Battlefield-Hardline-BFH_PoliceArrest

Battlefield Hardline

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8.6

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Warum Battlefield Hardline ein gescheitertes Battlefield ist

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Battlefield Hardline blieb seit jeher in seiner Beliebheit hinter den übrigen Teilen zurück. Doch woran ist es gescheitert? Rasante Verfolgungsjagden, actiongeladene Schusswechsel und Battlefield-ähnliches Gameplay. All das bietet Battlefield: Hardline, das im März letzten Jahres als Battlefield-Spinoff von Visceral Games, den Dead Space-Entwicklern, erschienen ist. Battlefield: Hardline wusste zu begeistern, was sich auch in der Bewertung meines Reviews niedergeschlagen hat. Doch im Laufe der Zeit kamen immer mehr Ungereimtheiten zu Tage. Heute gleichen die Server dieses AAA-Shooters gar einer Wüste.

Warum verschmähen die Spieler Hardline? Hardline mangelt es an einer klar umrissenen Identität. Es versuchte sein neues Setting, irgendwie mit der alten Formel unter einen Hut zu bringen. Am Ende blieb Hardline irgendwo in der Mitte von beidem stehen. Dadurch ist es weder ein richtiger Crime-Shooter noch ein richtiges Battlefield.

Wie kann das sein? Wie kann es sein, dass Hardline gescheitert sein soll wenn sein Klassen-Konzept erheblich besser ist als das von Battlefield 4?

Hardline’s Klassenkonzept leidet nicht annähernd an einer Schwämme von Waffen mit indirektem Feuer. Diesen groben Schnitzer von Battlefield 4 sucht man hier vergebens. Auch das durchgehende Aufweichen der Klassenrollen vollzieht Hardline nicht und verfügt über ein solides Klassen-Konzept. Dafür schwächt es dieses an anderen Stellen: Wie in Battlefield 4 gibt es dutzende halb-sinnvolle Tools wie den Kletterhaken in Hardline, die dazu ermuntern andere essentielle Werkzeuge wie bspw. Medikits nicht mitzunehmen. Dazu kommen Masken für die der Spieler wieder ein essentielles Teamplay-Gadget aufgeben muss. Hardline stellt sich ernsthaft vor die Spieler und lässt diese zwischen Wiederbeleben und Dinomasken entscheiden. Kann das zuträglich für das Teamplay in einem Spiel sein?

In einem Shooter fällt die Waffenbedienung natürlich zu allerst auf: Bezogen auf das Franchise passen Hardlines Schusswechsel weder zu den neuen noch zu den alten Battlefield-Spielen. Im Vergleich zu den früheren Teilen ist das Franchise heute etwas arcade-lastiger und setzt daher eher auf etwas weniger Waffenschaden und mehr Bewegung. Daraus ergibt sich in Battlefield 3 und Battlefield 4 ein recht schneller Shooter, ohne eine steile Eingewöhungskurve. Hardline erhöht zwar einerseits den Waffenschaden, was theoretisch in höheren Anspruch münden könnte, behält andererseits die hohe Spielgeschwindigkeit und die einfache Waffenhandhabung bei.  Dadurch ergibt sich ein recht unruhiges Spielgefühl, das es fast zu einem Deckungsshooter auf Speed werden lässt. Ebendies passte nicht in die Wunschvorstellung der Fans.

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Battlefield 4 erfreut sich bis heute anhaltender Beliebtheit.

Was Hardline jedoch noch mehr geschadet hat, ist die anfängliche Inhaltsschwäche. Während Battlefield 4 seine Spieler fast in Waffen ersticken lässt, bot Hardline lange zu wenig Spielzeuge. Verstärkt wurde dies durch ein krudes Balancing, das die wirklich nutzbaren in dieser Menge auf eine Handvoll beschränkte. Dies schadete der Abwechslung im Spiel erheblich. Daraus folgend machte sich Langeweile und Frust breit und so mancher Spieler verließ genervt das Spiel. Im Verlauf der Patches hat Visceral Games hier mit mehreren Schüben kostenloser Waffen zwar nachgelegt: Doch der Schaden war schon angerichtet.

Weitere Schäden hinterließen Probleme bei den Modi: Hotwire steht für Verfolgungsjagden und wilde Feuergefechte zwischen Kriminellen und Cops. Es hätte einer der Kernmodi von Hardline werden sollen. Während er in der Beta halbwegs gut funktionierte, kann er inzwischen nur noch als Totalschaden erachtet werden. Die Mechaniken in ihm funktionieren einfach nicht. Eigentlich ist Hotwire als eine Art Conquest mit fahrenden Flaggen gedacht. Spieler erobern Vehikel, die sie auf Geschwindigkeit bringen müssen, um Tickets der Gegner ausbluten zu lassen. Theoretisch sollten sich hierdurch rasante Verfolgungsjagden ergeben. Praktisch campen beide Teams und sprengen die Fahrzeuge mit allerhand explosiven Waffen in die Luft.

