Agents of Mayhem Agents of Mayhem Review

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Nach dem man in Saints Row IV die Erde sprengte und danach buchstäblich zur Hölle fuhr, dachte man bei Volition, dass man mal eine andere Richtung einschlagen sollte. Mit Agents of Mayhem erkunden sie ein Universum, in dem es die Saints nie gab – aber dafür Comichelden, Superschurken und Geheimorganisationen.

 

Eine letzte Heiligkeit

Bevor wir zur Story kommen, sollte man vielleicht die unumgänglichen Vergleiche zu Saints Row besprechen: Das Logo ist eine abgewandelte Form der Saints-Lilie, die Hauptfarbe ist ebenfalls lila und tatsächlich basiert Agents of Mayhem auf einem alternativen Ende von Saints Row: Gat Out of Hell: In diesem Ende hatte Johnny Gat sich entschieden, die Geschichte der Welt neu schreiben zu lassen, die Erde wiederherzustellen, jedoch ohne, dass die Saints je existierten. An ihre Stelle trat die Superschurkenorganisation LEGION. die nach einem Ereignis, das im Spiel nur als „Die Nacht des Teufels“ bekannt ist, die Welt eroberte. Nicht die ganze Führung war überzeugt: Persephone Brimstone verließ LEGION schon bald danach. Mit Hilfe der Ultor-Gruppe (ebenfalls aus Saints Row) gründete sie eine Gegengruppierung: MAYHEM. Von ihr erlesene Agenten aus der ganzen Welt haben sich zusammengeschlossen, um LEGION zu bekämpfen und die Welt aus ihrer Hand zu befreien. Dieses Mal im Fokus von LEGION: Südkoreas Hauptstadt Seoul. Liebevoll animierte Zwischensequenzen nehmen einen Großteil der Story ein. Sie sind schön anzusehen, oft witzig und definitiv ein Highlight der Präsentation

Mehr als nur ein bisschen Inspiration holt sich Agents of Mayhem bei der Auswahl seiner Charaktere bei Overwatch: Ein breit gefächertes Team verschiedenster Nationalitäten und Ethnien ist Teil der zwölfköpfigen Auswahl. Bei jedem Einsatz hat man von denen jeweils drei zur freien Auswahl, je nach Situation, wie man sie sich zu Beginn zusammenstellt. Diebin Fortune, Ex-Schauspieler Hollywood sowie der bärige Seemann Hardtack sind die Charaktere, mit denen man startet. Bis auf wenige Ausnahmen muss man die restliche Besetzung über ihre Nebenmissionen frei spielen. Diese dienen gleichzeitig als Charakter-eigenes Tutorial, mit denen man die Fähigkeiten besser kennen lernt. Einige Leute sind durchaus wiedererkennbar: Hinter Kingpin versteckt sich z.B. Saints Row-Veteran Pierce Washington und der bullige, eiskalte Yeti entpuppt sich als der ebenso extrem smarte Oleg Kirlov, bekannt aus Saints Row: The Third.

Unterschieden werden die Charaktere durch ihre Bewaffnung, die Art, wie sie sich fortbewegen, Spezial- und Mayhem-Fähigkeiten sowie ihre Spezialisierung, von denen ab Level 10 jeweils eine zweite dauerhaft verfügbar wird. Dazu gibt es auf jedem Level Talentpunkte, die in eine von vier Eigenschaften gesteckt werden. Yakuza Oni zum Beispiel hat ein Faible für das Ausschalten großer Gegner, während Tüftlerin Joule einen Geschützturm für sich arbeiten lässt. Rollerderby-Spielerin Daisy trägt wiederum eine große Minigun mit sich herum, mit der sie Rüstungen knackt. Schließlich wäre da noch die mysteriöse Scheherazade, die als einzige ohne Schusswaffe auskommt und stattdessen ein Katana sowie Wurfmesser vorzieht. Mit ein wenig Zeit findet man seine allgemeinen Favoriten. Ein kleines Highlight sind die persönlichen Nebenmissionen für jeden Charakter, die komplett mit eigener Titelkarte wie in alten Zeichentrickfilmen daher kommen. Nicht nur dienen sie als gute Möglichkeit, ein wenig mehr Persönlichkeit rein zu bringen. Sie sind gleichzeitig auch ein paar der best gestalteten Missionen des Spiels – aber Achtung: Das hat auch eine Kehrseite.

