihren Charakter mit ein paar netten Gags einleitet. Seine Erwartungshaltung nicht allzu hoch zu halten, ist bereits zu Anfang eines Anime, der sich mit dem „Himono“-Thema befasst ratsam.

Umarus Charakter ist simpel aufgebaut und umfasst einige wenige Eigenschaften. Da wäre zum einen ihr häufig aufkommender Egoismus in Bezug auf jede Situation in ihrem Alltag. Umaru denkt fast ununterbrochen an ihr eigenes Wohl und daran, was sie möchte und nicht möchte. Häufig zeichnerisch dargestellt durch einen Switch ihres Erscheinungsbilds von einer jungen Dame zu einer Chibi*-Form ihrer Selbst mit einem Hamster-Deckchen eingekleidet.

Zum anderen, auch wenn es zuerst paradox klingen mag, ihre selbstlosen Taten ihrer Freunde oder ihres Bruders gegenüber. Hier ist aber vor allem zu beachten, dass genannte selbstlose Taten nur deshalb selbstlos wirken, weil sie im Gegensatz zu Umarus ständigem Egoismus stehen. Im Grunde ist das, was sie in ihren netten Momenten tut meist eine Selbstverständlichkeit. Der Versuch Umaru in einem solchen Moment zu einer kleinen Heldin zu machen, scheitert meist deutlich an Umarus Absichten. Oftmals wirken ihre Taten auch nur aus Sicht anderer Charaktere freundlich und sind von Umaru nicht als solche beabsichtigt. Als Ausgangspunkt sind diese Charaktereigenschaften zwar noch immer nicht die eines Sympathieträgers, dennoch als solche zu akzeptieren, sollte eine charakterliche Entwicklung stattfinden. Je nach Serienformat ist das natürlich nicht zwingend notwendig, in einem Anime wie diesem wäre es aber dringend ratsam das Development der Charaktere vor allem hinsichtlich des Endes der Serie, als wichtigen Teil zu betrachten. Da Himouto! Umaru-chan eindeutig in das Comedy-Genre, und des Humors nach zu urteilen, für etwas jüngere Zuschauer einzuordnen ist, wäre vor allem als Abrundung des Anime ein herzerwärmendes Ende eine gute Wahl. Dennoch entschieden sich die Autoren des Anime dagegen eine deutliche Entwicklung bei der kindischen Umaru aufzuzeigen und so stirbt in der zweiten Hälfte des Anime die Hoffnung auf ein Ende, welches den Zuschauer sich mit Umaru versöhnen lässt. Nicht selten macht die siebzehnjährige Himouto wütend durch ihre ständigen Wutanfälle, welche sehr nah mit dem klassischen Fall des kleinen Jungen im Supermarkt, der seinen Lutscher nicht kriegt, zu vergleichen sind.

Umarus dritte, und letzte, Eigenschaft ist im Gegensatz zu den oben genannten Punkten eher positiv. Sie ist süß. Himouto! Umaru-chans größte Stärke ist der Humor, der von Umarus Niedlichkeit ausstrahlt. Zeitweise, wenn sie wirklich große Begeisterung für etwas hegt, ist sie ganz aus dem Häuschen und sicher ist, dass das ein oder andere Fangirl oder auch der ein oder andere Fanboy sich in solchen Momenten mit Umaru identifizieren kann. Ihr wahnsinniger Hype um Monster Fantasy (Monster Hunter), Last Fantasy (Final Fanatsy) oder Gapcom- (Capcom) Spiele ist in einigen Folgen schön in Szene gesetzt und trifft mit Sicherheit den Nerv von vielen Gamern, Serienjunkies oder Filmenthusiasten Grundsätzlich ist Umarus dringendes Verlangen danach, sich den ganzen Tag vor die Konsole zu hauen und nicht anderes zu tun, als zu zocken und Filme oder Serien zu schauen, auch ein sehr nachvollziehbares Konzept, wäre sie doch nur etwas rücksichtsvoller ihren Mitmenschen gegenüber.

*Chibi: japanisches Wort für „klein, winzig“ und im Anime-Fandom ein Idiom als Beschreibung für einen Charakter gezeichnet in kindlicher und niedlicher Form.