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Battlefield: Bad Company 2 profitierte von seinem Rush-Modus und glich so seine Conquest-Schwäche aus.

Ein Modus, der nicht so gut funktioniert, ist verschmerzbar. Immerhin sind die meisten Modi von Battlefield 4 ebenfalls mehr als bescheiden. Allerdings schwächelt Hardline besonders im Signaturmodus der Reihe. Battlefield: Hardlines Eroberungsmodus hinkt seinen spirituellen Vorgängern weit hinterher, was vor allem an den Schlachtfeldern liegt. Allgemein begeht die Umsetzung von Eroberung nicht einmal große Fehler, sondern dessen Maps lösen die Problematik aus. Während Battlefield 4 manchmal etwas zu viel Wert auf aufregende Optik  legt, scheinen Hardlines Karten und vor allem die Flaggenpunkte alle etwas zu ähnlich und zu alltäglich zu sein. Manchmal scheint es so, als wären die Flaggen willkürlich in die Landschaft gesetzt worden, während in Battlefield 4 die ganze Karte um sie herum designt wird. Zugegebenermaßen überzeugte Eroberung in Battlefield Bad Company 2 auch nicht und das gilt immerhin als eines der besten modernen Battlefield-Spiele. Dafür führte es den für das Franchise revolutionären Rush-Modus auf dem PC ein, der in ihm wirklich grandios funktionierte. Doch Hardline ignorierte ihn: Sein Heist ähnelt Rush zwar oberflächlich, kommt aber nicht an dessen Qualität heran. Sein zweiter guter Modus Bloodmoney bleibt gegenüber diesen zwei großen Lücken, die das fehlende Rush und der mittelmäßige Conquest-Modus hinterlassen, nur Resignation übrig.

Mit seinem Setting hat es sich Hardline von Anfang an nicht leicht gemacht und sein späteres Schwächeln bereits selbst begründet: Battlefield lebt von seinem militärischen Szenario. So schön man sich auch über Militärshooter lustig machen kann, Battlefield ohne ein Militärsetting funktioniert scheinbar nicht. Es lebt von der Kombination von Infanteriegefechten, Gefechten in der Luft, auf dem Wasser und aus den Kabinen von schweren Panzern. Hardlines Limousinen und Muscle-Cars können diese Lücke einfach nicht füllen. Das Crime-Setting arbeitet konsequent an den Wünschen der Zielgruppe von Battlefield vorbei. Folglich war die Fanbase vom ersten Moment skeptisch eingestellt.

Nichtdestotrotz hätte das nicht das Ende für Hardline sein müssen, da ein konsequent umgesetztes neues Setting auch eine neue Spielerschaft hätte heranzüchten können. Diese hypothetische Entwicklung versiegte im Verlauf des ersten Lebensjahres. Verantwortlich hiefür ist, dass sich Hardline trotz des unorthodoxen Settings nicht genug getraut hat. Die Entscheidung einen Crime-Shooter zu entwickeln allein hat gereicht, um die alten Fans vor den Kopf zu stoßen. Visceral hat sich dennoch sichtlich bemüht, das alte Konzept in sein neues Spiel zu implementieren. Hardline sollte immerhin dem Namen der Reihe gerecht werden. Das war ein Fehler. Denn dadurch konnte nur ein Mischwesen aus beiden Welten entstehen.

Deswegen betitelt die eine Seite der Kritiker Hardline auch als eine Kopie von Battlefield 3 und 4 und die andere Seite Hardline als ein ketzerisches Abweichen von der Battlefield-Rezeptur.

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Alles in allem hätte sich Hardline vielmehr auf seine Crime-Seite beziehen und sämtliche Altlasten über Bord werfen sollen. Dann wäre es wohlmöglich heute ein deutlich lebendigerer Shooter.

Macht das Hardline zu einem schlechten Spiel? Nein, grundsätzlich ist Battlefield Hardline ein Spiel, mit dem man Spaß haben kann. Auch ich hatte großen Spaß mit  Battlefield: Hardline zu seinem Release. Alles in allem betrachtet dieser Artikel Hardline ganz eingeengt auf seine Verbindungen zum Franchise und die Ausarbeitung seines Settings.  Alles in allem ist es kein besonders herausragendes Battlefield. Es hat sich nicht genügend getraut, nicht genügend von den anderen Spielen losgesagt und auch noch bei den beibehaltenden serienspezifischen Features grobe Fehler begangen. Das Experiment Hardline hat nicht komplett funktioniert. Die Mühen und die stringente Patcharbeit kann man Visceral Games dennoch zu Gute halten.

Profilbild von Connor Schönberner
Spielt meist Shooter, Strategiespiele oder Rollenspiele. Neuerdings Student der Informatik.

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