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Uns gingen die Ideen aus

Denn die Hauptgeschichte ist leider ziemlich dröge. LEGION gegen MAYHEM ist nicht mehr als eine simple Gut gegen Böse-Geschichte, wie man sie aus alten Zeichentrickserien der 80er Jahre wie G.I. Joe oder Transformers kennt. Hauptfeind ist der finstere Dr. Babylon und ihm zur Seite steht eine Reihe von Handlangern, mit denen man nach und nach fertig werden muss. Hier kommt das eigentliche Problem von Agents of Mayhem hinzu: Die Missionen selbst sind, mit wenigen Ausnahmen, immer nach dem gleichen Schema aufgebaut oder beinhalten mehrere aneinandergereihte Nebenaktivitäten, meist mit einem Ausflug in das schier unerschöpfliche Netzwerk von unterirdischen LEGION-Anlagen unter Seoul. Wenn man sich eine Weile mit allem beschäftigt, fällt es schnell auf, wie eintönig das Hauptmissionsdesign eigentlich ist. Dazu kommt noch, dass Seoul eine erschreckend kleine offene Welt bietet, sogar kleiner noch als die Hölle aus Gat out of Hell. Dazu gibt es dieses Mal keine Geschäfte, so dass der Spieler gezwungen ist, auf die doch sehr eingeschränkte Auswahl von Anpassungsoptionen beschränkt zu bleiben, die einem das Spiel bietet.

Immerhin macht Agents of Mayhem einen guten Job dabei, die offene Welt – auch wenn sie nicht viel mehr als ein Missions-HUB ist – mit Inhalten zu füllen. Kleine Aufgaben, mit denen sich Rohstoffe verdienen lassen, über die Stadt verteilte Splitter (ähnlich denen aus Saints Row IV und Gat out of Hell) sowie Truhen mit möglichen Belohnungen. Auch muss man ein paar Mal um die Ecke denken, denn die Dächer vieler Hochhäuser erreicht man nur durch geschickte Sprünge nach oben. Außerdem sorgen Übernahmen von Außenposten dafür, dass die Nebenaufgaben praktisch ständig neu verteilt werden. Zur Atmosphäre eines alten Actioncartoons tragen auch die Ladebild-Sprüche bei, jedes Mal wenn man zum Hauptquartier, der ARK, zurückkehrt.

Eine große Sache die unter den Tisch fiel ist Co-Op. Hatten bisherige Saints Row-Spiele immer die Möglichkeit, online mit einem zweiten Spieler gespielt zu werden, so ist man in Agents of Mayhem ausschließlich allein unterwegs. Man kann sich nur indirekt Hilfe holen für sogenannte Verträge, in denen man online Ziele abschließt, bei denen sich andere Spieler anschließen können.

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Technisch ok mit kleineren Bugs

Steuerungstechnisch unterscheidet sich Agents of Mayhem nicht sehr von Saints Row. Anstatt die Waffe zu wechseln, wechselt ein Druck auf das Steuerkreuz den Helden. Die Kreis-Taste dient einer Spezialfähigkeit wie Ausweichen oder Tarnen. Manchmal bereitet die Dreieck-Taste Kopfzerbrechen, denn sie dient sowohl zum Scannen der Umgebung als auch zum Einsteigen in Fahrzeuge. Zu oft kommt es vor, dass man versehentlich in ein Auto einsteigt als zu scannen.

Auf lizenzierte Musik muss man dieses Mal verzichten; was man zu hören bekommt, ist größtenteils nur ok. Grafisch wird ebenfalls keine Innovation erreicht. Sie ist farbenfroh und dient gewollt dem starken Comicton, aber wirkt dabei fast, als hätte sie auch auf der letzten Konsolengeneration funktioniert. Bei schnellen Autofahrten nimmt zudem die Bildwiederholrate ziemliche Einbuße.

Ein paar Bugs fielen mir auf. Nichts Weltbewegendes, aber einmal musste ich einen Checkpoint neu laden, weil ein Gegner in einer nicht betretbaren früheren Arena nicht als tot registriert wurde. Bei einem anderen Mal musste ich das Spiel neu starten, weil eine Mission sich weigerte weitere Ziele zu aktivieren.

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FAZIT: Unaufgeregte Comicaction

Am Ende ist zu sagen, dass Agents of Mayhem leider nichts tut, um aus dem Format, in das es passen möchte, auszuscheren. Sehr oft wurde ich während meiner Zeit damit an Warners Mad Max-Videospiel erinnert: Ein einfaches, relativ innovationsloses Open World-Spiel, das aber immerhin erlaubt, viel Zeit totzuschlagen. Mad Max voraus hat es hingegen die praktisch unerschöpfliche offene Welt und den Comiccharme. Fans von Saints Row werden allerdings die allgemeine Abgefahrenheit vermissen. Klar, es ist immer noch humorvoll, aber bedeutend zahmer als noch Volitions alte Serie. Wer einfach nur Zeitvertreib sucht, kann hier ohne Weiteres zugreifen.

Gespielt wurde die digitale Version auf PS4. Es ist außerdem erhältlich für PC und Xbox One.

Good

  • Atmosphärische Präsentation
  • Sehr große Auswahl spielbarer Charaktere
  • Viel zu tun

Bad

  • Technisch nicht herausragend
  • Laues Missionsdesign
  • Kein Co-Op
7

Gut

Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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