Animekritik: Himouto! Umaru-chan himouto-umaru-chan-episode-3-19

Die volle Breitseite ihrer schlechten Eigenschaften bekommt ihr Bruder zu spüren, der mit ihr in einem kleinen Apartment lebt. Taihei entpuppt sich relativ schnell als der eigentliche Sympathieträger des Anime, sonderlich viel Tiefe besitzt aber auch dieser Charakter nicht. An dieser Stelle stellt sich natürlich erneut die Frage, ob es in einem Anime wie Himouto! Umaru-chan überhaupt nach Tiefe in Charakteren verlangt, diese beantworte ich allerdings mit einem klaren ja. Das große Problem an dieser Stelle sehe ich vor allem darin, dass der Anime zeitweise kleine Versuche darin macht, den Charakteren eine gewisse Glaubwürdigkeit und Tiefe zu verleihen, zum Beispiel in dem nur ganz kurz eine Szene aus der Vergangenheit der Geschwister gezeigt wird, um ihre Liebe zueinander zu untermauern. Da dennoch in fortführenden Episoden nicht ein bisschen weiter auf solche Geschehnisse eingegangen wird, werden eben solche Szenen total unwichtig und fallen unter den Tisch.

Weitere Charaktere sind an dieser Stelle Ebina, bei der eben genanntes Problem ebenfalls stark auftritt und zudem nimmt sie den Ehrenplatz des Charakters mit den viel zu großen Brüsten ein. Bei ihr wirkt dieser klassische und auch stereotypische Teil in einem Anime deutlich gezwungener als wahrscheinlich beabsichtigt und macht die immer peinlich berührte Ebina, die beim Anblick von Taihei selten keine roten Ohren bekommt, zu einem nervigen Runninggag. Gleiche Kritik muss auch gegenüber Kirie und Sylphyn geäußert werden, auf die aber nicht mehr eingegangen werden muss, um das Ganze noch weiter zu untermauern.

Im Großen und Ganzen sind die Charaktere in Himouto! Umaru-chan viel zu oberflächlich und unglaubwürdig, um sie wirklich mögen zu lernen und sich mit ihnen anzufreunden.

Gerade zum Start des Anime hin, zeigen die ersten Folgen Potential für eine lustige und niedliche Story um zwei Geschwister und den Wahnsinn des Alltags. Danach sind kommende Folgen zwar unterhaltsam, aber weitestgehend eine Wiederholung bereits gesehener Gags und Ereignisse. Ihren Höhepunkt erreicht Himouto! Umaru-chan bei Folge 7, in der es um Umaru und ihren Bruder geht, die dem Zuschauer das Herz erwärmt und mit ein paar tollen Szenen zum Lachen bringt. Danach flacht die Qualität der Serie sehr stark ab und gegen Ende des Anime befindet sich der Zuschauer im Grunde an seinem Ausgangspunkt aus Episode 1 und stellt sich zu Recht die Frage, was genau diese zwölf Episoden ihm jetzt gegeben haben. Gerade an dieser Stelle wird wieder sehr stark deutlich, wie wichtig es ist, ein gutes Ende zu schreiben, welches einen Film, eine Serie oder einen Anime erinnerungswürdig macht. Himouto! Umaru-chan scheitert daran leider.

Positiv fällt der Anime zu Anfang mit lustigen Einfällen auf, das Copyright verschiedener Firmen nicht zu verletzen. In Anime ist es schon länger gang und gäbe kleine Teile einer Marke oder eines Eigennamens zu ändern, dieser Anime löst diese kleine Tradition sehr schön. Wie bereits oben kurz erwähnt finden sich immer wieder Parallelen zu Filmen, Spielen und anderen Dingen aus dem realen Leben und diese sind auch sehr niedlich verpackt. Genannte Parallelen finden sich auch in Himouto! Umaru-chans Intro, welches sehr lustig und nett anzusehen ist. Ebenfalls positiv, dennoch nichts herausragend besonderes, ist der Zeichenstil des Anime. Sauber, hübsch und auch hier an vielen Stellen wirklich niedlich.

Summary
Himouto! Umaru-chan besitzt einige Schwächen, die die potentielle Qualität des Anime stark nach unten ziehen. Gerade in Bezug auf ordentliches Storytelling und Characterdevelopment gibt sich die Serie zu wenig Mühe und hinsichtlich der letzten Episoden wirkt es fast so, als hätten die Autoren keine Lust mehr gehabt. Zusammengefasst hat die Geschichte um die siebzehnjährige Himouto dennoch einen gewissen Unterhaltungswert und Humor, der sicherlich gerade für Jüngere und Kinder spannend sein dürfte.
6.5
Okay
Written by
Game Design-Studentin, Teetrinkerin, Leseratte, Serienjunkie, Filmliebhaber, Videospielenthusiast.

Bewerte den Artikel

0 0

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Lost Password

Please enter your username or email address. You will receive a link to create a new password via email.